G’N’F’R

Gerade zeigt MTV den Rock am Ring f?r alle, die sich f?r Festivals zu alt f?hlen und/oder lieber trockenen Fu?es daheim in der ersten Reihe sitzen. Nun l?uft der Mitschnitt von „Velvet Revolver“, und ich frage mich ernsthaft, warum sich das die Leute heute erstens ?berhaupt geben und zweitens, warum die vor Ort versammelte Meute so kra? dabei abgeht.
Aber eigentlich ist das doch recht schnell gekl?rt: Das ist Guns’N’Roses nur ohne den l?cherlichen Axel Rose. (Was treibt der Bursche eigentlich? Frauen pr?geln? Saufen? -Klar, nur in welcher Reihenfolge?) Und was klickt da in uns allen? Slash, der wahrscheinlich beste -lebende- Gitarrist der Welt, der heute zwar noch mit engster Jeans, Afro-M?hne und Zylinder wie aus G’N’R-Zeiten die Gibson w?rgt, aber keinen Jackie mehr zwischen den Tracks schl?rft. Duff McKagan, der erblondete Bierbauch am Bass, den wir irgendwie immer eine fiese Dumpfbacke fanden, weil er weder aussah, noch richtig cool war, aber daf?r immer m?chtig verlumpt und vor allem besoffen r?berkam. Oder ist es Matt Sorum, der unscheinbare Honk am Schlagzeug, der nie so cool wie Lars Ulrich sein wird, egal, ob er nun blonde Dauerwelle oder einen nasty Kurzhaarschnitt unter dem Bandana versteckt. (Zu Matt Sorum f?llt mir noch grad das Dummgeseier von einem Schmock auf einer der England-Reisen ein: „Matt Sorum? -Der hat’s doch voll net drauf! Der Drummer von Sepultura ist viel besser!“)Wie hie? eigentlich der Typ am Keyboard damals? Komme grad nicht drauf… Also vermissen wir eigentlich doch nur noch unseren Axel (der S?nger von Velvet Revolver geht ja mal gar nicht, diese Tucke!), wenn wir uns vorstellen, jeden Moment kommt der Typ im Holzf?llerhemd und Radlerhose auf die B?hne geturnt und singt, als w?re die besagte Hose an bestimmten Stellen zu eng. Kurz: Was soll dann Velvet Revolver? Braucht das jemand? -Ja, um sich vorzunehmen, morgen erstmal die Use Your Illusion 1 & 2 rauszusuchen f?rs Auto nach mp3 zu rippen. Das gabs damals noch nichtmal. Irre. Kleine Zeitreise. Danke MTV.

Wie die Fliegen

Seit einer Woche traut man sich ja kaum noch was zu bloggen, weil alle m?glichen Leute wie die Fliegen wegsterben. Erst Harald Juhnke, ?ber dessen Tod keiner so wirklich berichten konnte, weil jeder Sender dauernd die allerneuesten Neuigkeiten zum Zustand des Papstes mitteilen mu?te. Ich fand den Zirkus um das Ableben des Papstes schon sehr skurril und mindestens weltlich. Warum der Mann sich aber nun aufgebahrt im Petersdom zeigen l??t, kann ich nicht wirklich nachvollziehen, ja ich finde es sogar leicht pervers, was da f?r ein Totenkult gehalten wird. Da pilgern Millionen nach Rom, um sich einen halben Tag lang in die Schlange zu stellen, und wenn sie zwischendurch nicht umgekippt oder anderweitig kollabiert sind, haben sie f?r ca. 10 Sekunden einen Blick aus 5 Metern Entfernung auf den Leichnahm eines alten Mannes. Auch wenn es deplaziert ist, da von Effizienz zu sprechen, so hat der geneigte Fernsehzuschauer auch da das bessere Bild, sitzt quasi wiedermal in der ersten Reihe. -Nichtsdestotrotz ist der Vatikan eine Reise wert; der Petersdom ist die beeindruckenste Kirche, die ich je gesehen habe. Gut, aber verstehen mu? ich diese Menschen, die sich da freiwillig einreihen, zum Gl?ck nicht. Schlie?lich werde ich eh in der H?lle schmoren, ich, der als ehemaliger Protestant auch noch zu allem ?berflu? g?nzlich aus dem Club ausgetreten ist.
Gestern dann F?rst Rainier von Monaco. Staatstrauer, 110%ige Media-Coverage par excellance. Meine G?te, nicht mal in unbemerkt sterben kann so jemand! Ich hatte ja schon mit den ganzen Live-?bertragungen der zehntausend Royal-Hochzeiten meine Probleme, aber rund um die Uhr auf allen Kan?len permanent mit Trauerflor bedr?ngt zu werden, ist nun wwirklich endg?ltig nicht mein Fall. Man wei? ja auch gar nicht, ob das nicht vielleicht alles Schicksal ist, das hier die Hochzeit von Segelohr-Charles mit Bratzen-Camilla zu verhindern versucht…
Um es einmal mit Peter Lustig zu sagen: „Und nicht vergessen: Abschalten!“

Fukitol

Eben sagt die biedere Nachrichtensprecherin im Ersten, da? eine krasse Grippewelle ?ber Deutschland hereingebrochen ist. Das sei fast so wie mit den m?chtig-winterlichen, aber unerwartet und ungelegen gekommenen Schneef?llen. Sie meint, wer heute noch nicht zu der Gruppe von jedem Zweiten geh?rt, der in Deutschland von der Grippe daniedergestreckt wurde, der m?sse wirklich ein tolles Immunsystem haben. -‚Oder seit 6 Monaten kaum noch das Haus verlassen haben, weil man wegen anhaltender Beschwerden mit der Diplomarbeit an den Schreibtisch gefesselt ist und es schon fast wehtut, wenn man die Beine aus der im Sitzen beinahe obligatorischen, abgewinkelten Haltung ausstreckt‘, dachte ich bei mir. W?rde ich nicht in einem Haus wohnen, in dem der eine Teil der Bewohner die friedliche Coexistenz mit allerlei gesundheitssch?dlichem Getier im Mikro-, Makro- und wohl auch Nanobereich pflegen m?chte, w?rde ich bestimmt schon erkranken, wenn ich auf den 50 Metern zum B?cker ein paar Liter frische, Elektrosmog-freie Luft einatmete.
Die Decke kann einem nicht mehr mehr auf den Kopf fallen, da sie schon seit einiger Zeit auf selbem zur Ruhe gekommen ist, was zus?tzliche Kopfschmerzen bereitet. Nach sovielen Stunden Face-to-Face mit der TFT-Technik von Samsung kann ich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit behaupten, da? mein Ger?t frei von Pixelfehlern ist – ich habe unter der Gesamtheit von 1280×1024 Bildpunkten keinen einzigen Toten ausmachen k?nnen. Ein Tag ohne Internet ist ein verlorener Tag, weil ich sonst nicht wei?, was ich noch runterladen oder ?ber was ich mich langweilen sollte. Ich k?nnte fast damit beginnen, aus meinem at-home Schreibtisch einen dieser Devotionalien-Schreine an Arbeitspl?tzen zu machen, wie ich sie damals bei Mercedes ?berall gesehen habe: Kuscheltier links, Bild von der Muddi samt Sohnemann rechts, Pl?tzchen und S??igkeiten, zwischendrin ?-Eier Figuren, Kaffeebecher mit anz?glichen pseudo-Witzen drauf, Mikrokosmos-Bastelwerke wie customizede Stifthalter oder selbsterstellte, ultra-praltische Abk?rzungsverzeichnisse auf dem Notizblock. -Weird, oder? Da sitzt der Mann hier vor seinem Rechner und erstarrt fast in Tristesse, andererseits geladen bis unter die Hutkrempe, extrem explosiv, und mit gelegentlichen Explosionen vom monotonen Surren des Rechnernetzteils ablenkend. (Am Wochenende hab ich ?brigens empirisch herausgefunden, wie fest man eine solide IntelliMouse ?lterer Bauart gegen die Wand werfen mu?, damit sie birst und einen waschechten Platinenbruch erleidet. -Meine Mutter freut sich deswegen seit heute ?ber eine neue Maus…) Keine Energie mehr f?r die Fertigstellung der Arbeit zu besitzen glauben ist eine Sache, paart sie sich allerdings mit selbstinduziertem Zeitdruck und einem nicht zu verleugnenden Bed?rfnis nach Best?tigung f?r die ganzen Monate der Entbehrung, dann wird es schon echt gemein. Holt einen dann zu allem ?berflu? erneut bei der Analyse das „leere Blatt Syndrom“ wieder ein und lacht einem frech ins Gesicht, auch noch am dritten Tag vor der selben Zeile im Dokument, dem selben blinkenden Cursor, den gleichen Aufzeichnungen im Manuskript, und als ob das noch alles nicht genug w?re, st??t man permanent an seine Grenzen, merkt, da? man eigentlich ja gar keine Ahnung von dem hat, was man da tut oder besser tun soll…… dann Freunde, dann wird es zu dem, was ich heute Abend durchgemacht habe. Heulen oder kotzen… schon klar, nur in welcher Reihenfolge?
Wenn ich hiermit durch bin, schenktt man mir am besten erstmal einige Sitzungen bei einem Psychotherapeuten und schickt mich ein paar mal mit auf ein Re-Sozialisierungsseminar, damit ich ?berhaupt wieder lerne, da? ein soziales Umfeld auch anders antizipierbar ist als via ICQ, das Internet, oder per Telefon. Nichts hindert mich daran, rauszugehen und mir jeden Abend mit maximal-oberfl?chlichen Leuten, die ich nichtmal kenne, richtig einen auf die Lampe zu gie?en und an dem teilzunehmen, was sich viele so gern als „das Leben“ sch?nzureden versuchen. Meine Schwester sagt, ich soll mich betrinken. Gute Idee, ist mir auch schon in den Sinn gekommen. Ich h?tte offengestanden die allergr??te Lust dazu. Nur nicht auf das Gef?hl am n?chsten Tag, weil ich sicher bin, da? ich einen ganz sch?nen Pegel br?uchte, damit es nicht mehr so dr?ckt zwischen den Schl?fen. -Schl?fen…. schlafen…. gute Idee… morgen ist wieder ein neuer Tag.

Also das mit diesem Europa ist ja echt eine gute Sache gewesen: Da sitzen in einem unscheinbaren Hotel im sch?nen Kaprun im ?sterreichischen Pinzgau friedlich ?sis, Deutsche, Russen, Polen, Ungarn und Briten im selben Speisesaal und fallen gemeinsam ?ber landestypische K?stlichkeiten her. Nur ein Club Holl?nder st?rt die friedvolle Co-Existenz, aber dazu sp?ter mehr.
Na im Ernst, wer heute in Europa reist, mu? sich schon sehr anstrengen, am Urlaubsort nicht allerorts einen wahren Kessel Buntes zu erleben. Wer ?berdies nebensaisonal nach ?sterreich zum Skifahren f?hrt, der tut schon fast gut daran, sich darauf einzustellen, da? er im Lift und der Seilbahn keinen auf Deutsch ansprechen braucht, da w?re Russisch schon angemessener. Oder eben eine andere slavische Sprache, zur Not Englisch, auch wenn man das der anderen meistens nicht versteht. Ich m?chte echt mal wissen, wer die L?ge von der Anpassung des Lebensstandards in die Welt gesetzt hat! Wenn ich mir so betrachte, was die Urlauber aus dem Warschauer Pakt finanziell so drauf haben, dann kann ich mir schon nur noch w?nschen, da? unser Lebensstandard auf deren gehoben wird! -Die Rechnung ist n?mlich eine ganz einfache: Was m?ssen diese Leute, die mit einem 7er BMW aus Bulgarien, einer E-Klasse aus Rum?nien, einem ML aus Russland, oder mit waswei?dennich selbst aus Litauen anreisen, denn in lokaler Kaufkraft erst verdienen, wenn die sich einen Saus-und-Braus Urlaub in ?sterreich leisten k?nnen? -Ach, jetzt h?tte ich beinahe vergessen, da? die meisten nat?rlich auch in einem Spyder-Anzug stecken und das neueste und teuerste Ski-Equipment haben. Zudem verputzen die mittags derartige Portionen, da? man denken m?chte, abends im Hotel g?be es nichts mehr. Tja, da steht man ganz sch?n auf dem Schlauch, wenn man das begreifen m?chte.
Aber ich will ja nicht nur ?ber die Russendisko sinnieren, sondern auch ein paar mehr Wort ?ber den Urlaub verlieren. Zugegeben, als ich heute morgen in das unsch?ne, nass-kalte Grau-in-Grau geschaut habe, war die Gesamtmenge meiner Erholung schon gef?hrdet. Seit ich nun aber wieder am Rechner sitze und in Excel und Word reinstiere, schrumpft das gute Gef?hl, das ich noch vorgestern im ?berflu? besa?. Allerdings mu? man sagen, da? es redlich erworben wurde! So richtig formvollendet mit allem, was zu einem perfekten Winterurlaub dazugeh?rt: Keine Staus bei der An- und Abreise, ein gutes Hotel mit besagt gutem und viel zu viel Essen, sehr gute bis brauchbare Pistenverh?ltnisse, traumhaftes Wetter an 5 von 6 Skitagen, die richtige Kleidung, und nat?rlich die richtige Begleitung! Es w?re gelogen zu sagen, wir h?tten es uns nicht gutgehen lassen.
Allerdings komme ich auch diesmal nicht umhin, mich beschwerend ?ber mein Gastland (das hiesige) zu ?u?ern. Leute, dieses mal haben sie es wirklich geschafft, mich an den Rande des Amoklaufs zu bringen. Es waren nicht die Einzelf?lle, die mich zum Platzen gebracht haben, es war wie immer die Summe der Tropfen, die das Ma? gef?llt und beinahe zum ?berlaufen gebracht hat. Ungelogen, sowas hab ich selten erlebt. Hier die Highlights: Am ersten Tag, bei der ersten Bergfahrt setzt uns das Schicksal eine Handvoll Halbstarker holl?ndischer Gro?m?uler in die Gondel. Das schlimme daran war zun?chst eigentlich nur, da? ich dieses ganze dumme Geschw?tz von denen verstanden habe. So erfuhr ich, was Senseo-Kaffee mit dem weiblichen Unterleib zu tun hat und auch, da? dieser ganz entschieden den Geschmack beeinflu?t. Wahnsinn, und ich bin mir 100% sicher, da? ich das richtig verstanden habe. Ach ja, und ich habe noch ein neues Wort gelernt, n?mlich ‚combinatie-schijt‚, und zwar auf extrem eindringliche Weise. Durch die Nase. Mann, Mann, echt ohne Worte – ich war wie benebelt, honestly. Wer so furzt, in einer vollbesetzten Gondel, der ist nicht nur extrem primitiv, sondern der geh?rt eingesperrt, und zwar luftdicht, soda? er an seinen eigenen Darmwinden zugrunde gehen m?ge. Oder, wie hei?t es so sch?n: Tot de schijt ons doodt.
Der zweite Aufreger war dann der Idiotenclub im Hotel. Drei Holl?nder mittleren Alters, allein und ohne Aufsicht im Skiurlaub. Und was machen die? -Benehmen sich wie diese ganzen Verbindungsschwachmaten, die mich hier in Maastricht schon surrounden und um den Verstand bringen. Will sagen: Sie saufen den ganzen Tag, gr?len und p?beln, sind super ‚gezellig‘ und dabei eigentlich einfach nur st?rend und laut, und leben die Meinung, da? sie schlie?lich im Urlaub sind und darum machen d?rfen, was sie nur wollen. Drei Tage sind diese hirnverbrannten Volldeppen uns auf den Nerv gegangen, dann haben wir sie angefangen zu ignorieren. Ausnahmsweise hat das, was man uns im Kindergarten schon gesagt hat, mal geklappt: Wenn man sich erst gar nicht ?rgern l??t, verlieren die anderen schon ihren Spa? dran, einen zu ?rgern. Aber das verdeutlicht auch, auf welchem Niveau solche Leute unterwegs sind. Dann haben sie angefangen, die Bedienung im Hotel mit ihrer penetrant-dummen Art zu qu?len. „Marlene hier, Marlene da, bist ein h?bsches Kind, komm setz dich zu uns, Marlenchen willst du heiraten, Marlenchen kommst du mit zu mir, Marlene hast du einen Freund“… und das war ja nur das, was Marlenchen auf Deutsch zu h?ren bekam; die holl?ndischen Bemerkungen, die dann nat?rlich als mindestens schl?pfrig einzustufen sind, lasse ich mal besser weg. Meine Fresse, und das in einer Lautst?rke quer durch den Speisesaal, morgens wie abends jeden Tag — kein Wunder, da? Marlenchen dann nach 4 Tagen f?r den Rest des Urlaubs dieser drei Spacken freigenommen hat. Unm?glich sowas, andere Menschen mit so wenig Respekt zu behandeln, nur weil man meint, so ein Verhalten sei Bestandteil eines guten Urlaubgef?hls. (Das f?llt aber in das gleiche Verhaltensmuster von hiesigen Aufregern, die meinen, da? sie sich in ihrer Entfaltung wohl kaum von anderen einzuschr?nken haben. Stichwort: fehlende Vokabel ‚R?cksichtnahme‘ im holl. Wortschatz). Das einzige, womit man dieser Sorte Holl?nder scheinbar das Maul stopfen kann, ist mit Dingen, die sie zuhause nicht haben: Leckeres Fleisch, gutes Bier, und anst?ndige Br?tchen. Oder wie mein Vater es immer gern formuliert: fressen, saufen, gaffen.
Auf der Piste hat man es dann noch abschlie?end mit den gr??ten Flachland-Tirolern zu tun, die die Welt je gesehen hat. Sowas von personifiziertem Null-Peil, wie man sich beim Skifahren verh?lt, hab ich wirklich noch nirgendwo erlebt, nichtmal damals in Mayrhofen. Da wird der Lifteinstieg komplett verpennt, Bl?dsinn gemacht, rausgefallen, andere Leute rausgedr?ngt, mitten auf der Piste an den unm?glichsten Stellen einfach mal mit ein paar Leuten hingesetzt und alles blockiert, und Biertje hier, Biertje da… und selbstverst?ndlich ist alles super-leuk, grappig und totaaaaal gezellig. Mann, was mu?te ich kotzen, soviel konnte ich gar nicht fressen!
Aber sonst war es ein wundersch?ner Urlaub! Bilder werden folgen.

Edit: Hab ich eigentlich erw?hnt, da? nat?rlich mal wieder 3/4 der Holl?nder mit Sommerreifen im Gebirge unterwegs waren?!?

Cogito ergo sum?

Voila, willkommen im neuen Jahr. Au?er einiger Probleme im Kalstartverhalten am Neujahrsmorgen kann ich bis jetzt noch nicht den gerinsten Unterschied zum alten Jahr feststellen. Au?er vielleicht, da? ich es absolut absto?end finde, wie die ober-primitiven Vollassis und Universalschwachmaten aus meiner ‚hood hier Silvester gefeiert haben m?ssen. Ach ja, mein schwer bescheuerter Mitbewohner hat dann auch noch dazu beigetragen, da? der Plein nun noch sch?ner aussieht: ?berall liegt angesengtes Altpapier. Unser Altpapier, das ich am 31sten noch im Flur hab lagern sehen! So mit Adressen drauf und so. Denen mu? kalt gewesen sein, denn sonst w??te ich keinen Grund, warum man als angeblich erwachsener, gebildeter Westeurop?er auf die Idee kommt, im vollen Kopp beim B?llern einen Haufen Papier anzustecken, den der Wind dann in alle Richtungen ?ber die Stra?e verteilt. Normal sag ich ja immer ‚ohne Worte‘, aber diesmal sag ich einfach nur ‚Vollidioten’! -Wenn die Polizei morgen vor der T?r steht, und fragt, wer da wohl unseren M?ll drau?en verbrannt hat, dann bekommen die dieses Mal einen Namen von mir gesagt.
Und weil ich grad so gute Laune habe, erz?hl ich auch noch ein bi?chen von dem, was ich heute so gemacht habe: Aufgeregt hab ich mich! Den ganzen Tag schon! -Also der Mensch, der Word programmiert hat, der geh?rt echt an den Eiern aufgeh?ngt, bis er von alleine runterf?llt! Und der, der sowas abgesegnet und in die Produktion gegeben hat, auch! Meinerseits besteht kein Zweifel daran, da? Word alles kann, was man ?berhaupt brauchen kann, wenn es um Textverarbeitung geht. Die Tragik liegt aber darin, da? einfach kein Schwein kapiert, wie man es hinbekommt, einfach alles nur einmal zu formatieren, ohne da? Word einem permanent dazwischenfunkt und die letzte ?nderung zerhackst?ckelt, einfach komplett ignoriert, oder gar das ganze Dokument in Grund und Boden auto-formatiert. Warum gibt es in diesem Programm keinen Schalter mit der Aufschrift: „Ja, ich wei? genau, was ich tue und will deshalb, da? Du, Word, Deine d?mliche altkluge Fresse h?lst und mich einfach machen l??t“??! Dieser Schalter h?tte mir schon viele Nerven gespart. Mann, allein wegen Word lebe ich sicher 5 Jahre weniger als andere Leute. Damit das nicht mehr so weitergeht, hab ich mir ein Word-Handbuch besorgt. Aber was mu? ich feststellen? -Da? auf knapp 1000 Seiten eigentlich nichts Neues steht und ich auch eigentlich im Prinzip immer alles richtig mache. Bleibt also blo? noch die Frage der Sequenz. Mit irgendwas mu? ich Word schlie?lich provozieren, mir immerwieder alles kaputtzumachen. Bitter, ganz ganz arg bitter, wenn man einfach ein sch?nes Dokument abgeben m?chte und nicht blo? einen 08/15-Schei?.

Aus Alt mach Neu

Nun, jetzt sind es nur noch wenige Stunden, bis wir das Jahr 2005 schreiben. Mir kommt es so vor, als w?re erst gestern der Sommer zuende gegangen, ja vielleicht sogar so, als w?re ich eben erst von Bamberg wieder zur?ck. Klar, die 35 Seiten Diplomarbeit haben sich nicht von selbst geschrieben, aber irgendwie ist mir so, als k?nne ich besser meinen Schreibtisch im Jahreswandel beschreiben als das, was auf der anderen Seite des Fensterglases ist. Viel zu schnell ging dieses Jahr vor?ber, ja sogar an mir vor?ber. Oder wie Kalkofe es neulich formulierte: Das Jahr 2005 kommt, dabei bin ich noch gar nicht mit 2004 fertig.
Ich habe keiner Menschenseele eine Weihnachtskarte geschrieben, keine Mailbox mit einer Weihnachtsmail noch voller gemacht, und da auch gestern keine pers?nliche elektronische Post meinen Rechner verlassen hat, habe ich auch niemandem f?r seine Gl?ckw?nsche zu meinem Geburtstag gedankt und wenigstens einen guten Rutsch gew?nscht. Warum wei? ich nicht genau – wahrscheinlich ist es einfach so, da? ich keine Lust hatte. Man m?ge mich da bitte nicht falsch verstehen, nicht, da? ich keine Lust gehabt h?tte, lieben Menschen einen lieben Gru? zu schicken, sondern ich hatte keine Lust auf sich zu motivieren, einen Moment der Ruhe zu nehmen und aus ehrlichem Herzen einige warme Worte aufzuschreiben. Diese Erkenntnis pa?t gut zur allgemein aufgeriebenen Stimmung – ich fange aber nun nicht an zu lamentieren, da? ich dringend Urlaub vor der B?rde der Diplomarbeit brauche, denn schlie?lich bin ich in einer Woche schon fast auf dem Weg in den Schnee. -Wie andere Leute es hinbekommen (haben), bei ihrer Diplomarbeit nicht auch zu einem psychisch-bedrohtem Einzelk?mpfer zu werden, finde ich nicht blo? r?tselhaft, vielmehr macht mich die Tatsache krank, da? andere scheinbar mit der gr??ten Gelassenheit einfach was hinwichsen, was dann auch noch zum Bestehen f?hrt. Aber da? ich mir einfach alles immerwieder viel zu schwer mache, weil ich die Dinge wohl zu ernst nehme, ist mir bekannt. Dennoch ?ndere ich nichts daran, auch in 2005 nicht. Vielleicht entdeckt ja jemand mein Involvement mit den Dingen, derer ich mich annehme und findet das immerhin wertvoll genug, mir daf?r Geld zu bezahlen. Manchmal ist diese Welt einfach zu voll mit Ellenbogen, und die Arschkriecher und Speichellecker stehlen einem nicht blo? die Show, sondern auch ein gutes St?ck weit sein Recht. Aber was will man machen, so ist es eben, und ich bin mir sicher, da? ich irgendwann noch mein passendes Gegengift daf?r finden werde. Qualit?t setzt sich schlie?lich durch, sagt man.
Man soll ja ohne Ballast ins neue Jahr gehen, also alles ins Reine bringen, aufger?umt und ges?ubert (w?rtlich wie bildlich!) etwas Neues anfangen. Schwer, wenn einem der verha?te Mitbewohner am letzten Tag des Jahres noch mal so richtig demonstriert, f?r was es sich lohnte, den gesamten Schimpfw?rterschatz in allen einem bekannten Sprachen auszupacken und selbigen wie einen Pulleimer ?ber ihm auszugie?en, damit ihn der ganze Hass, Ekel, Abscheu und Verachtung einh?llt und ihn stinkend so lange begleitet, bis ihm sein ignorantes, verbl?detes Gehirn einfach nolens-volens empfiehlt, das dumme Geschw?tz von dem bl?den Deutschen zu vergessen. Ihr wi?t nun nicht, wovon ich rede, klar, woher auch. Aber glaubt mir, allein f?r dieses Riesenarschloch ist es die M?he wert, so schnell wie m?glich hier fertig zu werden und diesem Haus den R?cken zu kehren, bevor ich meinen grunds?tzlichsten Grunds?tzen untreu werde und ihm ganz konventionell eins in die Fresse schlage! Der ist nun wirklich so einer vom Typus Holl?nder, der mir ewig in Erinnerung bleiben wird, wenn es um Holland geht.
Ich hab keine Ahnung, wie ich dazu jetzt ?berleiten soll, aber ich hab dieser Tage f?r die Menschen in S-O Asien gespendet. 10 Euro. Und ich hab kein Feuerwerk gekauft. (Grmpf, da w?re die ?berleitung gewesen: Ich hab da sogar daf?r schon einen Grundsatz gebrochen!) Schlimm das. Aber die 10 Euro tun echt nicht weh, im Gegenteil. Wenn ich sehe, da? da im Moment die Menschen mit der selben Nadel geimpft werden m?ssen, nur weil nicht genug Material am Start ist, dann brauch ich nicht drum bangen, ob mein 10er gut angelegt ist. Schlie?lich rauche ich auch nicht mehr, und das schon ?brigens seit ?ber einem Jahr. F?r 2005 werde ich das ganz sicher beibehalten, das steht f?r mich fest. Vor allem, seit ich ja 2-3 mal pro Woche Sport mache, merke ich jedesmal, was ich mir da jahrelang auf die Lungen geschmiert habe. Soviel zu den guten Vors?tzen. Bleiben noch die Hoffnungen, aber die arten ganz schnell wieder in den bescheuerten Job-Talk aus, und da hab ich nach Weihnachten mit der Familie nun absolut keinen Bedarf mehr dran.
Dieser Tage las, nein, h?rte ich mal wieder ein H?rbuch: Also sprach Zarathustra von Nietzsche. Schwere Kost, Bruder, das kann ich sagen. Aber neben den zig Tausend Weisheiten, die darin schlummern, fand ich eine besonders eindrucksvoll:

„Du-sollst“ heisst der grosse Drache. Aber der Geist des L?wen sagt „Ich will“.

In diesem Sinne: Einen guten Rutsch f?r 2005 und alles Gute!

Thank god it’s christmas

Ich bin eigentlich wirklich froh, da? die neue Woche angefangen hat. Das mag f?r mich fast unwirklich erscheinen, aber es ist so. Ich war letzte Woche nicht der Koordinierteste. Man k?nnte auch sagen, ich war extrem schusselig. Ich bin ?berzeugt, jeden Tag werden Millionen Schl?sselbunde verloren und wiedergefunden. In der weltweiten Statistik fallen bestimmt konsequent die Leute raus, die ihre Schl?ssel verlegen und selbst wiederfinden. Also habe ich vegangene Woche dieser Statistik einen weiteren Fall hinzugef?gt. Ist mir noch nie passiert, in meinem ganzen Leben noch nicht. Das Abschreckende daran ist nur, da? ich ihn nicht irgendwo im Vollsuff verloren habe, sondern v?llig hirnverbrannt durch Herausfallen aus dem offenen Rucksack. Aber ich hatte ja so eine Ahnung, nachdem ich am n?chsten Tag wie Rumpelstilzchen durch’s Zimmer getobt war. (Man sollte dazu wissen, da? es trotz oder gerade wegen der Diplomarbeit einfach grauenhaft hier aussieht!) Ein Anruf brachte dann Klarheit: Linda, die Schnecke an der Rezeption vom Fittnessstudio, die nichts anderes zu tun hat, au?er gut auszusehen, fl?tete durch die Leitung, da? sie da einen Schl?sselbund in der Umkleide gefunden habe. Sehr sch?n, Linda bekommt 10 Bonuspunkte von mir daf?r.
Die andere Sache war, da? ich binnen 3 Tagen 6 Punkte und 2 Monate Fahrverbot plus entsprechende Strafe eingeheimst h?tte, wenn man mich denn dabei erwischt h?tte, als ich in v?lliger geistiger Umnachtung 2 rote Ampeln ?berfahren habe. Einmal in Krefeld, einmal in Maastricht. Ohne Worte. Tut mir auch echt leid, aber was will man machen? -Aussteigen, H?nde aufs Dach, Beine auseinander und darauf warten, da? man in die Klapsm?hle eingeliefert wird?
Nee nee, an solchen Tagen ist es wirklich besser, sich hinter dem Schreibtisch festzuketten, sonst passiert noch mehr. -Nur gut, da? es kalt genug ist, da? Hundeschei?e gefriert!
Weil ich’s ja so mit gr??eren Menschenmengen hab (ist ?brigens neuerdings salonf?hig als Entschuldigung; Frau Jelinek hat das bei der Nobelpreisverleihung so gemacht!), hab ich mit Alice ins Get?mmel vom Maastrichter Winterland gewagt. Ey, was dieser Tage in den St?dten los ist, hat doch echt nichts mehr mit Zivilisation zu tun! Ich wei? schon, warum ich fast alles nur noch bei Amazon kaufe! Ich k?nnte jetzt wieder richtig vom Leder ziehen, was f?r Saftnasen ?berall unterwegs sind und was ich von dem ganzen Weihnachtsgedudel halte, aber daf?r hab ich im Moment zu gute Laune. Warum kann ich nichtmal genau sagen, aber ich mal wieder das Gef?hl, da? meine Diplomarbeit ‚gut l?uft‘. Will sagen, fl?ssiger als sonst. Mein Research steht fast in den Startl?chern, und das ist echt ein gutes Zeichen! Vielleicht schenkt mir meine Datenbank ja zum Geburtstag einen riesigen Haufen brauchbarer Daten, das w?r klasse! Mein Supervisor schreibt mir grad unter seine Antwort-Mail

„We can’t solve problems by using the same kind of thinking we used when we created them.“
Albert Einstein

Na denn! -Gute Laune macht ?brigens auch die CD von Annett Lousian. Ich wei?, ich wei?, die Blogs sind voll von L?sterhaften, aber mir macht dieser j?ngste Spro? der Neuen-Neuen Deutschen Welle echt Spa?. Ja, Spa?, das trifft es noch am besten. Solche Texte und eine Zeit im Ausland mit der milliardenfachen Einsicht „Auf Deutsch w??te ich jetzt, wie ich das am besten ausdr?cken kann“ machen das Bild perfekt: Deutsch ist eine fantastische Sprache! Darum, macht unsere Sprache nicht immer so nieder, auch wenn das Wort des Jahres „Hartz IV“ ist. Respektiert sie, beachtet den s-Genitiv und alles wird gut!

Die doofen Deutschen

In diesem unserem Deutschland, wo zunehmend nicht Schr?der und Co, und auch nicht die Opposition zu regieren scheint, sondern offensichtlich die Dummheit der Menschen, ist es zur Gewohnheit geworden, nur noch dummes Zeug nachzubrabbeln, was irgendjemand vorgelegt hat. Da wird sich weltmeisterlich ?ber alles m?gliche beklagt und beschwert, rumgeheult und rumgen?lt bis die Schwarte kracht, aber wirklich verstanden hat keiner was. Am allerwenigsten, worum es eigentlich geht und f?r oder gegen was man da ?berhaupt demonstriert. Anders ist es nicht erkl?rbar, da? die Leute besser ?ber Effenbergs Liebesleben bescheidwissen als ?ber Hartz IV, gegen das sie Spruchb?nder tragen und Parolen gr?len. Die allerwenigsten haben sich jeh die M?he gemacht, sich angemessen ?ber das zu informieren, was sie h?mend HIV nennen. Das ist zwar ein tolles Wortspiel, das aber zur Farce wird und all diejenigen deklassiert und disqualifiziert, die da von „Raub“, „Diebstahl“ und „denen da oben“ reden.
Zugegeben, es ist nicht immer leicht, gut informiert zu sein. Wer allerdings glaubt, auf der Bild-Titelseite sei neben einem beinahe lebensgro?en Foto von Herrn Effenberg und dessen Presseerkl?rung zur Trennung von Frau Strunz noch Platz f?r informierende Tatsachen zum Thema, das die Leute anzugehen scheint wie einst die Wiedervereinigung, dem sei gesagt, da? offenbar politische Themen auf der Rangordnung des nationalen ?ffentlichen Interesses hinter die Schmutzw?sche von ehemaligen Promis gerutscht sind. Und besch?mend ist es allemal. Hartz ist schlecht und damit basta, wer das ander sieht ist F?rsprecher der Bonzen, jawohl und ?berhaupt, worum geht’s – ich bin dagegen! Armer Herr K?hler, so mi?verstanden zu werden ist wirklich hart(z). Aber keine Angst, wir haben Sie richtig verstanden, Gleichstellung bedeutet eben nicht Gleichheit, so steht es auch im Grundgesetz.
Es gibt auch die, die immer gern auf die Tr?nendr?se dr?cken und wehleidig erkl?ren, man werde ja nicht informiert. Gut, solchen Leuten Nachhilfe im Staatsb?rgertum zu geben ist mindestens m??ig, also weise man sie nur darauf hin, da? das moderne Zeitalter gen?gend M?glichkeiten bietet, sich umfassend und ersch?pfend zu informieren. Ein Beispiel daf?r ist die S?ddeutsche Zeitung, die ein vorbildliches Hartz-Lexikon anbietet, in mundgerechten Happen statt Paragraphendschungel. Also, ich bitte sich zu informieren, wer bald wieviel von denen da oben geraubt und gestohlen bekommt!

Leute heute

Gestern hat die Uni wieder begonnen. -Und ich mittendrin. Dachte mir, gehste mal Freshmen glotzen und wirst ganz nebenbei ein wenig produktiv in der Bib.
Da? ich mich offensichtlich f?r mein Alter ganz gut gehalten habe hat mir nicht nur letztens die Mitbewohnerin von einem Bekannten verdeutlicht, indem sie fragte, ob er und ich denn nun hier anfingen. Nein, auch da? mir nach den ganzen Jahren noch ein (B)Analitas-J?nger einen Flyer f?r ein „Kennismakingsborrel„, also eine Einladung zu so einem Verbindungs-Menschenf?nger-Abend, in die Hand gedr?ckt hat, fand ich dann doch schon ein starkes St?ck. Da? man aber auch so nicht unbedingt zum ?ltesten Eisen geh?rt zeigt sich daran, wieviele Leute aus dem Jahrgang nun doch wieder hier auftauchen. Jetzt, wo alle von den Malediven oder Papas Finca wieder am Start sind, treffe auch ich mal wieder ein paar bekannte Gesichter.
Schaut man allerdings in die Unbekannten, wird einem wieder das ganze Ausma? psychologischen Beeindrucktseins bewu?t, das man selbst auch in seinen ersten Uni-Tagen erlebt hat. Lustig ist es schon, jetzt, wo der Abstand da ist, wie sie alle schauen: scheu und gleichzeitig enorm selbstbewu?t. Dem einen oder anderen steht 5 min vor Veranstaltungsbeginn auch gern mal die nackte Angst im Gesicht, wenn er noch nicht seinen Raum gefunden hat. Wie goldig! Richtig Eindruck schinden bei den Bunnys (danke Nini f?r das Wort!), wer sich nicht nur im Hauptgeb?ude sondern auch in der Bib auskennt. Scharenweise pilgerten gestern Gr?ppchen in die Bib, und die wahren Checker zeigten dann den staunenden P?nzchen das Regal, wo das richtige Buch steht. Ich h?tte schreien k?nnen! Aber nicht nur deswegen, sondern haupts?chlich wegen der Unruhe, die das Jungvolk da reingebracht hat. Warum erz?hlen die denen bei ihrer Bibliotheksf?hrung nicht, da? man in den S??len die Fresse zu halten hat, keine St?ckels anzieht, wenn man nicht lautlos darin zu gehen gelernt hat, und auch, da? man nicht telefoniert, das Handy auf stumm schaltet und auch nicht zu zweit hinter einem offensichtlich besch?ftigten Diplomanden wild auf Chinesisch zu diskutieren anf?ngt?! Ferner scheint den neuen auch keiner verraten zu haben, da? Holland ein kapitalistisches Land ist, in dem man gegen Bares die ben?tigten Fachb?cher erh?lt. Anders kann ich es mir nicht erkl?ren, da? ich gestern erst nach fast 15 min einen freien Kopierer im ganzen Geb?ude bekommen konnte. Wie die Weltmeister haben die da -nat?rlich, was das verkleinernde Kopieren von Doppelseiten angeht, kr?ftig Lehrgeld bezahlend- kopiert was aus dem Ding rauskam. *kopfsch?ttel*
Die Mensa pr?sentiert sich auch im neuen Gewand. Ob ich das toll finde, wage ich noch nicht zu sagen, ich tu mich ja schwer mit so Sachen. Sitzpolster im Kr?nung-Light mintgr?n, Fu?boden mit moderner Kunst im Linoleum, v?llig umgestaltete Essensausgabe mit on-demand Zubereitung a la China-Schnellimbis, ja sogar eine Salatbar gibt es! Das war mir gestern irgendwie entschieden zuviel Innovation auf einmal, zumal ich f?r mein Broodje Gezond ohne Getr?nk fast soviel bezahlt habe wie Christoph f?r einen Teller Reis-Beilage und 0.5er Cola. Strange.
K?nnte sein, da? es bald wieder was von der Spa?gesellschaft zu berichten gibt, denn im Nachbarhaus sind neue Leute eingezogen. Ich war ja erst so froh, da? diese Familie mit den gr??lichen Kindern endlich ausgezogen ist, aber angesichts der Truppe, die da nun wohnt, bin ich mir nicht sicher, ob ich meine Begeisterung aufrecht erhalten kann. Zu cool f?r diese Welt. Der eine Typ f?hrt nen S3, was an sich schon die gr??te Unversch?mtheit ist. Das macht man einfach nicht als Student! Da kannste besser noch Mutters olles M3 Cabrio fahren, da sagt man weniger was, als wenn Du mit nem schwazzen S3 ankommst. Frechheit. Der Poser hat dann auch nen Kollegen da wohnen, der gibt genauso society-m??ig Gas, allerdings hat es bei ihm „nur“ zu nem normalen A3 gereicht. Alice hat die beiden dann gestern beim Heimkommen gesehen, in Begleitung von zwei Volldosen, die aussahen, als h?tten die Jungs die grad am Stra?enstrich aufgesammelt. Kurzum: Marke „Pappi hat mir ein Haus f?r’s Studium in der Fast-Innenstadt gekauft und ich bin so gro?z?gig und vermiete ein paar Zimmer an meine mindestens coolen Freunde“. Bitte, wann’s schee mocht, aber ich mu? erstmal kotzen gehen!

K?hlschrank

Nein, dieser Sommer ist ganz und gar nicht wie die letzten 26, die ich erlebt habe. Ich denke nicht, da? es daran liegt, da? ich dieses Jahr weder Sand noch Salzwasser zu sp?ren bekomme, auch nicht, da? ich mich stattdessen in der auf spie?ige 19 Grad gek?hlten Uni-Bib f?hle wie ein St?ck Seelachs auf Halde w?hrend ich versuche, meine Energien positiv zu b?ndeln und endlich mit dieser vermalledeiten Introduction zu Potte zu kommen. Aber irgendwie will es nicht wirklich, obwohl ich besten Willens bin am Tag 1 der vernunftinduzierten, neuen alten Arbeitsweise hier in der Bib, quasi unter Aufsicht. Aber das stimmt auch eigentlich gar nicht, denn wie Alice gestern schon geschrieben hat, es ist einfach alles leer und grausam still in dieser sonst so lebhaft pulsierenden Universit?tsmetropole in der Euregio *r?usper*h?stel*. Wer hier regelm??ig liest, sollte nun eigentlich denken ‚hoppla, was beschwert der Mann sich, er will es doch sonst immer so ruhig haben‘. Richtig, die Ruhe wird auch highly appreciated. Ich wei? nun schon nach einem Tag in der hygienisch-reinen Arbeitsatmosph?re, warum sich alternde Autoren immer auf einsam in der Bergwelt einer sch?nen Insel gelegenen Fincas niederlassen, um ihren Roman zu beenden. Vielleicht liegt da der Hund begraben: Das Umfeld ist eben weniger inspirierend als der Ausblick auf Olivenhaine, Weinberge, Ziegenherden. Dazu den ganzen Tag den Duft von Zedern oder anderem ?therischem Gew?chs, ein Gl?schen Rotwein, ein St?ck Melone, eine Nektarine, abends gegrilltes Lamm oder Schwertfisch, dazu frische Tomaten. Stattdessen lauter mehr oder weniger eifrige Mitstreiter, die wie wir versuchen, das granatige Wetter drau?en durch die Sonnenrollos zu ignorieren (gleiches gilt f?r den Achselschwei? des Nachbarn), nicht an Freibad oder Badesee zu denken, sich den ganzen Tag einzureden, da? es nicht schlimm ist, dieses Jahr nicht braun zu werden, man ja schlie?lich f?r eine gute Sache Opfer bringt.
Wirklich irritierend ist der Japaner hinter mir, der seit Stunden mit seinem mitgebrachten Laptop im Uninetz h?ngt und ganz locker wie ein Wilder Porn am saugen ist. Ab und zu sehe ich her?ber, die Thumbnail-Funktion von XP verr?t ihn, wie er seine Sammlung mit tonnenweise nackter Ollen aller Rassen meist in eindeutiger Action mit Andersgeschlechtlichen sortiert und kategorisiert. Ab und an blickt er erschreckt um, mit Sicherheit, weil er bemerkt hat, da? ich r?berschiele. Aber er verliert alle blickesuchenden Kopfdreher-Duelle – ich bin einfach schneller wieder mit den Augen im Buch. Eben war er dann auf Toilette – ich will gar nicht wissen, was er da getan hat. Leute gibts…
Nee nee, da war es daheim doch ganz sch?n. Eine Woche auf der elterlichen Ranch. Ich gebe nicht damit an, eher suche ich das Mitleid des Lesers: 2000 Quadratmeter sind in den hei?en, regenarmen Sommermonaten keine Freude. Au?er abends, bei Gegrilltem und mit F??e hoch und Wein in der Hand. War auch das letzte Mal dieses Jahr, vorausgesetzt ich bin im n?chsten Sommer nicht arbeitslos. Alles ?ndert sich, und man wird ?lter. Auch der Hund. Der arme Kerl ist nun doch um die Seuche seiner Rasse nicht herumgekommen: Dackell?hme. Echte schei?e f?r so einen Flummi wie unseren Filou, dem man nun in seinen guten Momenten, wenn die Schmerzmittel gut wirken, echt alles an Bewegung verbieten mu?, vor allem die Springereien und das Treppenlaufen. Jaja, temporas mutantur et nos in illis.
Fr?her war eh alles besser, das ist das Axiom meiner Generation. Da bekam man auch nicht innerhalb von 12 Stunden 285 Spam-Comments in seinen Weblog gedr?ckt – ich bitte daher bei ?lteren Eintragungen die Verbraucherinformationen f?r sexuelle Hilfsmittel und Penisverl?ngerungen zu ignorieren, bis ich eine Methode gefunden habe, alle auf einmal zu l?schen, sonst wird das hier aus zeitlichen Gr?nden eng mit der Diplomarbeit. A propos, ich sollte mal lieber damit weitermachen anstelle hier wirr zu schreiben, schlie?lich wird das eher gewertsch?tzt. Meint man zumindest, liest man sich die Arbeiten von manchen Leuten durch…

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