Gestern hat die Uni wieder begonnen. -Und ich mittendrin. Dachte mir, gehste mal Freshmen glotzen und wirst ganz nebenbei ein wenig produktiv in der Bib.
Daß ich mich offensichtlich für mein Alter ganz gut gehalten habe hat mir nicht nur letztens die Mitbewohnerin von einem Bekannten verdeutlicht, indem sie fragte, ob er und ich denn nun hier anfingen. Nein, auch daß mir nach den ganzen Jahren noch ein (B)Analitas-Jünger einen Flyer für ein “Kennismakingsborrel“, also eine Einladung zu so einem Verbindungs-Menschenfänger-Abend, in die Hand gedrückt hat, fand ich dann doch schon ein starkes Stück. Daß man aber auch so nicht unbedingt zum ältesten Eisen gehört zeigt sich daran, wieviele Leute aus dem Jahrgang nun doch wieder hier auftauchen. Jetzt, wo alle von den Malediven oder Papas Finca wieder am Start sind, treffe auch ich mal wieder ein paar bekannte Gesichter.
Schaut man allerdings in die Unbekannten, wird einem wieder das ganze Ausmaß psychologischen Beeindrucktseins bewußt, das man selbst auch in seinen ersten Uni-Tagen erlebt hat. Lustig ist es schon, jetzt, wo der Abstand da ist, wie sie alle schauen: scheu und gleichzeitig enorm selbstbewußt. Dem einen oder anderen steht 5 min vor Veranstaltungsbeginn auch gern mal die nackte Angst im Gesicht, wenn er noch nicht seinen Raum gefunden hat. Wie goldig! Richtig Eindruck schinden bei den Bunnys (danke Nini für das Wort!), wer sich nicht nur im Hauptgebäude sondern auch in der Bib auskennt. Scharenweise pilgerten gestern Grüppchen in die Bib, und die wahren Checker zeigten dann den staunenden Pünzchen das Regal, wo das richtige Buch steht. Ich hätte schreien können! Aber nicht nur deswegen, sondern hauptsächlich wegen der Unruhe, die das Jungvolk da reingebracht hat. Warum erzählen die denen bei ihrer Bibliotheksführung nicht, daß man in den Säälen die Fresse zu halten hat, keine Stöckels anzieht, wenn man nicht lautlos darin zu gehen gelernt hat, und auch, daß man nicht telefoniert, das Handy auf stumm schaltet und auch nicht zu zweit hinter einem offensichtlich beschäftigten Diplomanden wild auf Chinesisch zu diskutieren anfängt?! Ferner scheint den neuen auch keiner verraten zu haben, daß Holland ein kapitalistisches Land ist, in dem man gegen Bares die benötigten Fachbücher erhält. Anders kann ich es mir nicht erklären, daß ich gestern erst nach fast 15 min einen freien Kopierer im ganzen Gebäude bekommen konnte. Wie die Weltmeister haben die da -natürlich, was das verkleinernde Kopieren von Doppelseiten angeht, kräftig Lehrgeld bezahlend- kopiert was aus dem Ding rauskam. *kopfschüttel*
Die Mensa präsentiert sich auch im neuen Gewand. Ob ich das toll finde, wage ich noch nicht zu sagen, ich tu mich ja schwer mit so Sachen. Sitzpolster im Krönung-Light mintgrün, Fußboden mit moderner Kunst im Linoleum, völlig umgestaltete Essensausgabe mit on-demand Zubereitung a la China-Schnellimbis, ja sogar eine Salatbar gibt es! Das war mir gestern irgendwie entschieden zuviel Innovation auf einmal, zumal ich für mein Broodje Gezond ohne Getränk fast soviel bezahlt habe wie Christoph für einen Teller Reis-Beilage und 0.5er Cola. Strange.
Könnte sein, daß es bald wieder was von der Spaßgesellschaft zu berichten gibt, denn im Nachbarhaus sind neue Leute eingezogen. Ich war ja erst so froh, daß diese Familie mit den gräßlichen Kindern endlich ausgezogen ist, aber angesichts der Truppe, die da nun wohnt, bin ich mir nicht sicher, ob ich meine Begeisterung aufrecht erhalten kann. Zu cool für diese Welt. Der eine Typ fährt nen S3, was an sich schon die größte Unverschämtheit ist. Das macht man einfach nicht als Student! Da kannste besser noch Mutters olles M3 Cabrio fahren, da sagt man weniger was, als wenn Du mit nem schwazzen S3 ankommst. Frechheit. Der Poser hat dann auch nen Kollegen da wohnen, der gibt genauso society-mäßig Gas, allerdings hat es bei ihm “nur” zu nem normalen A3 gereicht. Alice hat die beiden dann gestern beim Heimkommen gesehen, in Begleitung von zwei Volldosen, die aussahen, als hätten die Jungs die grad am Straßenstrich aufgesammelt. Kurzum: Marke “Pappi hat mir ein Haus für’s Studium in der Fast-Innenstadt gekauft und ich bin so großzügig und vermiete ein paar Zimmer an meine mindestens coolen Freunde”. Bitte, wann’s schee mocht, aber ich muß erstmal kotzen gehen!

…hier noch keine Uni- aber bald wieder neue erasmus studenten- vermissen dich in unserer wilden prosecco wg- mal sehen was dieses Jahr bringt- aber einen hessischen holländer werden die beiden neuen wohl nicht toppen…