Archiv für die 'Traumdieb & Umwelt' Kategorie

Handlungsbedarf?

Eben kommt über den ganz großen Verteiler folgende Eilmeldung von unserem Aufsichtsratsvorsitzenden, Allein-Aktionär und Besitzer meines Bürostuhles reingeflogen:

Mitte 2009 verkürzt sich die Fahrt von Köln nach Paris um 40 Minuten auf 3,10 Std., nach Brüssel auf 1,40 Std. Bis Oktober 2008 werden alle Züge mit Internet-Zugang und in 2009 mit neuem Interieur ausgestattet.

Hilfe - was muß ich jetzt tun?

  • MisterWong
  • Yigg
  • Google
  • del.icio.us
  • Technorati
  • TwitThis
  • Webnews.de
  • E-mail this story to a friend!
  • Print this article!

Wie lieb! Da schreibt mir meine Mutter heute morgen eine E-Mail:

Hast Du auch schon TRA? -Dann lies bei von Hirschhausen nach: Technology Related Anger - eine klinische Diagnose, jedoch in Deutschland nicht anerkannte Berufskrankheit. Wer über 30 Std. in der Woche vor dem Computer hockt, übt in den meisten Fällen auch Gewalt gegen sein Gerät aus. (Allein 30% habe sich schon an der Maus vergriffen…)

Die Leber wächst mit ihren Aufgaben, Eckart von HirschhausenGut, was soll ich sagen? -Leugnen hilft nicht. Über die Jahre hat tatsächlich bei mir das eine oder andere Equipment dran glauben müssen. Ich schätze, daß auf grausamste Art und Weise so nicht weniger als 2 Mäuse, 3 Tastaturen und ein Faxgerät den frühzeitigen, gewaltsamen Exodus erfahren mußten und die eine oder andere Tischkante mißhandelt wurde. Ach ja, meinem alten Panasonic Röhrenmonitor hab ich mal sowas von eine geballert, daß das Gehäuse an der Stelle des Einschlages gerissen war. Hat dem Gerät aber nicht geschadet, denn der war eh total unverwüstlich.

Anders die Mäuse, die -damals wegen Schnurgebundenheit- noch im rechten Winkel aus kurzer Distanz nach vorne an die Wand geworfen werden mußten und dort in 1000 Brocken zerschellten. Tastaturen richtet der TRA-Patient für gewöhnlich durch mehrmaliges, extrem aggressives Schlagen mit der Faust hin. Anstelle von Blut spritzen dann die Tasten nur so durch die Gegend. Die eine Tastatur überlebt sowas, die andere nicht. Interessant dabei war die Feststellung, daß hier der Preis der Tastatur gar keine Rolle spielt.

Aber das war einmal. Ich habe davon Abstand genommen, mich so zu verhalten. Zu hause sorgten diese Ausbrüche bei der Herzdame damals mehrfach mindestens für breite Irritation bis hin zur Flucht aus der Wohnung. Aber auch auf der Arbeit kommt es einfach nicht gut, wenn man mit Getöse Firmeneigentum (aka Anlagevermögen) zerstört, weswegen mir in den fast drei Jahren bei dieser Firma die Faust nur ein paar wenige Male mit Schwung auf die Tischplatte gefallen ist. Noch dazu geht es einfach ins Geld, wenn man sich einfach so mal ne neue Tastatur rauslassen muß.

Aus der Analyse meiner selbst habe ich gelernt, daß in den meisten Fällen immer einiges zusammenkam, was dann für diese spontanen Sicherungs-Rausflieger gesorgt hat:

  • Hektik: Mal eben schnell-schnell was machen wollen, was eigentlich Sorgfalt und Konzentration verlangt
  • Stimmung: grundlegende Stimmung, latenter Frust, Genervtsein, gar Panik ist gaaanz schlecht bei sowas
  • Inkompetenz: einfach sich nicht eingestehen wollen, daß man keine Ahnung hat, von dem, was man da vorhat
  • Ungeduld: gehört ein wenig zu Hektik, sorgt aber im Endeffekt mit der Schippe Wut für den Ausraster, wenn sie mit Inkompetenz gepaart auftritt

Interessant ist ja bloß, das das jetzt eine Krankheit ist. Manchmal hab ich das Gefühl, wir sind unser ganzes Leben lang von total schlimmen Krankheiten und Defekten heimgesucht und wissen es nichtmal! Welch grausame Vorstellung! So ging das mit Legasthenie (”der kann nicht schreiben”), Lernschwäche (”faule Sau”), RSI (”Schmerzen im Arm”), ADS (”Klassenclown”) und jetzt mit TRA (”Tobsucht”).

Aber ich bin nicht allein mit TRA, das beruhigt:

  • MisterWong
  • Yigg
  • Google
  • del.icio.us
  • Technorati
  • TwitThis
  • Webnews.de
  • E-mail this story to a friend!
  • Print this article!

Dark Wave Girl

Die Jogging-Tight, die Du heute trägst, ist zwar fast komplett schwarz, aber trotzdem hat es Dich gestört, daß Nike einen ganz schmalen, türkisfarbenen, reflektierenden Streifen an die Seite genäht hat, was? Das wird aber durch das Cannibal Corpse T-Shirt mehr als kompensiert. Nee echt, sei Dir sicher, das Motiv ist so morbide, da fällt der Reflexstreifen keinem mehr auf. Letzte Woche hattest Du das rote Marilyn Manson Shirt an, das stand Dir irgendwie besser. Nee, wirklich, das unterstreicht Deinen Typ. Bist ja eh nicht sooo ne Typische. Also Szene-Girl schon, aber so vom Äußeren her eben nicht gerade als Gruft geboren. Ach komm, sei nicht gleich eingeschnappt, ich sag ja nicht, daß Du ne Pseudo bist, aber langes, blondes Haar ist eben was anderes als pechschwarze Vogelnestfrisur. Verstehste jetzt, was ich gemeint habe? Und die krassesten Schwarzen, die ICH damals kannte, waren auch eher klein, nicht so wie Du um die einsachtzig. Ja, kenn mich aus, hab auch mal früher, ja nee, echt jetzt, is aber schon länger her. Aber wirklich, krasse Haare. Läßte die absichtlich franselig schneiden und erzählst jedem, daß Du nieee zum Frisör gehst? Ja nee, is klar, wollte Dir nicht zu nahe treten. Und der Kayal? Ist der wasserfest? Na hörmal, hier total pseudo-mäßig in der Muckibude zu Plastik-Housemusik die Gräten stretchen, aber dabei ohne Aquarell-Effekt konstant mörder-düster aus der Wäsche gucken? -Siehst echt ganz schön finster aus, so mit den dunklen Augen, und nicht zu vergessen das Piercing in der Unterlippe. Hey, sollte nen Kompliment werden. Nur Honey, ganz ehrlich, das billige Arschgeweih geht gar nicht, oder? Weißte selbst, gut. Du erinnerst mich irgendwie an wen. Ausm Fernsehen? Oder von ner Band? Model biste aber nicht, oder? Ey mal langsam, sollte kein dummer Spruch werden, bleib locker. Unverschämt, wieso denn das?

Als Du aus der Umkleide kommst, bist Du wieder in Deiner Tracht: schwarzer, langer Armeemantel, schwarze Jeans, schwarze Docs, schwarzer Schal. Fühlst Dich sicherer als in dem bunten Sportdress, (ja überhaupt, warum gibt es Turnschuhe in Deiner Größe nicht in schwarz?) - Du erinnerst mich echt an jemanden. Nee, ich habs! Du siehst aus wie die Sally aus “Nightmare before Christmas”! Die langen Haare, der glatte Mittelscheitel, die großen Augen, der Blick so von unten herauf, dann wieder von oben herunter, irgendwas zwischen wicked und Kühlschrank. Na Dein Freund is ja nen ganz Harter, was? Oje, dann noch einen schönen Abend, kleines Dark-Wave-Girl.

  • MisterWong
  • Yigg
  • Google
  • del.icio.us
  • Technorati
  • TwitThis
  • Webnews.de
  • E-mail this story to a friend!
  • Print this article!

Kampf der Kulturen

Noch 5einhalb Stunden sind es bis Miami, und offen gestanden möchte man angesichts des durchaus als “würzig” zu subsummierenden Geruches in der von meiner Lieblings-Airline betriebenen Boeing 747 am liebsten nur noch in einen komatösen Schlaf fallen oder aber sich mehr von der edlen Brause oder dem vergorenen Traubensaft aus der Boardküche holen. Kommt auf’s gleiche raus: Ausschalten oder zumindest Dimmen der Wahrnehmungsreize.
Eine geschlagene Stunde hat es gedauert, bis endlich jeder seinen Platz hatte. Etwas befremdlich ist das schon, denn meine Platznummer haben die von der Lufthansa mit beim Einchecken freundlicherweise gleich mit aufs Ticket gedruckt - die ahnten wohl, daß ich lieber am Schalter über meinen Sitzplatz verhandle als an Board. Da wurde munter umdisponiert, als ginge es um Hotelzimmer oder das Erbteil. “Ja aber mein Mann sitzt jetzt da hinten”, “Ich habe einen Gangplatz gebucht!”, “Nein, ich stehe hier überhaupt nicht mehr auf!”, “Es zieht hier so”, “Haben Sie noch einen Notausgang?” -und dazwischen die Herren und Damen in der Uniform mit dem Kranich, mit Engelsgeduld “Macht es Ihnen etwas aus, wenn…?” Ja, offensichtlich macht es den meisten sehr wohl etwas aus. Da treffen die Kulturen aufeinander. Keine 10 min sitze ich in diesem Flieger und schon habe ich mindestens fünf Sprachen gehört.
Da ist Rodriguez (ich habe natürlich keine Ahnung wie der Mann heißt, er ist jedenfalls totsicher ein Hispanic). Der hat den iPod auf den Ohren und wohl für den langen Flug extra seine persönlichen Greatest Hits draufgepackt. Jedenfalls intoniert er völlig unbeeindruckt von den anderen 100 Passagieren in unserem Kabinenabschnitt “ohhhh Mariaaaa, Mariaaaaa….” - muß ja ne ganz dolle sein, denn entweder hat er den Player auf Dauerwiederholung und jedes Lied handelt von Maria. Der spricht also Spanisch. Und Englisch, wie er seinem Sitznachbarn, der eigentlich nur versucht, seine Computerzeitung zu lesen, eindrucksvoll in kurzweiligen Plaudereien zu demonstrieren versucht. Er geizt dabei nicht mit Körpersprache, schließlich ist man auf 10300m und mit nur 10cm Schweißdrüsenabstand quasi Familie.
Vorne sitzt eine asiatische Mutter mit asiatischen Kindern. Die schlafen, was es nicht besser macht, daß mir beim Öffnen des Zeitungsfaches über ihnen die ganze Wochenauslage frischer Hochglanzmagazine entgegenkommt und unsanft auf ihrer Famile niederprasselt. Ich entschuldige mich höflich, schließlich ist es mir saupeinlich, daß gerade die GQ, das schwerste und am solidesten gebundene Magazin, ihrem Jüngsten mit der Bindekante auf den Kopf gefallen ist. Hilft nix, da muß er durch, und ihren Schimpfanfall auf einer Sprache, von der ich sicher nichtmal gehört habe, kann daran auch nichts mehr ändern. Von wegen, Asiaten seien so tempered. Bei den Bambini hört es wohl auf. Italiener sitzen schräg vor mir, haben Rastas respektive verfilzte Haare, sind unrasiert respektive ungewaschen und schlafen. Das “wie immer” verkneife ich mir jetzt nicht, denn wann immer ich junge Italiener reisen sehe, sehen die genau so aus: verlottert, verzottelt und garantiert noch nicht unterm Wasser gewesen heute.
Vor mir sitzt ein Finne mit seiner Frau. Wir mögen uns ab Sekunde eins schon nicht. Sowas gibts: Da steht man in der Security und hat nur einen Gedanken: Hoffentlich sitzt das Arschloch nicht neben mir! Tut er nicht, super, dafür sitzt er vor mir. Und da kann er mich noch viel besser ärgern. Hat wie ich sein Notebook offen und werkelt an einem Text, der sehr viele Jahreszalen enthält. Wie gesagt, ich halte ihn für einen Arsch, denn er stopft dauernd seine Decke und sein Kissen unter seinen Sitz, also zu meinen Füßen. Stört ihn gar nicht, findet er wohl normal. Gut, soll er sie haben, die Limburger! Er fliegt übrigens mit permanent nach hinten geklapptem Sitz. Das sorgt dafür, daß ich kaum aus meinem Sitz rauskomme, geschweigedenn meinen Text auf dem Bildschirm lesen kann, denn die Tastatur habe ich fast am Kinn. Also jetzt übertrieben gesprochen, aber so ähnlich. Kann ich was dafür, daß seine Frau 10 Jahre älter aussieht als er? Warum läßt er das an mir aus? Weil dieses Brett von Model-Italo-Spanierin mich beim Reinkommen angeschaut hat, während sie ihre Sitznummer gesucht hat? Immerhin war ich es nicht, der besagter Hammerfrau eine gefühlte halbe Stunde auf den Arsch geschaut hat!
Ein Hammer ist auch das Paar neben mir. Warum hab ich immer so ein Pech? Letztes Mal das Ehepaar, das mich mit Keksen gefüttert hat und über die ich aus Faulheit vergessen habe zu schreiben. Er Marke Erdkunde-Lehrer, in Sandalen mit Socken, stilsicher kombiniert mit Trekking-Hose und Angler-Weste, dazu eine historische No-Name Japan-Kamera, wahrscheinlich ein Vorkriegsmodell, seit anderthalb Generationen in Famlienbesitz, verpackt und zuhause in einer soliden Ledertasche, an der ein ebenso solides Taschen-Stativ baumelt. Die Kamera wird sogar vor meinen Augen eingesetzt, mit einer 50mm Standard-Optik ans beschlagene und gefrostete Flugzeugfenster gehalten, um Impressionen von New York bei Nacht auf Film zu bannen. Blende richtig eingestellt? -Dann los, klick, noch eins zur Sicherheit, klick , “brauch man eigentlich ja nicht, die Kamera macht heute noch immer Spitzenbilder, auch ohne digital!” unkt er mich an, als ich gerade mein Handgepäck sortiere und er meine 350D erspäht. ‘Ja nee, is klar, und zwei Fotos müssen auch echt reichen, dann ist nach 3 Wochen New York endlich der 36er Film voll. Komm, nimm lieber noch ein Plätzchen von deiner Mutti, die wird sonst noch fetter.’
Aber zurück zu meinen aktuellen Nachbarn. Unschlagbar, was mir da wieder das Schicksal (oder die Lufthansa aus reiner Bosheit?) hingepflanzt hat. Beide um die 70 und aus Rußland. Herzlichen Glückwunsch, das ist bei allem, was hier aus freiem Willen an Board gekommen ist, echt der Hauptgewinn. Kein Wort Deutsch sprechen die beiden, ganz zu schweigen von Englisch. Das stecke ich der total perplexen Stewardess, als die nämlich ihr Curry-Hühnchen oder die Rindsroulade nicht an die beiden loswurde. Ich vermittle, weil ich ja nunmal so ein lieber Kerl mit Helferkomplex bin und hoffe, daß ihnen die Rouladen genauso gut geschmeckt haben wie mir. Zwischen Donauwewllen und Einreiseformular nimmt die Dame, deren Figur am besten mit “breit wie hoch” umschrieben werden kann, offensiv Kontakt auf. Nach einer Weile des Aufmicheinredens auf Russisch verstehe ich sie sogar - soweit man das nach einem Lufthansa Gin Tonic und 5 Rotwein sagen kann. Sie fragt mich, ob ich Kinder habe, verheiratet bin, beklagt den Sitzabstand und das Fernsehprogramm (welches sie aus Versehen heute nicht auf Russisch ausstrahlen…), und kommt schließlich zur Sache und fragt, ob ich Deutscher sei. Ich bejahe auf Gutglück (”Da”) und die beiden freuen sich wie Plätzchen. Entweder haben sie mich gefragt, ob ich sie in Miami durch die Stadt führe oder -und das ist beinahe wahrscheinlicher- freuen sie sich wirklich. Als Deutscher erhält man glaube ich eher selten solche Reaktionen von Russen der Kriegsgenetation. Und während ich mir schon deren Kopf zerbreche, wie diese beiden wohl überhaupt die Einreise in den Sonnenstaat schaffen werden, rücken sie mit der Sprache raus, lüften endlich das Geheimnis: Sie sind auch Deutsche, eigentlich jedenfalls, und ihre Eltern haben Deutsch in der Schule gelernt, aber sie nicht mehr. -All dies bilde ich mir zumindest ein. Es ist durchaus möglich, daß der Rotwein sein Übriges dazu getan hat, aber ich habe es bewußt vermieden, meine aus 3 Wörtern bestehende Polnisch-Kenntnisse an den beiden auszuprobieren (”is ja fast wie russisch!”). Gleichzeitig setze ich für alle Eventualitäten des Rückflugs auf die Todo-Liste, mich wieder daran zu erinnern, was “ich spreche kein Polnisch” heißt. Wo die Oper ist, brauche ich jedenfalls sicher niemanden fragen. Wie konnte ich nur so dermaßen unvorbereitet auf Reisen gehen?!

Weiterlesen »

  • MisterWong
  • Yigg
  • Google
  • del.icio.us
  • Technorati
  • TwitThis
  • Webnews.de
  • E-mail this story to a friend!
  • Print this article!

Ab in den Süden

Halb 6 auf der Autobahn, gewohntes Bild auf der A61: Ein gelbes Nummernschild nach dem anderen. Alle wollen Sie dahin, wo wir bis eben auch noch hinwollten. Resentiments beiseite, ist ja Urlaub, Holländer sind eben auch nur Menschen. Zwar solche, die mit ihren Fahrzeugen, meist völlig überladen und bis an den Rand des Zumutbaren nicht mit Winterausrüstung ausgestattet, aber gut. Doch irgendwann is genug, is einfach mal Schluß mit der ewigen Völkerverständigung, dem gelebten Europa ohne Grenzen, denn meine Brüder aus der Nachbarschaft beginnen mir bereits nach km 7 mit ihrem Fahrstil gehörig auf den Zeiger zu gehen. Xenon im Rückspiegel, ich mache dem Tiefflieger mit Bonner Kennzeichen schnell mal Platz, aber ein holländischer Familienpappa hat wohl den Ernst der Lage nicht sofort begriffen und setzt zum Überholen eines Landsmannes an. Der Nachthimmel wird kurz glockenell erleuchtet, zweimal kurz hintereinander blitzt das Xenon-Fernlicht des BMW auf, der linke Blinker wird gesetzt und der Lenker des Familenkombis hat noch eben gefühlte 2ms Zeit, seine Sippe in Sicherheit zu bringen. Also gut, der Krieg ist eröffnet, ich setze mich wieder auf die linke Spur und schiebe alles mit gelbem Nummernschild von der Bahn, was mir vor den nicht vorhandenen Bullfänger kriecht. Deutschland - Holland, und zwar in der dritten Halbzeit wird hier nachgespielt.
Zur Blauen Stunde lasse ich das Hunsrück hinter mir, im Radio spielt SWR3 just dazu Summer Wine. Gänsehaut und kein Zweifel, on the Road again. Fast allein auf der Autobahn, die holländische Prozession habe ich schon vor km hinter mir gelassen.
Stunden später und reichlich Nerven ärmer, führen in der Nähe von Füssen auf einmal fast alle Wege zu den “Königsschlössern”, den Lust- und Romantikbuden von König Ludwig von Bayern. Neuschwanstein, plötzlich steht es vor mir, natürlich im vollen Gegenlicht, sodaß kein Foto möglich ist. Man braucht dann nur den ganzen Japanern zu folgen. Oder noch besser denjenigen, die offenbar noch nicht mitbekommen haben, daß ein “P1″ am Ortsrand immer den am weitesten zur Sehenswürdigkeit entfernten Parkplatz bezeichnet, worauf in aller Regel noch P2 bis P5 folgen. In Hohenschwangau trifft man sie dann alle wieder. Japanische Japaner mit japanischen Kameras fotografieren wie die Weltmeister jeden Stein, bannen so die gesamte Bayerische Kitscharchitektur auf Film Chip. Wenn das Fotografieren Gebäude abnutzen könnte, stünde da kein Stein mehr auf dem anderen. Ich hab darum auf meinen tourischtischen Obulus verzichtet und nur Schloß Hochenschwangau abgelichtet, es sah einfach schöner aus als das Postkartenmotiv auf der anderen Seite des Berges.
Ein paar Kilometer weiter hat das Elend wieder sein bekanntes Gesicht. Im Stau sind alle gleich. Erstmal, zumindest. Wer sich da abheben will, der kann sich 1,50m neben der Straße ins knöchelhohe Gebüsch schlagen und den hellen Holzzaun nach Herzenslust kreativ bepinkeln. Sieht ja schließlich keiner. Kennzeichencheck? -Klar, gelb-schwarz.
Paßstraßen fahren ist nicht einfach, und in Ländern, wo es keine Erhebungen über 120m gibt, muß man es auch nicht gewohnt sein, die Bremse gegen die Hangabtriebskraft einsetzen zu können. Fährt man allerdings gern nach Österreich zum Skifahren, kann es Sinn machen, sich die einfachen Regeln des Fahrens im Gebirge zu eigen zu machen. Wir erinnern uns: Möglichst gleichmäßig ohne viel zu schalten bergauf, dann im selben Gang die Bremskraft des Motors ausnutzend wieder hinunter. Schont den Motor, die Bremsen, und die Nerven all derer, die kein schwarz-gelbes Nummernschild haben. Doch da wird bergauf geschoben und gedrängelt, zum Überholen angesetzt, um dann festzustellen, daß die PS-Leistung nur in Ländern, die unter dem Meeresspiegel liegen, reicht. Bergab wird dann das ganze Grauen deutlich: Da wird dank des Kennzeichens der Polo plötzlich zum 40-Tonner, besonders dann, wenn es mit Serpentinen nach unten geht. Immer schön weit ausholen, damit die ungebremste -im Winter nicht vorhandene- Anhängelast auch noch mit rumkommt. Scheiß auf den Gegenverkehr, hier bin ich Mensch, hier will ich sein! Übrigens das Grundmotiv der Batavier, wie bereits an zahlreichen anderen Stellen dieses Blogs zu lesen…
Ich seh sie schon vor mir, auf der Piste: Voll mit Heineken und Jägermeister (übrigens das einzige wirklich akzeptierte ur-deutsche Getränk jenseits der Maas) stochern sie sich gewohnt charmant und zurückhaltend talwärts, sitzen nicht mitten auf der Piste und warten auf die anderen, stehen nicht dumm am Lift im Weg und treten einem nicht auf die Ski. Erfrischend, auch mal andere Holländer in der Gondel zu belauschen, die sich zwar philosophisch einer ganz zentralen Frage des Landes nähern, aber schließlich ist ja der Weg das Ziel. Sie befinden, daß Holland ja an sich schön ist, es aber noch schöner wäre, wenn man Gebirge und -gaaanz wichtig- Gletscher hätte. Aber nicht zu viele, wegen weil kein Platz. Ja nee Jongens, is klar: Vorm Haus den Strand und im Garten die Berge.

  • MisterWong
  • Yigg
  • Google
  • del.icio.us
  • Technorati
  • TwitThis
  • Webnews.de
  • E-mail this story to a friend!
  • Print this article!

Über den Wolken

Ich habe noch nie von über den Wolken gebloggt. Wahnsinn, ich liebe die Lufthansa! Sie ist die wahre Königin unter den Airlines, und das liegt nicht daran, daß das Goulasch in 10km Höhe hier fast so gut schmeckt wie das, was Omi unten auf 100m ÜNN zubereitet. Ich könnte glatt zum Fan dieser Fluggesellschaft werden, denn nicht nur hab ich bisher in der Luft noch nirgends besser gegessen als hier, nein, auch wird nirgends der erstklassige Gin mit weniger Tonic verdünnt. Nirgendwo schmecken die Brownies mit Kirschen besser, kein anderer Cabernet aus der 1.5 Liter Flasche schmeckt süffiger, nirgends hab ich die Auswahl aus sovielen Zeitschriften (darunter auch Herrenmagazine). Es ist nicht wirklich der Bailey’s auf Eis, der stilvoll nach einem leckeren Mahl gereicht wird, es ist eben das Gesamtpaket, das hier den Sieg holt.
Es geht nicht darum, daß die Stewardess irgendwie globschlächtig anmutet, es geht darum, wieviel Wein sie mir bereitwillig erst zwischen Schottland und den Färöern und dann zwischen Island und Grönland in mein edles Kunststoffglas füllt. Auch, daß ich meinen wunderbaren Kartoffelbrei nicht mit einem darin schmelzenden Platikbesteck essen muß, sondern mit der Lufthansa-Edition von WMF, gibt hier den Ausschlag. Und irgendwie stört es auf einmal gar nicht mehr, daß mir die Lufthansa ein komplett grottiges Unterhaltungsprogramm anbietet, wenn ich mit meinem Sitznachbarn nach dem 4. Wein auch so eine Menge Spaß haben kann. Sowas geht aber auch nur in Deutschland, oder besser auf deutschen Flügen, denn in den Ami-Maschinen trinken sich ein paar Kumpels ein paar Bier und schon ist die Stimmung nachhaltig im Arsch. Vermutlich, weil sie die einzigen waren, auf halber Strecke die Kasse am Limit ist - ein kleines Bier kostet immerhin stolze 5 Dollar - oder der gut ausgebildete Sky-Marshall nunmal keinen Spaß versteht. Oder eben alles zusammen.
Nachdem ersten Essen sind es nur noch 6 Stunden bis nach Denver. Mittlerweile habe ich aufgegeben, mich immer neu in das angeblich dauernd vorhandene WLAN einzubuchen und speichere mein Geschreibsel in einer schnöden txt-Datei, da weiß man wenigstens, was man hat. Mein Sitznachbar fliegt zum Skifahren nach Denver. Er ist Italiener, hat also jenseits der Alpen diesen Winter bislang nur von Schnee gehört aber noch keinen gesehen, also auf in die Rockies. Mache ich sicher auch, sobald das Kleingeld dafür stimmt. Ich gönn’s ihm also, er quatscht mich 1 Stunde voll, wie toll da der Schnee ist und klar, es sei schon crazy für 4 Tage Skifahren nach Denver zu fliegen, aber what the f**k, man lebt ja nur einmal, ist es nicht so?! -Was soll man darauf sagen? Die Wahrheit am besten. Nämlich, daß ich für einen Business-Trip nach Las Vegas fliegen MUSS. Da schluckt er, wir prosten uns zu, auf die Gemeinheiten des Lebens und überhaupt, und wir setzen die Kopfhörer auf, denn es folgt endlich der cineastische Höhepunkt der Reise.

Geschrieben am 5.12.2006, irgendwo nahe des Polarkreises, auf dem Laptop verloren, wiedergefunden, heute fertiggeschrieben und gebloggt.

  • MisterWong
  • Yigg
  • Google
  • del.icio.us
  • Technorati
  • TwitThis
  • Webnews.de
  • E-mail this story to a friend!
  • Print this article!

Hahn… Loch… Stopfen?

Auf die bloße Gefahr hin, daß sich ab morgen die Welt ändert, nutze ich die heutige Gelegenheit, um mal wieder was zu Byte zu bringen. Das liegt nicht wirklich daran, daß einer meiner Arbeitskollegen heute dem Dienstwagen von Otto Graf Lambsdorff hinten drauf geschallert ist, und ich das so als politischen Aufhänger nutzen könnte. Noch dazu an einem so denkwürdigen Tage, an dem die Uhren sich nun angeblich anders zu drehen begonnen haben, nur weil Frau Merkel nun Frau Bundeskanzler heißt. Oder Bundeskanzlerin? -Grausame Vorstellung, sich nur noch durch Phrasen wie “Eure Exzellenz” in Sicherheit wiegen zu können. Daran hat wohl keiner gedacht, als Merkel zur Debatte stand. Übrigens schreiben unsere amerikanischen Kooperationspartner die neue Kanzlerin konsequent “Merkle”, analog dazu einer der Kollegen immer “Googel” statt Google.
Aber gut, wenn sich die Ereignisse seit Wochen nur so überschlagen, werden die eigenen Erlebnisse plötzlich wesentlich unspektakulärer. Eigentlich ist es auch gefühlsmäßig ein bißchen viel für ein Jahr. Also so ähnlich wie es draußen gerade gefühlte minus 10 sind, tatsächlich aber nur minus 4. Papst werden, Kanzlerin werden, Deutschland sein… Also ich finde ja, das reicht für dieses Jahr. Man soll ja sein Pulver nicht auf einmal verschießen, dafür hat Angie mit uns Deutschländern ja noch so einiges vor. Damit wir bisher aber nicht die Lust am Matriachat verlieren, gibt es die Steuererhöhungen erstmalig in 2007, bis dahin läuft sicher noch viel Wasser den Rhein und die Spree runter. Apropos Rhein: Früher wäre Schröder jetzt mit seinem Hofstaat nach Bonn gegangen und hätte dort im Wasserwerk die Republik neu ausgerufen! Aber was macht er stattdessen? -Handtuch werfen, Waffen strecken, Füße hoch legen. Gut, wenn man es sich verdient hat, schlecht, wenn man noch was vor hatte.
Aber was hilft das ganze Lamentieren, es ist unterm Strich ja doch eher so, daß nur sicher ist, daß ich hier gerade sitze. Rürup oder Riester, privat oder betrieblich, besteuert oder unbesteuert - klar ist nur, daß dieses Land ganz schnell seine Vollkasko-Mentalität ablegen muß, sonst werden wohl viele bald ein langes Gesicht machen. Die Zeiten ändern sich eben, und ich weiß, daß ich mich beeilen muß, wenn ich nochmal einen automobilen Traum verwirklichen will. Sonst ist irgendwann Hybrid- oder Gasantrieb unter Aerodynamik-Karosse anstelle von 6-Zylinder und Chrom angesagt. Und mal ehrlich: Wer kann ein Auto wollen, von dem man nichts hört? Das ist wie alkoholfreies Bier…
Hab ich schon erwähnt, daß ich ein “Gelber” bin? -Damit schlage ich nicht etwa den Bogen zum Anfang zurück, nein, ich wurde für eine schier unglaubliche Tagesgage analysiert. Soll heißen, ich habe einen Fragebogen mit ca. 40 geschlossenen Fragen angekreuzt und ein allem Anschein nach renommierter Management-Berater hat meinen Bogen dann durch ein Programm gejagt und mir die aus Textbausteinen zusammengeklebte Berichtmappe dann feierlich vorgestellt. Zunächst die gute Nachricht: Ich gehöre zu den “Guten”, was immer das auch heißen mag. Die schlechte: Ich hab keine Ahnung mehr, wie “ehrlich” ich den Bogen dieses Gurus ausgefüllt habe. Bei der Besprechung suchte ich händeringend nach dem Namen von dem “Chacka”-Hansel aus Holland, um mich ein wenig von dem “das ist super” und “machen Sie weiter so” abzulenken. Emil Rattelband heißt der, das fiel mir dann abends doch noch beim Tomatenschneiden ein. Aber was heißt nun Gelb? Erstmal nix Schlimmes, soviel ist sicher, denn after all hoffe ich, daß mir doch etwas mehr Persönlichkeit und Charakter innewohnt, als man ihn mit einer noch so vollen Datenbank mit Textbausteinen beschreiben könnte. Offiziell, also nach Carl Jung, dem Erfinder des dem Insights-Konzept zu Grunde liegenden psychoanalytischen Ansatzes, bin ich als Gelber folgendes:

Inspiratoren sind extravertiert und gesellig und suchen ein angenehmes soziales Umfeld, in dem sie Kontakte knüpfen und erhalten können. Sie sind fähig, in anderen Begeisterung für eine Sache zu wecken und unterhalten ein ausgedehntes Netzwerk an Kontakten, das eine gute Grundlage für ihre Geschäfte bildet. Gesellschaftlich gewandt, schliessen sie leicht Freundschaften und überwerfen sich mit anderen nur selten ernsthaft. Sie sind verbal geschickt und verkaufen ihre eigenen Ideen gut und wecken dabei Begeisterung in anderen.

Meine sprachliche Gewandtheit kommt in Wahrheit daher, daß ich samstags, wenn mir langweilig ist, in Baumärkte gehe und mir von Verkäufern neue Vokabeln beibringen lasse. So wie diesen Samstag, wo ich meinen Grundwortschatz um ein neues Wort erweitern konnte, nachdem ich in bester Dingsda-Manier auf einen Sanitärfachverkäufer zuging und nach einem “Chromdeckel für das zweite Loch in der Spüle, also das, was nicht gebraucht wird” fragte. Sich in sicherer Überlegenheit wähnend (und darum auch für einen Moment unglaublich arrogant grinsend) stolzierte er zum betreffenden Regal und holte dem dämlichen Akademiker mit einem gezielten Griff das Gewünschte aus dem Regal. “Hier” sagte er, “es heißt so, wie es tut: Ein Hahnlochstopfen.”

  • MisterWong
  • Yigg
  • Google
  • del.icio.us
  • Technorati
  • TwitThis
  • Webnews.de
  • E-mail this story to a friend!
  • Print this article!

Unser täglich Brot

Gestern morgen in der Bäckerei:

Ich: “Ich hätte gern das Krustenbrot. — Geschnitten.”
Sie nimmt das Brot, packt es in eine Papiertüte.

Ich: “Nein, entschuldigung, geschnitten hatte ich gesagt”
Sie: “Ich kann das nicht schneiden!”
Ich: “Wieso, ist die Maschine kaputt?”
Sie: “Nein, ich kann das nicht schneiden, weil das Brot noch warm ist.”
Ich: “Na, soo warm, daß Sie es nicht anfassen können, ist es wohl nicht mehr!”
Sie: “Nein, aber dann kleben die Scheiben zusammen!”
Ich: “Ich weiß. Dann mache ich sie eben nachher auseinander. Ich hab nunmal keine Brotschneidemaschine.”

Der Blick, den sie jetzt hat, läßt mich im Unklaren darüber, ob sie mich wegen der nicht vorhandenen Brotschneidemaschine oder wegen der verklebten Scheiben bemitleidet. -Wie kann man nur so frontal in sein Unglück laufen, denkt sie sicher. Mag sein, wenn man sein Glück an nicht klebenden Brotscheiben festmacht.

  • MisterWong
  • Yigg
  • Google
  • del.icio.us
  • Technorati
  • TwitThis
  • Webnews.de
  • E-mail this story to a friend!
  • Print this article!

Ein bißchen Schadenfreude gehörte wohl dazu, als ich mir am Sonntag die Schenkel klopfte und meine Wette mit mir und allen anderen Realisten gewann, daß unser Ulle es wiedermal nicht packt, den beinharten Lance zu schlagen. Jedenfalls nicht auf herkömmlichen Wege. So mit “schneller sein” und so. Ich kapier die Tour de France eh nicht: Da kommt jemand nie als Erster ins Ziel, auch nicht unbedingt als einer der Spitzengruppe, aber trotzdem steht er am Ende als Dritter auf dem Treppchen. Versteh ich nicht. Genausowenig, warum man sich so für den Sport herrichten muß. Da fällt uns der Voigt bald vom Rad, weil die Ärzte den mit 40 Fieber und Bronchitis auf seinen DrahtCarbonesel lassen. Hätte der kein buntes Trikot getragen, hätte man meinen können, man sieht einen Ausschnitt aus einem Bootcamp. Auf dem allerletzten Loch hat der Kerl gepfiffen, ohne auf der letzten Rille unterwegs zu sein! Oder man nimmt den Rasmussen, der aussah, als hätte man ihn grad aus sibirischer Kriegsgefangenschaft entlassen. Aber der Lance, der war souverän! Der trinkt schonmal gern einige hundert Kilometer vor dem Ziel ein Gläschen Sekt mit seinem Mannschaftswagen. Und was macht unser Ulle? Stürzt vornüber in das Heck eines Audis, noch bevor der ganze Zikus überhaupt losgegangen ist! Nein, so sieht kein Sieger aus! Kopfüber in den Kampf, von mir aus, aber nicht mit einer Heckscheibe aus Sicherheitsglas drumherum.
Nachher, wenn ich wieder meine Runde durch den Wald drehe, werde ich sie alle wieder sehen, die Hobby-Ullrichs. Jetzt schnell noch im Ausverkauf ein Trikot von T-Mobile erstehen, vielleicht sogar ein gelbes von Discovery, dann das Gemächt in eine Radlerhose verstauen, Cleatschuhe an und rauf aufs Rennrad. Der Bauch kann dann entspannt nach unten durchhängen, und die Platte verbirgt man geschickt unter Radler-Käppi oder Fahrradhelm. Schwitzen ist uncool, das macht der Armstrong ja auch nur nach 100km bergauf, also hier und da mal anhalten, Ruhepuls wiederherstellen und auf herannahende Vorbeifahrer achten, um rechtzeitig wieder volle Fahrt aufnehmen zu können. Alberne Looser sind das, Profilneurotiker, die über solche Amateure wie mich lachen, weil ich nicht im Trikot fahre, eine gewöhnliche kurze Hose trage, Trekkingschuhen vertraue und überhaupt auf meinem 12 Jahre alten Peugeot-Trekkingrad, das inzwischen auf Cross-Optik gemoddet ist, extrem unwürdig aussehe. Beim Achilles hab ich gelernt, wie man mit solchen Spacken umgehen muß, nämlich, daß man sie am allerhärtesten trifft, wenn man nicht grüßt. Der Gipfel ist es dann, wenn diese Waschlappen im allerletzten Moment dann doch noch zuerst grüßen. DANN hast du es echt geschafft.
Erstaunlich, daß man mit so wenig profihaftem Equippment dann doch in der Lage ist, mit bald 40 Sachen durch den Wald zu brettern, freilich leicht abschüssig. Wehe aber, dir kommt dann so eine wildgewordene Horde Stockträger entgegen, die dir nordisch entgegenwalken. Vor denen hab ich echt Angst, weil die immer im Rudel unterwegs sind (außer die ganz Dicken, die gehen immer allein oder höchstens zu zweit) und sich dann auch benehmen, als hätten sie ein natürliches Recht auf die 40 cm extra vom Waldweg, die ich für den Vorbeiflug brauche. Manches Mal war ich froh, keinen Stock ins Gesicht oder in die Speichen zu bekommen. Gibt es sowas auch für die Augen?

  • MisterWong
  • Yigg
  • Google
  • del.icio.us
  • Technorati
  • TwitThis
  • Webnews.de
  • E-mail this story to a friend!
  • Print this article!

Wem der Liter Sprit noch immer günstig vorkommt und zu denen gehört, die nach Steuern und Abzügen noch was übrig haben, der kann jetzt, da es nur noch genauvielleichteventuell 74 Tage bis zur Wahl sind, endlich vom Sofa aus seinen Beitrag zur Demokratie leisten:

Spenden als Beitrag zur Demokratie
Neben der Stimme am Wahltag und der Mitgliedschaft ist die Spende die dritte wesentliche Säule für die Unterstützung einer Partei durch die Bürger. Spenden sind ein wichtiger und sehr persönlicher Beitrag des einzelnen Bürgers für die Politik seiner Wahl und Ausdruck persönlicher Willensbekundung. Eine Spende an eine Partei stärkt die Demokratie in Deutschland. Deswegen werden Spenden von Bürgerinnen und Bürgern an politische Parteien als ein staatsbürgerlicher Beitrag von unserem Parteiengesetz ausdrücklich durch staatliche Zuschüsse honoriert und sind zudem steuerlich absetzbar.

-Internetseite der FDP

Über das Kapital hat sich einst schon Marx ausgiebig ausgelassen, also greifen auch heute die Sozis beherzt danach:
Das Interessante ist, daß die Herrschaften “Sie und dich” dazu brauchen, erfolgreich eine bessere Politik -mit anderen- machen zu wollen. (Oh Zwiebelfisch, morituri te salutant!) Da liegt es in der Tat nahe, bei der kapitalistischen Berliner Volksbank ein Spendenkonto einzurichten, von dem dann aber die WASG sicher nichts abbekommt. Ätschibätsch!
Gerd und Münte kann man dagegen mittels seiner Spende das “neue Vertrauen auch finanziell beweisen”. Zwar räumt man Störfrequenzen von “Kohl bis Köln” ein, die das Vertrauen wohl berechtigterweise erschüttert haben, aber: “Wer uns finanziell unterstützt, kann sicher sein, dass wir mit dem uns anvertrauten Geld sinnvoll und verantwortlich umgehen. Das versprechen wir!” -Is scho recht…
Woraus sich die WASG die Arbeit ihrer Millionen Freiwilliger und Ehrenamtlicher bezahlt, oder ob die ihre Wahlkampfbühnen selber zimmern und sich so die 5000 Euro pro Bretterhaufen (Quelle: CDU) sparen, konnte ich leider ums Verplatzen nicht rausfinden. Scheinbar sind in dieser “Demagogischen” Vereinigung (Quelle: SPD) soviele gutsituierte Menschen aktiv, daß die gerne mal für soziale Gerechtigkeit ein paar Überstunden schieben. Da packt halt ein jeder mit an, wenn man Revolution spielen darf!
Das war ja an sich auch mal eher die Aufgabe der Grünen. Aber seit die etabliert sind, scheren die sich einen feuchten um “Haste ma ne Mark?” Nein nein, da geht es heuer viel entspannter zu: Einfach einen güldenen Button mitten auffe Homepage und feddich. Denn schließlich hat man ja schon “viel erreicht und noch viel vor”. Komisch, irgendwie haben das alle. Nur wenn’s bei den Parteien schon am Geld hängt, dann wundert mich nichts mehr! Dann gute Nacht Deutschland. Andererseits macht das die Sache volksnäher. Ehrlich, so wird Politik wieder glaubhaft. Ich sags ja: Die sind alle welche von uns!
Den Vogel schießt allerdings die CDU ab. Dort postuliert man: “Ihre Spende für die CDU - Ihr Beitrag für Deutschlands Zukunft”. Hab ich da nicht eben erst im Spiegel gelesen, daß wir nun definitiv mit der Frau Dr. Merkel höhere Mehrwertsteuer gebucht haben? Kann mir das eben jemand erklären, wie das in diesem Falle mit Return on Investment aussieht? -Wer soll es da jemandem übelnehmen, lieber einen Zwanni zu verfeuern, als ihn der CDU zu spenden?! Immerhin hat man dann wenigstens noch was davon! Weiter wird da im mecklenburgischen Wehleidston von ‘moderner Mediengesellschaft’ geheult, und wie teuer das doch alles ist. Wer spendet, der hilft der CDU, ihre Ideen auch endlich einmal “öffentlichkeitswirksam zu vertreten und die Menschen von dem notwendigen Politikwechsel in Deutschland zu überzeugen.”

Wem jetzt immernoch nicht schlecht ist von soviel gequirlter Gülle, dem kann ich nur zurufen: Helfen auch Sie mit - denn Deutschland kann mehr!

  • MisterWong
  • Yigg
  • Google
  • del.icio.us
  • Technorati
  • TwitThis
  • Webnews.de
  • E-mail this story to a friend!
  • Print this article!

Nächste »