China Hotel

Was hatten sich die Organisatoren blo? dabei gedacht: Museumsmeilenfest in Bonn, noch dazu an einem Sonntag, Hinz und Kunz auf den F??en, um mal schnell 3 Strahlen Sonne abzukriegen und die China-Ausstellung mit altchinesischen Grabfunden zu besichtigen. F?r umme, versteht sich.
Drumherum hat man sich auf beiden Flanken viel M?he gegeben, ein Rahmenprogramm zu pr?sentieren: Linker Hand eines dieser typischen “Familienfeste”: W?rstchen, Crepes, Fanta mit Strohhalm, Kinderwagen, Buden, allerlei Spielger?t – Spielen und L?rmen nicht blo? erlaubt, sondern Kern, Sinn und Zweck der Veranstaltung. Sch?tzungsweise 2 Millionen Kinder und exponential mehr Erwachsene machten Gebrauch von diesem Angebot. Auf der anderen Seite des Museums sind auch jede Menge Kinder, sch?tzungsweise 4 Millionen, darunter nur einige Erwachsene, das Durchschnittsalter liegt bei 12-13.
Ich will es gar nicht spannender als n?tig machen, die Rede ist klar von einer min?tlich wachsenden Warteschlange zum Tokio Hotel-Konzert in Bonn. (Was mir allein diese Verwendung von “Tokio Hotel” bei Google bringt, macht mich fertig!) Da stehen diese Kinder seit morgens 8 in der Reihe an, umh?llt von W?rmefolie, damit sie in ihren Minishirts und H?ftg?rteln nicht blau frieren, bis das Konzert am Abend anf?ngt, und halten selbstgebastelte “Bill”- und “Tom”-Plakate oder einfach die letzte Bravo hoch. Zur Pflichtausr?stung geh?rt au?erdem ein “Bill”- oder “Tom”-Schriftzug mit Lippenstift oder Kajal auf dem Gesicht. Nebenbei: Wenn ich bei Tokio Hotel spielen w?rde und nicht Bill oder Tom hie?e, ich m??te mir ernsthaft Gedanken um meine Wirkung auf meine Zielgruppe machen! Einige Kinder haben sich dann auch noch als Bill verkleidet und gestylt. V?llig geschlechtsneutral, wie das Original.
Was mich ja in der Hauptsache “nur” zum intensiven Kopfsch?tteln angeregte und in Verst?ndnislosigkeit ?ber die Jugend von heute sinnierend hinterlassen hat, war f?r meinen Vater ganz klar Marktforschung und vielleicht auch mal ein erfrischendes Erlebnis dahingehend, da? er v?llig beruhigt sein kann dar?ber, da? andernorts die Kidz offensichtlich genauso bekloppt sind wie die, die er zum Lernen anzuregen hat. Also an den schreienden Hordern vorbei, rein ins Museum und dann drinnen China, drau?en Tokio.
Kleiner Ortswechsel f?r eine Randbemerkung: K?ln. Diese Stadt ist ein einziger Container, so kommt es einem vor. Eine gigantische Sch?rfstelle f?r Castingopfer. Ich habe mich immer gefragt, wo diese ganzen Spacken hergeholt werden, die nachmittags bei Oli Geissen und Co drinsitzen, die in den Container oder Dschungel gehen, zu denen die Super-Nanny nach Hause kommt, oder die in Doku-Soaps a la “Unser Baumarkt” mitspielen. Die bittere Wahrheit ist: Die kommen alle aus K?ln und/oder Umgebung. So, jetzt isses raus. Und wer es nicht glaubt, der soll einfach mal zum Shoppen in diese grauenvolle Stadt fahren und da nur 10 min Leute beobachten und derem Talk zuh?ren. Kleine Kostprobe gef?llig? “Ey, isch hatt grat nen Descha-W?.” -”En wat? -Du, isch kann doch kein Franz?sisch!”

Neulich in M?nchen

Hilton, Englischer Garten. Wieder eine dieser Fachmessen mit Konferenz-Angebot. Auf der einen Seite Pflichttermin, um endlich ein wenig mehr fundiertes Wissen ?ber Suchmaschinenmarketing anzuh?ufen einzukaufen, auf der anderen Seite eine extrem willkommene, wenn auch anstrengende Gelegenheit, dem Alltag zu entfliehen. 5 Sterne deluxe, na sch?n, wenn Ihr meint. Sollte ich irgendwann mal das Geld zum Sch***en haben, werde ich mir Hotels mit 6 oder noch mehr Sternen suchen m?ssen, in der Hoffnung, da? die wenigstens ihr Geld wert sind. Aber ok, immerhin Klassen besser als in Boston, und sogar nur halb so teuer.
In den Konferenzr?umen das gewohnte Bild: Schreibblock, Werbekuli, Getr?nkeauswahl (Cola, Fanta, Wasser mit, Wasser ohne, Wasser ganz ohne, O- und A-Saft), dazu Pfefferminz vom Werbepartner. Platz nehmen auf diesen Konferenz-St?hlen, von denen ich so langsam den Verdacht habe, da? es auf der Welt nur eine Firma gibt, die Konferenzr?ume bestuhlen darf. So gesehen ist M?nchen auf einmal M?nchen, Gerolstein, Bad Neuenahr, Boston, Bad Godesberg. Komplett austauschbar, das alles – chairwise, versteht sich.
Das selbe gilt f?r die Gesichter, die da rumlaufen, auch Austeller und Redner genannt. Allesamt Messehuren, die das ganze Jahr durch die Kongresse tingeln oder tingeln m?ssen. Neue Leute zu treffen wird schon schwer, wenn man mal so zwei-drei Kongresse zum selben Thema besucht hat. Oder auf einer Fachmesse war, da treffen sich eh alle wieder. Kein Wunder, da? man aufpassen mu?, nicht nach dem dritten Stand schon breit zu sein, bietet einem als “guter Bekannter des Hauses” jeder gleich ein Gl?schen an. Beinahe ekelhaft gestaltet sich dieses Buhlen um neue Kunden, die Gesichter dieser Menschen am zweiten Messetag sprechen B?nde. Aber Hauptsache man bringt genauso viele Visenkarten mit, wie man selber verteilt hat.
Zur?ck nach M?nchen, auch wenn es schwerf?llt. Das beste an diesen beiden Tagen ist das, was ich mir notiert habe. Die Powerpoint-Abdrucke sind so gut wie unbrauchbar, reine Werbeprospekte. Nun ja, fast. Eine willkommene Abwechslung ist das Essen. F?nfzehnter Stock, hoch ?ber M?nchen, zum gemischten Vorspeisenteller bestaune ich die Alpen. ‘Nimm keinen kalten Fisch’ hat mir eine Kollegin geraten, der das letzte Hilton-Essen nicht ganz so wie geplant bekommen war. Ich halte mich dran und genie?e, was die K?che so hergibt. Schlie?lich habe ich der Firma 40 Euro auf den Zimmerpreis gespart und bin stattdessen mit einem Schokoriegel und einem schwarzen Tee aus dem Wasserkocher in den Tag gestartet. Beim Zuckereir?hren denke ich mir noch, da? ich echt bescheuert gewesen sein mu?, den g?nstigsten Preis im Internet gebucht zu haben, weil ich nun wegen bekloppter Reisekostenregelung der Gelackmeierte bin. Kein Fr?hst?ck im Bauch, daf?r aber kaufm?nnisches Geschick bewiesen weil g?nstig die ?bernachtung gebucht. N?hme ich Fr?hst?ck, w?re mein Tagesanfangsbudget minus 17 Euro. -Hol das mal wieder rein in einer Stadt wie M?nchen!
Irgendwie stecken mir auch noch die 2 mal 40 Minuten Fu?weg vom Vorabend in den Gr?ten, als wir auf der Suche nach angemessener Abendverpflegung und durstl?schenden Getr?nken im Stechschritt quer durch den Englischen Garten in die City getobt sind. Oder kommt der Jetlag doch von dem letzten Weizen an der Hotelbar, mit dem ganz sicher irgendetwas nicht gestimmt haben mu??
Eines ist sicher, der Tag geht noch irgendwie rum. Dazu tr?gt der Referent da vorne jetzt erheblich bei. Sein Name klingt deutsch, aber ich mu? mich sehr zur Konzentration rufen, um sein Kauderwelsch zu verstehen. Er entschuldigt sich, er m?sse erst wieder sein Deutsch reaktivieren, da er gerade 3 Monate in Japan gelebt habe. Ich lausche gespannt seinen Worten, denn das lohnt sich allein schon vom Unterhaltungswert. Japan? -Keine Bohne! Das ist astreines Spanier-Deutsch mit tschechischem Akzent. “Bie chaben bier bor, das Proplem ?u l?se?” -Keine Ahnung Jaun-Pavel, aber sag doch bitte nochmal “Qual der Wahl“!
Ein paar Stunden sp?ter schaukelt mich die S-Bahn durchs M?nchner Vorland zum Flughafen. Eben noch konnte ich den Anflug von Mi?gunst abwenden, der mich erfa?te, als ich im stark b?igen Wind an der Bushaltestelle stehend versucht habe, meine Kleidung zu kontrollieren, als ein maximal gleichaltriger aber 10mal st?rker gebr?unter Juppie im Designerzwirn den Chicks in der Hotel-Lobby winkend selbige verlie?, um nach einem kurzen Druck auf die Funkfernbedienung seinen im absoluten Halteverbot parkenden 911er zu aktivieren, l?ssig sein Aktent?schchen in den Kofferraum zu werfen und schlie?lich alle Zylinder boxend das Terrain verlie?. Vierzig Minuten drauf durchlaufe ich den ganzen Franz-Josef, kaufe mir noch eine Zeitung, die ich lese, w?hrend ich versuche, mich nicht ?ber die halbe Stunde Versp?tung meines Fluges zu ?rgern. Gut, da? ich mir nichts zu essen gekauft habe, sonst w?rde ich wahrscheinlich die Salzstangen, die mir die freundliche DBA mit einer Cola Light (“Mit Zitronenscheibe und Eis?” gereicht hat, verschm?hen m?ssen. Nein, dieser Fluglinie geb?hrt mein unbedingtes Lob. Getr?nk, Snack, Zeitung und ein Magazin – alles inklusive. Auf dem Hinflug war es noch der Focus Money, auf dem R?ckflug mu?te es der Playboy sein. Die DBA wei? eben, was M?nner wirklich wollen: Feierabend.

Ein Baum, ein guter Baum

Dieses Weihnachten wird anders. Anders als alle vorigen ist ja von der Sache her nicht schwer, wird der eine oder andere sagen. Aber inhaltlich allein, und formal sowieso. Warum? Ganz einfach: Der Mann hat jetzt seinen eigenen Baum, und -soviel Zeit mu? einfach sein- das will ja schon mal was hei?en.
Gut, mein idiotischer Nachbar in Maastricht hatte letztes Jahr auch einen Baum, unter dem er dann mit seiner doofen Freundin eine Viertelstunde H?ndchen gehalten hat, bevor das Ding nadelnd und sich selbst in alle Einzelteile zerlegend durch den Hausflur wieder zur T?r getreten wurde. Nein nein, so meinte ich das nicht! Ich habe dieses Jahr einen eigenen, richtigen Baum, nicht so ein im Sommer geschlagenes Anf?ngerger?t f?r Leute mit zwei linken H?nden und keinem Hirn.
Mein Baum kommt zwar vom Obi, aber ich bin der festen ?berzeugung, da? ich den besten Weihnachtsbaum-Deal in diesem Jahr gemacht habe. Gut, die Tanne ist was gro?, zugegeben, aber der Altbau vertr?gt das schon. Und mit einer H?he jenseits der 2,70m waren die 10 Euro eigentlich extrem wenig Geld pro cm Weihnachtsfreude. Sogar gestandene Weihnachtsbaumk?ufer kamen da nicht umhin, mir f?r diese Anschaffung Respekt zu zollen.
?berhaupt kann man ja viel veranstalten, um das eigene, sozusagen v?llig abgenabelte Leben zu praktizieren, aber so richtig ausgezogen ist man glaube ich erst dann, wenn man sich und seiner Herzdame eine eigene Tanne in die H?tte stellt.

Bin ich Deutschland?

Seit gut einer Woche macht es mich beim Fernsehen ganz nerv?s, da? eine nicht zu untersch?tzende Menge VIPs mir durch die Mattscheibe zuruft, ich sei Deutschland. Zwischendrin pl?rrt ein Kind, ich solle von der Bremse runter, Didda Kawutzke schl?gt vor “sich de H?nd schmutzsch z’machen“, die Frau Fahrradkurierin will allen in den Hintern treten… Ja du meine G?te, was ist denn pl?tzlich in dieses Land gefahren? -Geht da gerade ein Ruck durch Deutschland, den ich nicht mitbekomme, weil ich jeden Tag arbeiten gehe? Und ?berhaupt, wer ist denn eigentlich hier die Zielgruppe?
Tjaha, der Xavier hat gut Lachen, der Olli auch, und der Korittke pieft sich einfach einen, wenn’s ihm mal schlecht geht. Und der Wickert, und die Kathie Witt, der Jauch, der Asamoah… alles Leistungstr?ger dieser Gesellschaft, die sich kein bi?chen Gedanken zu machen brauchen. Sowas soll den ?berzeugten Hartz-4er von der Couch und seinen kriminellen, drogens?chtigen Filius aus der Adidas Schnellfickerhose rei?en? Nicht Euer Ernst!
Wo bei mir noch ein Funken Stolz aufkommt, wenn ich an den Steueranteil meiner letzten Gehaltsabrechnung denke, w?hrend mir von der anderen Seite der Glasscheibe jemand zuruft, ich sei Deutschland, da lachen sich doch die 3 Penner, an denen ich jeden Morgen unweit des Bahnhofs vorbeilaufe sowas von kaputt bei, da? sie fast ihren Lambrusco versch?tten. Die haben n?mlich keinen Fernseher, die wissen gar nicht, da? auch sie Deutschland sein k?nnten, wenn sie doch nur ab und an ferns?hen und sich berufen lie?en.
Nee nee Leute, richtige Baustelle, aber falscher Film. Wer oder was ist denn nun wirklich Deutschland? -Dieses Kasperltheater, das die Herrschaften da in Berlin abziehen etwa? Der W?hler hat eindeutig gesprochen, und nun, nach 4 Wochen hat man sich doch noch dazu durchringen k?nnen, im W?hlerauftrag das Arbeiten beginnen und die Arroganz der Herrschenden ablegen zu wollen. Koalitionsverhandlungen, wenn ich das schon h?re! Was gibt es denn da noch zu verhandeln? Die Kost?me sind verteilt, bitte hinten anstellen, ihr Ticket liegt am Schalter f?r sie bereit. Und dann ab zum Mond, oneway.
Diese 82 Millionen Deutschl?nder kommen gar nicht umhin, sich verarscht zu f?hlen. Zum Beispiel, lieber Herr M?ntefering, pl?tzlich nun doch 2% Mehrwertsteuererh?hung fallen mit Sicherheit nicht mehr unter “man mu? manchmal Kompromisse eingehen, um eine stabile Regierung zustande zu bringen.” Ach was soll’s auch, wir ham’s ja, nicht? Dieser Eindruck dr?ngt sich echt auf, wenn man zum verkaufsoffenen Sonntag in die Stadt geht. Da wird konsumiert bis die Schwarte kracht. Als ob es da was anderes g?be. Oder billiger. Oder von h?bscheren Verk?uferinnen. Und noch ein Eis und ne Wurst dazu, bruacht Mami sp?ter nicht mehr kochen.
Ihr Kinner, ich sach’s Euch, wenn ich Deutschland bin, dann liegt das Land bald ganz weit weg.

Es mag kein Geheimnis sein, da? ich Bahnfahren grausam finde. Zumindest im Nahverkehr hat diese traditionelle Form der ?ffentlichen Bef?rderung durch Versp?tungen und ?berf?llte Z?ge seinen Charme verloren. Wenn ich doch einmal Bahn fahre, dann geschieht das nicht aus Umweltbewu?tsein, sondern hat immer seinen guten Grund.
So wie auch heute, Krefeld – Bonn. Umsteigen in K?ln in eine versp?tete, viel zu kleine RegionalBahn, in der ich auch noch die ganze Strecke stehen mu?te. Links ein versagtes Deo, direkt vor mir zehn Kilo Schuppen auf schwarzem, speckigen Kragen, irgendwo h?lt jemand nichts vom Rauchverbot, und von hinten rechts kommt mir Hungermagen mit Kaffee-Kippe ?ber die Schulter gekrochen.
Und wann immer man denkt, es kann gar nicht mehr schlimmer kommen, hat der Rheinl?nder noch was in Petto!
Ein beim Einsteigen schon recht desolat wirkender Anh?nger des 1. FC Podolski in auffallender Vereinstracht suchte sich zielstrebig ein Pl?tzchen zum Sitzen und nickte kurz nach K?ln Hauptbahnhof seelig weg. Betrunkene Fu?ballfans sind mir pers?nlich ja am liebsten, wenn sie schlafen. Nach kaum 10 Minuten Fahrt in diesem ohnehin brutal ?berf?llten Zug wachte der Kerl dann auf, um sich aus voller Brust nach allen Seiten gro?z?gig zu ?bergeben. Nein, ich sollte besser “er kotzte alles voll” sagen, denn das Bild, das dieser Mensch da bot, war absolut unterirdisch. Klar, da? das auch die Aufmerksamkeit meiner Mitreisenden erregte, die ihn erst kr?ftig anfeuerten, nur um ihn dann f?r die Sauerei zu beschimpfen und ihn mit Klopapier dekorierten. Die beiden jungen Polizeisch?lerinnen vor mir mu?ten gl?cklicherweise an der n?chsten Haltestelle raus, sonst h?tte ich wohl eine vollgekotzte Jacke gehabt. Die eine war schon ganz gr?n im Gesicht. In solchen Momenten bin ich irre froh, durch die Strapazen des Zivildienstes meinen Brechreiz erheblich gesenkt zu haben. Und auch ich gebe zu, da? der Zivildienst-Bonus irgendwann aufgebraucht war und ich daher froh war, das ganze nicht zwingend mit ansehen zu m?ssen, direkt unter der L?ftung zu stehen, und auf den Ohren die neue Apoptygma Berzerk gehabt zu haben, denn so ?bert?nte dies wenigstens das Gepl?tscher des Fu?ballfans. (?brigens, an dieser Stelle sei schnell erw?hnt, da? das Album extrem gew?hnungsbed?rftig ist, aber die Coverversion von “Cambodia” definitiv ?berzeugt und hundert pro besser ist als das Original von Kim Wilde, die ja darin eigentlich nie den Ton getroffen hat.)
Bei unserem Aktionsk?nstler scheint aber nicht nur das letzte Bier, sondern eher die letzten 20 Bier schlecht gewesen zu sein, denn auf einmal meldete das olfaktorische Register noch einen zweiten Geruch, den diese Kreatur, die wenig an Zivilisation erinnerte, aus der anderen K?rper?ffnung absonderte.
Es lag sicher nicht nur an ihm, da? sich der Zug immer weiter entleerte, und so der Kreis derer, die das Schauspiel unfreiwillig miterleben mu?ten, kleiner wurde. Irgendwann grunzte der Kerl noch was von “Godesberg, ich mu? nach Godesberg”, und ich ?berlegte echt, ob ich nicht in Bonn aussteige und die U-Bahn nachhause nehmen soll. Unertr?glich war der Gestank am Werden, und so mit der Zeit machte mir der Kollege Angst. Sp?testens, als er nochmal Br?ckchen hustete und der P?bel wieder was zum Gaffen hatte, und dann aus der Stille nach den pl?tschernden Lauten seine verklebten Stimmb?nder was von “Arzt… ich brauche einen Arzt… w?hlt denn niemand 112″ grunzten und sich die K?pfe pl?tzlich wegdrehten, hatte ich ein akutes Gef?hl von Alleinsein mit einer Situation, die mir alles andere als geheuer war.
Von den anderen Herrschaften machte niemand Anstalten, also fa?te ich mir ein Herz und dr?ckte den Knopf der SOS-Sprechanlage. Beim zweiten Dr?cken bekam ich auch prompt eine Audienz beim Zugf?hrer und orderte einen Krankenwagen, der sich um unsere beinahe-Alkoholleiche k?mmern sollte. Was so toll an der Auslegware in dem Abteil gewesen ist, da? da alle, die ich danach ansehen wollte, spontan hinschauten, ist mir schleierhaft.
Vielleicht war es ja eine Fehlentscheidung, ?bertrieben, nicht n?tig, was wei? ich. Wenn aber vor meinen Augen einer liegt, der nicht mehr nach unten, sondern sich selbst den Hals vollkotzt, dann h?rt der Spa? auf. Es kann doch nicht im Ernst sein, da? ich der einzige in diesem ganzen Zug war, der da ein extrem ungutes Gef?hl bei hatte, einen so zugerichteten Mitmenschen einfach seinem Schicksal zu ?berlassen! Was laufen da drau?en blo? f?r Leute rum? -Man mu? schon Angst haben, da? man geholfen bekommt, wenn einem selbst mal was fehlen sollte…

Der l?ngste Tag und die k?rzeste Nacht

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erz?hlen. Genau, er kann, mu? aber nicht. Ich will hier niemanden mit einem truely half-assed Bericht von meiner v?llig unbedeutsamen Reise nach Boston langweilen, sondern nur eben ein paar kleine Anekdoten runtertippen, die ich mir in den Staaten aufgeschrieben habe und mangels PC und Internet nicht vor Ort schon in die Welt br?llen konnte.

Endzeit
Wer sich je gefragt hat, woher Filmemacher und Autoren ihre Endzeitszenarien haben, der kann noch keinen Bustransfer zwischen den Terminals auf London Heathrow mitgemacht haben! Ich glaube wirklich, da? ich noch an keinem Ort gewesen bin, der lebensfeindlicher war als das Wirrwar der Cargotunnel und Gep?ckkatakomben. Eine sofortige Depression st?lpt sich ?ber einen, wenn man im Bus zwischen verschwitzten Achselh?hlen ihrer schweigenden Besitzer durch die get?nten und mit Millionen von Fingerabdr?cken verzierten Scheiben nach drau?en sieht, und die Augen nicht von dieser schier unglaublichen Menge in Beton gegossenen Zivilisationswahnsinns lassen k?nnen und gleichsam fasziniert wie angewidert daran h?ngenbleiben.
Wie ein Ameisenhaufen offenbart sich sich das ganze Ausma? der Leistung eines Flughafenbetriebes erst unter Tage, wo Arbeiter, die wohl selten das Sonnenlicht zu sehen bekommen, emsig der T?tigkeit nachgehen, von der wir nichts mitbekommen, au?er vielleicht, unser Gep?ck kommt mal nicht richtig an. Dann ist es bei Collin und Yogesh, die in den schmalen Zufahrten ihre Kofferwagen erst rangiert und dann kollidiert haben, beim Wiederbeladen mit vereinten Kr?ften vielleicht auf dem falschen Wagen wieder auf die Reise gegangen und sammelt Meilen, die keinem Vielfliegerkonto jemals gutgeschrieben werden k?nnen.

The American way
Je ?lter man wird, desto mehr Flunkereien der Eltern aus der Kindheit entlarvt man pl?tzlich als solche. Da? ich daf?r aber erst nach Boston, respektive Amerika, fahren mu?, h?tte ich wahrlich nicht gedacht.
“Wenn du deinen Teller nicht leeri?t, gibt es morgen schlechtes Wetter!” (Als Kind glaubst du sowas!) -Nun, das kann eigentlich nur in Europa gelten, nicht jedoch in den Staaten. Bei den Portionen? -Keine Chance. Selbst Vielfra?e wie ich kommen da in die Verlegenheit, anderen den n?chsten Tag quasi vorsetzlich zu versauen. Aber es geht einfach nicht, was die dort auf die Teller packen! Egal ob in einem Lunchroom oder einem Diner, selbst beim Thail?nder ist es zuviel. Einerseits wundert es da nicht, da? so viele Amis so brutal fett sind (es ist echt so, ich h?tte ein ganzes GB Fotos von fetten Leuten mitbringen k?nnen!). Mich wundert vor allem, warum da die Kundschaft nicht meutert und sagt “hey, packt hier bitte eine Menge Essen auf meinen Teller, die ich essen kann und berechnet das auch so”. Anstelle vergeht einem beim Lesen der Karte schon meist der Appetit, wenn man die Preise sieht, und steht dann der Teller auf dem Tisch nervt die Bedienung ungelogen alle paar Minuten, ob es schmeckt, ob ich noch Durst habe (wie denn bittesch?n, wenn ich einen 10 Liter Eimer Cola hingestellt bekomme??), ob “you guys ok” sind, uns schlie?lich, ob sie uns nochwas bringen kann, also ob wir “set” sind. Verneint man diese Frage oder ist irgendwie indifferent, sagt also sowas wie ’sp?ter vielleicht’, trabt sie weg und bringt stattdessen die Rechnung. Klarer Fall von “no tip”. Ist gemein, ich wei?, aber genug ist genug.
?berhaupt sind die Amis echt ma?los. Jeder Honk f?hrt da mindestens 6 Zylinder, besser 8, und wenn es nur 4 sind, steht Turbo oder Twin Turbo hinten drauf. Klar, wenn der Sprit so billig ist… Aber dann sollen sie wenigstens auch damit parken k?nnen. K?nnen sie nicht, also gibt es riesige Parkpl?tze. -Das ist seltsame Logik.
Geht noch weiter: Weil sie ihre Cola nicht k?hlen, mu? ein Kilo Eis ins Glas. Weil Eis aber die subversive Eigenschaft hat, zu schmelzen und die andere Fl?ssigkeit auf diesem Wege erheblich zu verd?nnen, tun sie mehr Zucker als hier in die braune Brause.
Ma?los, kein anderes Wort hatte ich ?fter auf der Zunge und wollte es allen dauernd ins Gesicht schreien. ?ber Klimaanlagen und Energieprobleme sage ich nur: Ich war froh, auf dem Weg zur Tagung im Anzug zu schwitzen, denn daf?r hab ich w?hrend der Vortr?ge nur ganz wenig frieren m?ssen…

Konventionen?
Am Morgen des zweiten Konferenztages begr??t uns der Vorsitzende mit den Worten “Good morning everybody! How nice: you all found your way back from the hookers!”

Der fliegende Holl?nder
Ich habe gerade in meinem World Traveller Plus Sitz platzgenommen, da frage ich mich auch schon, warum diese irre gut aussehende Bombshell-Flugbegleiterin mit so einem h??lichen, d?rren Honk, der eine unterirdische Brille und eine viel zu kurze Anzughose tr?gt, plaudert, als wollten die beiden jeden Moment die Besenkammer aufsuchen. Es gibt daruf nur eine Antwort: Das ist ihr Job!
F?nf Minuten sp?ter identifiziert sich der Honk als waschechter Holl?nder, dem der Sitzplatz neben mir geh?rt, und die Stewardess als in Wahrheit leider extrem schiefzahnige Britin. Was mich an meiner Konversation mit dem Holl?nder, die selbstverst?ndlich stattfand (schlie?lich ist es kein 40 Minuten Inlandsflug!), immernoch stolz macht, ist, da? ich ihm nicht wie sonst bei Holl?ndern ?blich, auf die Nase gebunden habe, da? ich in Maastricht studiert habe und darum auch gerne mit ihm auf Niederl?ndisch plaudern k?nnte. 7 Stunden habe ich diesen Mann neben mir ertragen, und das war echt nicht einfach. Nach dem Amsterdamer Boulevardblatt zappte er erst v?llig planlos durch die 16 Videokan?le, um dann beim Info-Programm h?ngen zu bleiben und in unlesbarer Schrift anfing, Notizen zu machen. Nach dem Essen und einigen erfolglosen Versuchen, mit mir einen philisophischen Plausch zu beginnen (“Will we remove our limits in research and science ourselves or will this happen automatically over time?” oder auch: “Why is it that women smile more often than men?”), packte er seinen Laptop aus und begann einen Brief, offensichtlich an seine Lebensgef?hrtin. Unterdessen hatte ich von ihm erfahren, da? er ein Senior Researcher in seiner Firma ist, die k?rzlich verkauft wurde, er deswegen dauernd nach Boston mu? und vieles andere mehr. Darunter auch das Detail, da? er ja nur in dieser Maschine sitze, weil bei seinem ersten Versuch, am gestrigen Tage Boston zu verlassen, das Fahrwerk der Northwest-Airlines Maschine beim Ausparken zusammengebrochen ist. (Ich habe die Story jetzt mal auf das Wesentliche reduziert, was ich mir auch von ihm gew?nscht h?tte…) Er begann also seinen Brief an seine Frau, den ich hier und da versehentlich mitlas. Wenn ein Mann einer Frau schreibt, und dann dauernd Zahlen tippt, handelt es sich entweder um eine Rechnung, eine Scheidung (was auch auf Rechnung hinausl?uft), oder aber um einen Wissenschaftler oder Control-Freak, der daran glaubt, der Gegen?ber findet bestimmte Sachverhalte genauso spannend wie man selbst. Unser vielfliegender Holl?nder schreibt ihr also von Neufundland, 12 km H?he, 900 km/h und der Tatsache, da? er sich gar nicht recht vorstellen kann, da? es drau?en Minus 55 Grad sind. Beinahe h?tte ich ihm noch zur Lekt?re des Bordmagazins geraten, dann h?tte er noch dabeischreiben k?nnen, da? eine 747-400 schlappe 15000 Liter Kerosin pro Stunde durchzieht. Stattdessen hat er lieber die Zeit beim Start gemessen, 1 Minute 5 Sekunden, und er trumpft vergleichend auf, da? eine kleine 737-200 nur 45 Sekunden bis zum Take-off beschleunigt. Diskussion zwecklos, er ist schlie?lich Vielflieger. Und Holl?nder.

Giovanni aus Hongkong
Nach der k?rzesten Nacht (minus 6 Stunden) und dem wenigsten Schlaf in einer Nacht (30 Minuten… netto) sa? ich schlie?lich in dem kleinen (wahrscheinlich ?hnlich schnellstartenden) Airbus 320 von London zur?ck nach K?ln neben Giovanni. Er hatte sich gleich um Kontakt bem?ht, kein ?berfl?ssiges Warten. Ich klemmte die Streichh?lzer zwischen die Lider und bem?hte mich um freundliche, nichtssagende Konversation. Er komme gerade aus Hongkong, mache in Textilien, und er habe dort Gesch?fte geschlossen und Bestellungen get?tigt. Stolz berichtet er, ?brigens Mitte/Ende 30, Typ schmieriger Sizilianer, in ungef?lschtem Armani und echter Uhr, mit katastrophalem Mundgeruch und ranzigem Gel in den Haaren, im Geldbeutel jedoch nur die besten Karten, von seiner Industrie und dem Gesch?ft in toto. Er habe ja schon selbst in Portugal und Rum?nien Fabriken gehabt, aber damit k?nne man ja schon viele Jahre nichts mehr verdienen. Darum China. Die arbeiteten da 12 Stunden am Tag, sechseinhalb Tage die Woche f?r 120 Euro im Monat, was wolle man schlie?lich mehr? Und nach China, was kommt dann? “Nix mehr, bleibt China”, meint Giovanni und ist m?chtig stolz darauf, mir Tips zu geben, wie man in China am besten die Bev?lkerung ausbeuten kann, denn “die wollen ja wenigstens noch arbeiten! F?r jeden Lohn machen die das! Von mir aus auch 200 Euro in 5 Jahren. Keine Gewerkschaft, keine Krankheiten, keine Lohnnebenkosten. -Am T-Shirt kann man das hinterher schlie?lich nicht sehen, verstehen sie?”

Any kind of work?

Mal ganz ehrlich: Nach der 356sten Job-Absage l??t man gern S?tze der Marke “Ich w?rde echt JEDE Arbeit annehmen!“. Nun, da? man in solchen F?llen sein eigenes dummes Geschw?tz nicht erstnehmen sollte, hat mir meine heutige Exkursion im Mailservice verdeutlicht.
Da sitzen Menschen im Sutterrain unseres Geb?udes, bei konservierenden 15 Grad Raumtemperatur und arbeiten wie die Bienen an t?glich zig-tausend Mailings, inbound wie outbound. ?berfl?ssig zu wiederholen, da? wir hier Direktmarketing machen, ergo ?berhaupt die Notwendigkeit eines eigenen Mailservices infrage zu stellen. Da wimmelt es nur so von Ablagen, Drahtk?rben, F?chern, Schubladen, Sortierh?ngern und lauter sonstigem Zeug, dessen Name ich nichtmal kenne, und zwischendrin wuseln nur acht Leute und haben alles im Griff. Und ?berall Klebeschildchen mit Bezeichnungen, Namen, K?rzeln. Eine Jahresaufgabe f?r jemanden, sich darin erstens zurechtzufinden und zweitens einen wirklichen ?berblick ?ber alle Abl?ufe zu haben. Ganz ehrlich, da wollte ich nichtmal Teamleiter sein!
Meine einzige praktische Aufgabe in den drei Stunden meiner Anwesenheit dort war dann das ?ffnen von Briefen mit anschlie?ender Sortierung der Post. Ich kann mich ja nur immerwieder wiederholen: Was manche Leute scheinbar f?r normales Verhalten, Gebaren und Sich-Ausdr?cken halten, ist schlicht haarstreubend! Angefangen von Texten wie “ich will kein Zeug mehr von Euch“, die ohne Namen, Absender, Unterschrift, geschweigedenn einer Kundennummer einfach formlos auf die R?ckseite eines frankierten Umschlags geschmiert wurden, bis hin zur Feststoff-Beigabe in Form von irgendwelchem Schmatz auf dem Briefbogen, der sich harmonisch mit der unlesbaren Sauklaue dem Brief?ffner pr?sentiert, ist echt alles dabei. (Gut, es gibt auch noch anst?ndige Menschen; nicht, da? hier ein falscher Eindruck entsteht!) Bei Mercedes damals haben sie uns wenigstens nur beschimpft…
Die Menschen, die sich Arbeit dieser Art, Anforderung und Inhalt tagt?glich mit einem unersch?tterlichen Gleichmut hingeben, haben meinen unbedingten Respekt. Und das nicht, weil sie Haut an den H?nden haben, die keine Papercuts mehr zul??t. Auch nicht, weil deren Fingern?gel vom t?glich tausendfachen Abgreifen und wieder Ablegen von Papierstapeln auf harten Untergr?nden eine Farbe und Form angenommen haben, die mich bei der ersten Wahrnehmung sehr befremdlich hat schauen lassen. Nein, diese Menschen haben meine Hochachtung, weil sie mit der Tagespost beinahe lautlos durch die G?nge huschen, sich nur auf Zuruf bei der Postzustellung wahrnehmbar verhalten und jeder Pennymarkt-Kassiererin etwas voraus haben: Extrem freundlich “guten Morgen” zu sagen. Immer.

Mit “Willkommen im Leben” hat neulich ein Freund seine Antwortmail auf mein Wehklagen ?ber die T?cken und Fallstricke, Entt?uscher und Aufreger, und Absagen und Nichtbeachtungen im ganz normalen Bewerbungswahnsinn begonnen. Da? er damit zweifelsohne vollkommen Recht hat, mu? ich mir zwar immerwieder vor Augen f?hren (lassen), aber so ganz wahrhaben will man die Dinge ja nie. Vor allem nicht dann, wenn man auf einmal an einem Punkt angekommen ist, wo man sich w?nscht, einfach morgens mal aufzuwachen und einen Job zu haben, den man schon einige Monate macht. Alle, die sagen, Bewerben und Jobsuchen sei doch super-spannend, die l?gen. Das ist reine Nervensache, so schaut’s aus!
Hintergrund ist ja der, da? sich erstmal seit x Wochen gar nichts getan hat. Du schickst dauernd was raus, und erst kommt nichts zur?ck, und dann alles auf einmal, aber als Absage. Und wieder von vorn das Spielchen. Man neigt dann dazu, v?llig irrational zu werden und sich zu w?nschen, da? doch wenigstens einer mal anruft und einem zum Gespr?ch laden will. Man w?rde sich dann dort schon gut genug verkaufen, da? die einen schlie?lich nehmen m?ssen. ‘Die k?nnen ja quasi gar nicht mehr anders!’ Alles Bullshit.
Da war ich doch vor ner guten Woche in der Medienagentur in D?sseldorf. Ich kam in Strelsson, Olymp, Lloyd und Boss, meine Gegen?ber hatten es vorgezogen, in abgewetztem Lacoste-Polo, Cargo-Hose und verschwitztem Sommerkleidchen zu erscheinen. Bevor einer fragt: Klar hab ich geschwitzt, wie Sau sogar, schlie?lich waren es drau?en 34 Grad, aber was solls? Schurwolle ist auch im Sommer ein feines Material, oder etwa nicht? Ich glaub, nur den beiden Kreativ-Labradors war noch w?rmer als mir. Kaum war ich da raus, hab ich ne Nachricht von einem Verlag auf der Mobilbox, wo denn mein ausgef?lltes Assessment bliebe. Also ganz schnell im Kopf umschalten auf n?chste Baustelle. Richtig irr wurde es dann aber Freitag, wo mich der Verlag zum Gespr?ch gebeten hat, und ich kaum aufgelegt hatte, und mich die Medienagentur verpflichten wollte. “Wir w?rden uns freuen, wenn Sie bei uns anfingen”. Nicht nur der richtige Konjunktiv ging runter wie ?l, das darf mir die werte Leserschaft ruhig glauben. Am Wochenende hab ich dann die Wahl gehabt, mir mit Gr?beln, ob ich in D?sseldorf zusagen soll, oder mit Vorbereiten auf das anstehende Bewerbungsgespr?ch den Kopf zerbrechen soll. Weil es sich aber auf einem Bein so schlecht steht, hab ich mir ?ber beide Sachen Kopf- und Bauchschmerzen enstehen lassen. (Da haben anderen Leute wahrhaftig schwerwiegendere Probleme.)
Heute morgen dann hab ich D?sseldorf abgesagt. Arrogant, was? Sagt der Kerl heutzutage bei der Lage auf dem Arbeitsmarkt einen Job ab! Ja nu, wenn statt Bauchgef?hl f?r die coole Arbeit nur Bauchschmerzen ?ber ein echt bescheidenes Gehalt und mangelhaften Ausblick f?r die Zeit nach dem Traineeship entstehen, und die Erkenntnis w?chst, da? man mit nur Spa? an der Arbeit nunmal den K?hlschrank nicht f?llen kann, dann soll man es wohl lieber lassen. Zumal ich nun auch gelernt habe, wem die vielgepriesenen “flachen Hierarchien” am meisten dienen.
Gut, Verlag also. Entscheiden tut weh, zumal die mir immernoch absagen k?nnen. Alles auf eine Karte. Wow, ist gar nicht meine Art, aber man sagt ja, man wachse mit seinen Aufgaben. Also warum nicht? Stelle ich mich mal meiner eigenen Unf?higkeit, definitive Entscheidungen mit halbwegs k?hlem Kopf zu treffen und schaue, was dabei rauskommt.
Bis dahin nehme ich mir (und schlage gleichsam allen Interessierten) vor, auf folgende Fragen im Bewerbungsgespr?ch besser vorbereitet zu sein:

1. Wenn jetzt Ihre Freundin/Ihr Vater hier s??e, was w?rde der mir sagen, was Sie ganz besonders gut k?nnen, und was er/sie nicht an Ihnen sch?tzt?
2. Was hei?t Kreativit?t f?r Sie?
3. Was bedeutet f?r Sie Stre??
4. Was ist Ihre Rolle im Team?
5. Wenn Sie mal so richtig utopisch tr?umen, was ist Ihr Traumjob?
6. Was war Ihr bisher gr??ter Erfolg?
7. Wo sehen Sie sich in 3/5/7 Jahren?
8. Wieviele Stunden pro Woche m?chten Sie gerne arbeiten?
9. Wenn Sie mal zur?ckblicken, was w?rden Sie gerne an Ihrem Lebenslauf ?ndern?
… und mein pers?nlicher Favorit:
10. Warum sind Sie eigentlich hier?

Eben ruft noch eine Agentur aus Frankfurt an, mal h?ren, was die so zu sagen haben… Willkommen im Leben!

2 Sachen

Erstens. Wer hier meint, unser sch?nes Hessen h?tte au?er Frankfurter W?rstchen nix zu bieten, der irrt dieser Tage gewaltig! Was da in Weilburg auf dem Hessentag abgeht, das ist schon echt wert, sich einen dicken Knoten ins Sacktuch zu machen. Die Stadt ist am Toben, die Stra?en pulsieren wie der Blutkreislauf, einfach ?berall ist was los. Und das in Weilburg! Ich konnte es ja selbst kaum glauben, da? dieser einst gammligen Provinz-Barockstadt solch ein Fest abgerungen werden konnte. Also Leute, hin da, es lohnt sich wirklich! Vor allem heute und morgen. Heute sollen wir Boris anl??lich seines Geburtstags helfen, Cocktails aus der Sonne zu holen, und morgen spielen Juli, S?hne Mannheims, Laith Dingenskirchen live, umsonst und drau?en. Klasse Sache! Achja, und nicht vergessen, wirkliche Unmengen von Apfel-Maro gegen die zweifelsohne unglaubliche Hitze zu sch?tten. Die Br?he besteht aus bestem ?ppelwoi und Maracuja-Pfirsichsaft, aber im genialen Verh?ltnis von 90 zu 10; da bleiben immernoch spritzige 5 PS ?brig, die einen nach dem ersten Liter auf einmal auch gut beschleunigen. Klasse Br?he, f?r die bei der allm?chtigen Kelterei Heil sogar schon Sonderschichten geschoben werden.
Zweitens bin ich endlich mal zu einem Gespr?ch eingeladen worden. Ich werde dort zwar nicht der Frage nachgehen, warum es am Rhein so sch?n ist, wohl aber eher versuchen, mich so gut zu verkaufen, da? der Weg nicht umsonst sein m?ge. Es gibt da n?mlich so Bewerbungen, da w?nscht man sich schon, da? was draus wird. Die stehen im krassen Gegensatz zu solchen, wo man schon beim Anschreiben denkt “Mann, was willst Du denn ?berhaupt da?!”. So oder so ?hnlich jedenfalls. Und dann gibt es diese Anschreiben, die eigentlich echt ein Letter of Motivation sind, weil man merkt, wie man die eigene Bio mit dem Job verkn?pfen kann. Das liest sich dann auch bei weitem nicht so l?cherlich wie im anderen Fall, wo man sich schon fast fragen m?chte, ob man sich mit so einem Anschreiben ?berhaupt selbst meint. An den Haaren herbeigezogen, ey-wat-bin-isch-geil, sozusagen.

G’N'F’R

Gerade zeigt MTV den Rock am Ring f?r alle, die sich f?r Festivals zu alt f?hlen und/oder lieber trockenen Fu?es daheim in der ersten Reihe sitzen. Nun l?uft der Mitschnitt von “Velvet Revolver”, und ich frage mich ernsthaft, warum sich das die Leute heute erstens ?berhaupt geben und zweitens, warum die vor Ort versammelte Meute so kra? dabei abgeht.
Aber eigentlich ist das doch recht schnell gekl?rt: Das ist Guns’N'Roses nur ohne den l?cherlichen Axel Rose. (Was treibt der Bursche eigentlich? Frauen pr?geln? Saufen? -Klar, nur in welcher Reihenfolge?) Und was klickt da in uns allen? Slash, der wahrscheinlich beste -lebende- Gitarrist der Welt, der heute zwar noch mit engster Jeans, Afro-M?hne und Zylinder wie aus G’N'R-Zeiten die Gibson w?rgt, aber keinen Jackie mehr zwischen den Tracks schl?rft. Duff McKagan, der erblondete Bierbauch am Bass, den wir irgendwie immer eine fiese Dumpfbacke fanden, weil er weder aussah, noch richtig cool war, aber daf?r immer m?chtig verlumpt und vor allem besoffen r?berkam. Oder ist es Matt Sorum, der unscheinbare Honk am Schlagzeug, der nie so cool wie Lars Ulrich sein wird, egal, ob er nun blonde Dauerwelle oder einen nasty Kurzhaarschnitt unter dem Bandana versteckt. (Zu Matt Sorum f?llt mir noch grad das Dummgeseier von einem Schmock auf einer der England-Reisen ein: “Matt Sorum? -Der hat’s doch voll net drauf! Der Drummer von Sepultura ist viel besser!”)Wie hie? eigentlich der Typ am Keyboard damals? Komme grad nicht drauf… Also vermissen wir eigentlich doch nur noch unseren Axel (der S?nger von Velvet Revolver geht ja mal gar nicht, diese Tucke!), wenn wir uns vorstellen, jeden Moment kommt der Typ im Holzf?llerhemd und Radlerhose auf die B?hne geturnt und singt, als w?re die besagte Hose an bestimmten Stellen zu eng. Kurz: Was soll dann Velvet Revolver? Braucht das jemand? -Ja, um sich vorzunehmen, morgen erstmal die Use Your Illusion 1 & 2 rauszusuchen f?rs Auto nach mp3 zu rippen. Das gabs damals noch nichtmal. Irre. Kleine Zeitreise. Danke MTV.

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