In einer Woche werde ich wohl mit einer CD und einem guten Grund bewaffnet die Uni-Bib aufsuchen gehen. Mein Vater fragte mich am Wochenende, warum ich eigentlich keinen USB-Stick für den Datentransport benutze. Gut, er hat sich etwas anders ausgedrückt; er sagte “Du, ich hab da die Tage beim [insert name of random technophile colleague here] gesehen, der hat so einen kleinen Dings, den schiebt er da nur in den Computer rein, und da hat er alles drauf, was er so braucht, und das immer dabei”. Aber gut, ich war erstmal baff! Mein Vater redet von USB-Sticks, ich fasste es kaum. Ich nannte als Grund, daß ich noch nicht wirklich einen gebraucht hätte und daher wegen meiner grundsätzlich ablehnenden Haltung jedes neuen Gimmicks gegenüber und aus Geiz bisher von der Anschaffung eines solchen Wunderwerks der Technik abgesehen hätte. Er wollte dann wissen, was wohl so ein Stick kostet. Er kam in der Folge zu dem Schluß, mich mal wieder nicht verstehen zu können, schließlich seien 40-50 Euro für sowas tolles doch nun wirklich kein Geld. –Daß aber meine Mutter noch immer auf seinen Segen wartet, sich endlich DSL legen lassen zu können, damit sie mit ihrem neuen Notebook endlich mal vom Berg-hoch-LKW-bitte-ganz-rechts-Streifen auf die Überholspur der Datenautobahn wechseln kann, sollte ich besser argumentatorisch vermeiden, denn sonst verfällt seine gewonnene Lust am Forstschritt gleich wieder in die für ihn so typische Schockstarre. An dieser Stelle die geistige Notiz unter die Hirnrinde, später mal nicht so werden zu wollen.
Ob ich dies Versprechen allerdings einhalten kann, ist arg fraglich, zumal ich absolut überhaupt keinen Sinn darin sehe, mir in der S-Bahn einen Film im Briefmarkenformat auf meinem Handy anzusehen oder mir dabei zusehenzulassen, wie ich auf dem Klo telefoniere. Tja, die Cebit wirft wirklich mit allerlei Schund um sich, und irgendwie wird das von Jahr zu Jahr schlimmer. Ich frage mich, ob die Hersteller das einfach nicht wahrhaben wollen, daß wir hier nicht Japan sind! Vielleicht sollte man sie mal bei der Hand nehmen und in einem Rundgang gemeinsam feststellen lassen, daß es bei uns keine Barbiepuppen mit 3 Körperöffnungen in an der Straße aufgestellten Automaten gibt, wo man auch getragene Schlüpper von Schuldmädchen ziehen kann. Bei uns pinkeln zudem echte Hunde auf den Teppich, dazu brauchen wir keine Roboter. Und genauso wenig brauche ich diesen ganzen Firlefanz am Handy. Ok, die Knipse für Schnappschüsse, von mir aus. Dann aber bitte richtig, und nicht so, daß sich nur Freibad-Spanner damit vergnügen können und alles, was sich in geschlossenen Räumen schneller bewegt als ein Gummibaum auf dem Bild dann ungefähr genauso viel künstlerischen Anspruch und Charme hat wie das Erbrochene neben statt in einer Kneipentoilette. Warum packt eigentlich niemand mal eine Infrarot-Funktion als Fernbedienung in so ein Teil? Und wann kommen endlich Bezahlsysteme mit dem Handy, die auch wirklich funktionieren? –Aber um sowas macht sich keiner Gedanken, stattdessen soll ich mir Herr der Ringe auf 280×280 Pixeln bei 65tausend Farben in der wackeligen Straßenbahn ansehen. Klasse Idee. Da bei mir jetzt auch wieder die Vertragsverlängerung ansteht, werde ich einen Teufel tun, und mir ein UMTS Handy aufschwätzen lassen, und das hat nichts mit Technophobie zu tun.
Mein Vater hat da ja sowieso gar keinen Vertrag mit solchen Sachen. Für ihn gilt der Grundsatz: Ich will nur das haben, was nix kostet. Billich willich sozusagen. Und irgendwie kommt er seit Jahren auch tatsächlich um jegliche Investition rum. Zum Beispiel, ich gebe ihm mein ‘altes’ Handy, weil seins zickt, er aber nicht den Sinn sieht, sich ein neues zu kaufen, weil er es nicht versteht, daß ein Handy nach 5 Jahren durchaus mal den Geist aufgeben darf. Ja, ausdrücklich darf! Rumtragen will so ein Teil dann eh keiner mehr, davon bekommt man mindestens einen Haltungsschaden. Oder aber, überall wird das gewohnte terristische Fernsehen abgeschaltet, auch die letzten Nachbarn müssen nun gezwungenermaßen auf DVB-T oder Schüssel umsteigen. Zwar haben wir schon seit Jahren eine Schüssel, aber mirakulöserweise ist unser Haus das einzige in der Straße, dessen Antennen noch immer ein brauchbares Bild aus dem Vogelsberg empfangen, seit von Frankfurt nischt mehr kommt.
Goldig war auch, wie er mir einen guten Ratschlag bezüglich des Druckens meiner Diplomarbeit geben wollte. Er meinte, ich solle da doch mal besser vorher einen Termin machen, bei ihm hätten die das damals, also 1905 oder so, dann in 2 Tagen schon fertig gehabt. Ich hab ihm dann gesagt, daß ich da mit meiner CD -ja, verdammt, ich hab halt noch keinen USB-Stick- hingehe und ne halbe Stunde später mit 4 gebundenen Ausgaben den Salon wieder verlasse. Das hat ihn schon schwer beeindruckt, daß “die so schnell kopieren können”. Mann, irgendwie komme ich mir vor, als würde ich von meinem Uropa erzählen; man hat ja fast Mitleid mit ihm, daß ihm das alles so am Allerwertesten vorbeigeht!
Naja, immerhin hab ich es jetzt trotzdem geschafft, Euch -fast ganz nebenbei- zu berichten, daß das leidige Thema Nummer eins fast ausgestanden ist.