Archiv für die 'Traumdieb & Umwelt' Kategorie

Unser täglich Brot

Gestern morgen in der Bäckerei:

Ich: “Ich hätte gern das Krustenbrot. — Geschnitten.”
Sie nimmt das Brot, packt es in eine Papiertüte.

Ich: “Nein, entschuldigung, geschnitten hatte ich gesagt”
Sie: “Ich kann das nicht schneiden!”
Ich: “Wieso, ist die Maschine kaputt?”
Sie: “Nein, ich kann das nicht schneiden, weil das Brot noch warm ist.”
Ich: “Na, soo warm, daß Sie es nicht anfassen können, ist es wohl nicht mehr!”
Sie: “Nein, aber dann kleben die Scheiben zusammen!”
Ich: “Ich weiß. Dann mache ich sie eben nachher auseinander. Ich hab nunmal keine Brotschneidemaschine.”

Der Blick, den sie jetzt hat, läßt mich im Unklaren darüber, ob sie mich wegen der nicht vorhandenen Brotschneidemaschine oder wegen der verklebten Scheiben bemitleidet. -Wie kann man nur so frontal in sein Unglück laufen, denkt sie sicher. Mag sein, wenn man sein Glück an nicht klebenden Brotscheiben festmacht.

Ein bißchen Schadenfreude gehörte wohl dazu, als ich mir am Sonntag die Schenkel klopfte und meine Wette mit mir und allen anderen Realisten gewann, daß unser Ulle es wiedermal nicht packt, den beinharten Lance zu schlagen. Jedenfalls nicht auf herkömmlichen Wege. So mit “schneller sein” und so. Ich kapier die Tour de France eh nicht: Da kommt jemand nie als Erster ins Ziel, auch nicht unbedingt als einer der Spitzengruppe, aber trotzdem steht er am Ende als Dritter auf dem Treppchen. Versteh ich nicht. Genausowenig, warum man sich so für den Sport herrichten muß. Da fällt uns der Voigt bald vom Rad, weil die Ärzte den mit 40 Fieber und Bronchitis auf seinen DrahtCarbonesel lassen. Hätte der kein buntes Trikot getragen, hätte man meinen können, man sieht einen Ausschnitt aus einem Bootcamp. Auf dem allerletzten Loch hat der Kerl gepfiffen, ohne auf der letzten Rille unterwegs zu sein! Oder man nimmt den Rasmussen, der aussah, als hätte man ihn grad aus sibirischer Kriegsgefangenschaft entlassen. Aber der Lance, der war souverän! Der trinkt schonmal gern einige hundert Kilometer vor dem Ziel ein Gläschen Sekt mit seinem Mannschaftswagen. Und was macht unser Ulle? Stürzt vornüber in das Heck eines Audis, noch bevor der ganze Zikus überhaupt losgegangen ist! Nein, so sieht kein Sieger aus! Kopfüber in den Kampf, von mir aus, aber nicht mit einer Heckscheibe aus Sicherheitsglas drumherum.
Nachher, wenn ich wieder meine Runde durch den Wald drehe, werde ich sie alle wieder sehen, die Hobby-Ullrichs. Jetzt schnell noch im Ausverkauf ein Trikot von T-Mobile erstehen, vielleicht sogar ein gelbes von Discovery, dann das Gemächt in eine Radlerhose verstauen, Cleatschuhe an und rauf aufs Rennrad. Der Bauch kann dann entspannt nach unten durchhängen, und die Platte verbirgt man geschickt unter Radler-Käppi oder Fahrradhelm. Schwitzen ist uncool, das macht der Armstrong ja auch nur nach 100km bergauf, also hier und da mal anhalten, Ruhepuls wiederherstellen und auf herannahende Vorbeifahrer achten, um rechtzeitig wieder volle Fahrt aufnehmen zu können. Alberne Looser sind das, Profilneurotiker, die über solche Amateure wie mich lachen, weil ich nicht im Trikot fahre, eine gewöhnliche kurze Hose trage, Trekkingschuhen vertraue und überhaupt auf meinem 12 Jahre alten Peugeot-Trekkingrad, das inzwischen auf Cross-Optik gemoddet ist, extrem unwürdig aussehe. Beim Achilles hab ich gelernt, wie man mit solchen Spacken umgehen muß, nämlich, daß man sie am allerhärtesten trifft, wenn man nicht grüßt. Der Gipfel ist es dann, wenn diese Waschlappen im allerletzten Moment dann doch noch zuerst grüßen. DANN hast du es echt geschafft.
Erstaunlich, daß man mit so wenig profihaftem Equippment dann doch in der Lage ist, mit bald 40 Sachen durch den Wald zu brettern, freilich leicht abschüssig. Wehe aber, dir kommt dann so eine wildgewordene Horde Stockträger entgegen, die dir nordisch entgegenwalken. Vor denen hab ich echt Angst, weil die immer im Rudel unterwegs sind (außer die ganz Dicken, die gehen immer allein oder höchstens zu zweit) und sich dann auch benehmen, als hätten sie ein natürliches Recht auf die 40 cm extra vom Waldweg, die ich für den Vorbeiflug brauche. Manches Mal war ich froh, keinen Stock ins Gesicht oder in die Speichen zu bekommen. Gibt es sowas auch für die Augen?

Wem der Liter Sprit noch immer günstig vorkommt und zu denen gehört, die nach Steuern und Abzügen noch was übrig haben, der kann jetzt, da es nur noch genauvielleichteventuell 74 Tage bis zur Wahl sind, endlich vom Sofa aus seinen Beitrag zur Demokratie leisten:

Spenden als Beitrag zur Demokratie
Neben der Stimme am Wahltag und der Mitgliedschaft ist die Spende die dritte wesentliche Säule für die Unterstützung einer Partei durch die Bürger. Spenden sind ein wichtiger und sehr persönlicher Beitrag des einzelnen Bürgers für die Politik seiner Wahl und Ausdruck persönlicher Willensbekundung. Eine Spende an eine Partei stärkt die Demokratie in Deutschland. Deswegen werden Spenden von Bürgerinnen und Bürgern an politische Parteien als ein staatsbürgerlicher Beitrag von unserem Parteiengesetz ausdrücklich durch staatliche Zuschüsse honoriert und sind zudem steuerlich absetzbar.

-Internetseite der FDP

Über das Kapital hat sich einst schon Marx ausgiebig ausgelassen, also greifen auch heute die Sozis beherzt danach:
Das Interessante ist, daß die Herrschaften “Sie und dich” dazu brauchen, erfolgreich eine bessere Politik -mit anderen- machen zu wollen. (Oh Zwiebelfisch, morituri te salutant!) Da liegt es in der Tat nahe, bei der kapitalistischen Berliner Volksbank ein Spendenkonto einzurichten, von dem dann aber die WASG sicher nichts abbekommt. Ätschibätsch!
Gerd und Münte kann man dagegen mittels seiner Spende das “neue Vertrauen auch finanziell beweisen”. Zwar räumt man Störfrequenzen von “Kohl bis Köln” ein, die das Vertrauen wohl berechtigterweise erschüttert haben, aber: “Wer uns finanziell unterstützt, kann sicher sein, dass wir mit dem uns anvertrauten Geld sinnvoll und verantwortlich umgehen. Das versprechen wir!” -Is scho recht…
Woraus sich die WASG die Arbeit ihrer Millionen Freiwilliger und Ehrenamtlicher bezahlt, oder ob die ihre Wahlkampfbühnen selber zimmern und sich so die 5000 Euro pro Bretterhaufen (Quelle: CDU) sparen, konnte ich leider ums Verplatzen nicht rausfinden. Scheinbar sind in dieser “Demagogischen” Vereinigung (Quelle: SPD) soviele gutsituierte Menschen aktiv, daß die gerne mal für soziale Gerechtigkeit ein paar Überstunden schieben. Da packt halt ein jeder mit an, wenn man Revolution spielen darf!
Das war ja an sich auch mal eher die Aufgabe der Grünen. Aber seit die etabliert sind, scheren die sich einen feuchten um “Haste ma ne Mark?” Nein nein, da geht es heuer viel entspannter zu: Einfach einen güldenen Button mitten auffe Homepage und feddich. Denn schließlich hat man ja schon “viel erreicht und noch viel vor”. Komisch, irgendwie haben das alle. Nur wenn’s bei den Parteien schon am Geld hängt, dann wundert mich nichts mehr! Dann gute Nacht Deutschland. Andererseits macht das die Sache volksnäher. Ehrlich, so wird Politik wieder glaubhaft. Ich sags ja: Die sind alle welche von uns!
Den Vogel schießt allerdings die CDU ab. Dort postuliert man: “Ihre Spende für die CDU - Ihr Beitrag für Deutschlands Zukunft”. Hab ich da nicht eben erst im Spiegel gelesen, daß wir nun definitiv mit der Frau Dr. Merkel höhere Mehrwertsteuer gebucht haben? Kann mir das eben jemand erklären, wie das in diesem Falle mit Return on Investment aussieht? -Wer soll es da jemandem übelnehmen, lieber einen Zwanni zu verfeuern, als ihn der CDU zu spenden?! Immerhin hat man dann wenigstens noch was davon! Weiter wird da im mecklenburgischen Wehleidston von ‘moderner Mediengesellschaft’ geheult, und wie teuer das doch alles ist. Wer spendet, der hilft der CDU, ihre Ideen auch endlich einmal “öffentlichkeitswirksam zu vertreten und die Menschen von dem notwendigen Politikwechsel in Deutschland zu überzeugen.”

Wem jetzt immernoch nicht schlecht ist von soviel gequirlter Gülle, dem kann ich nur zurufen: Helfen auch Sie mit - denn Deutschland kann mehr!

Hundeleben

Die Diskussion, ob man Straf- und Gewaltätern bei einer Spitzbuberei nicht gleich am besten ein paar Liter Blut abnimmt, um eine DNA-Probe in einer Kartei zu hinterlegen, ist ja nun schon leider wieder vom Tisch, wegen weil geht nicht und so. Wahrscheinlich ist irgendwo grundgesetzlich geregelt, daß ein jeder, der seine Straftat geschickt verschleiert, damit auch ein Recht erwirbt, nicht mirnichtsdirnichts per Mausklick überführt zu werden. So von wegen gläserner Bürger und so.
Aber: Die Holländer machen es uns mal wieder vor! Hier in Maastricht können ab heute Herrchen, Frauchen und Wauwau zur Registrierung der Doppelhelix von des Menschen bestem Freund antreten. Und wozu das ganze? Nicht etwa, weil ja der Köter ja mal jemanden beißen könnte und sich dann einfach verschnurzpiedeln würde, ohne seine Adresse zu hinterlassen. Nein, hier geht es um viel Alltäglicheres, quasi um Grundbedürfnisse eines jeden Vier- und Zweibeiners: Stoffwechselendprodukte. Künftig können genervte Anwohner mit Kacke an Stock oder Schuh eine Untersuchung selbiger veranlassen, um herauszufinden, welche Töle da direkt vor dem Haus keine Kontrolle mehr über den Schließmuskel hatte. Ob es dabei allerdings wirklich um den Vierbeiner geht, darf stark angezweifelt werden, wohl eher wird man Herrchen oder Frauchen zitieren. Stoff für Ehekrach also. Und für die Gerichte. Also eine echte Scheiß-Idee, mit der hier sogar Arbeitsplätze erhalten und geschaffen werden!

In einer Woche werde ich wohl mit einer CD und einem guten Grund bewaffnet die Uni-Bib aufsuchen gehen. Mein Vater fragte mich am Wochenende, warum ich eigentlich keinen USB-Stick für den Datentransport benutze. Gut, er hat sich etwas anders ausgedrückt; er sagte “Du, ich hab da die Tage beim [insert name of random technophile colleague here] gesehen, der hat so einen kleinen Dings, den schiebt er da nur in den Computer rein, und da hat er alles drauf, was er so braucht, und das immer dabei”. Aber gut, ich war erstmal baff! Mein Vater redet von USB-Sticks, ich fasste es kaum. Ich nannte als Grund, daß ich noch nicht wirklich einen gebraucht hätte und daher wegen meiner grundsätzlich ablehnenden Haltung jedes neuen Gimmicks gegenüber und aus Geiz bisher von der Anschaffung eines solchen Wunderwerks der Technik abgesehen hätte. Er wollte dann wissen, was wohl so ein Stick kostet. Er kam in der Folge zu dem Schluß, mich mal wieder nicht verstehen zu können, schließlich seien 40-50 Euro für sowas tolles doch nun wirklich kein Geld. –Daß aber meine Mutter noch immer auf seinen Segen wartet, sich endlich DSL legen lassen zu können, damit sie mit ihrem neuen Notebook endlich mal vom Berg-hoch-LKW-bitte-ganz-rechts-Streifen auf die Überholspur der Datenautobahn wechseln kann, sollte ich besser argumentatorisch vermeiden, denn sonst verfällt seine gewonnene Lust am Forstschritt gleich wieder in die für ihn so typische Schockstarre. An dieser Stelle die geistige Notiz unter die Hirnrinde, später mal nicht so werden zu wollen.
Ob ich dies Versprechen allerdings einhalten kann, ist arg fraglich, zumal ich absolut überhaupt keinen Sinn darin sehe, mir in der S-Bahn einen Film im Briefmarkenformat auf meinem Handy anzusehen oder mir dabei zusehenzulassen, wie ich auf dem Klo telefoniere. Tja, die Cebit wirft wirklich mit allerlei Schund um sich, und irgendwie wird das von Jahr zu Jahr schlimmer. Ich frage mich, ob die Hersteller das einfach nicht wahrhaben wollen, daß wir hier nicht Japan sind! Vielleicht sollte man sie mal bei der Hand nehmen und in einem Rundgang gemeinsam feststellen lassen, daß es bei uns keine Barbiepuppen mit 3 Körperöffnungen in an der Straße aufgestellten Automaten gibt, wo man auch getragene Schlüpper von Schuldmädchen ziehen kann. Bei uns pinkeln zudem echte Hunde auf den Teppich, dazu brauchen wir keine Roboter. Und genauso wenig brauche ich diesen ganzen Firlefanz am Handy. Ok, die Knipse für Schnappschüsse, von mir aus. Dann aber bitte richtig, und nicht so, daß sich nur Freibad-Spanner damit vergnügen können und alles, was sich in geschlossenen Räumen schneller bewegt als ein Gummibaum auf dem Bild dann ungefähr genauso viel künstlerischen Anspruch und Charme hat wie das Erbrochene neben statt in einer Kneipentoilette. Warum packt eigentlich niemand mal eine Infrarot-Funktion als Fernbedienung in so ein Teil? Und wann kommen endlich Bezahlsysteme mit dem Handy, die auch wirklich funktionieren? –Aber um sowas macht sich keiner Gedanken, stattdessen soll ich mir Herr der Ringe auf 280×280 Pixeln bei 65tausend Farben in der wackeligen Straßenbahn ansehen. Klasse Idee. Da bei mir jetzt auch wieder die Vertragsverlängerung ansteht, werde ich einen Teufel tun, und mir ein UMTS Handy aufschwätzen lassen, und das hat nichts mit Technophobie zu tun.
Mein Vater hat da ja sowieso gar keinen Vertrag mit solchen Sachen. Für ihn gilt der Grundsatz: Ich will nur das haben, was nix kostet. Billich willich sozusagen. Und irgendwie kommt er seit Jahren auch tatsächlich um jegliche Investition rum. Zum Beispiel, ich gebe ihm mein ‘altes’ Handy, weil seins zickt, er aber nicht den Sinn sieht, sich ein neues zu kaufen, weil er es nicht versteht, daß ein Handy nach 5 Jahren durchaus mal den Geist aufgeben darf. Ja, ausdrücklich darf! Rumtragen will so ein Teil dann eh keiner mehr, davon bekommt man mindestens einen Haltungsschaden. Oder aber, überall wird das gewohnte terristische Fernsehen abgeschaltet, auch die letzten Nachbarn müssen nun gezwungenermaßen auf DVB-T oder Schüssel umsteigen. Zwar haben wir schon seit Jahren eine Schüssel, aber mirakulöserweise ist unser Haus das einzige in der Straße, dessen Antennen noch immer ein brauchbares Bild aus dem Vogelsberg empfangen, seit von Frankfurt nischt mehr kommt.
Goldig war auch, wie er mir einen guten Ratschlag bezüglich des Druckens meiner Diplomarbeit geben wollte. Er meinte, ich solle da doch mal besser vorher einen Termin machen, bei ihm hätten die das damals, also 1905 oder so, dann in 2 Tagen schon fertig gehabt. Ich hab ihm dann gesagt, daß ich da mit meiner CD -ja, verdammt, ich hab halt noch keinen USB-Stick- hingehe und ne halbe Stunde später mit 4 gebundenen Ausgaben den Salon wieder verlasse. Das hat ihn schon schwer beeindruckt, daß “die so schnell kopieren können”. Mann, irgendwie komme ich mir vor, als würde ich von meinem Uropa erzählen; man hat ja fast Mitleid mit ihm, daß ihm das alles so am Allerwertesten vorbeigeht!
Naja, immerhin hab ich es jetzt trotzdem geschafft, Euch -fast ganz nebenbei- zu berichten, daß das leidige Thema Nummer eins fast ausgestanden ist.

Ich weiß seit eben, warum wir in Deutschland 5 Millionen Arbeitslose haben! -Alice hat sich ein Buch gekauft, um sich auf so ein Assessment-Center vorzubereiten, wie es in Deutschland wohl noch immer gern Gang und Gebe ist, auf diesem Wege die Spreu vom Weizen zu trennen. Bei der Lektüre erfährt man so einiges, z.B. daß Assessmentcenter eine Erfindung der Nazis sind (daher die vielen ‘S’ im Wort! *muhahaha* ok, der war echt schlecht!). Aber kein Spaß, kein höherer Offizier hatte seinen Posten erreich, ohne diese gleichermaßen bescheuerten wie sinnfreien Tests zu durchlaufen. Ich unterstelle -übrigens genauso wie die Autoren des Ratgebers- eine maßlose Realitätsferne sowie komplette Entfremdung des Sinns eines Vorstelligwerden bei einer Firma. Kleines Beispiel gefällig? -Da steht in dem Buch z.B., daß Bewerber detailliert nach ihrer Herkunft gefragt wurden. Also so richtig Nürnberg-mäßig mit eigener Größe, die der Eltern, Beruf der Eltern, trallala. Ob der Schädelindex hinzugezogen wurde, weiß man zwar nicht, aber allein dieses unseriöse Vordringen in Dinge, die ja nunmal gar nix mit dem Job zu tun haben, ist mindestens suspekt. Und dann der Kracher: Aus einer Bildersammlung von Massenmördern und Psychopathen diejenigen raussuchen, die einem am sympathischsten sind. Ja geht’s noch? -Das ist ja wie vor der Entscheidung zu stehen, welches verdorbene Essen man nun nehmen soll. Und wehe, man kennt die Herren und Damen auf den Bildern nicht alle, denn sonst läuft man noch Gefahr, als untauglich eingestuft zu werden, weil man einen Genozid sympathischer fand als einen Ritualmord. Ohne Worte sowas.
Aber ich will Euch ja alle am Wahnsinn teilhaben lassen und auch verraten, warum keiner der Teilnehmer eine wirkliche Chance hat, die Arbeitslosenstatistik um 1 zu entlasten:

Im Winter heizen Telefone nur dienstags.
Jeden Dienstag fällt Schnee.

-Was stimmt? (mehrere Antworten möglich)
a) Wenn Schnee fällt, heizen Telefone
b) Jeden Dienstag im Winter heizen Telefone
c) Telefone heizen immer dienstags
d) Dienstags im Winter fällt Schnee
e) Wenn im Winter dienstags Schnee fällt, heizen Telefone

Ja nur zu, laßt es Euch auf der Zunge zergehen, aber bitte denkt nie wieder drüber nach, warum uns andere Länder in vielerlei Hinsicht einen voraus haben!

Die Antwort gibt es, wenn es wenigstens ein paar hier versuchen (komm Shorty, das ist doch ein Heimspiel für Dich!), in ein paar Tagen.

Dumm wie Brot!

Die besten Vorsätze nutzen nicht viel, wenn die Obstakel des Alltags dazwischenkommen. Heute wollte ich nicht nur um halb 9 in der Bibliothek sein, nein, ich hatte das echt vor! Wer allerdings glaubt, er bekäme beim Aldi vor halb neun Einlaß, der irrt gewaltig. Also zum Bäcker, was soll’s, es besteht eine gewisse Chance, daß das dortige Brot geringfügig weniger nach Papp schmeckt. Da bekam ich dann auch erstmalig Einblick in das, was hier in Holland als “frisch gebacken, aus eigenem Ofen” verkauft werden darf. Alice und ich boykottieren diese sogenannten Bäckereien ja zukünftig, weil es einfach unter aller Sau ist, für Aufbackbrötchen ein Haidengeld zu bezahlen, nur weil sie in einem Pizzaofen aufgebacken werden. Wer dann um 5 nach 8, also 25 min vor Öffnung den Laden betritt, kann live mitansehen, wie die “frischen Brötchen” als weißteigige Rohlinge im Ofen landen, in dem sie dann keine 10 min später zu “eigener Herstellung” geworden sind. Angezeigt gehört sowas, das ist schlicht eine Lüge, wenn die behaupten, es seien frisch gebackene Brötchen. Aber gut, in the land of the free, na Ihr wißt schon.
Unseren S3-Poser hab ich heute auch schon gesehen. Fällt mir nur gerade so ein, weil ich eben festgestellt habe, daß er eine echt dumme Hackfresse hat, und somit das Auto das einzige sein kann, weshalb ihm seine Schicksi die Schenkel öffnet. Hilfe, was ist der Typ so panne! Volksplein-Uni ist nun keine Strecke, für die man ein geübter Wanderer mit festem Schuhwerk sein muß. Genaugenommen sind es bei flottem Schritt 8-10 min, inklusive der Ampelkreuzung. -Der Typ fährt jeden Morgen mit dem Wagen zur Uni und parkt davor, zum Spottpreis von nur 1.70 Euro die Stunde. Man gönnt sich ja sonst nix! Und das fällt alles auf uns (=das Kollektiv der Deutschen Studenten hier) zurück, das ist das schlimmste. Aber er ist nicht der einzige mit einem S3! Die Tage sah ich nochmal genau den gleichen, aber mit GT auf dem Nummernschild. Ob das Teil des Plans unseres Nordfriesen sein kann? -Der muß sich doch so fühlen, wie wenn Paris Hilton auf ner Party jemanden mit dem gleichen Kleid entdeckt…

Leute heute

Gestern hat die Uni wieder begonnen. -Und ich mittendrin. Dachte mir, gehste mal Freshmen glotzen und wirst ganz nebenbei ein wenig produktiv in der Bib.
Daß ich mich offensichtlich für mein Alter ganz gut gehalten habe hat mir nicht nur letztens die Mitbewohnerin von einem Bekannten verdeutlicht, indem sie fragte, ob er und ich denn nun hier anfingen. Nein, auch daß mir nach den ganzen Jahren noch ein (B)Analitas-Jünger einen Flyer für ein “Kennismakingsborrel“, also eine Einladung zu so einem Verbindungs-Menschenfänger-Abend, in die Hand gedrückt hat, fand ich dann doch schon ein starkes Stück. Daß man aber auch so nicht unbedingt zum ältesten Eisen gehört zeigt sich daran, wieviele Leute aus dem Jahrgang nun doch wieder hier auftauchen. Jetzt, wo alle von den Malediven oder Papas Finca wieder am Start sind, treffe auch ich mal wieder ein paar bekannte Gesichter.
Schaut man allerdings in die Unbekannten, wird einem wieder das ganze Ausmaß psychologischen Beeindrucktseins bewußt, das man selbst auch in seinen ersten Uni-Tagen erlebt hat. Lustig ist es schon, jetzt, wo der Abstand da ist, wie sie alle schauen: scheu und gleichzeitig enorm selbstbewußt. Dem einen oder anderen steht 5 min vor Veranstaltungsbeginn auch gern mal die nackte Angst im Gesicht, wenn er noch nicht seinen Raum gefunden hat. Wie goldig! Richtig Eindruck schinden bei den Bunnys (danke Nini für das Wort!), wer sich nicht nur im Hauptgebäude sondern auch in der Bib auskennt. Scharenweise pilgerten gestern Grüppchen in die Bib, und die wahren Checker zeigten dann den staunenden Pünzchen das Regal, wo das richtige Buch steht. Ich hätte schreien können! Aber nicht nur deswegen, sondern hauptsächlich wegen der Unruhe, die das Jungvolk da reingebracht hat. Warum erzählen die denen bei ihrer Bibliotheksführung nicht, daß man in den Säälen die Fresse zu halten hat, keine Stöckels anzieht, wenn man nicht lautlos darin zu gehen gelernt hat, und auch, daß man nicht telefoniert, das Handy auf stumm schaltet und auch nicht zu zweit hinter einem offensichtlich beschäftigten Diplomanden wild auf Chinesisch zu diskutieren anfängt?! Ferner scheint den neuen auch keiner verraten zu haben, daß Holland ein kapitalistisches Land ist, in dem man gegen Bares die benötigten Fachbücher erhält. Anders kann ich es mir nicht erklären, daß ich gestern erst nach fast 15 min einen freien Kopierer im ganzen Gebäude bekommen konnte. Wie die Weltmeister haben die da -natürlich, was das verkleinernde Kopieren von Doppelseiten angeht, kräftig Lehrgeld bezahlend- kopiert was aus dem Ding rauskam. *kopfschüttel*
Die Mensa präsentiert sich auch im neuen Gewand. Ob ich das toll finde, wage ich noch nicht zu sagen, ich tu mich ja schwer mit so Sachen. Sitzpolster im Krönung-Light mintgrün, Fußboden mit moderner Kunst im Linoleum, völlig umgestaltete Essensausgabe mit on-demand Zubereitung a la China-Schnellimbis, ja sogar eine Salatbar gibt es! Das war mir gestern irgendwie entschieden zuviel Innovation auf einmal, zumal ich für mein Broodje Gezond ohne Getränk fast soviel bezahlt habe wie Christoph für einen Teller Reis-Beilage und 0.5er Cola. Strange.
Könnte sein, daß es bald wieder was von der Spaßgesellschaft zu berichten gibt, denn im Nachbarhaus sind neue Leute eingezogen. Ich war ja erst so froh, daß diese Familie mit den gräßlichen Kindern endlich ausgezogen ist, aber angesichts der Truppe, die da nun wohnt, bin ich mir nicht sicher, ob ich meine Begeisterung aufrecht erhalten kann. Zu cool für diese Welt. Der eine Typ fährt nen S3, was an sich schon die größte Unverschämtheit ist. Das macht man einfach nicht als Student! Da kannste besser noch Mutters olles M3 Cabrio fahren, da sagt man weniger was, als wenn Du mit nem schwazzen S3 ankommst. Frechheit. Der Poser hat dann auch nen Kollegen da wohnen, der gibt genauso society-mäßig Gas, allerdings hat es bei ihm “nur” zu nem normalen A3 gereicht. Alice hat die beiden dann gestern beim Heimkommen gesehen, in Begleitung von zwei Volldosen, die aussahen, als hätten die Jungs die grad am Straßenstrich aufgesammelt. Kurzum: Marke “Pappi hat mir ein Haus für’s Studium in der Fast-Innenstadt gekauft und ich bin so großzügig und vermiete ein paar Zimmer an meine mindestens coolen Freunde”. Bitte, wann’s schee mocht, aber ich muß erstmal kotzen gehen!

Gehörsturz

Die Freundin meines Mitbewohners ist eine ganz aufgeweckte! Ein quietschfideler, fleischgewordener Flummi, der beim Hüpfen Geräusche macht. So hüpft sie schon den ganzen Tag wortwörtlich jauchzend und frohlockend durch’s Haus. E bissi arg hyperaktiv für meinen Geschmack. Thomas hätte früher die euphemistische Umschreibung “wie ein frischgevögeltes Eichhörnchen” gebraucht. (Herrlich, auch wenn das total Eighties ist, ich könnt mich heute noch drüber bepullern!)
Nach dem Rumquieken wie ein Ferkel, das entweder die Zitze nicht findet oder als solches am Span und mit Biersoße enden soll, ist sie nun dazu übergegangen zu singen. Will sagen, sie tut so. Sie intoniert seit der ersten Silbe “When Susannah cries” mit Halb-Playback und offensichtlich ohne Text bei der Hand. Kennt den Song noch jemand? Der war doch, wenn ich mich nicht irre von diesem hirn- und eierlosen Schmachti-Frauenversteher - schnell mal gegoogelt - jawoll, Espen Lind, 1999. Das war damals schon gruselig! Ein echter Grund zur Panik, wenn Frauen und ein Radio mit diesem Song zugleich anwesend waren.
Und heute das. Wie war das noch mit dem sprichwörtlichen “und es kam schlimmer”? -Ihr wißt schon…

G-Nerved!

Warum ich genervt bin? -Och, das liegt sicher nicht an meiner neuesten Errungenschaft, mit der ich fortan wesentlich besser und vor allem augenschonender in die virtuelle Welt blicke: Ein wunderbares TFT-Display aus dem Hause Samsung. Ja, hab mich endlich durchgerungen, eines zu kaufen, und merke nun, am Tag 2 der neuen Zeitrechnung, was ich da jahrelang meinen Augen selbst mit 100Hz Röhrenmonitor angetan habe. Ein wahrer Augenschmaus, quasi eine Anti-aging Creme für meine Netzhaut. Die Röhre steht hier noch daneben, das Replacement wahrscheinlich ein wenig mit Neid und Verachtung beäugend, aber wohl wissend, daß es Zeit ist, Abschied zu nehmen. Wäre da nicht der zweite Anschluß an meiner Grafikkarte, mit dem ich meinen Desktop um stolze 1152×864 Pixel erweitern kann, wenn es die Aufgabe erfordert. Zum Beispiel beim Suchen nach “academic literature” zu einem noch nicht ausgegorenen Diplomarbeitsthema.
Geschickte Überleitung, ich weiß, danke danke. Denn das nervt richtig! Entweder, die 1 Milliarde Journals und Business Reviews, auf die unsere Uni abonniert ist, enthalten nur das Falsche für mein Themengebiet, oder aber es ist nur der Abstract downloadbar - “if you want to buy the full-text version of this article, click here for prices and availability” … and don’t forget to kiss me arse! Richtig wild werde ich aber, wenn ich glaube, ein Meilensteins-Werk gefunden zu haben, und sich dann dieses Evangelium aus unerfindlichen Gründen nicht als PDF runterladen läßt! Da häng ich echt unter der Decke.
Genauso, wenn mein niederländischer Mitbewohner seine Vereinigungs-Idioten hier ins Haus schleppt. Wenn seine Freundin da ist, wirkt der Kerl wie weichgespült. Da wird mit geölter Stimme bei Kuschelrock 87 gesäuselt, völlig homosexuell Wäsche gewaschen, aufgehängt und gebügelt, beim Essenkochen liebevoll Gemüse geschnippelt, das Geschirr wird abgewaschen, und die Klobrille nach Gebrauch runtergeklappt. Fallen seine beklopppten Horden hier ein, pissen sie alle neben das Klo, es gibt fettige Burger mit Fritten (und so sieht dann die Küche auch aus), er läuft in einem versifften Verbindungsshirt rum und die Meute grölt primitivst in der Gegend rum, untermalt von asozialstem Holland-Plastik-Techno. Warum ist dieses Volk einfach immer so laut? -Und ich hier in meinem Zimmer, einen Stock weiter oben, bei dem Versuch, endlich einen Schritt weiter zu kommen.
Ebenso vergeblich blieb bisher die Suche nach einem neuen geeigneten Fortbewegungsmittel. Fazit nach der Besichtung von ein paar Hundert Gebrauchtwagen am Wochenende: Es gibt keine Diesel, es gibt keine sparsamen Benziner, es gibt fast nichts außer Kombis - es sei denn, man gibt 3000 Euro mehr aus, als man vorhatte.
Ach ja, es gibt so vieles, über das man sich aufregen möchte, darunter auch solches, worüber es sich lohnte aufzuregen. Dazu gehört nicht, das Montoya Schumacher im Tunnel an die Wand gefahren hat, auch nicht, daß ich gestern hier fast eingegangen bin, weil der Nachbar sein Flachdach mit einer krassest Lösungsmittel freisetzenden Beschichtung hat streichen lassen. Aber daß die USA mit ihrem gegenwärtigen mode-of-conduct durchkommen, die Welt quasi zuschaut, wie alle supranationalen Abkommen, die wirklich etwas bedeuten, mit Füßen getreten und bespuckt werden, das ist wirklich skandalös. Auch bei dem, was Israel da abzieht bekomme ich Gänsehaut am Knie. Aber was soll’s, sind ja eh alles nur Terroristen, hm?!
Und dann schreibt mir noch so ein Hohlpfosten von Spammer sowas in seinen 723sten Enlarge-your-penis-buy-our-pills Versuch, mich in den endgültigen Wahnsinn zu treiben:

Gratitude is born in hearts that take time to count up past mercies.

Und jetzt? -Nun, Cicero hat es mal so formuliert: A happy life consists in tranquillity of mind.
Na dann.

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