Auf die bloße Gefahr hin, daß sich ab morgen die Welt ändert, nutze ich die heutige Gelegenheit, um mal wieder was zu Byte zu bringen. Das liegt nicht wirklich daran, daß einer meiner Arbeitskollegen heute dem Dienstwagen von Otto Graf Lambsdorff hinten drauf geschallert ist, und ich das so als politischen Aufhänger nutzen könnte. Noch dazu an einem so denkwürdigen Tage, an dem die Uhren sich nun angeblich anders zu drehen begonnen haben, nur weil Frau Merkel nun Frau Bundeskanzler heißt. Oder Bundeskanzlerin? -Grausame Vorstellung, sich nur noch durch Phrasen wie “Eure Exzellenz” in Sicherheit wiegen zu können. Daran hat wohl keiner gedacht, als Merkel zur Debatte stand. Übrigens schreiben unsere amerikanischen Kooperationspartner die neue Kanzlerin konsequent “Merkle”, analog dazu einer der Kollegen immer “Googel” statt Google.
Aber gut, wenn sich die Ereignisse seit Wochen nur so überschlagen, werden die eigenen Erlebnisse plötzlich wesentlich unspektakulärer. Eigentlich ist es auch gefühlsmäßig ein bißchen viel für ein Jahr. Also so ähnlich wie es draußen gerade gefühlte minus 10 sind, tatsächlich aber nur minus 4. Papst werden, Kanzlerin werden, Deutschland sein… Also ich finde ja, das reicht für dieses Jahr. Man soll ja sein Pulver nicht auf einmal verschießen, dafür hat Angie mit uns Deutschländern ja noch so einiges vor. Damit wir bisher aber nicht die Lust am Matriachat verlieren, gibt es die Steuererhöhungen erstmalig in 2007, bis dahin läuft sicher noch viel Wasser den Rhein und die Spree runter. Apropos Rhein: Früher wäre Schröder jetzt mit seinem Hofstaat nach Bonn gegangen und hätte dort im Wasserwerk die Republik neu ausgerufen! Aber was macht er stattdessen? -Handtuch werfen, Waffen strecken, Füße hoch legen. Gut, wenn man es sich verdient hat, schlecht, wenn man noch was vor hatte.
Aber was hilft das ganze Lamentieren, es ist unterm Strich ja doch eher so, daß nur sicher ist, daß ich hier gerade sitze. Rürup oder Riester, privat oder betrieblich, besteuert oder unbesteuert - klar ist nur, daß dieses Land ganz schnell seine Vollkasko-Mentalität ablegen muß, sonst werden wohl viele bald ein langes Gesicht machen. Die Zeiten ändern sich eben, und ich weiß, daß ich mich beeilen muß, wenn ich nochmal einen automobilen Traum verwirklichen will. Sonst ist irgendwann Hybrid- oder Gasantrieb unter Aerodynamik-Karosse anstelle von 6-Zylinder und Chrom angesagt. Und mal ehrlich: Wer kann ein Auto wollen, von dem man nichts hört? Das ist wie alkoholfreies Bier…
Hab ich schon erwähnt, daß ich ein “Gelber” bin? -Damit schlage ich nicht etwa den Bogen zum Anfang zurück, nein, ich wurde für eine schier unglaubliche Tagesgage analysiert. Soll heißen, ich habe einen Fragebogen mit ca. 40 geschlossenen Fragen angekreuzt und ein allem Anschein nach renommierter Management-Berater hat meinen Bogen dann durch ein Programm gejagt und mir die aus Textbausteinen zusammengeklebte Berichtmappe dann feierlich vorgestellt. Zunächst die gute Nachricht: Ich gehöre zu den “Guten”, was immer das auch heißen mag. Die schlechte: Ich hab keine Ahnung mehr, wie “ehrlich” ich den Bogen dieses Gurus ausgefüllt habe. Bei der Besprechung suchte ich händeringend nach dem Namen von dem “Chacka”-Hansel aus Holland, um mich ein wenig von dem “das ist super” und “machen Sie weiter so” abzulenken. Emil Rattelband heißt der, das fiel mir dann abends doch noch beim Tomatenschneiden ein. Aber was heißt nun Gelb? Erstmal nix Schlimmes, soviel ist sicher, denn after all hoffe ich, daß mir doch etwas mehr Persönlichkeit und Charakter innewohnt, als man ihn mit einer noch so vollen Datenbank mit Textbausteinen beschreiben könnte. Offiziell, also nach Carl Jung, dem Erfinder des dem Insights-Konzept zu Grunde liegenden psychoanalytischen Ansatzes, bin ich als Gelber folgendes:
Inspiratoren sind extravertiert und gesellig und suchen ein angenehmes soziales Umfeld, in dem sie Kontakte knüpfen und erhalten können. Sie sind fähig, in anderen Begeisterung für eine Sache zu wecken und unterhalten ein ausgedehntes Netzwerk an Kontakten, das eine gute Grundlage für ihre Geschäfte bildet. Gesellschaftlich gewandt, schliessen sie leicht Freundschaften und überwerfen sich mit anderen nur selten ernsthaft. Sie sind verbal geschickt und verkaufen ihre eigenen Ideen gut und wecken dabei Begeisterung in anderen.
Meine sprachliche Gewandtheit kommt in Wahrheit daher, daß ich samstags, wenn mir langweilig ist, in Baumärkte gehe und mir von Verkäufern neue Vokabeln beibringen lasse. So wie diesen Samstag, wo ich meinen Grundwortschatz um ein neues Wort erweitern konnte, nachdem ich in bester Dingsda-Manier auf einen Sanitärfachverkäufer zuging und nach einem “Chromdeckel für das zweite Loch in der Spüle, also das, was nicht gebraucht wird” fragte. Sich in sicherer Überlegenheit wähnend (und darum auch für einen Moment unglaublich arrogant grinsend) stolzierte er zum betreffenden Regal und holte dem dämlichen Akademiker mit einem gezielten Griff das Gewünschte aus dem Regal. “Hier” sagte er, “es heißt so, wie es tut: Ein Hahnlochstopfen.”

HAPPY BIRTHDAY !