Ich habe noch nie von über den Wolken gebloggt. Wahnsinn, ich liebe die Lufthansa! Sie ist die wahre Königin unter den Airlines, und das liegt nicht daran, daß das Goulasch in 10km Höhe hier fast so gut schmeckt wie das, was Omi unten auf 100m ÜNN zubereitet. Ich könnte glatt zum Fan dieser Fluggesellschaft werden, denn nicht nur hab ich bisher in der Luft noch nirgends besser gegessen als hier, nein, auch wird nirgends der erstklassige Gin mit weniger Tonic verdünnt. Nirgendwo schmecken die Brownies mit Kirschen besser, kein anderer Cabernet aus der 1.5 Liter Flasche schmeckt süffiger, nirgends hab ich die Auswahl aus sovielen Zeitschriften (darunter auch Herrenmagazine). Es ist nicht wirklich der Bailey’s auf Eis, der stilvoll nach einem leckeren Mahl gereicht wird, es ist eben das Gesamtpaket, das hier den Sieg holt.
Es geht nicht darum, daß die Stewardess irgendwie globschlächtig anmutet, es geht darum, wieviel Wein sie mir bereitwillig erst zwischen Schottland und den Färöern und dann zwischen Island und Grönland in mein edles Kunststoffglas füllt. Auch, daß ich meinen wunderbaren Kartoffelbrei nicht mit einem darin schmelzenden Platikbesteck essen muß, sondern mit der Lufthansa-Edition von WMF, gibt hier den Ausschlag. Und irgendwie stört es auf einmal gar nicht mehr, daß mir die Lufthansa ein komplett grottiges Unterhaltungsprogramm anbietet, wenn ich mit meinem Sitznachbarn nach dem 4. Wein auch so eine Menge Spaß haben kann. Sowas geht aber auch nur in Deutschland, oder besser auf deutschen Flügen, denn in den Ami-Maschinen trinken sich ein paar Kumpels ein paar Bier und schon ist die Stimmung nachhaltig im Arsch. Vermutlich, weil sie die einzigen waren, auf halber Strecke die Kasse am Limit ist - ein kleines Bier kostet immerhin stolze 5 Dollar - oder der gut ausgebildete Sky-Marshall nunmal keinen Spaß versteht. Oder eben alles zusammen.
Nachdem ersten Essen sind es nur noch 6 Stunden bis nach Denver. Mittlerweile habe ich aufgegeben, mich immer neu in das angeblich dauernd vorhandene WLAN einzubuchen und speichere mein Geschreibsel in einer schnöden txt-Datei, da weiß man wenigstens, was man hat. Mein Sitznachbar fliegt zum Skifahren nach Denver. Er ist Italiener, hat also jenseits der Alpen diesen Winter bislang nur von Schnee gehört aber noch keinen gesehen, also auf in die Rockies. Mache ich sicher auch, sobald das Kleingeld dafür stimmt. Ich gönn’s ihm also, er quatscht mich 1 Stunde voll, wie toll da der Schnee ist und klar, es sei schon crazy für 4 Tage Skifahren nach Denver zu fliegen, aber what the f**k, man lebt ja nur einmal, ist es nicht so?! -Was soll man darauf sagen? Die Wahrheit am besten. Nämlich, daß ich für einen Business-Trip nach Las Vegas fliegen MUSS. Da schluckt er, wir prosten uns zu, auf die Gemeinheiten des Lebens und überhaupt, und wir setzen die Kopfhörer auf, denn es folgt endlich der cineastische Höhepunkt der Reise.
Geschrieben am 5.12.2006, irgendwo nahe des Polarkreises, auf dem Laptop verloren, wiedergefunden, heute fertiggeschrieben und gebloggt.
