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Herbst/Zeitlose

Linden und Kastanien werfen schon mit Blättern um sich.

Seit knapp einer Woche möchte man schon wieder die Wohnung heizen.

Der Ölpreis ist gefallen - und keiner weiß, wann man am besten Heizöl tanken soll.

Die Tage sind so kurz geworden, daß ich höchstens am Wochenende aufs Rad komme.

Auf Premiere laufen wieder bessere Filme.

42-Zoll LCD Fernseher sind toll, stehen aber bei den Eltern im Wohnzimmer.

Nirgendwo in Europa wird so wenig für Kinder getan wie in Deutschland - sagt der Nachbar beim 6ten Bier.

Meine Steuererklärung für 2007 ist endlich raus. Die von 2006 folgt auch bald - hoffe ich.

Das Fitnessstudio hat wieder mehr aktive Mitglieder. Der Speckspiegel ist also wieder gestiegen.

E-Plus hat ein jämmerliches Netz. Auch im Herbst.

Federweißer und Flammkuchen.

Black Velvet hab ich seit Monaten zum ersten Mal wieder getrunken.

Das neue Metallica-Album “Death Magnetic” muß ich noch ein paar Mal hören, um ein Urteil zu haben.

Die Abgeltungssteuer kommt.

Christoph Maria Herbst spielt Stromberg. Und Stromberg ist überall. Und echt.

Der Herbst, der Herbst, der Herbst ist da. -Hat meine Schwester schon als Kind gesungen.

Das war ein schnelles Wochenende. Nicht, daß es bloß wiedermal viel zu schnell rumging (Zitat Thomas: “Hell-dunkel, hell-dunkel, Montag”), sondern auch physikalisch zu schnell.

Wir haben wiedermal “Klassenfahrt” gehabt, uns Freitag ganztags und ganz viel mit Strategie beschäftigt, waren aber nicht ganz ohne Hintergedanken im schönen Kerpen einquartiert. Am Samstag sollte wieder der diesjährige Schnellste im Kartfahren bei Schumachers ermittelt werden.  Wie gesagt, dieses freizeitlich anmutende Highlight galt es sich erst beruflich zu verdienen. Am Abend haben wir uns dann bei viel zu viel Alkohol und kalorienbombigem Essen erstmal warmgekegelt. “Bowl-Position” heißt da in Kerpen der Magnet für die Jugend und alle Junggebliebenen, wohl deshalb, weil man dort direkt neben der Schumacher-Kartbahn amerikanisch kegelt. Beim sogenannten Disco-Bowlen brennt da echt die Luft, Flirt-Fever ohne Gleichen, ein Potpourrie der guten Laune mit Star-DJ Günther. Besonders sexy wird es dann, wenn das Schwarzlicht angeht. Denn dann leuchten nicht nur die neonfarbenen Kugeln spektakulär auf ihrer Bahn Richtung Ziel, sondern auch die blondierten Mähnen der Golf-GTI-Beifahrerinnen und die Tops der Olgas und Natashas. Wie gesagt, ein wenig Alkohol ist schon ratsam dort…

Wohl mit jeder Menge R-OH ging es dann früh um 10 auf Michas Piste. Und die Erwartungen waren hoch, es galt schließlich, sich gegenüber der Ergebnisse von letztem Jahr zu verbessern und verlorene Positionskämpfe von letztem Mal nach wochenlanger Vorarbeit wieder aufzunehmen. Im Endeffekt ist es diesmal für mich der dritte Platz geworden. Das mag an einer deutlichen Verbesserung der persönlichen Bestleistung in puncto Höchstgeschwindigkeit und Rundenzeit gelegen haben, andererseits war diesmal das Konkurrenzfeld nach vorne noch ein klein wenig dünner als letztes Mal, wo ich fünfter wurde. Stark beeindruckt haben mich allerdings todesmutige Kolleginnnen, die mit dem Messer zwischen den Zähnen auf der Geraden bis zur letzten Sekunde Vollgas gehalten und ihren Platz auch in der Kurve wie eine Löwin verteidigt haben. Und trotz Vorwissen immerwieder das große Staunen, wie naß geschwitzt man da nach 19 Runden aus dem Kart aussteigt. Große Gaudi also und ein kleiner Blech-Pokal für’s Regal im Büro.

Am Sonntag Abend auf der Heimfahrt von meinen Eltern ging es dann leider nicht mehr so spaßig zu. Vorbemerkung: Ich fahre seit 10 Jahren regelmäßig die A3 zwischen Limburg und Köln. Nehme ich nur einmal im Monat an, so bin ich die Auffahrt von der B49 auf die A3 also mindestens 120 Mal gefahren. Ich würde sagen, ich bin sie sogar mindestens 200 Mal gefahren! Jetzt kommt leider der statistische Ausreißer: Am Sonntag ist es nicht gutgegangen. Die Auffahrt besteht aus einem Doppel-S, also rechts, links, rechts zum Beschleunigungsstreifen. Rechts ging gut, links ging gut, dann plötzlich bei wieder rechts schiebt der Leon über die Vorderachse, das Heck geht weg, ich Fuß vom Gas, Heck dreht sich nochmehr ein, zu viel Gegenlenken, der Wagen dreht sich in die andere Richtung, gegen die Fahrtrichtung, es geht jetzt rückwärts, leicht seitwärts, RUMMS, Einschlag in die Leitplanke mit dem Heck, eine halbe Sekunde später hängt die ganze Seite drin und ich komme endlich zum Stehen. -Ein wirklich unschönes Gefühl, wenn die Lichter auf der Autobahn auf einen zukommen… Der Motor lief noch, zum Glück ist dort noch eine zweite Beschleunigungsspur, Gegenverkehr kam da zum Glück grad keiner. Also Augen auf, Gang rein, Gas - nur da weg.

Ich verzichte jetzt mal auf die weiteren Details (und rege mich nicht auf, daß ich kein ESP hatte oder gar zu schnell war!), nur soviel: Ich hatte größeres Glück, denn weder mir ist was passiert außer einem gezerrten Nacken und einer gestauchten Hand, sondern auch die Reifen sind nur mäßig beschädigt worden, sodaß ich meinen sorgenden Vater wieder heimschicken konnte und selbst nach Bonn weitergefahren bin. Der Rest vom Wagen sieht allerdings bitter aus. Das Gutachten kommt zwar erst am Freitag, aber nach der Schätzung des Meisters bei VW kommt der Schaden wohl so hoch, daß ich schonmal überlegen soll, ob ich den denn überhaupt reparieren will. Der Teufel scheißt halt immer auf den dicksten Haufen!

Coldplay Viva la VidaNanu? Erst heißt es überall im Netz “Coldplay exclusive pre-release on iTunes“, und dann kommen die Apfeltuner mir auf einmal mit “17ter Juni”, Tage nach dem offiziellen Release von Viva la Vida auf Silberlingen.

Hat mich schon ein wenig enttäuscht! Man stelle sich vor: Ich hochgradig entschlossen, Musik zu kaufen bevor ich sie lade, mit meinem 25$ iTunes Voucher vor dem Rechner, an den schon hungrig die 500GB Platte und der iPod Classic angeschlossen waren. Das neue Coldplay-Album für 6€soundsoviel, wegen des super Wechselkurses, durchs Hintertürchen im amerikanischen iTunes Store. Jawohl, wir waren bereit, Apple nicht. Verkehrte Welt?

So langsam wird es Zeit -auch für notorische Fußball-Muffel wie mich-, die schwarz-rot-gold Gimmicks aufzurüsten und mich auf die EM vorzubereiten. So hat eben ein Spielplan-Poster seinen Platz an der Wand im Büro gefunden, und den EM-Spielplan habe ich im Outlook, dem Handy und dem iPod synchronisiert. Von einer Fahne am Auto sollte man angesichts der momentanen Spritpreise absehen, was aber nicht heißt, daß man mit der Flagge so umgehen sollte, wie diese Gehirnspender hier.

Ob das dieses Mal dann auch wieder ein Sommermärchen werden wird, überlasse ich lieber Sönke Wortmann als Jogi Löw. Klar, daß ich unseren Jungs trotzdem die Daumen halte, was ich im folgenden Bilderrätsel mal schnell visualisiert habe:

EM 2008 Deutschland

MP3, Hifi, Apple, ich und die anderen

Nachdem ich diesen Artikel in der Welt gelesen habe, ist mir so einiges klar geworden.

Ganz schön auch dieser Kommentar eines aufmerksamen Audiophilen:

Aber “natürlich” war früher “alles besser”. Früher, als noch Musik aus dem Radio mit einem Cassettenrekorder mitgeschnitten wurde und der Zimt dann auf dem Cassetten-Walkman abgespielt wurde. Besonders “nett” war der Klang, wenn man “Dolby B” einschaltete.

Also hat der iPod (und seine ganzen minderwertigen Vorgänger und Nachkommen) dafür gesorgt, daß wir heute Musik nur noch konsumieren anstatt sie aktiv hörend zu genießen. -Stimmt auch, wenn man sich nur mal alte CDs anhört, deren Inhalt noch weitestgehend handgemacht ist: Hoch lebe ADD und AAD, wo automatische “Normalisierung” noch nicht erfunden war.

Kämpfer

Gestern habe ich zum ersten Mal meine rechte Kniescheibe unter dem immernoch völlig zugeschwollenen Knie wiederentdeckt. Ob das daran liegt, daß die Sache allmählich besser wird oder nur mein eigenmächtiges Weglassen des extremly sexy Thrombose-Stockings Wirkung zeigt, ist mir dabei fast egal. Der ganze Klump sieht echt arg krank aus: Oberschenkelumfang jeden Tag weniger, extremes Muskelschrumpfen sozusagen, Unterschenkel genauso, und dazwischen in der Mitte, wo andere ein wohldefiniertes Knie ihr eigen nennen können, warte ich mit einem unförmig geschwollenem Klump in Form einer Dickwurz auf. Nur gut, daß der Verband endlich ab ist und ich mir das orange-kontrastierte Antiseptikum der OP vom grün und blau schimmernden Darunter mittlerweile abwaschen konnte.
Montag kommen dann endlich die Fäden raus, dann darf ich auch wieder ohne Müllsack mit Handtuch drunter duschen. Obwohl: Meine morgendliche Routine dauerte anfangs noch eine Stunde, mittlerweile bin ich auf schmale 30 Minuten runter. Routine und Übung ist eben doch alles.
Das gilt auch für das sogenannte Gehen an Krücken. Was das Bein an Muskulatur abgibt, gewinnt der Oberkörper wenigstens dazu. Naja, oder bleibt zumindest im Training. An meinen Schultern hab ich zwei neue Muskeln entdeckt, ich bin mal gespannt, ob die in den nächsten Wochen noch wachsen, während ich Stück für Stück bei der Belastung die Schmerzgrenze verschiebe.
So schufte ich mich zu meinem Doc, der dankenswerter Weise auf der anderen Straßenseite praktiziert. “Na, Sie Kämpfer,” begrüßt er mich, “wie isses Ihnen?” Ich klage mein Leid, aber der Internist in ihm will nur mein Blut. Wenigstens die Praxishilfe ist interessiert, wie sich so ein Mist anfühlt und wie der Heilungsprozeß geht.
Daheim packe ich den Knochensack wieder in die Horizontale und beginne mit den Übungen, die mich wieder mobil machen sollen. 70 mal das Sprunggelenk in alle Richtungen, Wadenmuskulatur so lange anspannen, bis es weh tut, Patellamobilisierung durch Anspannen des Quadrizeps - natürlich auch so lange, bis es wehtut. Also doch, richtiges Wort: Kämpfer.

Liebling Kreuzband

Der beste Tag bisher: Über Nacht hat es 20-40cm Neuschnee gegeben, Powder auf fast allen Pisten, der Himmel reißt noch während des Frühstücks auf und die Sonne küßt das frisch eingepuderte Sölden. Zum ersten Mal seit wir hier sind, hat es Temperaturen unter dem Gefrierpunkt, auf 3000m messen die Sensoren -12 Grad bei 50km/h Wind. Das dürften gefühlte -20 sein, und was das ohne entsprechende Schutzmaßnahmen bedeuten kann, das habe ich die Tage schon an meinen Ohren getestet: Nach weiß kommt irgendwann wohl schwarz, wenn man keine netten Mitmenschen um sich hat, die einen auf die drohende Erfrierung hinweisen. Nun denn, auf auf den Hang hinauf!
Oben dann ein Traumtag, Sonne, blauer Himmel, Powder. Schnelles Mittagessen, keine Zeit verlieren, bevor es sich das Wetter anders überlegt. Schließlich wollen wir es für so einen Traumtag gut sein lassen, wedeln über eine von Söldens zahlreichen komplett zerfurchten Pisten gen Talabfahrt. Schwer ist es, bei derart desolaten Pisten den Parallelschwung zu pflegen, nach einigen Metern heißt das Motto tageszeitentsprechend nur noch “runterkommen”. Fluchend geht es talwärts, die Ski brechen immerwieder aus der idealtypischen Formation aus, die Knie schlucken plötzlich auftauchende Buckel wie Stoßdämpfer. Dann ein Steilstück, ich quäle mich über die ersten Meter, dann eine Eisplatte, keine kleine. Die Kanten schneiden das Eis, suchen Halt, den sie an dieser Stelle nicht bekommen können, zu steil ist es. Dann das Gewicht minimal falsch verlagerrt, der Bergski ist schneller als der Talski, rutscht auf ihn, blockiert ihn, verkeilt ihn, ich falle aus dem letzen Schwung nach hinten, aber die Ski stehen fest auf der Piste, sodaß ich den vollen Drehmoment auf mein rechtes Knie ausübe. Noch im Fallen schreie ich aus Reflex so, daß selbst die letzte Gams es mitbekommen mußte, die Schmerzen erreichen das Gehirn direkt und ohne Umwege. Ich versuche nur noch, irgendwie zum Liegen zu kommen und meine Ski zu sortieren, aber es ist vergeblich, das Knie sendet nur noch Schmerz und nimmt keinen Befehl mehr an. Jan ist als erster da, macht mir die Bindung auf. Warum ist das Scheißteil heute nicht aufgegangen? Nachdem die Beine wieder nebeneinander liegen, die Fußspitzen beide nach oben zeigen, ist für einen kleinen Moment wieder alles in Ordnung. Wird schon wieder gehen. Ich schnall die Ski wieder an, höllische Schmerzen im Knie, egal, ich bin in den letzten 23 Jahren noch jeden Berg in jeder Situation runtergekommen. Keine Zeit für Memmen! Genau 2 Schwünge bekomme ich hin, beim Dritten wird mir wieder schwarz vor Augen, der Schmerz läßt mein Knie einknicken wie eine aufgeweichte Grissini. Mein Zimmernachbar im Krankenhaus wird dies später mit “so you were playing Superman, huh?” kommentieren. 10 min später klammere ich mich auf einem Skidoo fest, der Macker heizt wie blöde zur Gondelstation, und alles, was ich denken kann ist, daß mich die zwei Kilo Skischuh bei jedem Buckel und jeder Bodenwelle, die der Skidoo unsanft an seine Fahrer weitergibt, noch das Bein kosten werden, so sehr habe ich Mühe, die rechte untere Extremität auf der Fußraste zu halten. Ab da geht alles routiniert: Auf der Liege bekomme ich eine Sonderfahrt in der Gondel, vorbei an 1000 wartenden Skifahrern, unten wartet bereits die Rettung. Das zumindest sagt mir Johann, der nette Mann von der Bergrettung, dessen Lesebrille zwar ihren Namen nicht verdient hat, der sich aber alle Mühe gibt, mir Mut zu machen. Im Bagatellisieren ist er aber kein Held, denn: “Die meisten, die so g’fallen sin wie du, siehgst zwoa Doag speda scho wieder mit’n Krückchen drunten im Ort.” Danke Johann, DAS war die Info, die mir noch fehlte! Es folgt Röntgen und eine MRT in einer schnieken, brandneuen Privatklinik. Keine Sorge, zahlt alles die Auslandskranken Plus. Und so lasse ich mich rundrum durchchecken. Die MRT ist der Höhepunkt des Abends: Die nette Schwester bietet mir zwar Kopfhörer mit Musik an, weil das Teil “scho arg laut is”, doch Bono und U2 schaffen es nicht wirklich, das technische Meisterwerk von Siemens Medical zu überlagern. Warum nur heißt diese Röhre “Harmony”? Während der zwanzig Minuten, in der ich in diesem Teil liege und mein wummerndes Knie nicht bewegen darf, stampft ein wundervoll gleichmäßiger Rhythmus unter mir, während dieses Teil die unterschiedlichsten Fehlgeräusche von sich gibt. Früher nannten wir sowas Noise und hörten das in der Disco. Auch diese 20min gingen rum, ich danke der Schwester für U2 auf den Ohren - hätte ja auch schlimmer kommen können. Der Befund hingegen konnte dann kaum schlimmer ausfallen: vorderes Kreuzband gerissen, inneres Seitenband abgerissen, Miniskus durch Quetschung verletzt.
Am nächsten Tag wird gleich operiert, ich finde mich im Imster Outlet dieser Superklinik pünktlich ein. Alles geht ruckzuck, routiniert möchte man denken: Hemdchen an, Trombose-Stockings, Laberlaber mit der Anästhesistin, die Wahl fällt auf Vollnarkose. “So, jetzt wird Ihnen etwas schwindelig”… 21… 22… 23… “Nö…. naja, vielleicht doch….. sie verlieren mich gleich” und ich bin weg. Als ich aufwache, ist alles vorbei, 24 gefühlte Kilo Verband dekorieren mein Knie. Der Full-Service Approach des Hauses schließt eine post-narkotische Flädle-Suppe und Skiwasser galore ein. Noch nie hat eine Suppe so gut geschmeckt! Sie packen mich auf ein Zimmer, reichen mir Mineralwasser, die Fernbedienung, eine Speisekarte und einen Laptop mit WLAN. Privatpatient sein, was kann es schöneres geben? [To-Do für daheim: Endlich Einkommensgrenze für Privatversicherung überschreiten!] Ich entscheide mich für einen Steak-Sandwich nach Schluchti-Art, also mit Pfifferlingen, Speck und Zwiebeln. Eigentlich hege ich keine allzu hohen Erwartungen, daß das Essen gut sein könnte, und wenn es tausendmal vom Restaurant von gegenüber und nicht aus einer ollen Kantine kommt. Aber ich liege mal wieder falsch: Zartestes Beef, perfekt medium, und rubbeldiekatz ist der ganze Teller verschwunden. Über Nacht fressen mich die aufkommen schmerzen, reißen mich aus dem Schlaf. Und das soll je wieder gut werden? Auch wenn die Behandlung extrem deluxe ist, wird das noch ein gehöriges Stück Arbeit werden, soviel ist sicher.
Die Nachtschwester hatte zwar mein Schmerzmittel für die Nacht vergessen, mich aber voher noch über den Umfang des Frühstücks aufzuklären. Von allem etwas, ein bunter Strauß voller guter Laune für einen guten Start in den ersten postoperativen Tag.
Wie ich später erfahre, kostet die OP schlappe 6500 Euretten, dazu Untersuchungen, Bilder, MRT - und nicht das deluxe Essen samt edler Unterkunft und Topservice zu vergessen. Und das alles für 8 Euro…

Amerikanische Wochen

Gäste haben ist schon was arg feines: Da kann man mal so richtig zeigen, was wirklich in einem steckt! Ein ganzer Kerl dank Chappie.
Essen ist wirklich das einzige, was Menschen jeglicher Coleur und Gesinnung immer wieder friedlich an einem Tisch vereint. Vor allem die Amis, die lieben reich gedeckte Tische. Von allem immer etwas mehr, der Amerikanische Traum externalisiert in Form von Beer, Blondes and Schnitzel.
Und das funktioniert eben besonders gut in Deutschland. Schon bei der Tischreservierung geht’s los: “Denken Sie dran, wir sind eine AG”. -Wer würde sich dann gegen zarteste Lammrücken, Edelfische, Sirloin-Steaks und Brauhaus-Schnitzel neben den besten Weinen, Grappa, Espresso Macchiato oder einem Bönnsch nach dem anderen wehren wollen, wenn der Laden zahlt? Und immer Fackelzug, alle Mann ins Taxi. Gut, CO2-technisch sind solche Firmenessen eine wahre Katastrophe, angefangen vom Argentinischen Rind, das vor seinem Ableben sicher nicht zu uns rübergeschwommen ist. Die israelischen Tomaten stehen dann in der Emissionsbilanz auch noch schlechter da als die Paprika aus Spanien oder der Zander, der sein Filet gespendet hat. Aber das ist Globalisierung: Can’t have one without the other. Wir können wohl kaum an die Frittenbude gehen, mit den eingeflogenen Geschäftpartnern, ab einer gewissen Summe im Auftragsvolumen spielt ein Abendessen nur noch in der Hunderstel-Promill-Liga mit.
Eigentlich ekelhaft: Da fragen die einen, ob es in Deutschland wohl üblich sei, seinen Teller ganz aufzuessen. Die Portionen seien ja schließlich so klein. Und: Man könne von einem Lunch in Amerika problemlos 2 weitere Tage die aufgewärmten Reste essen. Ich antworte, absichtlich nicht frei von verachtender Ironie: “Meine Mutter hat uns Kindern immer gesagt, wenn ihr euren Teller nicht leereßt, gibt es kein schönes Wetter! -Nun, ich hab ihr nach meinem ersten Amerika-Besuch gesagt, daß sie gar nicht rechtgehabt haben konnte, denn auch in Amerika scheint recht oft die Sonne.” -Staunende, leicht gekränkt wirkende Gesichter auf der anderen Tischseite. Homerun!
Im Brauhaus wollen wir es dann wissen, die Schnitzel sind dort so groß, daß sie erstmal Furcht und Schrecken einjagen anstatt Appetit zu machen. Die Amis sind sichtlich beeindruckt, und selbst die Damen schmelzen beim Anblick dieser beiden enormen Fleischlappen, die keinen Quadratmillimeter Keramik mehr erkennen lassen, dahin. Geschickt essen sie um die Beilagen herum, spülen mit ordentlich Bönnsch nach und sind ganz glückseelig, daß sie diesmal was übriglassen können. Was soll’s, die Kinder in Afrika könnten uns hierbei jetzt auch nur wenig helfen…
Ich bin ja nur froh gewesen, daß der Bönnsche Köbes nicht so unfreundlich ist wie das Original in Köln. Die Jungs haben ja immer so eine Art am Leib, die mich stark an mittelhessische Fleischerei-Fachverkäuferinnen erinnert. (”100g Leberwurst bitte, von der fetten, groben!” -”Tut mir leid, die hat heute Berufsschule.”) Da kommt immerwieder Freude auf, da fühlt man sich noch als Kunde wohl: “Sonst noch was?” -Man sollte in Hessen großgeworden sein, um sich da nicht drüber zu wundern. In diesem Zusammenhang könnte man jetzt noch davon erzählen, wie man es nur wagen kann, die Mitarbeiterinnen einer angeschlagenen, großen Kaufhauskette, beim Plausch zu stören, nur weil man etwas kaufen möchte. Das ist jetzt zwar eine andere Baustelle aber die Denke ist die selbe: Nur nicht zu höflich sein, denn Vorsicht, Kunde naht! Sowas gibt es in Amerika nicht, da wird man selbst dann noch mit Höf- und Freundlichkeit überhäuft, wenn man es gar nicht verdient hätte. Und so weiß ich nun nach einer Woche maximaler Hospitalität nichtmal, ob es wirklich jedes Mal “very good” war. Zum Glück sind wir eine AG!

Posh und Golf - alles falsch

Peter ist Werbetexter und Newsletterredakteur und lebt in den Staaten. Er ist so ziemlich der belesenste und philosophischste, vielleicht auch politisch korrekteste Ami, den ich je getroffen habe. Nach einem langen Tag Projektarbeit gehen einem langsam aber sicher die Themen aus, sodaß man früher oder später ganz sicher anfängt, die üblichen Smalltalk-Themen abzufrühstücken.
Wenn mir nach Filmen und Musik nicht mehr viel einfällt, bringe ich immer wieder gern das Thema Abkürzungen und ihre Bedeutung - und man nenne mir mal einen Abend mit Business-Smalltalk, in dem keine einzige Abkürzung vorkommt!
Bonn ist da dankbar, da geht es locker-flockig los mit Haribo, nach Hans Riegel Bonn kommen noch andere Süßigkeiten wie Hanuta, schnell ist man bei Markennamen allgemein, BMW und EMW, Edeka und Rewe, aber dann:
“Wußtest Du eigentlich, daß Golf für ‘Gentlemen only, ladies forbidden ’steht?” Und während ich noch in ein tief beeindrucktes amerikanisches Gesicht schaue, kloppe ich gleich den nächsten hinterher: “Posh -wie in Posh-Spice, Du weißt schon, Victoria Beckham, Spicegirls, ja? -Also das steht für ‘Port out, starboard home‘, weil das damals in den Zeiten mit ohne Klimaanlage die bevorzugten Kabinen auf Kreuzfahrtschiffen waren und die eben von den besonders poshen Leuten gebucht wurden, was nur extreme Umständlichkeiten nach sich zog - wie die Celebrities heute halt! Die Mariah Carey besteht ja auch dann noch auf ihr Evian, wenn sie im Himalaya neben der Abfüllanlage von diesem Lotusblüten-Kondenswasser steht, hahaha!”
Die Amis sind ja schlau, denn sie bleiben höflich. Ich geh aber auch davon aus, daß das so stimmt, was ich da erzähle. Peter sagt einige Stunden später, als hätte er seine ganze Wissensdatenbank, die in seinem Kopf mit Schwarzbier beleidigt wird, durchgekramt: “I don’t really believe this.”
Heute schreibt er mir, er glaube mir noch immer nicht, aber die Stories seien unterhaltsam gewesen, immer gut für die nächste BBQ-Party. Ich also zu Wikipedia. Und dann, ich fasse es nicht, steht da original, daß das alles Quatsch ist. Posh kommt von altenglisch push, was soviel bedeutet wie “Dandy”, aber die Kreuzfahrtanekdote ist immerhin die meistgenannte Fehlinterpretation. Gleiches trifft auf die Golf-Abkürzung zu, der Ursprung ist irgendwo sprachlich zwischen schottisch und alt-germanisch zu suchen, und daß die Frauen leider draußen bleiben müssen, ist eine unter Männern gern erzählte Legende.
Toll. Danke Christoph ;)

Controlling

Controller sind keine Menschen. Sie sind eine eigene Spezies, irgendwo von der Evolution zwischen Mensch und Reptil vergessen, oder aber eine höher entwickelte Lebensform, außerirdisch vielleicht.
Diese Menschen verbringen ihren Tag in extrem tristen, völlig undekorierten, meist leicht abgedunkelten Büros und starren in Excel. Ich denke immer, das Gitternetz muß sich bei denen doch auf die Netzhaut gebrannt haben, denn eine knappe Stunde Mittagspause sind wohl kaum genug als Bildschirmschoner. Wie Reptilien kommen sie mir manchmal vor, haben keine Gesichtsfarbe, bekommen keinen roten Kopf, schwitzen nicht, riechen nach nichts, essen nie, trinken nur Kaffee, den sie dann aber auch nie öffentlich wegtragen müssen - ich versteh die nicht!

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