Gestern habe ich zum ersten Mal meine rechte Kniescheibe unter dem immernoch völlig zugeschwollenen Knie wiederentdeckt. Ob das daran liegt, daß die Sache allmählich besser wird oder nur mein eigenmächtiges Weglassen des extremly sexy Thrombose-Stockings Wirkung zeigt, ist mir dabei fast egal. Der ganze Klump sieht echt arg krank aus: Oberschenkelumfang jeden Tag weniger, extremes Muskelschrumpfen sozusagen, Unterschenkel genauso, und dazwischen in der Mitte, wo andere ein wohldefiniertes Knie ihr eigen nennen können, warte ich mit einem unförmig geschwollenem Klump in Form einer Dickwurz auf. Nur gut, daß der Verband endlich ab ist und ich mir das orange-kontrastierte Antiseptikum der OP vom grün und blau schimmernden Darunter mittlerweile abwaschen konnte.
Montag kommen dann endlich die Fäden raus, dann darf ich auch wieder ohne Müllsack mit Handtuch drunter duschen. Obwohl: Meine morgendliche Routine dauerte anfangs noch eine Stunde, mittlerweile bin ich auf schmale 30 Minuten runter. Routine und Übung ist eben doch alles.
Das gilt auch für das sogenannte Gehen an Krücken. Was das Bein an Muskulatur abgibt, gewinnt der Oberkörper wenigstens dazu. Naja, oder bleibt zumindest im Training. An meinen Schultern hab ich zwei neue Muskeln entdeckt, ich bin mal gespannt, ob die in den nächsten Wochen noch wachsen, während ich Stück für Stück bei der Belastung die Schmerzgrenze verschiebe.
So schufte ich mich zu meinem Doc, der dankenswerter Weise auf der anderen Straßenseite praktiziert. “Na, Sie Kämpfer,” begrüßt er mich, “wie isses Ihnen?” Ich klage mein Leid, aber der Internist in ihm will nur mein Blut. Wenigstens die Praxishilfe ist interessiert, wie sich so ein Mist anfühlt und wie der Heilungsprozeß geht.
Daheim packe ich den Knochensack wieder in die Horizontale und beginne mit den Übungen, die mich wieder mobil machen sollen. 70 mal das Sprunggelenk in alle Richtungen, Wadenmuskulatur so lange anspannen, bis es weh tut, Patellamobilisierung durch Anspannen des Quadrizeps - natürlich auch so lange, bis es wehtut. Also doch, richtiges Wort: Kämpfer.








