Shout, shout, let it all out!

Gegen?ber, in der anderen H?userreihe, schreit sich eine frustrierte Loverin den Ha? gegen?ber ihres Lovers von der Seele. Ganz frei heraus br?llt sie, was ihre Lungen hergeben, als g?be es kein Morgen mehr, da ihren Typen zusammen. W?ren die beiden nun in einem Partnerschaftsseminar w?rde jetzt ein wei?haariger Guru, bestimmt ein ?berbleibsel aus der 68er-Zeit, ihnen ermutigende Worte wie „la? alles raus! ja, gut so! schrei es dir von der seele! wirf ballast ab!“ zurufen und sie anfeuern. nachdem dieser selbsternannte seminarleiter dann an den obligatorischen „Vers?hnungsfick“ erinnert h?tte, h?tte die Runde bestehend aus anderen Paaren begeistert geklatscht und ein gesch?ftiges gegenseitiges Umarmen h?tte begonnen. Wenn, ja wenn die beiden in einem Seminar gewesen w?ren. Waren sie aber nicht! Sie waren in meiner verschissenen Neighborhood bei offenem Fenster derart am Br?llen, da? ich nur darauf gewartet habe, bis ein Schu? f?llt und einer nicht mehr mitbr?llt! Nicht, da? das Spektakel nur 2 Minuten gedauert h?tte und dann einer w?tend das Feld ger?umt h?tte, neeeiiin, das zog sich den gesamten Nachmittag. Ein Fremder k?nnte sich wundern, wie man ohne Gesangsausbildung so lange und so laut br?llen kann, aber wer hier die Stimmen der M?dels nach 3 Jahren Verbindungs-Karriere und entsprechend vielen und intensiven Saufgelagen kennt, den wundert das nicht mehr. Der gemeine Holl?nder ist halt gern etwas lauter und legt keinen Wert darauf, seine Lautst?rke f?r sich zu behalten, im Gegenteil, er ist so gro?z?gig, sie mit allen anderen zu teilen. Was ist das nur f?r ein Land hier?
Mein bekloppter Mitbewohner macht es mir auch nicht gerade leicht, dieser Tage gute Worte f?r seine Landsleute zu finden. Mila sagt ja, aus seinem Zimmer kommt immer so ein komischer Gestank, egal zu welcher Tages- und Nachtzeit. Das wundert mich ehrlichgesagt kein bi?chen, denn seine Definition von Sauberkeit unterliegt klar der eines Wildschweines. Er war mit dem Putzen dran. Putzen: Eine T?tigkeit, die der S?uberung dient. Es steht au?er Frage, da? man das auf verschiedene Arten machen kann, aber eine dreckige Toilette durch Saugen des Flures zu reinigen halte ich ehrlichgesagt f?r ausgeschlossen. Effektiver ist dagegen sein -scheinbar angeborener- Ansatz, den Boden mit Baumwollsocken zu s?ubern. Dumm daran ist nur, da? er dabei die Socken anhat. [ekel-mode]Sorry, aber wer bitte geht in einem Studentenhaus, wo st?ndig irgendwelche Grobmotoriker neben das Klo pissen, nur mit Socken an den F??en auf’s Klo?[/ekel-mode] Nee nee, unbeschreiblich, echt wahr. Wenn das seine gelebte Interpretation von Sauberkeit ist, dann will ich um keinen Preis wissen, wie es in seinen Unterhosen aussieht!
Wenn ich sowas hier immerwieder mitansehen mu?, altere ich innerhalb von Sekunden um 40 Jahre und werde zum Oberspie?er. Traurig aber wahr: Ich ertrage diese mir entgegengebrachte Ignoranz und Dummheit nur noch sehr begrenzt.

Armut?

Als ich heute meinen Vater von seiner Arbeitsstelle abgeholt habe, weil ich gerade ‚around‘ war, habe ich mir doch auf einmal sehr Sorgen um meine (und unser aller, nat?rlich) Zukunft gemacht. Ich habe heute die Leute gesehen, die einmal meine Rente bezahlen werden. Ob mein Vater bei der Rentenkasse arbeitet? -Nein, in einer Gesamtschule, die die Leistungs- und damit auch gleichzeitig Versorgungstr?ger von morgen hervorzubringen bestellt ist. Meine G?te, was ein Abgrund, was ein Abschaum, welch Armut in diesem Lande. Bei 8 von 10 fragt man sich, ob die ?berhaupt lesen und schreiben k?nnen, 9 von 10 vermitteln den sicheren Eindruck, da? ihnen alles, aber auch wirklich restlos alles schei?egal ist, und in 10 von 10 F?llen hat man das sichere Gef?hl nie so gewesen zu sein. Ich werde alt, scheint mir, und das ist auch richtig so. Aber wenn hier eine Generation berechtigterweise Angst um ihre Altersversorgung haben mu?, dann meine!
Eben hat der erste seri?se Kandidat f?r die Nachfolge im Besitzertum meines geliebten und gehuldigten Audis angerufen. Ich bin ja mal sehr gespannt, ob der morgen hier anrauscht, und mir mit den Worten „Geile Karre“ die Kohle auf den Tisch legt. Tr?umereien, ich wei?. Aber jeden Tag steht ein Dummer auf, sagt man ja immer, kann der bitte auch mal bei mir klingeln?
In dieser Woche im heimischen Exil versuche ich nicht nur meinen Wagen m?glichst gewinnbringend zu ver?u?ern, sondern auch mit meiner Thesis in die Puschen zu kommen. Alice war so nett, mir einen dicken Stapel Artikel zu meinem Eventuell-Thema rund um ‚Umweltschutz als Unternehmensstrategie‘ (inspiring hints dearly welcome!!) mit unserem neuen und sehr sehr coolen Laserdrucker auszudrucken. Mensch, so ein Teil h?tte ich mir zu Anfang des Studiums mal kaufen sollen! Ich habe sogar das Gef?hl, als h?tte sich dieses Schn?ppchen (?brigens beim Mediamarkt in Krefeld f?r 149 Euro zu haben) schon nach den l?ppischen 3 Wochen in unserem Besitz aber mit Hardcore-Druckaufkommen ammortisiert. Geiles Teil.
Access hat mich aufgefordert, bei einem Workshop f?r Career-Building bei Haniel teilzunehmen. Immerhin das erste Mal in den 2 Jahren, seit ich da meinen CV eingestellt habe, da? ich direkt angemarketingt werde… Soll ich? Diplom-Arbeitsloser ist doch eigentlich auch doof. Aber eigentlich traue ich mich ja deshalb nicht, weil ich unsicher bin, ob mir Herr Boss noch pa?t seit ich in Bamberg so auf die Rippen gepackt habe und noch l?ngst nicht alles wieder runter ist…

85 Euro und 10 Cent

Ich habe heute 10 Cent f?r eine Dienstleistung bezahlen m?ssen, die ich bisher f?r mehr als selbstverst?ndlich gehalten habe: Brotschneiden. Ich dachte, ich h?re nicht richtig, als die Konditoreiwarenfachverk?uferin einer gro?en Aachener B?ckerei mir den Preis f?r die geschnittene Eifelkruste nannte. Ich hab das dann auch leider freiwillig bezahlt, mir aber dann fast den Kopf abgesch?ttelt, v?llig schockiert ?ber den Erfindungsreichtum sogenannter Gewerbetreibender. Das ist in etwa das selbe wie das Beratungshonorar f?r eine Terminabsprache auf der Arztrechnung. Suchte ich noch vor ein paar Wochen in Bamberg eine B?ckerei, die ?berhaupt eine Brotschneidemaschine gehabt h?tte, wei? ich heute, wof?r ich 10 Cent investiert habe. Wahrscheinlich erhalte ich damit langfristig eine Lehrstelle…
Anders sieht es aus, wenn man sich eine halbe Stunde im Lust for Live aufh?lt. Ein Laden, der der bestsortierteste der Republik sein mu?, wenn es um Dinge geht, die entweder komplett h??lich sind oder mir nicht passen.
Wie war das noch noch? -„Gibt es diese Schuhe auch in sch?n oder dieses T-Shirt ohne Aufdruck? Wenn ich lesen will, kaufe ich mir ein Buch!“
Wer sich wundert, wo denn die ganze Kaufkraft und -bereitschaft deutscher Konsumenten geblieben ist, der soll einer der trendig-hippen, ?bermotivierten Verk?uferinnen mit schier unglaublichem Dekolltee (zugegeben, wir sind schlie?lich nicht im Frauenknast) beobachten, wie sie den Leuten mit Geschmack und vor allem Geldbeutel die Jeans auf die Arme packen und in Richtung Umkleide dirigieren. -Die sollten sich nach Akkord bezahlen lassen! Das Jeansregal hat eine sensationelle Turnover-Rate, da 50% der Ware permanent im Laden rotiert. Es verwundert angesichts des schlechten Konsumklimas umso mehr, da? dort die Hosen von Hilfiger, Pepe und Diesel -kein Modell unter 85 Euro- rausgetragen werden wie Apfelsinen. Oder machen die das alle auf Pump?
Ich war heute mit Alice auch bei Kookaї drin. Vorsicht, keine voreiligen Schl?sse! -Gelockt von einem gro?en „50%“-Banner. Da? ich mich -sehr vorsichtigt ausgedr?ckt- mit der aktuellen Mode, gerade der f?r Frauen, ein wenig schwer tue, ist bekannt. Auch mir. Aber da? man in noblen L?den mit einer Couture konfrontiert wird, die eher an Altkleidersammlungen f?r Afghanistan oder an Secondhandl?den erinnert als an hochwertige Schnitte und Materialien, stellt mich verwundert einmal mehr vor die Frage, in welcher Welt ich eigentlich lebe. Abgewetzte Jeans kosten extra, und ausgewaschene Shirts gehen auch zum Cashmere-Zweiteiler, solange sie nur von einer hippen Marke sind, v?llig egal wie schei?e das Endergebnis aussieht. Da tragen die mindestens homosexuellen Schaufensterpuppen bei Esprit doch tats?chlich hellgr?ne Nicky-Cardigans! Ich seh den Schund jetzt schon im Ausverkauf in den W?hltischen oder den einen oder anderen Erstsemester aus K?ln hier an unserer Uni mit rumlaufen…
Und dann die mittlerweile dritte Auflage der Vintage-Seuche. Erst 80s, dann 70s, und jetzt 60s. Ich rege mich nicht mehr ?ber die Wucherpreise f?r die Wiederauflage der Turnschuhe, f?r die man damals bei uns in der Grundschule Pr?gel bezogen hat und nach dem Turnunterricht in die Toilette gesteckt wurde, auf. Nein, das ist pass?. Schon lange. Soll doch jeder das tragen, womit er seine Vergangenheit verarbeiten kann!
Heute hab ich dann den wahren Knaller gesehen: original Adidas Turnbeuteltaschen. Die mit den Adidas-Logos in der oberen Ecke und dem Trageriemen. Damals maximal 20 Mark. Mehr h?tte auch keiner f?r ein St?ck stinkenden Textilverbund mit billigem Siebdruck, messerscharfem weil total minderwertigen Rei?verschlu?, und „Made in China“, in das nur ein Paar nicht allzugro?er Turnschuhe (am besten Adidas „Samba“) und ein T-Shirt pa?t, freiwillig gezahlt. Heute 35 Euro. -Und ‚paar auf’s Maul f?r jeden, der das bezahlt, wenn es nach mir ginge. Herr, la? Hirn regnen!

Chlorfrei

Wahnsinn. Ich habe einen Sitzplatz. Und ein eigenes Schlie?fach. Ich h?tte sogar einen Rechner haben k?nnen. Nat?rlich mit Flachbildschirm. Selbst ein Fensterplatz w?re heute dringewesen! -Kurzum, bevor sich der geneigte Leser weiter wundert, ich bin in der Bib. Zum ersten Mal seit langem wieder einmal f?r l?nger als blo? auf einen Kaffee und zum Leute treffen. Das kann man n?mlich den ganzen Tag. -Uneingeschr?nkt wohlgemerkt. Wer allerdings einen der begehrten Sitz- oder Rechnerpl?tz will, mu? fr?h aufstehen. Und wer Wert auf einen Notebook-Steckplatz legt, kommt wie beim Sommerschlu?verkauf am besten noch vor Tores?ffnung und campiert im modernen Innenhof unter den Fahrradst?ndern. (Zum Gl?ck wurde WLAN noch nicht erfunden!) Der fr?he Vogel f?ngt auch hier wiedereinmal den begehrten Wurm, oder aber, wer zu sp?t kommt, den bestraft das Uni-Leben mit der Zechen-Garderobe.
Ungeachtet dessen, da? drau?en schon die ersten B?ume bl?hen und die Natur sehr in den Startl?chern steht, l??t die noble Bl?sse einiger derer, die sich tagt?glich in der Bib internieren, darauf schlie?en, da? es ein langer Winter gewesen sein mu? und 8 Stunden vor dem Monitor eben doch nicht br?unen, so wie es mal in einer Netzzeitschrift am 1.4. letzten Jahres suggeriert wurde.
Ach ja richtig, es sind ja Pr?fungen n?chste Woche. War mir, als (hoffentlich) endlich Scheinfreiem, schon g?nzlich entfallen. *h?stel* Und mit dem neuen, gleichsam segensreichen wie geha?ten Bachelor-Master-System kann der dritte Block schon einiges bedeuten. Da hei?t es unter Umst?nden schon bald wieder Koffer packen f?r diejenigen, die immernoch Daddy Glauben schenken, wenn er von den unausweichlichen Vorteilen einer Mitgliedschaft in einer dieser uns?glichen Idioten-Vereinigungen schw?rmt, und lieber vier mal die Woche saufen gehen, als mal ein wenig in ihren Unterlagen zu lesen. Naja, zum Gl?ck ist wohl der Mitgliederschwund ebenso gravierend wie bezeichnend, aber das hei?t noch lange nicht, da? nun auch weniger Leute mit diesen affigen Verbindungspullis rumrennen, nein, sie werden blo? immer ?lter.
So wie ich. Aber heute habe ich es ja geschafft, den Anfang vom Ende einzuleiten. Ich sitze hier, mit f?nf fremden Diplomarbeiten und warte auf Eingebungen. Nunja, ich kann schonmal soviel sagen, da? ich bisher alle Arbeiten echt gruselig finde, was das Aussehen betrifft. Sicher, auf die inneren Werte kommt es an, aber doch nur, wenn man auch ?sthetisch Lust hat, bis dahin vorsto?en zu wollen. Also soviel ist schonmal sicher: Da mache ich was anders!
Ich frage mich nur die ganze Zeit, wo die Ausgabestelle f?r die intellektuellen Gesichtsausdr?cke ist, die hier jeder nach Passieren der Eingangst?r gefunden zu haben scheint. Auch, wo die St?cke zu finden sind, die hier so einige im Allerwertesten tragen. Aber vielleicht liegt es ja auch an der Luft hier drin, die zunehmend schlechter, lauter und durchdachter wird.
Ich sitze an einer Tischgruppe mit lauter Leuten, die das selbe tun wie ich, so scheint es. Nat?rlich nicht gerade jetzt, wo ich diese Zeilen analog auf meinen Collegeblock blogge. Sie alle lesen ein bi?chen hier und da, pinnen sich das eine oder andere in ihre Bl?cke, notieren hier, markern da, aber eigentlich schaut jeder alle paar Zeilen auf, versucht ein gequ?lt-eloquentes Gesicht zu machen, das intensives Sinnieren ?ber die komplexesten Sachverhalte und das Aufstellen immer neuer, spannender Axiome und Theoreme vermuten l??t. Im Grunde aber geschieht das nicht etwa nach einer bestimmten Textpassage, sondern immer dann, wenn jemand vorbeil?uft, niest, gesch?ftig bl?ttert, redet, irgendwo ein Handy im Lautlos-Modus ?ber die h?lzerne Tischplatte h?pft – immer in der Hoffnung, da? etwas, das nur marginal interessanter ist also die gegenw?rtig ausge?bte T?tigkeit mehr Konzentration und Aufmerksamkeit verdient als nichtssagende Notizen auf chlorfrei gebleichtem Papier und noch weniger aussagekr?ftige Statistiken aus fremder Feder.
Entlarvt. Ich und alle anderen.

Topless im Land der Kiffer

Da bin ich wieder. Aufgeschlagen, und ohne Bauchlandung, in meinem geliebten Maastricht, mit dem ich irgendwie nach fast sechs Monaten Deutschland gar nicht so recht warm werden will. Es scheint fast so, als w?re alles noch um ein Vielfaches mehr anders und ungewohnt als im Herbst 1998, als ich das erste Mal hierher gezogen bin. Freilich mit f?nffachen Bahnhof, und nicht so sparsam wie dieses Mal, wo ich mich angesichts der beinahe sommerlichen Temperaturen tats?chlich schon wieder mit den falschen Klamotten eingedeckt habe. War sogar laufen heute. Das letzte Mal, vor einigen Wochen war noch in Bamberg, wo ich tapfer bei Temperaturen um den Gefrierpunkt durch die Gartenstadt getrabt bin. Dementsprechend angenehm war ich heute ?berrascht, als meine mir bis dato unbekannten neuen Tragos-Nachbarinnen auf der gegen?berliegenden Seite der H?userreihe die topless-im-Tanga-Saison eingel?utet haben. Sp?testens da wu?te ich, es ist warm drau?en. Und da? es doch kein Fehler war, gestern ?ber eine Stunde meine Fenster geputzt zu haben.
Der Abschied aus dem feinen Frankenland ging eigentlich kra? schnell ?ber die B?hne; ein wenig zu schnell f?r meinen Geschmack. Ich habe nat?rlich den Fehler gemacht, an meinem letzten Abend bei den ganzen Leuten im Wohnheim vorbeigehen und tsch??-sagen zu wollen. Es kam dann auch wie es kommen mu?te, denn es waren nur wenige Leute da. Und so schmierte ich mir einige Email-Adressen und Telefonnummern auf die hausinterne Telefonliste mit allen Bewohnern, nur, um sie dann in den ganzen Wirren des Umzuges irgendwo zu verlieren. Eventuell ist diese Liste ? urspr?nglich auf hellblauem Papier ? auch daran schuld, da? meine schwarze Strickjacke nach der W?sche irgendwie anders aussieht. Ich wei? es nicht. Nur, da? es mich im Nachhinein tierisch anstinkt, wie das sonst so gesellige Semester in Bamberg geendet hat. W?hrend der Pr?fungen hat man niemanden mehr getroffen, und einen Tag nach der letzten Pr?fung stand ich schon feste in den Kartoffeln und packte meinen Kram zusammen. Nicht sch?n, schon alleine, weil ich mit dem einen oder anderen nochmal gerne zwei Bier getrunken h?tte. Denn wir erinnern uns: In Bayern trinkt man immer nur zwei Bier ? das erste und das letzte.
Back in Maastricht haben wir erstmal das Zimmer von Alice mit Latexfarbe gewei?elt, ganz so, wie es die strengen Statute von H?usermogul Penders es verlangen. Vier Meter ist das Zimmer hoch, mehr sage ich dazu nicht. Nebenbei habe ich mir dann auch das eine oder andere wieder in die Regale ger?umt, aber irgendwie sieht mein Zimmer komplett unpers?nlich aus, und ich frage mich jeden Tag, wo ich das ganze Zeug gelassen habe, das meinem Zimmer diese sympatische Ausgef?lltheit verliehen hat. Nicht Fleisch, nicht Fisch, so ungef?hr f?hlt es sich im Moment an, auch wenn ich meiner neuen ?berzeugung, da? man eigentlich nur noch Bamberger Bier trinken sollte, zum Trotz schon m?chtig mit dem alten Clan (man k?nnte auch vom ?harten Kern? oder dem ?letzten Rest? sprechen) minderwertigem holl?ndischem Bier gehuldigt habe, um Freddy?s Diplom zu begie?en. Ein wenig Heimatgef?hl stellt sich dann schon ein, wenn man am n?chsten Tag mit einem gewaltigen Sch?del aufwacht und versucht, ex post die genaue Menge der konsumierten Brand- und G?rungsprodukte abzusch?tzen. Auch wie zu hause hab ich mich gef?hlt, als ich wiedermal die Grenze bei Aachen ?berfuhr und sich das gr?n-wei?e Auto vom Zoll auf den Weg machte, gef?hrliche Drogen- und Menschenh?ndler wie mich zu stoppen. Und das auch noch im Auto meiner Mutter… Nun ja, ich kann es nicht verhehlen, da? ich mich schon diebisch darauf gefreut habe, den Zoll-Beamten w?hrend der ?bergabe der geforderten Papiere und des ungeforderten Maastrichter Studentenausweises zu fragen, ob ich denn diesmal endlich die silberne Kelle bekomme. Ein wenig entt?uscht war er schon, als ich ihm sagte, da? ich nun zum 25sten Male kontrolliert wurde, er sich aber gerne in meinem Gep?ck umsehen kann. Er zahlte es mir dann heim, als er mir verriet, wie die Aachener Polizei liebevoll unseren sch?nen LDK-Landkreis nennt: Land der Kiffer. Na dann…
Nur gut, da? ich nicht mit meinem Wagen unterwegs war, aber der war ja gerade in der Werkstatt. An dieser Stelle lasse ich es mir auch nicht nehmen, den Firmen Autoteile Unger, Audi Borgmann in Krefeld und dem Bosch-Dienst einen unfreundlichen Gru? zuzuwerfen und jeden Audi 80-Fahrer darauf hinzuweisen, da? es sehr lohnt, sich eine kompetente und vor allem ehrliche Werkstatt zu suchen, die einem die Lichtmaschine mit einem neuen Regler f?r 35 Euro repariert, anstatt gleich ein neues Aggregat f?r 330 Euro zu verordnen! So blieb dann doch noch genug im Pott, um endlich meinen betagten Rechner in Rente zu schicken und den Segen einer aktuellen Rechenmaschine zu erfahren. Und was hab ich meine Flat vermi?t! Zum Gl?ck hat mich das Wetter der letzten Tage davon abgehalten, dauernd meinen Datennachholbedarf zu stillen. Womit wir wieder beim Wetter w?ren. Ist doch auch ein viel friedlicheres und hygienischeres Thema als Krieg, Politik und Terror ? und zwar ganz egal ob Micro- oder Makroebene!

Am Sonntag fuhr ich mit Anke, Tina und Johannes nach „Schnitzelhausen“. Das ist ein Bamberger Synonym f?r das Kaff Zeegendorf, das nichtmal in meiner ADAC-Karte der Fr?nkischen Schweiz eingezeichnet ist. Wer schonmal da war, wei? dann auch warum: Dieses Dorf hat nur eine Attraktion, und das sind die Schnitzel in der einzigen Gastst?tte am Platz. Wer sich das Bild links mal aufgemacht hat, dem sei gesagt, da? dies ein original-Abbild eines 6Euro20-Essens ist: 2 saftige, goldbraune Fleischlappen von unversch?mter Gr??e, Zitronenachtel und Pommes, dazu reicht die Wirtin gr?nen Salat, in dem sie Alibi-„Fittamiiiene“ verspricht. Tolle Sache, vor allem, weil das gute Kellerbier zum Runtersp?len auch noch nur 1.60 pro halbem Liter kostet. -Franken wird mir fehlen, allein schon aus dem Grund, da? das Wort Cholesterin hier gar nicht zu existieren scheint…
Gestern hat sich Franken endlich mal in sein Winterkost?m gest?rzt, und das aber richtig. Es hat den ganzen Abend geschneit, und das Resultat waren gute 4 cm knackiger Schnee. Das tollste am Winter hier ist aber, da? man ihn hier gewohnt ist. Hier wird nicht beim ersten Schneekorn wie bescheuert gesalzen, und hier haben die Leute einfach alle Winterreifen und k?nnen dementsprechend fahren. Wo ich gerade von fahrerischem K?nnen rede: Mir f?llt dazu nur immer die Karawane Holl?nder ein, die damals am Tag unserer Ankunft in Gastein, als der Ort fast im Schnee erstickte, mit Sommerreifen unterwegs waren und das auch noch lustig fanden, da? sie nicht mehr vor und zur?ck kamen… -Aber ich komme vom Thema ab.
Gestern mu?te ich an zwei Lehrst?hlen die Hosen runterlassen. Farbe bekennen. Nun ja, irgendwann mu? man mit den Leuten reden, und da ist es eben aufgefallen, da? ich etwas zu fl?ssig deutsch spreche f?r einen „normalen“ Ausl?nder. Also mu?te ich es wohl klarstellen, da? ich hier in besonderer Mission t?tig bin. Der erwartete ?rger und Umstand deswegen, den ich schon von den kleingeistigen Pappnasen in der Hauptverwaltung her kannte (und erlichgesagt durchaus bef?rchtet hatte) blieb aber aus. Stattdessen lediglich der freundliche Hinweis, da? ich dann eben nur die gew?hnliche Klausurenzeit von 1 Stunde zur Verf?gung habe. Bitte, kann ich mit leben. Es ist mir echt zu viel M?he, den Herren und Damen zu erkl?ren, da? dieser angebliche Vorteil der Muttersprache in meinem Fall echt auf das reine Verstehen und die orthographische wie grammatikalische Richtigkeit meiner Ausf?hrungen eindampft, weil ich 95% der Fachsprache auf deutsch nunmal nicht beherrsche. Meine Studiensprache ist nunmal Englisch, so wie sie bei einem Franzosen franz?sisch ist. Diskriminierung ist ein gro?es Wort, allerdings hat das ganze auch mit Gleichberechtigung wenig zu tun. Denn unsere Osteurop?er oder die Els?sser wohnen so dicht an der Grenze und haben sogar ne deutsche Oma, da? sie mit Sicherheit mehr Deutsch k?nnen, als der Spanier aus Pamplona, der eigentlich unter dem Strich gar nischt versteht. Und dann ich, der Deutsch kann, aber sein Fach nie auf Deutsch gelernt hat. Hmmm. Mindestens schwierig und deshalb eine Denksekunde l?nger wert, ob ich nach 60min abgeben mu?, wenn sich der Sudetendeutsche kaputtlacht, weil er sich mit seinem Akzent 30min extra Pr?fungszeit erkauft hat.
Immerhin hab ich unabh?ngig davon ein wahres Erfolgserlebnis gehabt, was sich sehen lassen kann und erheblich das Self-image poliert: eine 1,3 in Konsumentenverhalten.! H?tte ich nie gedacht, da? ich einmal an einer bayerischen Hochschule mit hessischem Abitur die beste Scheinklausur schreiben w?rde. Bin nicht ganz unstolz dar?ber! Mensch, wann hab ich denn die letzte 1 geschrieben? -Das mu? in der Oberstufe gewesen sein, so lange ist das schon her, da? es fast ein ungewohntes Gef?hl ist, eine Klausur mal nicht „geradeso“ zu bestehen. Daran sieht man einmal mehr, was mit dem Banner „In Maastricht leer je je grenzen te verleggen“, der eingangs meines Studiums in der Lecture Hall prangte, gemeint war! Fairerweise mu? man nat?rlich im Anschlu? an das Thema von eben sagen, da? die Konkurrenz schwach war, aber sich auch nicht kampflos ergeben hat. Ob ich allerdings an so einen Erfolg in den kommenden Klausuren ankn?pfen kann, ist angesichts der zu bew?ltigenden Menge stark fragw?rdig.

Deutschland, deine Dichter und Denker!

kling.jpgDie Deutschen schreiben und lesen wieder! Ja ist es denn zu fassen, der Deutschen liebstes Gut und h?chster Wert erfuhr dieses Jahr eine beispiellose Renaissance. Wer nun allerdings glaubt, diese Nation h?tte sich mit Dichterf?rsten, Philosophie und Klassikern befa?t, der wird derbe entt?uscht. „An meinem 27. Geburtstag hielt ich ein ganz besonderes Geschenk in der Hand: Meinen ersten Pornoschwanz.“ So m?ssen heutzutage B?cher beginnen, um Einzug in deutsche Wohnzimmerschr?nke zu halten! Goethe, Schiller, Hesse und wie sie alle hei?en, es sei Euch post mortem eines gesagt: „Bebende Busen“ und „brennendes Verlangen“ sind heute abgemeldet, wenn sie nicht gerade in Gina Wild’s Biographie stehen.

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Satz mit X

lagern.gifAuch wenn man das im linken Bild Verbotene eigentlich den lieben langen Tag tun m?chte, ja sogar vielleicht tun sollte, ist solch ein Schild an der Lorenzkirche inmitten des bekannten N?rnberger Christkindlesmarkt zwischen Gl?hweinbuden, um die sich Busladungen von Kegelclubs, Grauen Panthern, Junggesellenabschieden, Weihnachtsfeier-feiernden Erzieherinnen und ein vollst?ndig angetretener Swingerclub aus Bochum gemeinschaftlich zur Vernichtung des hei?en Traubenabfalls zusammengerottet haben, schlicht fehl am Platze! Nochmehr m?chte man es allen Muddies und Ommies verbieten sich zu ‚lagern‘, schlie?lich blockiert so ein Tro? aus Vaddermudderkind samt Omi und mit Kinderwagen, die sich alle an den H?nden halten mehr als nur normales Weitergehen. Der Am?sement-Faktor leidet nach dem dritten Kind, das man -nat?rlich versehentlich- umgerannt hat, erheblich. Zwar weniger durch strauchelnde Vorw?rtsbewegung als viel mehr noch durch das Keifen der Besitzerin. Kommen dann noch Kinderwagenspoiler, die mit Schwung in die Hacken geparkt werden dazu, und zwangen einen unvermittelt stehenbleibende Prozessionen mit Hund links, Sohnemann rechts, Handy am Ohr und Bratapfel im Mund zum x-ten Male auf einem Zickzackkurs durch die Reihen, h?rt der Spa? auf! Neben all den Leuten, die sich im Jahresturnus zur Freakshow in N?rnberg treffen, m?ssen hier unbedingt die Buden mit ihrem gleicherma?en vergeblichen wie ?berteuertem Angebot Erw?hnung finden. Nirgends ist der Weihnachtsmarkt so sch?n wie in N?rnberg, sagt man, aber auch nirgends bieten an jeder Ecke so viele H?ndler einen derartigen Ramsch feil, da? einem die Worte fehlen. Nach dem dritten Lebkuchenstand erbarmt man sich f?r einen zugegebenerma?en exzellenten Honigkuchen, schlie?t dann aber auch die Akte „Lebkuchenst?nde“, denn man hat es dann einfach gesehen. Daran ?ndern auch die ‚Jungen Wilden‘ der Lebkuchenzunft nichts mehr, die ihre Backwerke mit den abenteuerlichsten Neon-Designs „versch?nern“. Grausam! Ein beliebter Standard, auf den man sich scheinbar echt verlassen kann, sind nat?rlich die N?rnberger Rostbratw?rstchen, auch „3 im Weckla“ genannt. Die gehen immer und ?berall. Wer in Sachen Gl?hwein seinen Horizont erweitern will, sollte unbedingt den Kinderpunsch vermeiden (denn der ist alkoholfrei), und zum Heidelbeer-Gl?hwein greifen. Der kommt ziemlich l?ssig in einem bemalten Keramikstiefel daher, f?r den es sich durchaus lohnt, auf das Pfand von 2 Euro zu pfeifen. Schlichter Wucher sind dagegen die Preise f?r jede nur erdenkliche Abart von Christbaumschmuck, egal ob Kugel oder Holzspielzeug, das ist jenseits von Gut und B?se. Umso mehr verwundern Scharen von Japanern, die halb Seiffen leerkaufen und daf?r ein Verm?gen in Yen f?r unsere doch momentan so teuren Euros hinbl?ttern. ?berhaupt nerven diese Menschen sowieso erheblich, sie kommen gleich auf Platz 2 hinter den omnipr?senten US-Soldaten. Ich bitte sehr um Vergebung, aber wer mit 5 T?ten Ramsch an den Armen und 2 Kameras um den Hals nach einer l?cherlichen Tasse Gl?hwein hackestramm ist, der hat in so einem Irrenhaus nichts verloren! Oder bin ich es, der da fehl am Platz ist? -Kann gut sein, denn das w?rde meine jahrelange, sich aber mildernde Allergie gegen Menschenaufl?ufe dieser Art erkl?ren! Deswegen fl?chteten Alice und ich uns nach einer Zeit, die wir psychisch wie physisch f?r angemessen hielten in die N?rnberger Einkaufsstra?en. Leider war auch dieses Bestreben, die letzten noch fehlenden Geschenke zu besorgen, nicht von Erfolg gekr?nt, soda? wir nach einem letzten Versuch, das Ultimative am N?rnberger Christkindlesmarkt zu entdecken, in die U-Bahn stiegen und zu unserem Park&Ride-Parkplatz gondelten. (?brigens sehr zu empfehlen!)
Andere Baustelle: Mein Prof f?r Konsumentenverhalten hat mir einen Strich durch die Rechnung gemacht. Ich frohlockte doch schon seit Wochen, da? ich dieses Jahr zum ersten Mal seit X Jahren keine Klausur rund um meinen Geburtstag zu schreiben habe… Guess what! -Am 18ten Dezember ?ffne ich nicht nur ein weiteres T?rchen in Alices tollem Adventskalender, nein, ich werde auch einen Pr?fungsbogen aufschlagen und in einer Stunde plus 30 Minuten Erasmus-Bonus versuchen, 3 ECTS klarzumachen. Meine G?te, was weihnachtet es mir!

Alkopop

Es gibt Dinge, bei denen ist es besser, nicht zu genau dar?ber bescheid zu wissen. Da w?re z.B. die Herstellung von Blauschimmelk?se zu nennen. Ich sah k?rzlich im Fernsehen eine Reportage ?ber die ber?hmte franz?sische K?sespezialit?t Roquefort. Wie dort zu sehen war, wird frisch gebackenes Brot erst in einer H?hle bis zur Unkenntlichkeit verschimmeln gelassen, um dann daraus die Schimmelsporen zu gewinnen. Damit wird darauf gezielt die vorbereitete Frischk?semasse verseucht, um die K?stlichkeit in spe wiederum in einer H?hle zur Vollendung „reifen“ zu lassen. –Seit dieser Reportage habe ich regelm??igen Brechreiz, sobald ich nur an Blauschimmelk?se denke. ?brigens bin ich ?berzeugt, da? die selbe Attit?de aus einer vergleichbaren Sendung-mit-der-Maus-Thematik „Wie kommen eigentlich die ekligen blauen Pitzel in den K?se“ entwachsen w?re. Wie gesagt, manche Sachen will man einfach nicht so genau wissen. Genauso, wie oft sich mein ebenso anti-autorit?r erzogener wie verquanzter Wohnheimsgenosse die Haare w?scht… Anderes Thema: Eben hat mich mein Prof f?r Personal und Organisation zur allj?hrlichen Weihnachtsfeier in sein bescheidenes Heim geladen. Ein wirklich super-netter Zug wie ich finde, sowas sollte es in Maastricht mal geben, wo ein sogenannter Professor seine Termine f?r Studenten in 10min-Frequenzen vergibt und nach seiner Arbeitszeit nicht mehr geh?rt und gesehen werden will. Ich denke, da werden auch einige Leute erscheinen, denn eine exklusive Besichtigung des sonst unzug?nglichen Anwesens l??t man sich ja schlie?lich nicht entgehen, schon allein, um die Rundreise durch die Burgenstra?e zu komplettieren. Nun ja, eng oder ?berlaufen d?rfte es wohl unter keinen Umst?nden werden.
Da war die Party gestern Abend hier im Wohnheim anl??lich eines Geburtstags schon ne ganze andere Liga. Ich hab selten so viele willenlose und scheinbar v?llig schmerzfreie Hardcore-Feierleute in einer K?che und einem Flur erlebt. Eine unverge?liche Showeinlage war dann zu weit fortgeschrittener Stunde die spontan ausgebrochene Bisexualit?t der Belgierin und einer N?rnbergerin, der die lobenswerte ?berlegung vorausging, einem Mann (n?mlich dem Geburtstagskind) einen tiefen, unerf?llten Wunsch in Erf?llung gehen zu lassen. (Ja richtig, die alte Leier mit dem lesbischen 3some.) Zugegeben, sie haben mit ihren minutenlangen French-kisses den anorexen Model-P?ppchen und den lauthals singenden Verbindungs-Chaoten echt die Show gestohlen, allerdings verlie? sie wohl doch der Mut, als der Gastegeber tats?chlich zum zweiten Teil des Geschenks ?bergehen wollte. Naja, ist ja auch eigentlich egal, so haben zwei Leute mehr erstmal ein Reputations-Anh?ngsel, das sie nicht so schnell wieder loswerden werden. Aber wir haben alle herzlich lachen k?nnen, und lachen ist bekannterma?en gesund. Ungesund dagegen d?rfte heute Morgen das Gef?hl im Kopf derer gewesen sein, die bis um vier Uhr morgens mithalfen, die K?che g?nzlich zu ?berschwemmen und die gesamte Lokalit?t in den Zustand zu versetzen, f?r den die Hausverwaltung durch das autorit?re Sprachrohr des Hausmeisters ein Nachspiel angek?ndigt hat. Vielleicht war ich mal wieder einfach zu n?chtern f?r derlei „Spielchen“, aber als um halb drei diese sich selbst als gebildet bezeichnenden Menschen ganz und gar zu der von mir so verha?ten Spa?gesellschaft wurden, hab ich mich gerade noch rechtzeitig vor dem Kartoffel-Weitwurf in mein Bett verzogen. Ich bin mir durchaus bewu?t, da? ich dadurch ganz sicher gerade „das Beste an der Party“ verpa?t habe, aber ich hatte daf?r heute keinen Sch?del und konnte entspannt beim Nachhausekommen die putzenden Alkoholleichen ein freundliches (und keinesfalls sarkastisches) „Na, wie geht’s?“ zurufen.

Neues aus Beute- oder Hobby-Bayern

Meine Kurswahl hier an der Uni war eine rationale Entscheidung, bei der ich jedoch Wert darauf legte, endlich mal was zu machen, was mich wirklich interessiert, was dazu aber nach M?glichkeit so sophisticated in den Ohren des Maastrichter B?ros f?r Visumerstellung ins wirkliche Leben klingt, da? ich da mit keinen weiteren Problemen zu rechnen habe, und nat?rlich keine allzuhohen Anforderung an Leib und Leben stellt. Dabei herausgekommen ist bis dato Konsumentenverhalten, Sektorales Marketing, Marketing und Umwelt, Sozialpolitik und Personal & Organisation.
Die Professoren kann man sich zwar ?ber die Kurswahl bedingt aussuchen, die Leute, die mit einem im Kurs sitzen allerdings bekannterweise nicht. Professor Schwarze ist eine importierte rheinische Frohnatur, und als solche kann er sich in seinem Fach die eine oder andere bissig-am?sante Bemerkung zur aktuellen Sozialpolitik in Deutschland kaum verkneifen. Genausowenig gelingt ihm das, wenn die genauso h?bsche wie hohle Voll-Eule in der ersten Reihe meint, nach Erteilung des Wortes das bei M?dchen sehr beliebte Spiel „Hauptsache mal dumm nachgefragt“ aus der Schule ausprobieren zu m?ssen. Er kommentiert ihre Frage, was das denn f?r ein hochgestelltes Zeichen in der Bezeichnung der zweiten Kurve im Graph sei, sehr trocken mit „Ein Sternchen, aber wenn’s Ihnen nicht gef?llt, k?nnen Sie auch ein G?nsebl?mchen hinmalen.“ -ENDLICH! Auf so eine Reaktion hab ich mein ganze Schullaufbahn hindurch vergeblich gewartet. ?hnlichen Spa? machen die Vorstellungen von Professor Wimmer, der wohl eine gewisse Gr??e in seinem Fach darstellen mu?, sonst w?rde er nicht so viel gesch?ftlich reisen. Bei ihm beeindruckt ganz klar sein Wissen, dem sein Lehransatz und die Didaktik in nichts nachsteht. Nach 5 Jahren Maastricht macht es einfach enorm viel Spa?, von Leuten unterrichtet zu werden, die das auch k?nnen und -vielleicht noch wichtiger- auch was zu sagen haben. Herr Stoiber (?brigens dank Anke, die mir dieses fast exklusive Autogramm extra aus der Staatskanzlei mitgebracht hat, oben links im Bild) w?rde zwar nun sagen, da? das alles dem Bayerischen Standard von edukativen Einrichtungen entspricht und deswegen ?berhaupt nichts besonderes ist. Aber ich bin jedenfalls sehr positiv ?berrascht; es korrigiert sozusagen ein wenig das Bild, das ich generell von Uni habe.
Auf der anderen Seite mu? ich leider sagen, da? ich immer mehr den Eindruck gewinne, da? ich mich so langsam zu alt f?r die Uni f?hle. Das wird noch verst?rkt duch Sektorales Marketing, denn die Dozentin ist so alt wie ich. Mehrfach bin ich geneigt, ihr zu widersprechen, aber dann erinnere ich mich immerwieder daran, da? wir in Maastricht nunmal wesentlich aktuellere Literatur lesen, und da will ich ihr den Aha-Effekt beim Lesen neuerer Publikationen nun wirklich nicht verderben. Ich jedenfalls bin der Meinung, da? Vendor Managed Inventory heute ne wichtige Sache im Einzelhandel ist. Aber gut… Dennoch schafft diese Vertreterin der Fraktion Gucci-Chick es noch nach 5 Jahren Uni, mein Weltbild entscheidend umzupr?gen. H?rte ich doch bisher immer Beispiele aus der Automobil-, Elektronik- oder Softwarebranche, pr?sentiert sie Woche f?r Woche nicht immer treffende aber daf?r immer neue Vergleiche mit Kosmetik, Kleidung, Brillen, Reisen und -ganz wichtig: Schuhen!
Das Frankenland, von Niederbayern liebevoll Beute- oder Hobbybayern genannt, pr?sentiert sich dieser Tage bei pr?chtigstem Wetter (kalt, Sonne, blauer Himmel) und einer wahren Anh?ufung kulinarischer Musts: Wildhasenkeule mit Kl??en (gibt’s heute Abend hier in der Wohnheimsk?che), Bockbieranstiche in der ganzen Stadt, und Gl?hwein aus Franken. Und als ob das noch nicht genug w?re, kommt mich auch Alice am Wochenende besuchen! Und da frag noch einer, warum ich nach Bamberg gegangen bin! ;)

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