Am Sonntag bin ich zum ersten Mal „mit Nummer“ gefahren. Und zwar mit dem Bike durch die mittelhessische Wildnis. 329 hatte ich, Thomas eins mehr, Boris eins weniger. Außer uns waren da noch 367 andere, die mal ausprobieren wollten, wie lange die Oberschenkel oder das Material halten.

Die Rede ist vom Drachen-Marathon 2008, organisiert von Fun-Bike Aßlar. Wir haben die mittlere Strecke ausgewählt, „Fitness“ ist da mit 50km und 1200 Höhenmetern nicht nur der Name der Strecke sondern auch empfehlenswert. An einigen Anstiegen bekam die Redewendung „eine Nummer schieben“ plötzlich eine ganz neue Bedeutung…

Ein Super-Spaß war es auf jeden Fall, denn schon allein der Gruppenzwang sorgt für andauerndes Verschieben der Leistungsgrenze. Außerdem weiß ich jetzt, warum es extrem teure Federgabeln und Scheibenbremsen gibt. Klasse, sowas will ich auch!

Fazit: Ich lebe noch, das Rad auch, wir sind beide wieder sauber nach der Sauerei, das Knie hat auch nicht gemuckt – und im nächsten Jahr fahre ich wieder mit. Dann allerdings mit hoffentlich mehr Kondition.

Bom Chicka Wah Wah

Es ist inzwischen Herbst geworden, und ich alter Kämpfer kämpfe immernoch mit meinem Knie, und das jahreszeitgemäß hauptsächlich im Fitnessstudio. Ja richtig: Eisenreis(s)en in der Muckibude, zwischen all den anderen hirn- und freundeskreislosen Individualisten (so nennt man ja heute Menschen, die keine sozialen Bindungen hinbekommen) gemeinsam verschwitzte Luft einatmen und aus Pudding Muskeln machen. Hat damals zumindest der Arni schon gesagt, ich glaube im Kindergartencop. Spielt auch weiter keine Rolle, denn man muß nicht unbedingt mit Trainingserfolg beseelt werden, um einen guten Abend da zu haben, manchmal reicht auch einfach schon der Anblick der anderen Leute. So wie im Sommer in der Fußgängerzone: Nix gekauft, aber einen Haiden-Spaß vom Zugucken gehabt. Keine Angst, ich zieh mir den Schuh des immer-lüsternden, gemeinen Zynikers gerne für meine Leser an, die dann umgekehrt in bestem Second-Hand-Voyeurismus meine Erlebnisse nachfühlen können.
Im Herbst rennen sie wieder alle ins Studio, gilt es doch, noch vor Silvester den guten Vorsatz vom letzten Silvester einzulösen: ‚Nächstes Jahr mach ich Sport‘. Die Resultate dieser guten Vorsätze kann man im Sommer in jedem x-beliebigen Freibad oder Badesee, am Strand oder auch in den Fußgängerzonen begutachten. Kennt jeder, braucht man nicht weiter drauf eingehen. Da wird geschwabbelt was die Epidermis hergibt. Im Herbst jedenfalls wird dann all das in enge, eigens für diesen Zweck nagelneu angeschaffte, farblich meist unerträgliche Stretch-Sportdresse gezwengt. Und dann Atacke, ran an den Speck – im wahrsten Sinne des Wortes.
Ein Highlight, nein, besser Fashion-Victim ist ein Mitt-Fünfziger mit klassischer Birnenfigur. Also oben extrem schmal, dann bis zur Hüfte stetig an Umfang zunehmend, der Übergang Love-Handles/Hintern bildet den Äquator, und darunter (er selbst sieht sich da nicht mehr) kommt wieder nix mehr. Der Typ trägt eine gelbe Trainingshose und kombiniert stilsicher ein ebenso gelbes T-Shirt. Er sieht darin aus wie Willi von Biene Maja, nur ohne Streifen.
Daß Schwitzen elementarer Bestandteil des Konzepts „Sport“ ist, wird leider selten bedacht. So zerfließen bei den meisten Anfängerinnen buchtstäblich jegliche Bestrebungen, gleichzeitig dabei eine gute Figur durch optimales Styling zu machen: Makeup und Haarfrisur melden sich bereits beim ersten Trainingszyklus gnadenlos ab und sind darum als komplett überflüssig anzusehen. In engem Zusammenhang dazu steht die Nicht-Verwendung statisch höher belastbarer Unterwäsche, wie sie der einen oder anderen Dame etwa beim BodyAttack (neudeutsch für Schattenboxen), Aerobic-Gehüpfe oder schlichtweg auf dem Laufband die verfrühte Kapitulation des Bindegewebes im Brustbereich ersparen würde. Ich hab neulich gelesen, daß Brüste 17 cm hoch- und runterhüpfen können. Das ist eine Amplitude von 34cm im Extremfall – und diese Sorte Extremfälle tummeln sich dieser Tage vermehrt in den Kursen der Fitnessstudios. Komisch, ich muß seit Heinz Strunk’s „Fleisch ist mein Gemüse“ immer an Busen-Maike („Sie ist halb Mensch, halb Busen“) denken, wenn ich sowas sehe. -Übrigens, mir fällt beim Betrachten des Wortes „Fitnessstudios“ auf, daß ich es für falsch geschrieben erachte, so auf den ersten Blick. Ist das was Ähnliches, wie wenn die Leute bei „Tischlampe“ immer sofort erstmal „Schlampe“ lesen?
In der Umkleide habe ich irgendwie immer den Spint neben Luigi. (Der Name wurde bewußt von der Redaktion geändert, weil ich seinen Namen gar nicht kenne.) Luigi ist ein waschechter Italiener, das kann ich mit Bestimmtheit von seinem unvergleichlichen Akzent ableiten. Und wäre da nicht der Akzent, so ginge bestimmt der Tricolore-Aufkleber auf seinem rosso-roten Alfa Romeo 155 als eindeutiges Merkmal durch. Oder eben seine imposante Körperbehaarung, an der sich sicher bereits die vierte Generation von Remington Langhaarschneidern buchstäblich die Zähne ausbeißt. Er ist ein lieber Kerl, isse immere feundelisch su mire (auch da muß ich immer an den Antonio Marcipane aus „Maria, ihm schmeckts nicht“ denken!). Aber Luigi erinnert mich extrem an einen dieser römischen Offiziere aus Asterix. Wißt Ihr noch? -So mit Streichholz-Beinchen und einem gewaltigen, V-förmigen Oberkörper, der den darauf sitzenden, extrem runden Kopf einfach nur komplett unterdimensioniert erscheinen läßt? DAS ist Luigi! Toller Mann, würde er sich nicht, bevor er sich selbst auf die sicher schon erwartungsvoll sabbernde Frauenwelt losläßt, noch einmal so richtig von oben bis unten (ja! richtig gelesen, is kein Scherz, auch wenn Männer untereinander über Umkleide-Erlebnisse den Mantel des Schweigens ausbreiten…) mit Axe einräuchern würde. Ja Luigi, Sie haben alle Düfte verbessert, Bom Chicka Wah Wah, viel hilft sicher viel!

K?mpfer

Gestern habe ich zum ersten Mal meine rechte Kniescheibe unter dem immernoch v?llig zugeschwollenen Knie wiederentdeckt. Ob das daran liegt, da? die Sache allm?hlich besser wird oder nur mein eigenm?chtiges Weglassen des extremly sexy Thrombose-Stockings Wirkung zeigt, ist mir dabei fast egal. Der ganze Klump sieht echt arg krank aus: Oberschenkelumfang jeden Tag weniger, extremes Muskelschrumpfen sozusagen, Unterschenkel genauso, und dazwischen in der Mitte, wo andere ein wohldefiniertes Knie ihr eigen nennen k?nnen, warte ich mit einem unf?rmig geschwollenem Klump in Form einer Dickwurz auf. Nur gut, da? der Verband endlich ab ist und ich mir das orange-kontrastierte Antiseptikum der OP vom gr?n und blau schimmernden Darunter mittlerweile abwaschen konnte.
Montag kommen dann endlich die F?den raus, dann darf ich auch wieder ohne M?llsack mit Handtuch drunter duschen. Obwohl: Meine morgendliche Routine dauerte anfangs noch eine Stunde, mittlerweile bin ich auf schmale 30 Minuten runter. Routine und ?bung ist eben doch alles.
Das gilt auch f?r das sogenannte Gehen an Kr?cken. Was das Bein an Muskulatur abgibt, gewinnt der Oberk?rper wenigstens dazu. Naja, oder bleibt zumindest im Training. An meinen Schultern hab ich zwei neue Muskeln entdeckt, ich bin mal gespannt, ob die in den n?chsten Wochen noch wachsen, w?hrend ich St?ck f?r St?ck bei der Belastung die Schmerzgrenze verschiebe.
So schufte ich mich zu meinem Doc, der dankenswerter Weise auf der anderen Stra?enseite praktiziert. „Na, Sie K?mpfer,“ begr??t er mich, „wie isses Ihnen?“ Ich klage mein Leid, aber der Internist in ihm will nur mein Blut. Wenigstens die Praxishilfe ist interessiert, wie sich so ein Mist anf?hlt und wie der Heilungsproze? geht.
Daheim packe ich den Knochensack wieder in die Horizontale und beginne mit den ?bungen, die mich wieder mobil machen sollen. 70 mal das Sprunggelenk in alle Richtungen, Wadenmuskulatur so lange anspannen, bis es weh tut, Patellamobilisierung durch Anspannen des Quadrizeps – nat?rlich auch so lange, bis es wehtut. Also doch, richtiges Wort: K?mpfer.

Liebling Kreuzband

Der beste Tag bisher: Über Nacht hat es 20-40cm Neuschnee gegeben, Powder auf fast allen Pisten, der Himmel reißt noch während des Frühstücks auf und die Sonne küsst das frisch eingepuderte Sölden. Zum ersten Mal seit wir hier sind, hat es Temperaturen unter dem Gefrierpunkt, auf 3000m messen die Sensoren -12 Grad bei 50km/h Wind. Das dürften gefühlte -20 sein, und was das ohne entsprechende Schutzmaßnahmen bedeuten kann, das habe ich die Tage schon an meinen Ohren getestet: Nach weiß kommt irgendwann wohl schwarz, wenn man keine netten Mitmenschen um sich hat, die einen auf die drohende Erfrierung hinweisen. Nun denn, auf auf den Hang hinauf!
Oben dann ein Traumtag, Sonne, blauer Himmel, Powder. Schnelles Mittagessen, keine Zeit verlieren, bevor es sich das Wetter anders überlegt. Schließlich wollen wir es für so einen Traumtag gut sein lassen, wedeln über eine von Söldens zahlreichen komplett zerfurchten Pisten gen Talabfahrt. Schwer ist es, bei derart desolaten Pisten den Parallelschwung zu pflegen, nach einigen Metern heißt das Motto tageszeitentsprechend nur noch „runterkommen“. Fluchend geht es talwärts, die Ski brechen immerwieder aus der idealtypischen Formation aus, die Knie schlucken plötzlich auftauchende Buckel wie Stoßdämpfer. Dann ein Steilstück, ich quäle mich über die ersten Meter, dann eine Eisplatte, keine kleine. Die Kanten schneiden das Eis, suchen Halt, den sie an dieser Stelle nicht bekommen können, zu steil ist es. Dann das Gewicht minimal falsch verlagerrt, der Bergski ist schneller als der Talski, rutscht auf ihn, blockiert ihn, verkeilt ihn, ich falle aus dem letzen Schwung nach hinten, aber die Ski stehen fest auf der Piste, sodass ich den vollen Drehmoment auf mein rechtes Knie ausübe. Noch im Fallen schreie ich aus Reflex so, dass selbst die letzte Gams es mitbekommen musste, die Schmerzen erreichen das Gehirn direkt und ohne Umwege. Ich versuche nur noch, irgendwie zum Liegen zu kommen und meine Ski zu sortieren, aber es ist vergeblich, das Knie sendet nur noch Schmerz und nimmt keinen Befehl mehr an. Jan ist als erster da, macht mir die Bindung auf. Warum ist das Scheißteil heute nicht aufgegangen? Nachdem die Beine wieder nebeneinander liegen, die Fußspitzen beide nach oben zeigen, ist für einen kleinen Moment wieder alles in Ordnung. Wird schon wieder gehen. Ich schnall die Ski wieder an, höllische Schmerzen im Knie, egal, ich bin in den letzten 23 Jahren noch jeden Berg in jeder Situation runtergekommen. Keine Zeit für Memmen! Genau 2 Schwünge bekomme ich hin, beim Dritten wird mir wieder schwarz vor Augen, der Schmerz lässt mein Knie einknicken wie eine aufgeweichte Grissini. Mein Zimmernachbar im Krankenhaus wird dies später mit „so you were playing Superman, huh?“ kommentieren. 10 min später klammere ich mich auf einem Skidoo fest, der Macker heizt wie blöde zur Gondelstation, und alles, was ich denken kann ist, dass mich die zwei Kilo Skischuh bei jedem Buckel und jeder Bodenwelle, die der Skidoo unsanft an seine Fahrer weitergibt, noch das Bein kosten werden, so sehr habe ich Mühe, die rechte untere Extremität auf der Fußraste zu halten. Ab da geht alles routiniert: Auf der Liege bekomme ich eine Sonderfahrt in der Gondel, vorbei an 1000 wartenden Skifahrern, unten wartet bereits die Rettung. Das zumindest sagt mir Johann, der nette Mann von der Bergrettung, dessen Lesebrille zwar ihren Namen nicht verdient hat, der sich aber alle Mühe gibt, mir Mut zu machen. Im Bagatellisieren ist er aber kein Held, denn: „Die meisten, die so g’fallen sin wie du, siehgst zwoa Doag speda scho wieder mit’n Krückchen drunten im Ort.“ Danke Johann, DAS war die Info, die mir noch fehlte! Es folgt Röntgen und eine MRT in einer schnieken, brandneuen Privatklinik. Keine Sorge, zahlt alles die Auslandskranken Plus. Und so lasse ich mich rundrum durchchecken. Die MRT ist der Höhepunkt des Abends: Die nette Schwester bietet mir zwar Kopfhörer mit Musik an, weil das Teil „scho arg laut is“, doch Bono und U2 schaffen es nicht wirklich, das technische Meisterwerk von Siemens Medical zu überlagern. Warum nur heißt diese Röhre „Harmony“? Während der zwanzig Minuten, in der ich in diesem Teil liege und mein wummerndes Knie nicht bewegen darf, stampft ein wundervoll gleichmäßiger Rhythmus unter mir, während dieses Teil die unterschiedlichsten Fehlgeräusche von sich gibt. Früher nannten wir sowas Noise und hörten das in der Disco. Auch diese 20min gingen rum, ich danke der Schwester für U2 auf den Ohren – hätte ja auch schlimmer kommen können. Der Befund hingegen konnte dann kaum schlimmer ausfallen: vorderes Kreuzband gerissen, inneres Seitenband abgerissen, Miniskus durch Quetschung verletzt.
Am nächsten Tag wird gleich operiert, ich finde mich im Imster Outlet dieser Superklinik pünktlich ein. Alles geht ruckzuck, routiniert möchte man denken: Hemdchen an, Trombose-Stockings, Laberlaber mit der Anästhesistin, die Wahl fällt auf Vollnarkose. „So, jetzt wird Ihnen etwas schwindelig“… 21… 22… 23… „N?…. naja, vielleicht doch….. sie verlieren mich gleich“ und ich bin weg. Als ich aufwache, ist alles vorbei, 24 gefühlte Kilo Verband dekorieren mein Knie. Der Full-Service Approach des Hauses schließt eine post-narkotische Flädle-Suppe und Skiwasser galore ein. Noch nie hat eine Suppe so gut geschmeckt! Sie packen mich auf ein Zimmer, reichen mir Mineralwasser, die Fernbedienung, eine Speisekarte und einen Laptop mit WLAN. Privatpatient sein, was kann es schöneres geben? [To-Do für daheim: Endlich Einkommensgrenze für Privatversicherung überschreiten!] Ich entscheide mich für einen Steak-Sandwich nach Schluchti-Art, also mit Pfifferlingen, Speck und Zwiebeln. Eigentlich hege ich keine allzu hohen Erwartungen, dass das Essen gut sein könnte, und wenn es tausendmal vom Restaurant von gegenüber und nicht aus einer ollen Kantine kommt. Aber ich liege mal wieder falsch: Zartestes Beef, perfekt medium, und rubbeldiekatz ist der ganze Teller verschwunden. Über Nacht fressen mich die aufkommende Schmerzen, reißen mich aus dem Schlaf. Und das soll je wieder gut werden? Auch wenn die Behandlung extrem deluxe ist, wird das noch ein gehöriges Stück Arbeit werden, soviel ist sicher.
Die Nachtschwester hatte zwar mein Schmerzmittel für die Nacht vergessen, mich aber voher noch über den Umfang des Frühstücks aufzuklären. Von allem etwas, ein bunter Strauß voller guter Laune für einen guten Start in den ersten postoperativen Tag.
Wie ich später erfahre, kostet die OP schlappe 6500 Euretten, dazu Untersuchungen, Bilder, MRT – und nicht das deluxe Essen samt edler Unterkunft und Topservice zu vergessen. Und das alles für 8 Euro Jahresgebühr…

Artenvielfalt

Eine gel?ufige Fehlannahme von Mallorca ist, es hielten sich hier ausschlie?lich nur Deutsche auf. Dicke Deutsche, um genau zu sein, so mit ohne Manieren und so. Das stimmt keineswegs: Es gibt auch d?nne Deutsche hier, normal-beleibte Deutsche, und in jeweils jeder bildungstechnischen Auspr?gung, die man sich vorstellen kann.
Gegen?ber, auf der anderen Seite der Bucht sind au?erdem Engl?nder und Holl?nder gern gesehene (weil zahlende) G?ste. Das war’s dann aber auch schon so langsam – treffen tut man sich sowieso nirgends. Am Strand von Es Trenc allerdings geschehen solch kleine Wunder, die die Herzdame dann zum Anla? nimmt, um von „ungeahnter Artenvielfalt auf Mallorca“ zu sprechen: Alle Kategorien Deutsche, Briten, Spanier, Italiener, irgendwelche Nordv?lker, Schwaben, verschiedene Osteurop?er und nat?rlich solche, die immer versuchen, ihre Herkunft bestm?glich zu vertuschen – also auch Deutsche – sind da vertreten.
Im Verlauf eines solchen Strandtages kann ich immer viel ?ber die unterschiedlichen Kulturen lernen, w?hrend ich bem?ht bin, auf meiner Strandliege nicht wund zu liegen. Was da so alles rum- und vorbeil?uft… Heinz Strunks wunderbares Buch „Fleisch ist mein Gem?se“ hat meinen Aufmerksamkeitssinn in einem Punkt der P?rchenanalyse ganz besonders bereichert: Wie es wohl bei manchen sein kann, da? sich zwei so h??liche Leute gegenseitig geil finden k?nnen. Herrlich, ein wahres Fest, dieser Gedanke.
Tjaja, der Mensch ist eben kein Beilagenesser, auch wenn einige sich so benehmen. Da ist das Meer mit 26 Grad eindeutig zu kalt und vor allem viel zu t?rkis, der Strand zu hei?, die Sonne zu grell, oder eine Sch?nwetterwolke macht zuviel Schatten, der Wind ist zu stark, in der Sonne ist es aber zu hei?… Mann mann mann, man m?chte sie echt heimschicken, wo sie sich nur aussuchen brauchen, in welcher Regenjacke sie rumlaufen m?gen. Selbst bei perfekten Bedingungen finden sich dann im Wasser Reste von Hochseealgen und einige Fetzen Seetang. -Ein klarer Grund, bei knietief in so einem v?llig verdreckten Meer einen Ekelanfall zu bekommen und linea recta das rettende Ufer wieder anzusteuern. Das sind dann genau die Leute, die in der Sushi-Bar alle 34 Algensorten mit Namen kennen und sie mit dem h?chsten Genu? um ihren rohen, kalten Fisch gewickelt verspeisen. R-e-diculous!

Vom Nicken und H?ndesch?tteln

Ich hab mir all die Jahre vorgenommen, da? wenn ich endlich eines Tages meinen ersten Arbeitstag habe, diesen Tag blogtechnisch zu verewigen. Heute war es dann soweit, und ich habe eigentlich keine Ahnung, was ich genau aufschreiben sollte von diesem extrem langweiligen aber zugleich auch immens interessanten und anstrengenden Tag.
Ach was sag ich?! Anstregend war die letzte Woche. Schlie?lich sind Alice und ich tats?chlich komplett fertig geworden mit der Wohnung. Eines ist danach klar: Streichen tu ich erstmal nicht mehr, jedenfalls nicht freiwillig. Au?erdem genie?en seit dem auch wieder Anstreicher meinen allergr??ten Respekt. Nicht, da? sie den auch nicht schon fr?her gehabt h?tten, nein, vielmehr werden einem solche Dinge immer erst dann bewu?t, wenn man dar?ber heulen k?nnte, wie sich Schultern, Knie und Arme anf?hlen, wenn man sich ?ber Tage hinweg an mehr als 270 qm Fl?che vergangen hat.
Aber zur?ck zu dem, wof?r ich von nun an Geld bekomme. Ich hab heute so viele H?nde gesch?ttelt, so viele Namen geh?rt und gleich wieder vergessen und Unmengen von Informationen absorbieren m?ssen, soda? ich gar keinen rechten ?berblick habe, wozu und zu wem ich die ganze Zeit mit am Ende des Tages nur noch halb ehrlichem L?cheln zugenickt und „mhhmm, jaja, ok, mmmhmmm“ gesagt habe. Ich wei? auch nicht mehr genau, warum ich gerade so overdressed war, da? mich alle gefragt haben, ob ich neu hier sei, oder warum mich der nette dicke Mann von der Haustechnik, der mich unweigerlich an den Profitlich erinnert hat, beim Verlassen der Toilettenkabine fragte, ob ich mir denn nun die H?nde waschen wollte. F?r den Praktikanten, der mir ab morgen zur H?lfte geh?rt (*Scherz*), kann ich allerdings nur hoffen, da? er noch lernt, wie man sich gescheit kleidet, sonst kremple ich ihm noch h?chstpers?nlich den Kragen seines Sakkos herunter und kn?pf ihm das Hemd einen Knopf h?her. Aber der Blumenstrau? von der Gesch?ftsleitung fand ich einen richtig netten Zug. Sah auch echt gut aus in dem ansonsten extrem sch?bbig anmutenden B?ro, was aber am gepflegten und bestens erhaltenen 70er Jahre Ambiente liegt, ansonsten sind die R?umlichkeiten weitestgehend ok, mal abgesehen von meinem Rechner, der wohl aber nicht mehr den demn?chst anstehenden Umzug ins Hauptgeb?ude mitmachen werden mu?. Ich hoffe dann auch inst?ndig f?r meine Augen, da? das gleiche f?r meine zwei 19-Zoll Monitore gilt, die ich gerne gegen nur ein gescheites TFT-Panel ersetzt haben w?rde. Nachdem sie mich alle anforderungstechnisch einen ganzen Tag lang vernachl?ssigt hatten und ich schon fast kein schlechtes Gewissen mehr wegen der anderthalbst?ndigen Mittagspause hatte, kam dann doch noch mein Chef und hat mir Arbeit f?r das n?chste halbe Jahr aufs Auge gedr?ckt. Na endlich, los gehts!
Morgen bleibt also mindestens die Krawatte zuhaus. Voila Assimilation…

… habe ich bisher noch nicht bei unserem Renovieren eingesetzt, schlie?e diese Radikalmethode nach zwei Tagen Action als letztes Mittel nicht mehr aus. Doch warum den Dienst an der Rolle verweigern? Wenn die behandelten Fl?chen nach einem Tag Schinderei schlie?lich so aussehen, wie man sich das im Baumarkt beim Farbenkauf zusammengesponnen hat. Unwissend, wie oft man den Arm heben und senken werden mu?, um 5 Liter superdeckende Farbe (nat?rlich spritz- und tropfgehemmt!) auf altrosa-farbene Rauhfaser aufzutragen, dann ist die angehende Sehnenscheidentz?ndung im Handgelenk, zerschundene Knie und ein Oberk?rper, der sich anf?hlt, als passe er selbst nicht mal mehr in Gr??e 52, schon fast wieder vergessen. ‚Junge, rei? dich gef?lligst zusammen, schlie?lich hast du noch 3 Zimmer vor dir!‘ h?rt man sich 100 Mal zu sich selber sagen, beim 101ten Mal beginnt man aber, sich selber mit dieser Bauernschl?ue zu nerven.
Wer hat diese Wohnung eigentlich ausgesucht? Ach ja, da war ich ja auch mit bei. Schlechte Karten also, rumzujammern. Au?erdem f?hrt man ja in Gedanken schon die staunenden Horden durch die Gem?cher und h?rt sie alle „och was habt ihr es sch?n“ ausrufen. Doch bis dahin ist es noch ein langer Weg, und ich f?hle mich heute schon wie Jan Ullrich bei der Tuhr de Frangs – allerdings wie auf dem R?ckweg…

G-Nerved!

Warum ich genervt bin? -Och, das liegt sicher nicht an meiner neuesten Errungenschaft, mit der ich fortan wesentlich besser und vor allem augenschonender in die virtuelle Welt blicke: Ein wunderbares TFT-Display aus dem Hause Samsung. Ja, hab mich endlich durchgerungen, eines zu kaufen, und merke nun, am Tag 2 der neuen Zeitrechnung, was ich da jahrelang meinen Augen selbst mit 100Hz R?hrenmonitor angetan habe. Ein wahrer Augenschmaus, quasi eine Anti-aging Creme f?r meine Netzhaut. Die R?hre steht hier noch daneben, das Replacement wahrscheinlich ein wenig mit Neid und Verachtung be?ugend, aber wohl wissend, da? es Zeit ist, Abschied zu nehmen. W?re da nicht der zweite Anschlu? an meiner Grafikkarte, mit dem ich meinen Desktop um stolze 1152×864 Pixel erweitern kann, wenn es die Aufgabe erfordert. Zum Beispiel beim Suchen nach „academic literature“ zu einem noch nicht ausgegorenen Diplomarbeitsthema.
Geschickte ?berleitung, ich wei?, danke danke. Denn das nervt richtig! Entweder, die 1 Milliarde Journals und Business Reviews, auf die unsere Uni abonniert ist, enthalten nur das Falsche f?r mein Themengebiet, oder aber es ist nur der Abstract downloadbar – „if you want to buy the full-text version of this article, click here for prices and availability“ … and don’t forget to kiss me arse! Richtig wild werde ich aber, wenn ich glaube, ein Meilensteins-Werk gefunden zu haben, und sich dann dieses Evangelium aus unerfindlichen Gr?nden nicht als PDF runterladen l??t! Da h?ng ich echt unter der Decke.
Genauso, wenn mein niederl?ndischer Mitbewohner seine Vereinigungs-Idioten hier ins Haus schleppt. Wenn seine Freundin da ist, wirkt der Kerl wie weichgesp?lt. Da wird mit ge?lter Stimme bei Kuschelrock 87 ges?uselt, v?llig homosexuell W?sche gewaschen, aufgeh?ngt und geb?gelt, beim Essenkochen liebevoll Gem?se geschnippelt, das Geschirr wird abgewaschen, und die Klobrille nach Gebrauch runtergeklappt. Fallen seine beklopppten Horden hier ein, pissen sie alle neben das Klo, es gibt fettige Burger mit Fritten (und so sieht dann die K?che auch aus), er l?uft in einem versifften Verbindungsshirt rum und die Meute gr?lt primitivst in der Gegend rum, untermalt von asozialstem Holland-Plastik-Techno. Warum ist dieses Volk einfach immer so laut? -Und ich hier in meinem Zimmer, einen Stock weiter oben, bei dem Versuch, endlich einen Schritt weiter zu kommen.
Ebenso vergeblich blieb bisher die Suche nach einem neuen geeigneten Fortbewegungsmittel. Fazit nach der Besichtung von ein paar Hundert Gebrauchtwagen am Wochenende: Es gibt keine Diesel, es gibt keine sparsamen Benziner, es gibt fast nichts au?er Kombis – es sei denn, man gibt 3000 Euro mehr aus, als man vorhatte.
Ach ja, es gibt so vieles, ?ber das man sich aufregen m?chte, darunter auch solches, wor?ber es sich lohnte aufzuregen. Dazu geh?rt nicht, das Montoya Schumacher im Tunnel an die Wand gefahren hat, auch nicht, da? ich gestern hier fast eingegangen bin, weil der Nachbar sein Flachdach mit einer krassest L?sungsmittel freisetzenden Beschichtung hat streichen lassen. Aber da? die USA mit ihrem gegenw?rtigen mode-of-conduct durchkommen, die Welt quasi zuschaut, wie alle supranationalen Abkommen, die wirklich etwas bedeuten, mit F??en getreten und bespuckt werden, das ist wirklich skandal?s. Auch bei dem, was Israel da abzieht bekomme ich G?nsehaut am Knie. Aber was soll’s, sind ja eh alles nur Terroristen, hm?!
Und dann schreibt mir noch so ein Hohlpfosten von Spammer sowas in seinen 723sten Enlarge-your-penis-buy-our-pills Versuch, mich in den endg?ltigen Wahnsinn zu treiben:

Gratitude is born in hearts that take time to count up past mercies.

Und jetzt? -Nun, Cicero hat es mal so formuliert: A happy life consists in tranquillity of mind.
Na dann.