Kampf der Kulturen

Noch 5einhalb Stunden sind es bis Miami, und offen gestanden m?chte man angesichts des durchaus als „w?rzig“ zu subsummierenden Geruches in der von meiner Lieblings-Airline betriebenen Boeing 747 am liebsten nur noch in einen komat?sen Schlaf fallen oder aber sich mehr von der edlen Brause oder dem vergorenen Traubensaft aus der Boardk?che holen. Kommt auf’s gleiche raus: Ausschalten oder zumindest Dimmen der Wahrnehmungsreize.
Eine geschlagene Stunde hat es gedauert, bis endlich jeder seinen Platz hatte. Etwas befremdlich ist das schon, denn meine Platznummer haben die von der Lufthansa mit beim Einchecken freundlicherweise gleich mit aufs Ticket gedruckt – die ahnten wohl, da? ich lieber am Schalter ?ber meinen Sitzplatz verhandle als an Board. Da wurde munter umdisponiert, als ginge es um Hotelzimmer oder das Erbteil. „Ja aber mein Mann sitzt jetzt da hinten“, „Ich habe einen Gangplatz gebucht!“, „Nein, ich stehe hier ?berhaupt nicht mehr auf!“, „Es zieht hier so“, „Haben Sie noch einen Notausgang?“ -und dazwischen die Herren und Damen in der Uniform mit dem Kranich, mit Engelsgeduld „Macht es Ihnen etwas aus, wenn…?“ Ja, offensichtlich macht es den meisten sehr wohl etwas aus. Da treffen die Kulturen aufeinander. Keine 10 min sitze ich in diesem Flieger und schon habe ich mindestens f?nf Sprachen geh?rt.
Da ist Rodriguez (ich habe nat?rlich keine Ahnung wie der Mann hei?t, er ist jedenfalls totsicher ein Hispanic). Der hat den iPod auf den Ohren und wohl f?r den langen Flug extra seine pers?nlichen Greatest Hits draufgepackt. Jedenfalls intoniert er v?llig unbeeindruckt von den anderen 100 Passagieren in unserem Kabinenabschnitt „ohhhh Mariaaaa, Mariaaaaa….“ – mu? ja ne ganz dolle sein, denn entweder hat er den Player auf Dauerwiederholung und jedes Lied handelt von Maria. Der spricht also Spanisch. Und Englisch, wie er seinem Sitznachbarn, der eigentlich nur versucht, seine Computerzeitung zu lesen, eindrucksvoll in kurzweiligen Plaudereien zu demonstrieren versucht. Er geizt dabei nicht mit K?rpersprache, schlie?lich ist man auf 10300m und mit nur 10cm Schwei?dr?senabstand quasi Familie.
Vorne sitzt eine asiatische Mutter mit asiatischen Kindern. Die schlafen, was es nicht besser macht, da? mir beim ?ffnen des Zeitungsfaches ?ber ihnen die ganze Wochenauslage frischer Hochglanzmagazine entgegenkommt und unsanft auf ihrer Famile niederprasselt. Ich entschuldige mich h?flich, schlie?lich ist es mir saupeinlich, da? gerade die GQ, das schwerste und am solidesten gebundene Magazin, ihrem J?ngsten mit der Bindekante auf den Kopf gefallen ist. Hilft nix, da mu? er durch, und ihren Schimpfanfall auf einer Sprache, von der ich sicher nichtmal geh?rt habe, kann daran auch nichts mehr ?ndern. Von wegen, Asiaten seien so tempered. Bei den Bambini h?rt es wohl auf. Italiener sitzen schr?g vor mir, haben Rastas respektive verfilzte Haare, sind unrasiert respektive ungewaschen und schlafen. Das „wie immer“ verkneife ich mir jetzt nicht, denn wann immer ich junge Italiener reisen sehe, sehen die genau so aus: verlottert, verzottelt und garantiert noch nicht unterm Wasser gewesen heute.
Vor mir sitzt ein Finne mit seiner Frau. Wir m?gen uns ab Sekunde eins schon nicht. Sowas gibts: Da steht man in der Security und hat nur einen Gedanken: Hoffentlich sitzt das Arschloch nicht neben mir! Tut er nicht, super, daf?r sitzt er vor mir. Und da kann er mich noch viel besser ?rgern. Hat wie ich sein Notebook offen und werkelt an einem Text, der sehr viele Jahreszalen enth?lt. Wie gesagt, ich halte ihn f?r einen Arsch, denn er stopft dauernd seine Decke und sein Kissen unter seinen Sitz, also zu meinen F??en. St?rt ihn gar nicht, findet er wohl normal. Gut, soll er sie haben, die Limburger! Er fliegt ?brigens mit permanent nach hinten geklapptem Sitz. Das sorgt daf?r, da? ich kaum aus meinem Sitz rauskomme, geschweigedenn meinen Text auf dem Bildschirm lesen kann, denn die Tastatur habe ich fast am Kinn. Also jetzt ?bertrieben gesprochen, aber so ?hnlich. Kann ich was daf?r, da? seine Frau 10 Jahre ?lter aussieht als er? Warum l??t er das an mir aus? Weil dieses Brett von Model-Italo-Spanierin mich beim Reinkommen angeschaut hat, w?hrend sie ihre Sitznummer gesucht hat? Immerhin war ich es nicht, der besagter Hammerfrau eine gef?hlte halbe Stunde auf den Arsch geschaut hat!
Ein Hammer ist auch das Paar neben mir. Warum hab ich immer so ein Pech? Letztes Mal das Ehepaar, das mich mit Keksen gef?ttert hat und ?ber die ich aus Faulheit vergessen habe zu schreiben. Er Marke Erdkunde-Lehrer, in Sandalen mit Socken, stilsicher kombiniert mit Trekking-Hose und Angler-Weste, dazu eine historische No-Name Japan-Kamera, wahrscheinlich ein Vorkriegsmodell, seit anderthalb Generationen in Famlienbesitz, verpackt und zuhause in einer soliden Ledertasche, an der ein ebenso solides Taschen-Stativ baumelt. Die Kamera wird sogar vor meinen Augen eingesetzt, mit einer 50mm Standard-Optik ans beschlagene und gefrostete Flugzeugfenster gehalten, um Impressionen von New York bei Nacht auf Film zu bannen. Blende richtig eingestellt? -Dann los, klick, noch eins zur Sicherheit, klick , „brauch man eigentlich ja nicht, die Kamera macht heute noch immer Spitzenbilder, auch ohne digital!“ unkt er mich an, als ich gerade mein Handgep?ck sortiere und er meine 350D ersp?ht. ‚Ja nee, is klar, und zwei Fotos m?ssen auch echt reichen, dann ist nach 3 Wochen New York endlich der 36er Film voll. Komm, nimm lieber noch ein Pl?tzchen von deiner Mutti, die wird sonst noch fetter.‘
Aber zur?ck zu meinen aktuellen Nachbarn. Unschlagbar, was mir da wieder das Schicksal (oder die Lufthansa aus reiner Bosheit?) hingepflanzt hat. Beide um die 70 und aus Ru?land. Herzlichen Gl?ckwunsch, das ist bei allem, was hier aus freiem Willen an Board gekommen ist, echt der Hauptgewinn. Kein Wort Deutsch sprechen die beiden, ganz zu schweigen von Englisch. Das stecke ich der total perplexen Stewardess, als die n?mlich ihr Curry-H?hnchen oder die Rindsroulade nicht an die beiden loswurde. Ich vermittle, weil ich ja nunmal so ein lieber Kerl mit Helferkomplex bin und hoffe, da? ihnen die Rouladen genauso gut geschmeckt haben wie mir. Zwischen Donauwewllen und Einreiseformular nimmt die Dame, deren Figur am besten mit „breit wie hoch“ umschrieben werden kann, offensiv Kontakt auf. Nach einer Weile des Aufmicheinredens auf Russisch verstehe ich sie sogar – soweit man das nach einem Lufthansa Gin Tonic und 5 Rotwein sagen kann. Sie fragt mich, ob ich Kinder habe, verheiratet bin, beklagt den Sitzabstand und das Fernsehprogramm (welches sie aus Versehen heute nicht auf Russisch ausstrahlen…), und kommt schlie?lich zur Sache und fragt, ob ich Deutscher sei. Ich bejahe auf Gutgl?ck („Da“) und die beiden freuen sich wie Pl?tzchen. Entweder haben sie mich gefragt, ob ich sie in Miami durch die Stadt f?hre oder -und das ist beinahe wahrscheinlicher- freuen sie sich wirklich. Als Deutscher erh?lt man glaube ich eher selten solche Reaktionen von Russen der Kriegsgenetation. Und w?hrend ich mir schon deren Kopf zerbreche, wie diese beiden wohl ?berhaupt die Einreise in den Sonnenstaat schaffen werden, r?cken sie mit der Sprache raus, l?ften endlich das Geheimnis: Sie sind auch Deutsche, eigentlich jedenfalls, und ihre Eltern haben Deutsch in der Schule gelernt, aber sie nicht mehr. -All dies bilde ich mir zumindest ein. Es ist durchaus m?glich, da? der Rotwein sein ?briges dazu getan hat, aber ich habe es bewu?t vermieden, meine aus 3 W?rtern bestehende Polnisch-Kenntnisse an den beiden auszuprobieren („is ja fast wie russisch!“). Gleichzeitig setze ich f?r alle Eventualit?ten des R?ckflugs auf die Todo-Liste, mich wieder daran zu erinnern, was „ich spreche kein Polnisch“ hei?t. Wo die Oper ist, brauche ich jedenfalls sicher niemanden fragen. Wie konnte ich nur so derma?en unvorbereitet auf Reisen gehen?!

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Bom Chicka Wah Wah

Es ist inzwischen Herbst geworden, und ich alter Kämpfer kämpfe immernoch mit meinem Knie, und das jahreszeitgemäß hauptsächlich im Fitnessstudio. Ja richtig: Eisenreis(s)en in der Muckibude, zwischen all den anderen hirn- und freundeskreislosen Individualisten (so nennt man ja heute Menschen, die keine sozialen Bindungen hinbekommen) gemeinsam verschwitzte Luft einatmen und aus Pudding Muskeln machen. Hat damals zumindest der Arni schon gesagt, ich glaube im Kindergartencop. Spielt auch weiter keine Rolle, denn man muß nicht unbedingt mit Trainingserfolg beseelt werden, um einen guten Abend da zu haben, manchmal reicht auch einfach schon der Anblick der anderen Leute. So wie im Sommer in der Fußgängerzone: Nix gekauft, aber einen Haiden-Spaß vom Zugucken gehabt. Keine Angst, ich zieh mir den Schuh des immer-lüsternden, gemeinen Zynikers gerne für meine Leser an, die dann umgekehrt in bestem Second-Hand-Voyeurismus meine Erlebnisse nachfühlen können.
Im Herbst rennen sie wieder alle ins Studio, gilt es doch, noch vor Silvester den guten Vorsatz vom letzten Silvester einzulösen: ‚Nächstes Jahr mach ich Sport‘. Die Resultate dieser guten Vorsätze kann man im Sommer in jedem x-beliebigen Freibad oder Badesee, am Strand oder auch in den Fußgängerzonen begutachten. Kennt jeder, braucht man nicht weiter drauf eingehen. Da wird geschwabbelt was die Epidermis hergibt. Im Herbst jedenfalls wird dann all das in enge, eigens für diesen Zweck nagelneu angeschaffte, farblich meist unerträgliche Stretch-Sportdresse gezwengt. Und dann Atacke, ran an den Speck – im wahrsten Sinne des Wortes.
Ein Highlight, nein, besser Fashion-Victim ist ein Mitt-Fünfziger mit klassischer Birnenfigur. Also oben extrem schmal, dann bis zur Hüfte stetig an Umfang zunehmend, der Übergang Love-Handles/Hintern bildet den Äquator, und darunter (er selbst sieht sich da nicht mehr) kommt wieder nix mehr. Der Typ trägt eine gelbe Trainingshose und kombiniert stilsicher ein ebenso gelbes T-Shirt. Er sieht darin aus wie Willi von Biene Maja, nur ohne Streifen.
Daß Schwitzen elementarer Bestandteil des Konzepts „Sport“ ist, wird leider selten bedacht. So zerfließen bei den meisten Anfängerinnen buchtstäblich jegliche Bestrebungen, gleichzeitig dabei eine gute Figur durch optimales Styling zu machen: Makeup und Haarfrisur melden sich bereits beim ersten Trainingszyklus gnadenlos ab und sind darum als komplett überflüssig anzusehen. In engem Zusammenhang dazu steht die Nicht-Verwendung statisch höher belastbarer Unterwäsche, wie sie der einen oder anderen Dame etwa beim BodyAttack (neudeutsch für Schattenboxen), Aerobic-Gehüpfe oder schlichtweg auf dem Laufband die verfrühte Kapitulation des Bindegewebes im Brustbereich ersparen würde. Ich hab neulich gelesen, daß Brüste 17 cm hoch- und runterhüpfen können. Das ist eine Amplitude von 34cm im Extremfall – und diese Sorte Extremfälle tummeln sich dieser Tage vermehrt in den Kursen der Fitnessstudios. Komisch, ich muß seit Heinz Strunk’s „Fleisch ist mein Gemüse“ immer an Busen-Maike („Sie ist halb Mensch, halb Busen“) denken, wenn ich sowas sehe. -Übrigens, mir fällt beim Betrachten des Wortes „Fitnessstudios“ auf, daß ich es für falsch geschrieben erachte, so auf den ersten Blick. Ist das was Ähnliches, wie wenn die Leute bei „Tischlampe“ immer sofort erstmal „Schlampe“ lesen?
In der Umkleide habe ich irgendwie immer den Spint neben Luigi. (Der Name wurde bewußt von der Redaktion geändert, weil ich seinen Namen gar nicht kenne.) Luigi ist ein waschechter Italiener, das kann ich mit Bestimmtheit von seinem unvergleichlichen Akzent ableiten. Und wäre da nicht der Akzent, so ginge bestimmt der Tricolore-Aufkleber auf seinem rosso-roten Alfa Romeo 155 als eindeutiges Merkmal durch. Oder eben seine imposante Körperbehaarung, an der sich sicher bereits die vierte Generation von Remington Langhaarschneidern buchstäblich die Zähne ausbeißt. Er ist ein lieber Kerl, isse immere feundelisch su mire (auch da muß ich immer an den Antonio Marcipane aus „Maria, ihm schmeckts nicht“ denken!). Aber Luigi erinnert mich extrem an einen dieser römischen Offiziere aus Asterix. Wißt Ihr noch? -So mit Streichholz-Beinchen und einem gewaltigen, V-förmigen Oberkörper, der den darauf sitzenden, extrem runden Kopf einfach nur komplett unterdimensioniert erscheinen läßt? DAS ist Luigi! Toller Mann, würde er sich nicht, bevor er sich selbst auf die sicher schon erwartungsvoll sabbernde Frauenwelt losläßt, noch einmal so richtig von oben bis unten (ja! richtig gelesen, is kein Scherz, auch wenn Männer untereinander über Umkleide-Erlebnisse den Mantel des Schweigens ausbreiten…) mit Axe einräuchern würde. Ja Luigi, Sie haben alle Düfte verbessert, Bom Chicka Wah Wah, viel hilft sicher viel!

?ber den Wolken

Ich habe noch nie von ?ber den Wolken gebloggt. Wahnsinn, ich liebe die Lufthansa! Sie ist die wahre K?nigin unter den Airlines, und das liegt nicht daran, da? das Goulasch in 10km H?he hier fast so gut schmeckt wie das, was Omi unten auf 100m ?NN zubereitet. Ich k?nnte glatt zum Fan dieser Fluggesellschaft werden, denn nicht nur hab ich bisher in der Luft noch nirgends besser gegessen als hier, nein, auch wird nirgends der erstklassige Gin mit weniger Tonic verd?nnt. Nirgendwo schmecken die Brownies mit Kirschen besser, kein anderer Cabernet aus der 1.5 Liter Flasche schmeckt s?ffiger, nirgends hab ich die Auswahl aus sovielen Zeitschriften (darunter auch Herrenmagazine). Es ist nicht wirklich der Bailey’s auf Eis, der stilvoll nach einem leckeren Mahl gereicht wird, es ist eben das Gesamtpaket, das hier den Sieg holt.
Es geht nicht darum, da? die Stewardess irgendwie globschl?chtig anmutet, es geht darum, wieviel Wein sie mir bereitwillig erst zwischen Schottland und den F?r?ern und dann zwischen Island und Gr?nland in mein edles Kunststoffglas f?llt. Auch, da? ich meinen wunderbaren Kartoffelbrei nicht mit einem darin schmelzenden Platikbesteck essen mu?, sondern mit der Lufthansa-Edition von WMF, gibt hier den Ausschlag. Und irgendwie st?rt es auf einmal gar nicht mehr, da? mir die Lufthansa ein komplett grottiges Unterhaltungsprogramm anbietet, wenn ich mit meinem Sitznachbarn nach dem 4. Wein auch so eine Menge Spa? haben kann. Sowas geht aber auch nur in Deutschland, oder besser auf deutschen Fl?gen, denn in den Ami-Maschinen trinken sich ein paar Kumpels ein paar Bier und schon ist die Stimmung nachhaltig im Arsch. Vermutlich, weil sie die einzigen waren, auf halber Strecke die Kasse am Limit ist – ein kleines Bier kostet immerhin stolze 5 Dollar – oder der gut ausgebildete Sky-Marshall nunmal keinen Spa? versteht. Oder eben alles zusammen.
Nachdem ersten Essen sind es nur noch 6 Stunden bis nach Denver. Mittlerweile habe ich aufgegeben, mich immer neu in das angeblich dauernd vorhandene WLAN einzubuchen und speichere mein Geschreibsel in einer schn?den txt-Datei, da wei? man wenigstens, was man hat. Mein Sitznachbar fliegt zum Skifahren nach Denver. Er ist Italiener, hat also jenseits der Alpen diesen Winter bislang nur von Schnee geh?rt aber noch keinen gesehen, also auf in die Rockies. Mache ich sicher auch, sobald das Kleingeld daf?r stimmt. Ich g?nn’s ihm also, er quatscht mich 1 Stunde voll, wie toll da der Schnee ist und klar, es sei schon crazy f?r 4 Tage Skifahren nach Denver zu fliegen, aber what the f**k, man lebt ja nur einmal, ist es nicht so?! -Was soll man darauf sagen? Die Wahrheit am besten. N?mlich, da? ich f?r einen Business-Trip nach Las Vegas fliegen MUSS. Da schluckt er, wir prosten uns zu, auf die Gemeinheiten des Lebens und ?berhaupt, und wir setzen die Kopfh?rer auf, denn es folgt endlich der cineastische H?hepunkt der Reise.

Geschrieben am 5.12.2006, irgendwo nahe des Polarkreises, auf dem Laptop verloren, wiedergefunden, heute fertiggeschrieben und gebloggt.

Artenvielfalt

Eine gel?ufige Fehlannahme von Mallorca ist, es hielten sich hier ausschlie?lich nur Deutsche auf. Dicke Deutsche, um genau zu sein, so mit ohne Manieren und so. Das stimmt keineswegs: Es gibt auch d?nne Deutsche hier, normal-beleibte Deutsche, und in jeweils jeder bildungstechnischen Auspr?gung, die man sich vorstellen kann.
Gegen?ber, auf der anderen Seite der Bucht sind au?erdem Engl?nder und Holl?nder gern gesehene (weil zahlende) G?ste. Das war’s dann aber auch schon so langsam – treffen tut man sich sowieso nirgends. Am Strand von Es Trenc allerdings geschehen solch kleine Wunder, die die Herzdame dann zum Anla? nimmt, um von „ungeahnter Artenvielfalt auf Mallorca“ zu sprechen: Alle Kategorien Deutsche, Briten, Spanier, Italiener, irgendwelche Nordv?lker, Schwaben, verschiedene Osteurop?er und nat?rlich solche, die immer versuchen, ihre Herkunft bestm?glich zu vertuschen – also auch Deutsche – sind da vertreten.
Im Verlauf eines solchen Strandtages kann ich immer viel ?ber die unterschiedlichen Kulturen lernen, w?hrend ich bem?ht bin, auf meiner Strandliege nicht wund zu liegen. Was da so alles rum- und vorbeil?uft… Heinz Strunks wunderbares Buch „Fleisch ist mein Gem?se“ hat meinen Aufmerksamkeitssinn in einem Punkt der P?rchenanalyse ganz besonders bereichert: Wie es wohl bei manchen sein kann, da? sich zwei so h??liche Leute gegenseitig geil finden k?nnen. Herrlich, ein wahres Fest, dieser Gedanke.
Tjaja, der Mensch ist eben kein Beilagenesser, auch wenn einige sich so benehmen. Da ist das Meer mit 26 Grad eindeutig zu kalt und vor allem viel zu t?rkis, der Strand zu hei?, die Sonne zu grell, oder eine Sch?nwetterwolke macht zuviel Schatten, der Wind ist zu stark, in der Sonne ist es aber zu hei?… Mann mann mann, man m?chte sie echt heimschicken, wo sie sich nur aussuchen brauchen, in welcher Regenjacke sie rumlaufen m?gen. Selbst bei perfekten Bedingungen finden sich dann im Wasser Reste von Hochseealgen und einige Fetzen Seetang. -Ein klarer Grund, bei knietief in so einem v?llig verdreckten Meer einen Ekelanfall zu bekommen und linea recta das rettende Ufer wieder anzusteuern. Das sind dann genau die Leute, die in der Sushi-Bar alle 34 Algensorten mit Namen kennen und sie mit dem h?chsten Genu? um ihren rohen, kalten Fisch gewickelt verspeisen. R-e-diculous!

Freunde zu Gast beim Weltmeister

Na was ein Gl?ck: Deutschland hat es doch tats?chlich ins Viertelfinale geschafft! Und zu Recht ist das Land ganz in Trance: Ungeschlagen seit Turnierbeginn, das k?nnen sonst nur die Brasilianer. Oder die Italiener, solange sie nur genug nachtreten oder um sich schlagen.
Auferstanden aus Ruinen ist nicht nur der deutsche Fu?ball, sondern auch das Nationalgef?hl. V?llig befreit, so scheint es, schwenkt nun jeder seine Flagge und bindet sich nicht eine, nein besser gleich zwei ans Auto. Dieser Tage ist es kein bi?chen seltsam, stolz zu sein, ein Deutscher zu sein. -Hat man sowas sonst mal laut gesagt, geh?rte man gleich ins rechte Lager. Also was soll’s, Haltung angenommen und die Hymne aus voller Brust!
Deutschland-Polen habe ich ?brigens in Polen mit Polen geschaut. War ja eine arg traurige Vorstellung – von den Polen. Umso ?rgerlicher war es dann auch noch, da? die Polen aus der deutschen Bild-Zeitung erfahren haben, da? der Coach noch in der Vorrunde das Handtuch geworfen hat. Das sa? dann tief. Allerdings klappt die V?lkerverst?ndigung doch immer wieder bestens, wenn sie mit leckerem Bier und kulinarischen Sch?tzen begangen wird.
Einmal mehr liegt jetzt nach meiner Reise durch Polen und in die Slowakei (ich merke an: wieder ein Land auf der Europa-Karte abgehakt!) die Erkenntnis vor, da? man L?nder, V?lker und ihre Geschichte erst dann verstehen kann, wenn man dort war.

Tag 2 in Bamberg ? oder: Der Franke an sich…

Da bin ich nun, im Ausland! Im Ede-Land, CSUhausen, Freistaat Bayern… Man h?te sich allerdings unter Androhung roher, k?rperlicher Gewalt oder maximaler Nichtbeachtung davor, einen Franken geographisch wie politisch Bayern zuzuordnen! Ein Franke bleibt ein Franke, egal ob sein L?ndchen nun in Bayern, Hessen, Th?ringen oder B?hmen, also Tschechien liegen w?rde.
Obwohl dies ein wunder Punkt in der Geschichte der Franken zu sein scheint, sind die Spuren der letzten Landtagswahl noch nirgends zu ?bersehen. Bamberg, so wie der ganze Rest von Bayern w?hlt seit jeher grottenschwarz. Wer SPD-Wahlplakate beschmiert oder klaut bekommt die Ehrenb?rgerschaft, wer dagegen der CSU an den Karren f?hrt wird ?ffentlich an den Pranger gebracht und solange maltretiert, bis er freiwillig konvertiert oder den L?ffel abgibt. Angesichts der d?nnen Fangemeinde anderer politischer Str?mungen ist allerdings M?rtyrertum von vorne herein ausgeschlossen. Fast das gleiche gilt hinsichtlich des Glaubens, soda? man sich fast an die Hugenotten erinnert f?hlen m?chte. Es soll schon Protestanten gegeben haben, die auf Grund ihres Glaubens benachteiligt wurden! Das schl?gt sich beispielsweise auch am Standort meines Wohnheims nieder, das zwar idyllisch, aber doch recht weit drau?en liegt ? und ich glaube nicht daran, da? hier blo? der evangelische Tr?gerverein einen besonders guten Preis f?r das Grundst?ck gemacht bekam!
Erste Kontakte mit Einheimischen verliefen durchweg friedlich, wenn auch mit dem n?tigen, gegenseitigen Respekt vor dem Feinde. Eine Sprachbarriere ist nicht feststellbar, wenngleich so die ein oder andere Vokabel zum ersten Mal meinen Geh?rgang passiert. Ich wehre mich hartn?ckig gegen den Niederschlag, den 1000 Mal am Tag das F?llwort ?freilich? in meinem Gebrauchswortschatz hinterl??t. Gleiches gilt f?r ?a w?ng? (=ein wenig), ?magst …?? (=hast du Lust auf…?), ?kannst …?? (=mach das jetzt sofort!), ?scho? (=schon), ?glei? (=gleich), ?w?nsch ihna noch ein schenen Dag? (der Hesse kennt diesen Ausspruch gar nicht von Servicepersonal)…. Darum habe ich auch anstelle von Bayern 3 lieber Hessen 3 als drittes Programm eingestellt. Nicht, da? mir noch mein Hessebub verloren geht!
An echten ausl?ndischen Mitstudenten habe ich noch nicht viel gesehen, unten auf dem Parkplatz stehen einige britische und franz?sische Wagen, und heute morgen im Auslandsamt probierten Italienerinnen und Spanier ihre Deutschk?nste an mir aus.
Daf?r war ich dann aber exzessiv Sightseeing. Der Weg in die Stadt dauert per pedes 35 min – wenn man nicht bummelt. Bei traumhaften Wetter hab ich mir gleich die volle Packung Kultur gegeben, soda? ich nun bereits am zweiten Tag sagen kann, da? Bamberg wirklich ein pitoreskes St?dtchen ist, das echt viel f?r?s Auge zu bieten hat. F?r?s Auge so auch f?r die Linse ? wenn ich irgendwann mal ins Netz komme, lade ich nat?rlich Bilder hoch.
Ich merke, da? ich Gefahr laufe, ein Imageproblem zu bekommen. Jedem mu? ich erkl?ren, wieso ich Ausstauschstudent bin, warum ich (selbst als Hesse) so gut Deutsch spreche, und wieso ich denn ?berhaupt in Bamberg studieren kann. Nach der Antwort entgegneten mir bisher alle eine gedehntes ?Ahhh?. Die Chefin im Auslandsamt erkl?rte mir, da? sie sich immernoch wundert, denn ich s?he ja gar nicht so aus wie die Studenten, die sie normalerweise hat. Was bitte soll das denn hei?en? ?In Finnland oder Schweden w?re ich wahrscheinlich auch als einheimischer Student durchgegangen entgegnet sie lachend. Herr Beckstein w?rde sich freuen, jemanden mit einem anscheinend recht arischem Profil in seinem Freistaat zu begr??en, aber alle Franken wundern sich nur den ganzen Tag. Vielleicht lege ich mir einen niederl?ndischen Akzent zu, dann wundert sich wenigstens keiner mehr anhand der Eckdaten: blond, Heimatuni Maastricht, spricht einigerma?en gut Deutsch…
Projekte f?r das Wochenende:
1. Schlafen
2. Umgebung und Freizeitpotential ausloten
3. eventuell AOL-Software installieren, um das hier endlich mal hochladen zu k?nnen! (nein, ich bin nicht wahnsinnig, aber der EDVler ist am Wochenende nicht da, und alle 019x-Nummern f?r CbC-Einwahl sind noch gesperrt ? au?er T-Online und AOL!)