Hilton, Englischer Garten. Wieder eine dieser Fachmessen mit Konferenz-Angebot. Auf der einen Seite Pflichttermin, um endlich ein wenig mehr fundiertes Wissen über Suchmaschinenmarketing anzuhäufen einzukaufen, auf der anderen Seite eine extrem willkommene, wenn auch anstrengende Gelegenheit, dem Alltag zu entfliehen. 5 Sterne deluxe, na schön, wenn Ihr meint. Sollte ich irgendwann mal das Geld zum Sch***en haben, werde ich mir Hotels mit 6 oder noch mehr Sternen suchen müssen, in der Hoffnung, daß die wenigstens ihr Geld wert sind. Aber ok, immerhin Klassen besser als in Boston, und sogar nur halb so teuer.
In den Konferenzräumen das gewohnte Bild: Schreibblock, Werbekuli, Getränkeauswahl (Cola, Fanta, Wasser mit, Wasser ohne, Wasser ganz ohne, O- und A-Saft), dazu Pfefferminz vom Werbepartner. Platz nehmen auf diesen Konferenz-Stühlen, von denen ich so langsam den Verdacht habe, daß es auf der Welt nur eine Firma gibt, die Konferenzräume bestuhlen darf. So gesehen ist München auf einmal München, Gerolstein, Bad Neuenahr, Boston, Bad Godesberg. Komplett austauschbar, das alles - chairwise, versteht sich.
Das selbe gilt für die Gesichter, die da rumlaufen, auch Austeller und Redner genannt. Allesamt Messehuren, die das ganze Jahr durch die Kongresse tingeln oder tingeln müssen. Neue Leute zu treffen wird schon schwer, wenn man mal so zwei-drei Kongresse zum selben Thema besucht hat. Oder auf einer Fachmesse war, da treffen sich eh alle wieder. Kein Wunder, daß man aufpassen muß, nicht nach dem dritten Stand schon breit zu sein, bietet einem als “guter Bekannter des Hauses” jeder gleich ein Gläschen an. Beinahe ekelhaft gestaltet sich dieses Buhlen um neue Kunden, die Gesichter dieser Menschen am zweiten Messetag sprechen Bände. Aber Hauptsache man bringt genauso viele Visenkarten mit, wie man selber verteilt hat.
Zurück nach München, auch wenn es schwerfällt. Das beste an diesen beiden Tagen ist das, was ich mir notiert habe. Die Powerpoint-Abdrucke sind so gut wie unbrauchbar, reine Werbeprospekte. Nun ja, fast. Eine willkommene Abwechslung ist das Essen. Fünfzehnter Stock, hoch über München, zum gemischten Vorspeisenteller bestaune ich die Alpen. ‘Nimm keinen kalten Fisch’ hat mir eine Kollegin geraten, der das letzte Hilton-Essen nicht ganz so wie geplant bekommen war. Ich halte mich dran und genieße, was die Küche so hergibt. Schließlich habe ich der Firma 40 Euro auf den Zimmerpreis gespart und bin stattdessen mit einem Schokoriegel und einem schwarzen Tee aus dem Wasserkocher in den Tag gestartet. Beim Zuckereirühren denke ich mir noch, daß ich echt bescheuert gewesen sein muß, den günstigsten Preis im Internet gebucht zu haben, weil ich nun wegen bekloppter Reisekostenregelung der Gelackmeierte bin. Kein Frühstück im Bauch, dafür aber kaufmännisches Geschick bewiesen weil günstig die Übernachtung gebucht. Nähme ich Frühstück, wäre mein Tagesanfangsbudget minus 17 Euro. -Hol das mal wieder rein in einer Stadt wie München!
Irgendwie stecken mir auch noch die 2 mal 40 Minuten Fußweg vom Vorabend in den Gräten, als wir auf der Suche nach angemessener Abendverpflegung und durstlöschenden Getränken im Stechschritt quer durch den Englischen Garten in die City getobt sind. Oder kommt der Jetlag doch von dem letzten Weizen an der Hotelbar, mit dem ganz sicher irgendetwas nicht gestimmt haben muß?
Eines ist sicher, der Tag geht noch irgendwie rum. Dazu trägt der Referent da vorne jetzt erheblich bei. Sein Name klingt deutsch, aber ich muß mich sehr zur Konzentration rufen, um sein Kauderwelsch zu verstehen. Er entschuldigt sich, er müsse erst wieder sein Deutsch reaktivieren, da er gerade 3 Monate in Japan gelebt habe. Ich lausche gespannt seinen Worten, denn das lohnt sich allein schon vom Unterhaltungswert. Japan? -Keine Bohne! Das ist astreines Spanier-Deutsch mit tschechischem Akzent. “Bie chaben bier bor, das Proplem ßu löse?” -Keine Ahnung Jaun-Pavel, aber sag doch bitte nochmal “Qual der Wahl“!
Ein paar Stunden später schaukelt mich die S-Bahn durchs Münchner Vorland zum Flughafen. Eben noch konnte ich den Anflug von Mißgunst abwenden, der mich erfaßte, als ich im stark böigen Wind an der Bushaltestelle stehend versucht habe, meine Kleidung zu kontrollieren, als ein maximal gleichaltriger aber 10mal stärker gebräunter Juppie im Designerzwirn den Chicks in der Hotel-Lobby winkend selbige verließ, um nach einem kurzen Druck auf die Funkfernbedienung seinen im absoluten Halteverbot parkenden 911er zu aktivieren, lässig sein Aktentäschchen in den Kofferraum zu werfen und schließlich alle Zylinder boxend das Terrain verließ. Vierzig Minuten drauf durchlaufe ich den ganzen Franz-Josef, kaufe mir noch eine Zeitung, die ich lese, während ich versuche, mich nicht über die halbe Stunde Verspätung meines Fluges zu ärgern. Gut, daß ich mir nichts zu essen gekauft habe, sonst würde ich wahrscheinlich die Salzstangen, die mir die freundliche DBA mit einer Cola Light (”Mit Zitronenscheibe und Eis?” gereicht hat, verschmähen müssen. Nein, dieser Fluglinie gebührt mein unbedingtes Lob. Getränk, Snack, Zeitung und ein Magazin - alles inklusive. Auf dem Hinflug war es noch der Focus Money, auf dem Rückflug mußte es der Playboy sein. Die DBA weiß eben, was Männer wirklich wollen: Feierabend.

ich werd meiner schwester mal das gute feedback ueber die DBA zukommen lassen, damit die dort nicht vielleicht auf die idee kommen, den playboy abzuschaffen ;o)
JEJ - ein Lebenszeichen ;)
Muenchen war schon immer ein grausiger Ort. Sei froh, dass Du dort nicht laenger verweilen musst.
Yeah Alex, mach das mal! -Eigentlich ist der Playboy der Hauptgrund, warum ich DBA fliege! ;) … und das Getränk… und der Snack… und die Stewardessen B)
Hoffentlich erhöhen die ihre Preise nicht relativ zu Germanwings, sonst komme ich in Erklärungsnöte.