Liebling Kreuzband

Der beste Tag bisher: Über Nacht hat es 20-40cm Neuschnee gegeben, Powder auf fast allen Pisten, der Himmel reißt noch während des Frühstücks auf und die Sonne küsst das frisch eingepuderte Sölden. Zum ersten Mal seit wir hier sind, hat es Temperaturen unter dem Gefrierpunkt, auf 3000m messen die Sensoren -12 Grad bei 50km/h Wind. Das dürften gefühlte -20 sein, und was das ohne entsprechende Schutzmaßnahmen bedeuten kann, das habe ich die Tage schon an meinen Ohren getestet: Nach weiß kommt irgendwann wohl schwarz, wenn man keine netten Mitmenschen um sich hat, die einen auf die drohende Erfrierung hinweisen. Nun denn, auf auf den Hang hinauf!
Oben dann ein Traumtag, Sonne, blauer Himmel, Powder. Schnelles Mittagessen, keine Zeit verlieren, bevor es sich das Wetter anders überlegt. Schließlich wollen wir es für so einen Traumtag gut sein lassen, wedeln über eine von Söldens zahlreichen komplett zerfurchten Pisten gen Talabfahrt. Schwer ist es, bei derart desolaten Pisten den Parallelschwung zu pflegen, nach einigen Metern heißt das Motto tageszeitentsprechend nur noch „runterkommen“. Fluchend geht es talwärts, die Ski brechen immerwieder aus der idealtypischen Formation aus, die Knie schlucken plötzlich auftauchende Buckel wie Stoßdämpfer. Dann ein Steilstück, ich quäle mich über die ersten Meter, dann eine Eisplatte, keine kleine. Die Kanten schneiden das Eis, suchen Halt, den sie an dieser Stelle nicht bekommen können, zu steil ist es. Dann das Gewicht minimal falsch verlagerrt, der Bergski ist schneller als der Talski, rutscht auf ihn, blockiert ihn, verkeilt ihn, ich falle aus dem letzen Schwung nach hinten, aber die Ski stehen fest auf der Piste, sodass ich den vollen Drehmoment auf mein rechtes Knie ausübe. Noch im Fallen schreie ich aus Reflex so, dass selbst die letzte Gams es mitbekommen musste, die Schmerzen erreichen das Gehirn direkt und ohne Umwege. Ich versuche nur noch, irgendwie zum Liegen zu kommen und meine Ski zu sortieren, aber es ist vergeblich, das Knie sendet nur noch Schmerz und nimmt keinen Befehl mehr an. Jan ist als erster da, macht mir die Bindung auf. Warum ist das Scheißteil heute nicht aufgegangen? Nachdem die Beine wieder nebeneinander liegen, die Fußspitzen beide nach oben zeigen, ist für einen kleinen Moment wieder alles in Ordnung. Wird schon wieder gehen. Ich schnall die Ski wieder an, höllische Schmerzen im Knie, egal, ich bin in den letzten 23 Jahren noch jeden Berg in jeder Situation runtergekommen. Keine Zeit für Memmen! Genau 2 Schwünge bekomme ich hin, beim Dritten wird mir wieder schwarz vor Augen, der Schmerz lässt mein Knie einknicken wie eine aufgeweichte Grissini. Mein Zimmernachbar im Krankenhaus wird dies später mit „so you were playing Superman, huh?“ kommentieren. 10 min später klammere ich mich auf einem Skidoo fest, der Macker heizt wie blöde zur Gondelstation, und alles, was ich denken kann ist, dass mich die zwei Kilo Skischuh bei jedem Buckel und jeder Bodenwelle, die der Skidoo unsanft an seine Fahrer weitergibt, noch das Bein kosten werden, so sehr habe ich Mühe, die rechte untere Extremität auf der Fußraste zu halten. Ab da geht alles routiniert: Auf der Liege bekomme ich eine Sonderfahrt in der Gondel, vorbei an 1000 wartenden Skifahrern, unten wartet bereits die Rettung. Das zumindest sagt mir Johann, der nette Mann von der Bergrettung, dessen Lesebrille zwar ihren Namen nicht verdient hat, der sich aber alle Mühe gibt, mir Mut zu machen. Im Bagatellisieren ist er aber kein Held, denn: „Die meisten, die so g’fallen sin wie du, siehgst zwoa Doag speda scho wieder mit’n Krückchen drunten im Ort.“ Danke Johann, DAS war die Info, die mir noch fehlte! Es folgt Röntgen und eine MRT in einer schnieken, brandneuen Privatklinik. Keine Sorge, zahlt alles die Auslandskranken Plus. Und so lasse ich mich rundrum durchchecken. Die MRT ist der Höhepunkt des Abends: Die nette Schwester bietet mir zwar Kopfhörer mit Musik an, weil das Teil „scho arg laut is“, doch Bono und U2 schaffen es nicht wirklich, das technische Meisterwerk von Siemens Medical zu überlagern. Warum nur heißt diese Röhre „Harmony“? Während der zwanzig Minuten, in der ich in diesem Teil liege und mein wummerndes Knie nicht bewegen darf, stampft ein wundervoll gleichmäßiger Rhythmus unter mir, während dieses Teil die unterschiedlichsten Fehlgeräusche von sich gibt. Früher nannten wir sowas Noise und hörten das in der Disco. Auch diese 20min gingen rum, ich danke der Schwester für U2 auf den Ohren – hätte ja auch schlimmer kommen können. Der Befund hingegen konnte dann kaum schlimmer ausfallen: vorderes Kreuzband gerissen, inneres Seitenband abgerissen, Miniskus durch Quetschung verletzt.
Am nächsten Tag wird gleich operiert, ich finde mich im Imster Outlet dieser Superklinik pünktlich ein. Alles geht ruckzuck, routiniert möchte man denken: Hemdchen an, Trombose-Stockings, Laberlaber mit der Anästhesistin, die Wahl fällt auf Vollnarkose. „So, jetzt wird Ihnen etwas schwindelig“… 21… 22… 23… „N?…. naja, vielleicht doch….. sie verlieren mich gleich“ und ich bin weg. Als ich aufwache, ist alles vorbei, 24 gefühlte Kilo Verband dekorieren mein Knie. Der Full-Service Approach des Hauses schließt eine post-narkotische Flädle-Suppe und Skiwasser galore ein. Noch nie hat eine Suppe so gut geschmeckt! Sie packen mich auf ein Zimmer, reichen mir Mineralwasser, die Fernbedienung, eine Speisekarte und einen Laptop mit WLAN. Privatpatient sein, was kann es schöneres geben? [To-Do für daheim: Endlich Einkommensgrenze für Privatversicherung überschreiten!] Ich entscheide mich für einen Steak-Sandwich nach Schluchti-Art, also mit Pfifferlingen, Speck und Zwiebeln. Eigentlich hege ich keine allzu hohen Erwartungen, dass das Essen gut sein könnte, und wenn es tausendmal vom Restaurant von gegenüber und nicht aus einer ollen Kantine kommt. Aber ich liege mal wieder falsch: Zartestes Beef, perfekt medium, und rubbeldiekatz ist der ganze Teller verschwunden. Über Nacht fressen mich die aufkommende Schmerzen, reißen mich aus dem Schlaf. Und das soll je wieder gut werden? Auch wenn die Behandlung extrem deluxe ist, wird das noch ein gehöriges Stück Arbeit werden, soviel ist sicher.
Die Nachtschwester hatte zwar mein Schmerzmittel für die Nacht vergessen, mich aber voher noch über den Umfang des Frühstücks aufzuklären. Von allem etwas, ein bunter Strauß voller guter Laune für einen guten Start in den ersten postoperativen Tag.
Wie ich später erfahre, kostet die OP schlappe 6500 Euretten, dazu Untersuchungen, Bilder, MRT – und nicht das deluxe Essen samt edler Unterkunft und Topservice zu vergessen. Und das alles für 8 Euro Jahresgebühr…

Ab in den S?den

Halb 6 auf der Autobahn, gewohntes Bild auf der A61: Ein gelbes Nummernschild nach dem anderen. Alle wollen Sie dahin, wo wir bis eben auch noch hinwollten. Resentiments beiseite, ist ja Urlaub, Holl?nder sind eben auch nur Menschen. Zwar solche, die mit ihren Fahrzeugen, meist v?llig ?berladen und bis an den Rand des Zumutbaren nicht mit Winterausr?stung ausgestattet, aber gut. Doch irgendwann is genug, is einfach mal Schlu? mit der ewigen V?lkerverst?ndigung, dem gelebten Europa ohne Grenzen, denn meine Br?der aus der Nachbarschaft beginnen mir bereits nach km 7 mit ihrem Fahrstil geh?rig auf den Zeiger zu gehen. Xenon im R?ckspiegel, ich mache dem Tiefflieger mit Bonner Kennzeichen schnell mal Platz, aber ein holl?ndischer Familienpappa hat wohl den Ernst der Lage nicht sofort begriffen und setzt zum ?berholen eines Landsmannes an. Der Nachthimmel wird kurz glockenell erleuchtet, zweimal kurz hintereinander blitzt das Xenon-Fernlicht des BMW auf, der linke Blinker wird gesetzt und der Lenker des Familenkombis hat noch eben gef?hlte 2ms Zeit, seine Sippe in Sicherheit zu bringen. Also gut, der Krieg ist er?ffnet, ich setze mich wieder auf die linke Spur und schiebe alles mit gelbem Nummernschild von der Bahn, was mir vor den nicht vorhandenen Bullf?nger kriecht. Deutschland – Holland, und zwar in der dritten Halbzeit wird hier nachgespielt.
Zur Blauen Stunde lasse ich das Hunsr?ck hinter mir, im Radio spielt SWR3 just dazu Summer Wine. G?nsehaut und kein Zweifel, on the Road again. Fast allein auf der Autobahn, die holl?ndische Prozession habe ich schon vor km hinter mir gelassen.
Stunden sp?ter und reichlich Nerven ?rmer, f?hren in der N?he von F?ssen auf einmal fast alle Wege zu den „K?nigsschl?ssern“, den Lust- und Romantikbuden von K?nig Ludwig von Bayern. Neuschwanstein, pl?tzlich steht es vor mir, nat?rlich im vollen Gegenlicht, soda? kein Foto m?glich ist. Man braucht dann nur den ganzen Japanern zu folgen. Oder noch besser denjenigen, die offenbar noch nicht mitbekommen haben, da? ein „P1″ am Ortsrand immer den am weitesten zur Sehensw?rdigkeit entfernten Parkplatz bezeichnet, worauf in aller Regel noch P2 bis P5 folgen. In Hohenschwangau trifft man sie dann alle wieder. Japanische Japaner mit japanischen Kameras fotografieren wie die Weltmeister jeden Stein, bannen so die gesamte Bayerische Kitscharchitektur auf Film Chip. Wenn das Fotografieren Geb?ude abnutzen k?nnte, st?nde da kein Stein mehr auf dem anderen. Ich hab darum auf meinen tourischtischen Obulus verzichtet und nur Schlo? Hochenschwangau abgelichtet, es sah einfach sch?ner aus als das Postkartenmotiv auf der anderen Seite des Berges.
Ein paar Kilometer weiter hat das Elend wieder sein bekanntes Gesicht. Im Stau sind alle gleich. Erstmal, zumindest. Wer sich da abheben will, der kann sich 1,50m neben der Stra?e ins kn?chelhohe Geb?sch schlagen und den hellen Holzzaun nach Herzenslust kreativ bepinkeln. Sieht ja schlie?lich keiner. Kennzeichencheck? -Klar, gelb-schwarz.
Pa?stra?en fahren ist nicht einfach, und in L?ndern, wo es keine Erhebungen ?ber 120m gibt, mu? man es auch nicht gewohnt sein, die Bremse gegen die Hangabtriebskraft einsetzen zu k?nnen. F?hrt man allerdings gern nach ?sterreich zum Skifahren, kann es Sinn machen, sich die einfachen Regeln des Fahrens im Gebirge zu eigen zu machen. Wir erinnern uns: M?glichst gleichm??ig ohne viel zu schalten bergauf, dann im selben Gang die Bremskraft des Motors ausnutzend wieder hinunter. Schont den Motor, die Bremsen, und die Nerven all derer, die kein schwarz-gelbes Nummernschild haben. Doch da wird bergauf geschoben und gedr?ngelt, zum ?berholen angesetzt, um dann festzustellen, da? die PS-Leistung nur in L?ndern, die unter dem Meeresspiegel liegen, reicht. Bergab wird dann das ganze Grauen deutlich: Da wird dank des Kennzeichens der Polo pl?tzlich zum 40-Tonner, besonders dann, wenn es mit Serpentinen nach unten geht. Immer sch?n weit ausholen, damit die ungebremste -im Winter nicht vorhandene- Anh?ngelast auch noch mit rumkommt. Schei? auf den Gegenverkehr, hier bin ich Mensch, hier will ich sein! ?brigens das Grundmotiv der Batavier, wie bereits an zahlreichen anderen Stellen dieses Blogs zu lesen…
Ich seh sie schon vor mir, auf der Piste: Voll mit Heineken und J?germeister (?brigens das einzige wirklich akzeptierte ur-deutsche Getr?nk jenseits der Maas) stochern sie sich gewohnt charmant und zur?ckhaltend talw?rts, sitzen nicht mitten auf der Piste und warten auf die anderen, stehen nicht dumm am Lift im Weg und treten einem nicht auf die Ski. Erfrischend, auch mal andere Holl?nder in der Gondel zu belauschen, die sich zwar philosophisch einer ganz zentralen Frage des Landes n?hern, aber schlie?lich ist ja der Weg das Ziel. Sie befinden, da? Holland ja an sich sch?n ist, es aber noch sch?ner w?re, wenn man Gebirge und -gaaanz wichtig- Gletscher h?tte. Aber nicht zu viele, wegen weil kein Platz. Ja nee Jongens, is klar: Vorm Haus den Strand und im Garten die Berge.

?ber den Wolken

Ich habe noch nie von ?ber den Wolken gebloggt. Wahnsinn, ich liebe die Lufthansa! Sie ist die wahre K?nigin unter den Airlines, und das liegt nicht daran, da? das Goulasch in 10km H?he hier fast so gut schmeckt wie das, was Omi unten auf 100m ?NN zubereitet. Ich k?nnte glatt zum Fan dieser Fluggesellschaft werden, denn nicht nur hab ich bisher in der Luft noch nirgends besser gegessen als hier, nein, auch wird nirgends der erstklassige Gin mit weniger Tonic verd?nnt. Nirgendwo schmecken die Brownies mit Kirschen besser, kein anderer Cabernet aus der 1.5 Liter Flasche schmeckt s?ffiger, nirgends hab ich die Auswahl aus sovielen Zeitschriften (darunter auch Herrenmagazine). Es ist nicht wirklich der Bailey’s auf Eis, der stilvoll nach einem leckeren Mahl gereicht wird, es ist eben das Gesamtpaket, das hier den Sieg holt.
Es geht nicht darum, da? die Stewardess irgendwie globschl?chtig anmutet, es geht darum, wieviel Wein sie mir bereitwillig erst zwischen Schottland und den F?r?ern und dann zwischen Island und Gr?nland in mein edles Kunststoffglas f?llt. Auch, da? ich meinen wunderbaren Kartoffelbrei nicht mit einem darin schmelzenden Platikbesteck essen mu?, sondern mit der Lufthansa-Edition von WMF, gibt hier den Ausschlag. Und irgendwie st?rt es auf einmal gar nicht mehr, da? mir die Lufthansa ein komplett grottiges Unterhaltungsprogramm anbietet, wenn ich mit meinem Sitznachbarn nach dem 4. Wein auch so eine Menge Spa? haben kann. Sowas geht aber auch nur in Deutschland, oder besser auf deutschen Fl?gen, denn in den Ami-Maschinen trinken sich ein paar Kumpels ein paar Bier und schon ist die Stimmung nachhaltig im Arsch. Vermutlich, weil sie die einzigen waren, auf halber Strecke die Kasse am Limit ist – ein kleines Bier kostet immerhin stolze 5 Dollar – oder der gut ausgebildete Sky-Marshall nunmal keinen Spa? versteht. Oder eben alles zusammen.
Nachdem ersten Essen sind es nur noch 6 Stunden bis nach Denver. Mittlerweile habe ich aufgegeben, mich immer neu in das angeblich dauernd vorhandene WLAN einzubuchen und speichere mein Geschreibsel in einer schn?den txt-Datei, da wei? man wenigstens, was man hat. Mein Sitznachbar fliegt zum Skifahren nach Denver. Er ist Italiener, hat also jenseits der Alpen diesen Winter bislang nur von Schnee geh?rt aber noch keinen gesehen, also auf in die Rockies. Mache ich sicher auch, sobald das Kleingeld daf?r stimmt. Ich g?nn’s ihm also, er quatscht mich 1 Stunde voll, wie toll da der Schnee ist und klar, es sei schon crazy f?r 4 Tage Skifahren nach Denver zu fliegen, aber what the f**k, man lebt ja nur einmal, ist es nicht so?! -Was soll man darauf sagen? Die Wahrheit am besten. N?mlich, da? ich f?r einen Business-Trip nach Las Vegas fliegen MUSS. Da schluckt er, wir prosten uns zu, auf die Gemeinheiten des Lebens und ?berhaupt, und wir setzen die Kopfh?rer auf, denn es folgt endlich der cineastische H?hepunkt der Reise.

Geschrieben am 5.12.2006, irgendwo nahe des Polarkreises, auf dem Laptop verloren, wiedergefunden, heute fertiggeschrieben und gebloggt.

Also das mit diesem Europa ist ja echt eine gute Sache gewesen: Da sitzen in einem unscheinbaren Hotel im sch?nen Kaprun im ?sterreichischen Pinzgau friedlich ?sis, Deutsche, Russen, Polen, Ungarn und Briten im selben Speisesaal und fallen gemeinsam ?ber landestypische K?stlichkeiten her. Nur ein Club Holl?nder st?rt die friedvolle Co-Existenz, aber dazu sp?ter mehr.
Na im Ernst, wer heute in Europa reist, mu? sich schon sehr anstrengen, am Urlaubsort nicht allerorts einen wahren Kessel Buntes zu erleben. Wer ?berdies nebensaisonal nach ?sterreich zum Skifahren f?hrt, der tut schon fast gut daran, sich darauf einzustellen, da? er im Lift und der Seilbahn keinen auf Deutsch ansprechen braucht, da w?re Russisch schon angemessener. Oder eben eine andere slavische Sprache, zur Not Englisch, auch wenn man das der anderen meistens nicht versteht. Ich m?chte echt mal wissen, wer die L?ge von der Anpassung des Lebensstandards in die Welt gesetzt hat! Wenn ich mir so betrachte, was die Urlauber aus dem Warschauer Pakt finanziell so drauf haben, dann kann ich mir schon nur noch w?nschen, da? unser Lebensstandard auf deren gehoben wird! -Die Rechnung ist n?mlich eine ganz einfache: Was m?ssen diese Leute, die mit einem 7er BMW aus Bulgarien, einer E-Klasse aus Rum?nien, einem ML aus Russland, oder mit waswei?dennich selbst aus Litauen anreisen, denn in lokaler Kaufkraft erst verdienen, wenn die sich einen Saus-und-Braus Urlaub in ?sterreich leisten k?nnen? -Ach, jetzt h?tte ich beinahe vergessen, da? die meisten nat?rlich auch in einem Spyder-Anzug stecken und das neueste und teuerste Ski-Equipment haben. Zudem verputzen die mittags derartige Portionen, da? man denken m?chte, abends im Hotel g?be es nichts mehr. Tja, da steht man ganz sch?n auf dem Schlauch, wenn man das begreifen m?chte.
Aber ich will ja nicht nur ?ber die Russendisko sinnieren, sondern auch ein paar mehr Wort ?ber den Urlaub verlieren. Zugegeben, als ich heute morgen in das unsch?ne, nass-kalte Grau-in-Grau geschaut habe, war die Gesamtmenge meiner Erholung schon gef?hrdet. Seit ich nun aber wieder am Rechner sitze und in Excel und Word reinstiere, schrumpft das gute Gef?hl, das ich noch vorgestern im ?berflu? besa?. Allerdings mu? man sagen, da? es redlich erworben wurde! So richtig formvollendet mit allem, was zu einem perfekten Winterurlaub dazugeh?rt: Keine Staus bei der An- und Abreise, ein gutes Hotel mit besagt gutem und viel zu viel Essen, sehr gute bis brauchbare Pistenverh?ltnisse, traumhaftes Wetter an 5 von 6 Skitagen, die richtige Kleidung, und nat?rlich die richtige Begleitung! Es w?re gelogen zu sagen, wir h?tten es uns nicht gutgehen lassen.
Allerdings komme ich auch diesmal nicht umhin, mich beschwerend ?ber mein Gastland (das hiesige) zu ?u?ern. Leute, dieses mal haben sie es wirklich geschafft, mich an den Rande des Amoklaufs zu bringen. Es waren nicht die Einzelf?lle, die mich zum Platzen gebracht haben, es war wie immer die Summe der Tropfen, die das Ma? gef?llt und beinahe zum ?berlaufen gebracht hat. Ungelogen, sowas hab ich selten erlebt. Hier die Highlights: Am ersten Tag, bei der ersten Bergfahrt setzt uns das Schicksal eine Handvoll Halbstarker holl?ndischer Gro?m?uler in die Gondel. Das schlimme daran war zun?chst eigentlich nur, da? ich dieses ganze dumme Geschw?tz von denen verstanden habe. So erfuhr ich, was Senseo-Kaffee mit dem weiblichen Unterleib zu tun hat und auch, da? dieser ganz entschieden den Geschmack beeinflu?t. Wahnsinn, und ich bin mir 100% sicher, da? ich das richtig verstanden habe. Ach ja, und ich habe noch ein neues Wort gelernt, n?mlich ‚combinatie-schijt‚, und zwar auf extrem eindringliche Weise. Durch die Nase. Mann, Mann, echt ohne Worte – ich war wie benebelt, honestly. Wer so furzt, in einer vollbesetzten Gondel, der ist nicht nur extrem primitiv, sondern der geh?rt eingesperrt, und zwar luftdicht, soda? er an seinen eigenen Darmwinden zugrunde gehen m?ge. Oder, wie hei?t es so sch?n: Tot de schijt ons doodt.
Der zweite Aufreger war dann der Idiotenclub im Hotel. Drei Holl?nder mittleren Alters, allein und ohne Aufsicht im Skiurlaub. Und was machen die? -Benehmen sich wie diese ganzen Verbindungsschwachmaten, die mich hier in Maastricht schon surrounden und um den Verstand bringen. Will sagen: Sie saufen den ganzen Tag, gr?len und p?beln, sind super ‚gezellig‘ und dabei eigentlich einfach nur st?rend und laut, und leben die Meinung, da? sie schlie?lich im Urlaub sind und darum machen d?rfen, was sie nur wollen. Drei Tage sind diese hirnverbrannten Volldeppen uns auf den Nerv gegangen, dann haben wir sie angefangen zu ignorieren. Ausnahmsweise hat das, was man uns im Kindergarten schon gesagt hat, mal geklappt: Wenn man sich erst gar nicht ?rgern l??t, verlieren die anderen schon ihren Spa? dran, einen zu ?rgern. Aber das verdeutlicht auch, auf welchem Niveau solche Leute unterwegs sind. Dann haben sie angefangen, die Bedienung im Hotel mit ihrer penetrant-dummen Art zu qu?len. „Marlene hier, Marlene da, bist ein h?bsches Kind, komm setz dich zu uns, Marlenchen willst du heiraten, Marlenchen kommst du mit zu mir, Marlene hast du einen Freund“… und das war ja nur das, was Marlenchen auf Deutsch zu h?ren bekam; die holl?ndischen Bemerkungen, die dann nat?rlich als mindestens schl?pfrig einzustufen sind, lasse ich mal besser weg. Meine Fresse, und das in einer Lautst?rke quer durch den Speisesaal, morgens wie abends jeden Tag — kein Wunder, da? Marlenchen dann nach 4 Tagen f?r den Rest des Urlaubs dieser drei Spacken freigenommen hat. Unm?glich sowas, andere Menschen mit so wenig Respekt zu behandeln, nur weil man meint, so ein Verhalten sei Bestandteil eines guten Urlaubgef?hls. (Das f?llt aber in das gleiche Verhaltensmuster von hiesigen Aufregern, die meinen, da? sie sich in ihrer Entfaltung wohl kaum von anderen einzuschr?nken haben. Stichwort: fehlende Vokabel ‚R?cksichtnahme‘ im holl. Wortschatz). Das einzige, womit man dieser Sorte Holl?nder scheinbar das Maul stopfen kann, ist mit Dingen, die sie zuhause nicht haben: Leckeres Fleisch, gutes Bier, und anst?ndige Br?tchen. Oder wie mein Vater es immer gern formuliert: fressen, saufen, gaffen.
Auf der Piste hat man es dann noch abschlie?end mit den gr??ten Flachland-Tirolern zu tun, die die Welt je gesehen hat. Sowas von personifiziertem Null-Peil, wie man sich beim Skifahren verh?lt, hab ich wirklich noch nirgendwo erlebt, nichtmal damals in Mayrhofen. Da wird der Lifteinstieg komplett verpennt, Bl?dsinn gemacht, rausgefallen, andere Leute rausgedr?ngt, mitten auf der Piste an den unm?glichsten Stellen einfach mal mit ein paar Leuten hingesetzt und alles blockiert, und Biertje hier, Biertje da… und selbstverst?ndlich ist alles super-leuk, grappig und totaaaaal gezellig. Mann, was mu?te ich kotzen, soviel konnte ich gar nicht fressen!
Aber sonst war es ein wundersch?ner Urlaub! Bilder werden folgen.

Edit: Hab ich eigentlich erw?hnt, da? nat?rlich mal wieder 3/4 der Holl?nder mit Sommerreifen im Gebirge unterwegs waren?!?

… f?r wen heute so der Tag irgendwo in Nordrhein-Westfalen angefangen hat, der hatte sicher einen h?heren Puls als ich heute, gestern, vorgestern, vorvorgestern, und davor auch noch, zusammen! Da wette ich drauf. Und bestimmt war es dann wieder die arme Muddi, die den Spielabschnitt im Gegenwert von 12.5 Millionen Euro irgendwohin „aufger?umt“ hat. Ja nee, is klar! -W?rde echt zu gern wissen, wer ab demn?chst die Anzahl seiner ‚Freunde‘ mit 100 multipliziert, weil er seinen Gewinn eingel?st hat. Kerle, 12 Millionen Euro… ich glaube, ich m??te mir ein halbes Jahr komplett freinehmen, um die gescheit unterzubringen. Schlie?lich will man ja nicht so enden, wie diese gescheiterten Existenzen, die erstmal nen Lambo kaufen gehen und nach 4 Wochen von ihrer Lottomillion nix mehr da ist au?er 500000 Mark Schulden. Alles schon passiert. Aber 12.5 Millionen Euro? -Wer mit so ner Menge Kohle zu einem Berater geht, der kann zwangsl?ufig nur ?bers Ohr gehauen werden! Wenn zu mir ein Kunde reinkommt, mit ner Torte so gro?, da? er sie nicht in 10 Jahren aufessen kann, na dem helf ich doch beim essen bevor das ganze Zeug schlecht wird, oder? -Also auf ins Quotenfernsehen und der ganzen Nation mitteilen, da? Rainer und Chantal aus Bottrop-Kirchhelln den Pott geknackt haben und nu endlich ihre Schulden beim Sozialamt f?r 10 Jahre illegale Schwarzarbeit und betr?gerisches Beziehen von Sozialhilfe abzahlen k?nnen, und sogar noch was f?r nen Ballermann-Urlaub mit reichlich Hopfenlimonade in ner oben-ohne-Bar und die l?ngst f?llige Reperatur vom Ford Capri ?berbleibt. Nee, ich hab’s! F?r 12.5 Millionen Euro w?rde ich mir die H?lfte des neuen Uni-Campus kaufen!
Aber was reg ich mich wieder auf, das Leben ist doch eigentlich viel zu sch?n! Von dejavues geplagt habe ich seit letzten Freitag wie ein Bl?der an meinem Fragebogen get?ddelt und gecoded. Wieso dejavue? -Nun, als ich das letzte Mal im zweiten Jahr den Marketingresearch unseres Teams technisch in die Hand genommen habe, hat mich mein Perfektionismus auch viel zu viele Stunden hinter den Rechner gekettet. Vor drei Stunden ist das Baby nun aber live gegangen, und Ihr seid alle herzlich eingeladen, mir meine Fragen zu beantworten und so dem Gesamtfortschritt meiner Thesis, die eh schon wieder viel zu lange dauert, tatkr?ftig unter die Arme zu greifen:

Darf sehr gerne eingebunden und verschickt werden, wenn Ihr wollt! Hier ist noch ein gr??erer Banner, und dies ist die nackte URL: http://research.martinwetzel.com.
Sonst noch was? -Na ich hoffe doch sehr, da? das eigentlich schon reicht, aber es gibt in der Tat noch mehr Neuigkeiten! Alice und ich haben eine Woche Schnee gebucht, es geht nach Kaprun. Ja, richtig, da wo damals die Bergbahn abgeraucht ist. Das ‚gute‘ an solchen Katastrophen ist, da? es so einen schlimmen Vorfall in den gesamten Alpen wohl nie mehr geben wird. Von daher freue ich mich angesichts des angek?ndigten Schneefalls diebisch auf 6 Tage Gletscher-Skifahren! -Wird auch echt Zeit, sonst brauche ich nach der Diplomfeier erstmal psychologische Betreuung. Ich wei? nicht, ob das allen so geht, aber ich k?nnte noch ?ber die Thesis durchdrehen.