Herbst/Zeitlose

Linden und Kastanien werfen schon mit Blättern um sich.

Seit knapp einer Woche möchte man schon wieder die Wohnung heizen.

Der Ölpreis ist gefallen – und keiner weiß, wann man am besten Heizöl tanken soll.

Die Tage sind so kurz geworden, daß ich höchstens am Wochenende aufs Rad komme.

Auf Premiere laufen wieder bessere Filme.

42-Zoll LCD Fernseher sind toll, stehen aber bei den Eltern im Wohnzimmer.

Nirgendwo in Europa wird so wenig für Kinder getan wie in Deutschland – sagt der Nachbar beim 6ten Bier.

Meine Steuererklärung für 2007 ist endlich raus. Die von 2006 folgt auch bald – hoffe ich.

Das Fitnessstudio hat wieder mehr aktive Mitglieder. Der Speckspiegel ist also wieder gestiegen.

E-Plus hat ein jämmerliches Netz. Auch im Herbst.

Federweißer und Flammkuchen.

Black Velvet hab ich seit Monaten zum ersten Mal wieder getrunken.

Das neue Metallica-Album “Death Magnetic” muß ich noch ein paar Mal hören, um ein Urteil zu haben.

Die Abgeltungssteuer kommt.

Christoph Maria Herbst spielt Stromberg. Und Stromberg ist überall. Und echt.

Der Herbst, der Herbst, der Herbst ist da. -Hat meine Schwester schon als Kind gesungen.

Nachdem ich ja neulich nicht nur meinen Blog sondern auch den meiner lieben Schwester auf WordPress migriert habe, bestand nun in der frisch eingeläuteten Ära nach Blogger die Notwendigkeit, meiner Schwester eine gute Lösung für das Präsentieren von Bildern auf Ihrer Seite bereitzustellen. Dazu habe ich mich auf die Suche nach geeigneten WordPress Plugins für Bilder gemacht.

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Liebling Kreuzband

Der beste Tag bisher: ?ber Nacht hat es 20-40cm Neuschnee gegeben, Powder auf fast allen Pisten, der Himmel rei?t noch w?hrend des Fr?hst?cks auf und die Sonne k??t das frisch eingepuderte S?lden. Zum ersten Mal seit wir hier sind, hat es Temperaturen unter dem Gefrierpunkt, auf 3000m messen die Sensoren -12 Grad bei 50km/h Wind. Das d?rften gef?hlte -20 sein, und was das ohne entsprechende Schutzma?nahmen bedeuten kann, das habe ich die Tage schon an meinen Ohren getestet: Nach wei? kommt irgendwann wohl schwarz, wenn man keine netten Mitmenschen um sich hat, die einen auf die drohende Erfrierung hinweisen. Nun denn, auf auf den Hang hinauf!
Oben dann ein Traumtag, Sonne, blauer Himmel, Powder. Schnelles Mittagessen, keine Zeit verlieren, bevor es sich das Wetter anders ?berlegt. Schlie?lich wollen wir es f?r so einen Traumtag gut sein lassen, wedeln ?ber eine von S?ldens zahlreichen komplett zerfurchten Pisten gen Talabfahrt. Schwer ist es, bei derart desolaten Pisten den Parallelschwung zu pflegen, nach einigen Metern hei?t das Motto tageszeitentsprechend nur noch “runterkommen”. Fluchend geht es talw?rts, die Ski brechen immerwieder aus der idealtypischen Formation aus, die Knie schlucken pl?tzlich auftauchende Buckel wie Sto?d?mpfer. Dann ein Steilst?ck, ich qu?le mich ?ber die ersten Meter, dann eine Eisplatte, keine kleine. Die Kanten schneiden das Eis, suchen Halt, den sie an dieser Stelle nicht bekommen k?nnen, zu steil ist es. Dann das Gewicht minimal falsch verlagerrt, der Bergski ist schneller als der Talski, rutscht auf ihn, blockiert ihn, verkeilt ihn, ich falle aus dem letzen Schwung nach hinten, aber die Ski stehen fest auf der Piste, soda? ich den vollen Drehmoment auf mein rechtes Knie aus?be. Noch im Fallen schreie ich aus Reflex so, da? selbst die letzte Gams es mitbekommen mu?te, die Schmerzen erreichen das Gehirn direkt und ohne Umwege. Ich versuche nur noch, irgendwie zum Liegen zu kommen und meine Ski zu sortieren, aber es ist vergeblich, das Knie sendet nur noch Schmerz und nimmt keinen Befehl mehr an. Jan ist als erster da, macht mir die Bindung auf. Warum ist das Schei?teil heute nicht aufgegangen? Nachdem die Beine wieder nebeneinander liegen, die Fu?spitzen beide nach oben zeigen, ist f?r einen kleinen Moment wieder alles in Ordnung. Wird schon wieder gehen. Ich schnall die Ski wieder an, h?llische Schmerzen im Knie, egal, ich bin in den letzten 23 Jahren noch jeden Berg in jeder Situation runtergekommen. Keine Zeit f?r Memmen! Genau 2 Schw?nge bekomme ich hin, beim Dritten wird mir wieder schwarz vor Augen, der Schmerz l??t mein Knie einknicken wie eine aufgeweichte Grissini. Mein Zimmernachbar im Krankenhaus wird dies sp?ter mit “so you were playing Superman, huh?” kommentieren. 10 min sp?ter klammere ich mich auf einem Skidoo fest, der Macker heizt wie bl?de zur Gondelstation, und alles, was ich denken kann ist, da? mich die zwei Kilo Skischuh bei jedem Buckel und jeder Bodenwelle, die der Skidoo unsanft an seine Fahrer weitergibt, noch das Bein kosten werden, so sehr habe ich M?he, die rechte untere Extremit?t auf der Fu?raste zu halten. Ab da geht alles routiniert: Auf der Liege bekomme ich eine Sonderfahrt in der Gondel, vorbei an 1000 wartenden Skifahrern, unten wartet bereits die Rettung. Das zumindest sagt mir Johann, der nette Mann von der Bergrettung, dessen Lesebrille zwar ihren Namen nicht verdient hat, der sich aber alle M?he gibt, mir Mut zu machen. Im Bagatellisieren ist er aber kein Held, denn: “Die meisten, die so g’fallen sin wie du, siehgst zwoa Doag speda scho wieder mit’n Kr?ckchen drunten im Ort.” Danke Johann, DAS war die Info, die mir noch fehlte! Es folgt R?ntgen und eine MRT in einer schnieken, brandneuen Privatklinik. Keine Sorge, zahlt alles die Auslandskranken Plus. Und so lasse ich mich rundrum durchchecken. Die MRT ist der H?hepunkt des Abends: Die nette Schwester bietet mir zwar Kopfh?rer mit Musik an, weil das Teil “scho arg laut is”, doch Bono und U2 schaffen es nicht wirklich, das technische Meisterwerk von Siemens Medical zu ?berlagern. Warum nur hei?t diese R?hre “Harmony”? W?hrend der zwanzig Minuten, in der ich in diesem Teil liege und mein wummerndes Knie nicht bewegen darf, stampft ein wundervoll gleichm??iger Rhythmus unter mir, w?hrend dieses Teil die unterschiedlichsten Fehlger?usche von sich gibt. Fr?her nannten wir sowas Noise und h?rten das in der Disco. Auch diese 20min gingen rum, ich danke der Schwester f?r U2 auf den Ohren – h?tte ja auch schlimmer kommen k?nnen. Der Befund hingegen konnte dann kaum schlimmer ausfallen: vorderes Kreuzband gerissen, inneres Seitenband abgerissen, Miniskus durch Quetschung verletzt.
Am n?chsten Tag wird gleich operiert, ich finde mich im Imster Outlet dieser Superklinik p?nktlich ein. Alles geht ruckzuck, routiniert m?chte man denken: Hemdchen an, Trombose-Stockings, Laberlaber mit der An?sthesistin, die Wahl f?llt auf Vollnarkose. “So, jetzt wird Ihnen etwas schwindelig”… 21… 22… 23… “N?…. naja, vielleicht doch….. sie verlieren mich gleich” und ich bin weg. Als ich aufwache, ist alles vorbei, 24 gef?hlte Kilo Verband dekorieren mein Knie. Der Full-Service Approach des Hauses schlie?t eine post-narkotische Fl?dle-Suppe und Skiwasser galore ein. Noch nie hat eine Suppe so gut geschmeckt! Sie packen mich auf ein Zimmer, reichen mir Mineralwasser, die Fernbedienung, eine Speisekarte und einen Laptop mit WLAN. Privatpatient sein, was kann es sch?neres geben? [To-Do f?r daheim: Endlich Einkommensgrenze f?r Privatversicherung ?berschreiten!] Ich entscheide mich f?r einen Steak-Sandwich nach Schluchti-Art, also mit Pfifferlingen, Speck und Zwiebeln. Eigentlich hege ich keine allzu hohen Erwartungen, da? das Essen gut sein k?nnte, und wenn es tausendmal vom Restaurant von gegen?ber und nicht aus einer ollen Kantine kommt. Aber ich liege mal wieder falsch: Zartestes Beef, perfekt medium, und rubbeldiekatz ist der ganze Teller verschwunden. ?ber Nacht fressen mich die aufkommen schmerzen, rei?en mich aus dem Schlaf. Und das soll je wieder gut werden? Auch wenn die Behandlung extrem deluxe ist, wird das noch ein geh?riges St?ck Arbeit werden, soviel ist sicher.
Die Nachtschwester hatte zwar mein Schmerzmittel f?r die Nacht vergessen, mich aber voher noch ?ber den Umfang des Fr?hst?cks aufzukl?ren. Von allem etwas, ein bunter Strau? voller guter Laune f?r einen guten Start in den ersten postoperativen Tag.
Wie ich sp?ter erfahre, kostet die OP schlappe 6500 Euretten, dazu Untersuchungen, Bilder, MRT – und nicht das deluxe Essen samt edler Unterkunft und Topservice zu vergessen. Und das alles f?r 8 Euro…

Auf die Z?hne gef?hlt

Manchmal sind es die kleinen Triumphe, die das Leben vers??en. Drei Jahre war ich nicht beim Zahnarzt, aber nicht etwa aus Angst oder so. Es hat sich schlicht nicht wirklich ergeben, da? ich mal so viel planerische Sicherheit hatte, mir einen von diesen “in-einem-Vierteljahr-h?tte-ich-noch-was-frei” Terminen geben zu lassen. Auch das obligatorische “Sollen wir gleich einen Termin f?r in einem halben Jahr vereinbaren?” verhallt immer recht resonanzlos. Also war ich heute mal endlich wieder bei meinem ungeliebten Zahnarzt. Warum ungeliebt? Ganz einfach, ich finde den Mann nunmal einen geldgeilen Metzger! Er ist immer so z?rtlich bei der Sache wie eine Abri?birne. Und seit er nur noch Privatpatienten behandelt, seh ich immer die Dollars in seinen Augen, wenn er mir die Hand gibt. Aber was soll’s, seine Dentalhygienikerinnen haben es nunmal ziemlich drauf. (Die hei?en ?brigens wirklich so, nicht zu verwechseln mit Zahnarzthelferinnen! -Das verh?lt sich bei denen eben gerade nicht wie bei den Fleischereifachverk?uferinnen.)
Ich nehme also nach drei Jahren Platz und werde prompt gefragt, warum ich denn soooooo lange nicht mehr da war. Ich de-eskaliere die Situation, indem ich erz?hle, da? eine Freundin von mir Probanden f?r Ihre Dentalhygienikerinnenabschlu?pr?fung gebraucht hat, und da? ich dann irgendwann nochmal bei dem Vater eines Freundes zur Untersuchung war. Das sei aber auch schon wieder fast zwei Jahre her und es tue mir ausgesprochen leid. F?r mich nat?rlich, aber auch f?r sie, da sich ja sicher einiges angesammelt h?tte. Rhetorisch perfekt schlie?e ich meine Verteidigung mit einer positiven Aussage, n?mlich, da? ich ja mit dem Rauchen aufgeh?rt h?tte. -Das war der erste wahre Satz in meinem spontan komplett zusammengelogenen Pl?doyer. Ich habe die gr??te M?he, nicht laut loszulachen, so bescheuert komme ich mir grad selber vor: Sitzt der Mann mit 27 beim Zahnarzt und l?gt sich einen vom Leder wie so ein kleiner Schuljunge, der nach Erkl?rungen ringt, warum er seinen Turnbeutel vergessen hat. (Damals mu?te daf?r ja immer die Mutter herhalten, wenn man nicht gerade Schl?sselkind war…)
Ich mache also das beste draus und nehme mir vor, sie ein wenig zu testen und frage sie w?hrend der Behandlung immerwieder nach dem Stand der Dinge. Und siehe da: Alles bestens. “Sieht sehr gut aus bei Ihnen” und “naja, war ja doch nicht so schlimm”. Na bitte, wer sagts denn?! Alles paletti. -Ich habs ja gewu?t!

Jetzt mu? ich aber doch auch noch meinen anderen Gedanken aufschreiben. Der kam mir, als ich bei der Zahnreinigung so da lag und die Frau mich immerwieder fast in den Wahnsinn trieb, indem sie das Schleifwerkzeug einen Tick zu tief zwischen die Z?hne schob oder mir bald schlecht wurde, als sie mir an den Waisheitsz?hnen wurschtelte, und sich der Ton aber sowas von linea recta auf mein Geh?r ?bertrug, da? mir der Schwei? ausbrach. Da hab ich mir gedacht, da? wir Menschen doch verdammt armselige Gesch?pfe sind. Da liegen wir so da, Angst kann man das gar nicht mal nennen, v?llig erstarrt weil verkrampft, und im Grunde sind wir da so richtig, richtig wehrlos. Unf?hig, uns zu wehren, weil wir es einerseits endlos blamabel finden, zu weicheiern oder uns gar durch eine reflexartige Reaktion auf den Schmerz danebenzubenehmen. Dabei w?re das doch das Nat?rlichste f?r uns, einigerma?en laut zu pl?rren, um uns zu schlagen und auf den Verursacher unserer Pein loszugehen. Tun wir aber nicht. Wir sind lieber wehrlos, daf?r aber in Sicherheit. Komisch, da? uns dieser Augenblick in der Erkenntnis, das alles wohl sicher zu ?berleben, wenn wir jetzt gerade nicht reagieren, all unsere eigentlichen angebrachten Verhaltensweisen zu verdr?ngen vermag. Das ist fast ein bi?chen wie mit der Demokratie.

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112

Eben hat mir Word verk?ndet, da? es es nun leid mit mir sei; es gebe nun endg?ltig auf, Rechtschreibfehler in meinem Dokument zu suchen, zu finden, anzuzeigen und zu beobachten – es seien jetzt einfach zu viele. Da staunt man erstmal nicht schlecht, am Tage 4 vor Abgabe der Diplomarbeit. Ich hab schnell mal durch die Seiten gebrowst, ob ich da w?hrend des Abendessens die viral-epidemische Ausbreitung von Rechtschreibfehlern verpa?t habe, finde aber nichts und lasse Word seinen Willen und klicke >ok<. ?berhaupt lohnt es sich nicht, sich mit Word zu streiten, mindestens das habe ich nach 112 Seiten bisher gelernt.
Wow, 112 Seiten, und noch nicht fertig? -Ja, es sei dazu gesagt, da? der Appendix gerade massiv zu buche schl?gt und rekordverd?chtige 30 Seiten in nur 3 Tagen zum Dokument beigetragen hat. Inwiefern das den Wert tats?chlich steigert, ist mir als bekennendem Statistik-Unf?hgigen zwar nicht klar, aber wenn alle sagen, da? der ganze Kram mit ins Dokument mu?, dann mach ich das halt auch noch. Kommt auch jetzt wirklich nicht mehr drauf an, nach der Abgabe besch?tte ich mich eh.
Doch vor den Lohn hat [insert name of preferred higher might here] bekanntlich den Schwei? gesetzt. So aufregend, das es einem das Hemd na?machen w?rde, ist die Arbeit am Appendix nun gerade nicht (obwohl: Man sollte mal die zur?ckgelegte Wegstrecke der Maus und die bei Copy/Paste absolvierten Klicks mal messen und den Kaloriendurchsatz dabei bestimmen!), dennoch altere ich mal wieder um Monate in wenigen Stunden ?ber dieser Aufgabe. In der Sammlung von f?r mein Vorwort in Frage kommenden Aphorismen ist mir dazu eben gerade ein Zitat aus Umberto Ecos Foucault’schen Pendel aufgefallen:

Whenever a poet or preacher, chief or wizard spouts gibberish, the human race spends centuries deciphering the message.

Ich bin zwar sicher, da? es stimmt, aber ich werde wohl auf derart gnostische Kommentare verzichten, k?nnten doch nachfolgende Generationen sich dadurch zur Revolte gegen die Pseudo-Wissenschaft aufgerufen f?hlen. Man mu? es ehrlich betrachten: Was wir hier machen, ist eigentlich gro?er Bullshit, wenn nicht sogar in gewisser Weise Zeitverschwendung. -Da ist das, was meine Schwester f?r ihre Doktorarbeit macht, eine viel sinnvollere und ehrlichere Sache: Sie untersucht Arschl?cher, und davon gibt es schlie?lich jede Menge auf der Welt. Ich dagegen mu? in solche hineinkriechen, um eine gute Note zu bekommen. -> Schieflage, eindeutig!
Um eine Note wetten finde ich generell bl?d, trotzdem haben Alice und ich es gemacht. Wir haben um ein 3-G?nge Festmahl gewettet, und der, der verliert, mu? es dem anderen kochen. Ich bin schon wirklich gespannt, was sie mir kochen wird! Andererseits w?re es schon echt cool, wenn sie gewinnen w?rde. Sozusagen die kapitale Wiedergutmachung f?r diese ganzen Jahre der Qu?lerei hier an der Uni, die Reparationszahlung quasi in einer Rate. Das letzte Mal, bei ihr, hatte ich auch recht mit der Note, aber nur, weil sie eine chronische Tiefstaplerin ist.

Fukitol

Eben sagt die biedere Nachrichtensprecherin im Ersten, da? eine krasse Grippewelle ?ber Deutschland hereingebrochen ist. Das sei fast so wie mit den m?chtig-winterlichen, aber unerwartet und ungelegen gekommenen Schneef?llen. Sie meint, wer heute noch nicht zu der Gruppe von jedem Zweiten geh?rt, der in Deutschland von der Grippe daniedergestreckt wurde, der m?sse wirklich ein tolles Immunsystem haben. -’Oder seit 6 Monaten kaum noch das Haus verlassen haben, weil man wegen anhaltender Beschwerden mit der Diplomarbeit an den Schreibtisch gefesselt ist und es schon fast wehtut, wenn man die Beine aus der im Sitzen beinahe obligatorischen, abgewinkelten Haltung ausstreckt’, dachte ich bei mir. W?rde ich nicht in einem Haus wohnen, in dem der eine Teil der Bewohner die friedliche Coexistenz mit allerlei gesundheitssch?dlichem Getier im Mikro-, Makro- und wohl auch Nanobereich pflegen m?chte, w?rde ich bestimmt schon erkranken, wenn ich auf den 50 Metern zum B?cker ein paar Liter frische, Elektrosmog-freie Luft einatmete.
Die Decke kann einem nicht mehr mehr auf den Kopf fallen, da sie schon seit einiger Zeit auf selbem zur Ruhe gekommen ist, was zus?tzliche Kopfschmerzen bereitet. Nach sovielen Stunden Face-to-Face mit der TFT-Technik von Samsung kann ich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit behaupten, da? mein Ger?t frei von Pixelfehlern ist – ich habe unter der Gesamtheit von 1280×1024 Bildpunkten keinen einzigen Toten ausmachen k?nnen. Ein Tag ohne Internet ist ein verlorener Tag, weil ich sonst nicht wei?, was ich noch runterladen oder ?ber was ich mich langweilen sollte. Ich k?nnte fast damit beginnen, aus meinem at-home Schreibtisch einen dieser Devotionalien-Schreine an Arbeitspl?tzen zu machen, wie ich sie damals bei Mercedes ?berall gesehen habe: Kuscheltier links, Bild von der Muddi samt Sohnemann rechts, Pl?tzchen und S??igkeiten, zwischendrin ?-Eier Figuren, Kaffeebecher mit anz?glichen pseudo-Witzen drauf, Mikrokosmos-Bastelwerke wie customizede Stifthalter oder selbsterstellte, ultra-praltische Abk?rzungsverzeichnisse auf dem Notizblock. -Weird, oder? Da sitzt der Mann hier vor seinem Rechner und erstarrt fast in Tristesse, andererseits geladen bis unter die Hutkrempe, extrem explosiv, und mit gelegentlichen Explosionen vom monotonen Surren des Rechnernetzteils ablenkend. (Am Wochenende hab ich ?brigens empirisch herausgefunden, wie fest man eine solide IntelliMouse ?lterer Bauart gegen die Wand werfen mu?, damit sie birst und einen waschechten Platinenbruch erleidet. -Meine Mutter freut sich deswegen seit heute ?ber eine neue Maus…) Keine Energie mehr f?r die Fertigstellung der Arbeit zu besitzen glauben ist eine Sache, paart sie sich allerdings mit selbstinduziertem Zeitdruck und einem nicht zu verleugnenden Bed?rfnis nach Best?tigung f?r die ganzen Monate der Entbehrung, dann wird es schon echt gemein. Holt einen dann zu allem ?berflu? erneut bei der Analyse das “leere Blatt Syndrom” wieder ein und lacht einem frech ins Gesicht, auch noch am dritten Tag vor der selben Zeile im Dokument, dem selben blinkenden Cursor, den gleichen Aufzeichnungen im Manuskript, und als ob das noch alles nicht genug w?re, st??t man permanent an seine Grenzen, merkt, da? man eigentlich ja gar keine Ahnung von dem hat, was man da tut oder besser tun soll…… dann Freunde, dann wird es zu dem, was ich heute Abend durchgemacht habe. Heulen oder kotzen… schon klar, nur in welcher Reihenfolge?
Wenn ich hiermit durch bin, schenktt man mir am besten erstmal einige Sitzungen bei einem Psychotherapeuten und schickt mich ein paar mal mit auf ein Re-Sozialisierungsseminar, damit ich ?berhaupt wieder lerne, da? ein soziales Umfeld auch anders antizipierbar ist als via ICQ, das Internet, oder per Telefon. Nichts hindert mich daran, rauszugehen und mir jeden Abend mit maximal-oberfl?chlichen Leuten, die ich nichtmal kenne, richtig einen auf die Lampe zu gie?en und an dem teilzunehmen, was sich viele so gern als “das Leben” sch?nzureden versuchen. Meine Schwester sagt, ich soll mich betrinken. Gute Idee, ist mir auch schon in den Sinn gekommen. Ich h?tte offengestanden die allergr??te Lust dazu. Nur nicht auf das Gef?hl am n?chsten Tag, weil ich sicher bin, da? ich einen ganz sch?nen Pegel br?uchte, damit es nicht mehr so dr?ckt zwischen den Schl?fen. -Schl?fen…. schlafen…. gute Idee… morgen ist wieder ein neuer Tag.

Fehlender Durchblick

Eigentlich sollte ich schon wieder seit Stunden was zu Papier gebracht haben, aber wenn mal wieder die Augen nicht mitspielen, was soll ich da schon machen?! -Als ich das letzte Mal versucht habe, meinem Augenarzt das Problem zu schildern, verschrieb er mir eine st?rkere Brille. Da? ich die auch brauchte, das wu?te ich schon selber, schlie?lich merkt man das, wenn man nach 3 Jahren mit der selben Brille irgendwie dauernd blinder wird. Nun, heute ist mal wieder so einer dieser Tage, wo ich am liebsten den ganzen Tag mit einer pechschwarzen Sonnenbrille rumliefe, weil ich derma?en lichtempfindlich bin. Will ich was scharf sehen, mu? ich die Augen trotz Brille zusammenpetzen, als w?rde ich in praller Sonne ohne Sonnenbrille ein Buch lesen m?ssen. Mehr als 20 min konzentriert in die B?cher oder auf den TFT schauen? -Vergi? es einfach! Heute wird das nichts mehr, soviel steht fest. Echt kacke sowas, aber scheinbar ist das kein Grund zur ?rztlichen Beunruhigung. Aha. Na dann. Da kann ich nur hoffen, da? meine im Moment auf Sylt famulierende Schwester irgendwann gegen Ende ihres Studiums mal zuf?llig auf eine Zeile in einem Fachbuch st??t, wo mein visueller ?rger beschrieben ist und mir Abhilfe verschafft. Aber dies ist wenigstens einmal eine Sache, wo mir hinterher keiner meiner mich liebend umsorgenden Mitmenschen vorwerfen k?nnen wird, ich ginge ja nie zum Arzt. -Wenn die Pappnasen keine Ahnung haben, woran das liegt?!