Herbst/Zeitlose

Linden und Kastanien werfen schon mit Blättern um sich.

Seit knapp einer Woche möchte man schon wieder die Wohnung heizen.

Der Ölpreis ist gefallen – und keiner weiß, wann man am besten Heizöl tanken soll.

Die Tage sind so kurz geworden, daß ich höchstens am Wochenende aufs Rad komme.

Auf Premiere laufen wieder bessere Filme.

42-Zoll LCD Fernseher sind toll, stehen aber bei den Eltern im Wohnzimmer.

Nirgendwo in Europa wird so wenig für Kinder getan wie in Deutschland – sagt der Nachbar beim 6ten Bier.

Meine Steuererklärung für 2007 ist endlich raus. Die von 2006 folgt auch bald – hoffe ich.

Das Fitnessstudio hat wieder mehr aktive Mitglieder. Der Speckspiegel ist also wieder gestiegen.

E-Plus hat ein jämmerliches Netz. Auch im Herbst.

Federweißer und Flammkuchen.

Black Velvet hab ich seit Monaten zum ersten Mal wieder getrunken.

Das neue Metallica-Album „Death Magnetic“ muß ich noch ein paar Mal hören, um ein Urteil zu haben.

Die Abgeltungssteuer kommt.

Christoph Maria Herbst spielt Stromberg. Und Stromberg ist überall. Und echt.

Der Herbst, der Herbst, der Herbst ist da. -Hat meine Schwester schon als Kind gesungen.

Nachdem ich ja neulich nicht nur meinen Blog sondern auch den meiner lieben Schwester auf WordPress migriert habe, bestand nun in der frisch eingeläuteten Ära nach Blogger die Notwendigkeit, meiner Schwester eine gute Lösung für das Präsentieren von Bildern auf Ihrer Seite bereitzustellen. Dazu habe ich mich auf die Suche nach geeigneten WordPress Plugins für Bilder gemacht.

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Ich selbst

Prolog

Versuchen Sie erst gar nicht, einen tieferen Sinn als den Augenfälligsten hinter dem Namen dieses Blogs zu suchen! ‚Traumdieb‘ war (ist?) der Name eines Rennpferdes, dem ich vor ein paar Jahren zusammen mit Alice auf der Pferderennbahn mal begegnet bin. Keine Angst, ich mag Pferde eigentlich überhaupt nicht, aber das liegt nicht nur daran, daß ich keine ältere Schwester habe, deren alte Wendy-Zeitungen ich lesen mußte. -Sie werden folglich keine Geschichten über Pferde in diesem Blog finden, außer, ich habe mal welche gegessen ohne es zu wissen. Vielmehr spielt ‚Traumdieb‘ darauf an, was mir manche Leser über meine Schreibereien immerwieder attestiert haben. Sie interpretieren, meine Themen und die Art wie ich sie bearbeite seien so desillusionierend, daß man meinen könnte, ich stehle ihre Träume von einer besseren Welt. Nun, dies zu beurteilen möge jedem selbst überlassen bleiben, ich für meinen Teil ziehe mir diesen Schuh höchst gerne an. Denn eines ist sicher: Die Menschheit ist von Natur aus böse.

Anarchronistisch & impulsiv

Glauben Sie’s oder lassen Sie es bleiben, ich bin tatsächlich der Auffassung, daß ich noch ganz ‚alte Schule‘ bin, was viele Sachen angeht. Man muß nicht MTV schauen, um fast den Aberglauben zu bekommen, was die Kids von heute alles so treiben. Ok, vielleicht ist MTV nun nicht gerade der beste Bezugspunkt, nehmen Sie also noch Politik und das Denken und Handeln meiner Mitmenschen dazu, und so fühle ich mich oft nicht mehr ganz in diese Zeiten passend. Darauf impulsiv zu reagieren erscheint ein plausibler Weg, zum (Nach-) Denken anzuregen und gleichzeitig das eigene Gemüt zu kühlen.

Vom Werden zum Sein

Dieser Blog hat seit seiner Entstehung vor einigen Jahren eine Entwicklung durchgemacht, die man wohl bemerkt. Damit ist aber nicht der Wechsel von Englisch auf Deutsch oder gar das Erscheinungsbild generell gemeint. Die Frau oben auf dem Bild ist übrigens meine Ur-Ur-Großmutter. Seit dieser Version gibt es außerdem wieder Groß- und Kleinschreibung, falls das noch niemandem aufgefallen ist. -Mein Direktkleiner Beitrag zur Rettung und Pflege der Deutschen Sprache im allgemeinen (und des s-Genitivus sowie Futur II und Konjunktiv III im besonderen). Und da wir gerade beim Thema sind: Ich schreibe nach der alten Rechtschreibung! Für mich die einzig wahre Orthographie, habe ich doch als Jahrgang-97-Abiturient und danach Student im Ausland nie die Möglichkeit gehabt, mich in der neuen Rechtschreibung zu üben. Außerdem ist die eh daneben: L’etat c’est moi in meinem Blog, das gilt auch für die Themen.
Nehmen Sie mein Geschreibsel bitte nur so ernst, wie Sie es verkraften können! Ich übernehme keine Haftung dafür, Ihr Weltbild zu zerstören oder gar für Umdenken verantwortlich zu sein. Jeder Mensch ist so frei wie seine Gedanken. Darum erlaube ich mir hier, nicht bloß Tagebuch zu schreiben, sondern mindestens hier und da zu abstrahieren. Auf die Meta-Ebene zu gehen, sozusagen. (Das zumindest würde die 68er Deutschlehrerfraktion dazu sagen… höchstwahrscheinlich…) Vieles aber schreibe ich inzwischen gar nicht mehr auf, das müssen Sie Sich dann dazu denken. Richtig, dieser Blog ist interaktiv. Wenn Sie was zu sagen haben, schreiben Sie es mir oder reden Sie mit anderen darüber.

3-2-1… MEINS!

Wenn Sie das hier Dargebotene einigermaßen unterhaltsam oder inspirierend fanden, freut mich das sehr. Bitte respektieren Sie aber, daß der gesamte auf diesen Seiten vorhandene Inhalt mein geistiges Eigentum ist und somit auch ich gerne darüber entscheide, ob und wie man außerhalb dieser Domain damit umgeht. Die Spielregeln lauten daher wie folgt: Wer mich verlinken mag, darf das gerne mit einem Link, aus dem einwandfrei ein Verweis auf diese Seite hervorgeht, tun. Genauso verhält es sich mit dem Zitieren – klare Herkunftsangabe genügt. Was ich nicht tolerieren werde, ist Schaufenstern, Plagiieren und Klauen.
Die Seiten, zu denen ich hier verlinke, werden zwar regelmäßig auch von mir gelesen, allerdings disclaime ich hiermit jegliche Verantwortlichkeit für fremde Inhalte, auf die durch externe Links verwiesen wird.

Und sonst?

Sie fragen Sich wohl, wer der Kerl eigentlich ist. Nun, schauen Sie im Whois nach oder lesen Sie meinen Blog und machen Sich Ihr Bild. Wer banale Parameter braucht, den interessiert vielleicht, hier einen 30-jährigen Hessen von der Lahn vor sich zu haben, der vor einigen Jahren erst nach Maastricht ging, um dort zu studieren und nach einem guten Viertel seines Lebens mit Titel wiederkam und nun in der alten Hauptstadt sein Geld mit Internetmarketing verdient. Sein Idealismus und die Unfähigkeit, Leute zu bescheißen und auszunutzen stehen ihm (und standen schon immer) dabei zwar ein bißchen im Weg, aber er glaubt fest daran, daß sich Qualität letztlich immer durchsetzt.
Eine feste Einordnung im politischen Spektrum wird mit der Fußnote, daß Extremismus in jeglicher Form zu verurteilen ist, ebenso abgelehnt wie die Einordnung ins Lager der Atteisten. Er bezeichnet sich lieber als freidenkender Agnostiker, der in Glaubens- wie auch anderen Fragen die Überzeugung vertritt, die Menschheit führe grundsätzlich am besten, wenn sie ihren Verstand zur Problemlösung einsetzte, anstelle Dogmen, Ideologien, und Parolen nachzuäffen.

Bitte, Sir, ein Bild!

traumdieb, 2 Jahre altOk, aber nur eines. Und auch nur eins aus 1979, wo ich noch unverdorben war. Will sagen, aus der Zeit, als es nur drei Programme gab, die Telefone noch Wählscheiben hatten und von der Post gemietet waren, als Computer noch keiner daheim hatte, lange bevor es das Internet überhaupt gab, und schließlich, bevor ich durch Schule und Universität gegangen bin.
Modisch war ich meiner Zeit damals sicher 25 Jahre voraus. Und Querstreifen machen nunmal dick, wie man sieht. -Aber wie so viele meiner Generation teilte ich das Schicksal einer diktierten Mode, was ich aber heute angesichts der Entgleisungen der Nachfolgegenerationen gar nicht mehr so schlimm finde. Schließlich sieht man ja, wohin man mit zuviel Zügellosigkeit gerät…

Ach, in meinem wilden Herzen

Das ist von Rilke, nur zu Ihrer Kenntnisnahme. Kein tieferer Sinn, außer dem, der in diesen Zeilen sowieso schon innewohnt. Ignorieren Sie es, wenn Sie es nicht verstehen.

Liebling Kreuzband

Der beste Tag bisher: Über Nacht hat es 20-40cm Neuschnee gegeben, Powder auf fast allen Pisten, der Himmel reißt noch während des Frühstücks auf und die Sonne küsst das frisch eingepuderte Sölden. Zum ersten Mal seit wir hier sind, hat es Temperaturen unter dem Gefrierpunkt, auf 3000m messen die Sensoren -12 Grad bei 50km/h Wind. Das dürften gefühlte -20 sein, und was das ohne entsprechende Schutzmaßnahmen bedeuten kann, das habe ich die Tage schon an meinen Ohren getestet: Nach weiß kommt irgendwann wohl schwarz, wenn man keine netten Mitmenschen um sich hat, die einen auf die drohende Erfrierung hinweisen. Nun denn, auf auf den Hang hinauf!
Oben dann ein Traumtag, Sonne, blauer Himmel, Powder. Schnelles Mittagessen, keine Zeit verlieren, bevor es sich das Wetter anders überlegt. Schließlich wollen wir es für so einen Traumtag gut sein lassen, wedeln über eine von Söldens zahlreichen komplett zerfurchten Pisten gen Talabfahrt. Schwer ist es, bei derart desolaten Pisten den Parallelschwung zu pflegen, nach einigen Metern heißt das Motto tageszeitentsprechend nur noch „runterkommen“. Fluchend geht es talwärts, die Ski brechen immerwieder aus der idealtypischen Formation aus, die Knie schlucken plötzlich auftauchende Buckel wie Stoßdämpfer. Dann ein Steilstück, ich quäle mich über die ersten Meter, dann eine Eisplatte, keine kleine. Die Kanten schneiden das Eis, suchen Halt, den sie an dieser Stelle nicht bekommen können, zu steil ist es. Dann das Gewicht minimal falsch verlagerrt, der Bergski ist schneller als der Talski, rutscht auf ihn, blockiert ihn, verkeilt ihn, ich falle aus dem letzen Schwung nach hinten, aber die Ski stehen fest auf der Piste, sodass ich den vollen Drehmoment auf mein rechtes Knie ausübe. Noch im Fallen schreie ich aus Reflex so, dass selbst die letzte Gams es mitbekommen musste, die Schmerzen erreichen das Gehirn direkt und ohne Umwege. Ich versuche nur noch, irgendwie zum Liegen zu kommen und meine Ski zu sortieren, aber es ist vergeblich, das Knie sendet nur noch Schmerz und nimmt keinen Befehl mehr an. Jan ist als erster da, macht mir die Bindung auf. Warum ist das Scheißteil heute nicht aufgegangen? Nachdem die Beine wieder nebeneinander liegen, die Fußspitzen beide nach oben zeigen, ist für einen kleinen Moment wieder alles in Ordnung. Wird schon wieder gehen. Ich schnall die Ski wieder an, höllische Schmerzen im Knie, egal, ich bin in den letzten 23 Jahren noch jeden Berg in jeder Situation runtergekommen. Keine Zeit für Memmen! Genau 2 Schwünge bekomme ich hin, beim Dritten wird mir wieder schwarz vor Augen, der Schmerz lässt mein Knie einknicken wie eine aufgeweichte Grissini. Mein Zimmernachbar im Krankenhaus wird dies später mit „so you were playing Superman, huh?“ kommentieren. 10 min später klammere ich mich auf einem Skidoo fest, der Macker heizt wie blöde zur Gondelstation, und alles, was ich denken kann ist, dass mich die zwei Kilo Skischuh bei jedem Buckel und jeder Bodenwelle, die der Skidoo unsanft an seine Fahrer weitergibt, noch das Bein kosten werden, so sehr habe ich Mühe, die rechte untere Extremität auf der Fußraste zu halten. Ab da geht alles routiniert: Auf der Liege bekomme ich eine Sonderfahrt in der Gondel, vorbei an 1000 wartenden Skifahrern, unten wartet bereits die Rettung. Das zumindest sagt mir Johann, der nette Mann von der Bergrettung, dessen Lesebrille zwar ihren Namen nicht verdient hat, der sich aber alle Mühe gibt, mir Mut zu machen. Im Bagatellisieren ist er aber kein Held, denn: „Die meisten, die so g’fallen sin wie du, siehgst zwoa Doag speda scho wieder mit’n Krückchen drunten im Ort.“ Danke Johann, DAS war die Info, die mir noch fehlte! Es folgt Röntgen und eine MRT in einer schnieken, brandneuen Privatklinik. Keine Sorge, zahlt alles die Auslandskranken Plus. Und so lasse ich mich rundrum durchchecken. Die MRT ist der Höhepunkt des Abends: Die nette Schwester bietet mir zwar Kopfhörer mit Musik an, weil das Teil „scho arg laut is“, doch Bono und U2 schaffen es nicht wirklich, das technische Meisterwerk von Siemens Medical zu überlagern. Warum nur heißt diese Röhre „Harmony“? Während der zwanzig Minuten, in der ich in diesem Teil liege und mein wummerndes Knie nicht bewegen darf, stampft ein wundervoll gleichmäßiger Rhythmus unter mir, während dieses Teil die unterschiedlichsten Fehlgeräusche von sich gibt. Früher nannten wir sowas Noise und hörten das in der Disco. Auch diese 20min gingen rum, ich danke der Schwester für U2 auf den Ohren – hätte ja auch schlimmer kommen können. Der Befund hingegen konnte dann kaum schlimmer ausfallen: vorderes Kreuzband gerissen, inneres Seitenband abgerissen, Miniskus durch Quetschung verletzt.
Am nächsten Tag wird gleich operiert, ich finde mich im Imster Outlet dieser Superklinik pünktlich ein. Alles geht ruckzuck, routiniert möchte man denken: Hemdchen an, Trombose-Stockings, Laberlaber mit der Anästhesistin, die Wahl fällt auf Vollnarkose. „So, jetzt wird Ihnen etwas schwindelig“… 21… 22… 23… „N?…. naja, vielleicht doch….. sie verlieren mich gleich“ und ich bin weg. Als ich aufwache, ist alles vorbei, 24 gefühlte Kilo Verband dekorieren mein Knie. Der Full-Service Approach des Hauses schließt eine post-narkotische Flädle-Suppe und Skiwasser galore ein. Noch nie hat eine Suppe so gut geschmeckt! Sie packen mich auf ein Zimmer, reichen mir Mineralwasser, die Fernbedienung, eine Speisekarte und einen Laptop mit WLAN. Privatpatient sein, was kann es schöneres geben? [To-Do für daheim: Endlich Einkommensgrenze für Privatversicherung überschreiten!] Ich entscheide mich für einen Steak-Sandwich nach Schluchti-Art, also mit Pfifferlingen, Speck und Zwiebeln. Eigentlich hege ich keine allzu hohen Erwartungen, dass das Essen gut sein könnte, und wenn es tausendmal vom Restaurant von gegenüber und nicht aus einer ollen Kantine kommt. Aber ich liege mal wieder falsch: Zartestes Beef, perfekt medium, und rubbeldiekatz ist der ganze Teller verschwunden. Über Nacht fressen mich die aufkommende Schmerzen, reißen mich aus dem Schlaf. Und das soll je wieder gut werden? Auch wenn die Behandlung extrem deluxe ist, wird das noch ein gehöriges Stück Arbeit werden, soviel ist sicher.
Die Nachtschwester hatte zwar mein Schmerzmittel für die Nacht vergessen, mich aber voher noch über den Umfang des Frühstücks aufzuklären. Von allem etwas, ein bunter Strauß voller guter Laune für einen guten Start in den ersten postoperativen Tag.
Wie ich später erfahre, kostet die OP schlappe 6500 Euretten, dazu Untersuchungen, Bilder, MRT – und nicht das deluxe Essen samt edler Unterkunft und Topservice zu vergessen. Und das alles für 8 Euro Jahresgebühr…

Auf die Z?hne gef?hlt

Manchmal sind es die kleinen Triumphe, die das Leben vers??en. Drei Jahre war ich nicht beim Zahnarzt, aber nicht etwa aus Angst oder so. Es hat sich schlicht nicht wirklich ergeben, da? ich mal so viel planerische Sicherheit hatte, mir einen von diesen „in-einem-Vierteljahr-h?tte-ich-noch-was-frei“ Terminen geben zu lassen. Auch das obligatorische „Sollen wir gleich einen Termin f?r in einem halben Jahr vereinbaren?“ verhallt immer recht resonanzlos. Also war ich heute mal endlich wieder bei meinem ungeliebten Zahnarzt. Warum ungeliebt? Ganz einfach, ich finde den Mann nunmal einen geldgeilen Metzger! Er ist immer so z?rtlich bei der Sache wie eine Abri?birne. Und seit er nur noch Privatpatienten behandelt, seh ich immer die Dollars in seinen Augen, wenn er mir die Hand gibt. Aber was soll’s, seine Dentalhygienikerinnen haben es nunmal ziemlich drauf. (Die hei?en ?brigens wirklich so, nicht zu verwechseln mit Zahnarzthelferinnen! -Das verh?lt sich bei denen eben gerade nicht wie bei den Fleischereifachverk?uferinnen.)
Ich nehme also nach drei Jahren Platz und werde prompt gefragt, warum ich denn soooooo lange nicht mehr da war. Ich de-eskaliere die Situation, indem ich erz?hle, da? eine Freundin von mir Probanden f?r Ihre Dentalhygienikerinnenabschlu?pr?fung gebraucht hat, und da? ich dann irgendwann nochmal bei dem Vater eines Freundes zur Untersuchung war. Das sei aber auch schon wieder fast zwei Jahre her und es tue mir ausgesprochen leid. F?r mich nat?rlich, aber auch f?r sie, da sich ja sicher einiges angesammelt h?tte. Rhetorisch perfekt schlie?e ich meine Verteidigung mit einer positiven Aussage, n?mlich, da? ich ja mit dem Rauchen aufgeh?rt h?tte. -Das war der erste wahre Satz in meinem spontan komplett zusammengelogenen Pl?doyer. Ich habe die gr??te M?he, nicht laut loszulachen, so bescheuert komme ich mir grad selber vor: Sitzt der Mann mit 27 beim Zahnarzt und l?gt sich einen vom Leder wie so ein kleiner Schuljunge, der nach Erkl?rungen ringt, warum er seinen Turnbeutel vergessen hat. (Damals mu?te daf?r ja immer die Mutter herhalten, wenn man nicht gerade Schl?sselkind war…)
Ich mache also das beste draus und nehme mir vor, sie ein wenig zu testen und frage sie w?hrend der Behandlung immerwieder nach dem Stand der Dinge. Und siehe da: Alles bestens. „Sieht sehr gut aus bei Ihnen“ und „naja, war ja doch nicht so schlimm“. Na bitte, wer sagts denn?! Alles paletti. -Ich habs ja gewu?t!

Jetzt mu? ich aber doch auch noch meinen anderen Gedanken aufschreiben. Der kam mir, als ich bei der Zahnreinigung so da lag und die Frau mich immerwieder fast in den Wahnsinn trieb, indem sie das Schleifwerkzeug einen Tick zu tief zwischen die Z?hne schob oder mir bald schlecht wurde, als sie mir an den Waisheitsz?hnen wurschtelte, und sich der Ton aber sowas von linea recta auf mein Geh?r ?bertrug, da? mir der Schwei? ausbrach. Da hab ich mir gedacht, da? wir Menschen doch verdammt armselige Gesch?pfe sind. Da liegen wir so da, Angst kann man das gar nicht mal nennen, v?llig erstarrt weil verkrampft, und im Grunde sind wir da so richtig, richtig wehrlos. Unf?hig, uns zu wehren, weil wir es einerseits endlos blamabel finden, zu weicheiern oder uns gar durch eine reflexartige Reaktion auf den Schmerz danebenzubenehmen. Dabei w?re das doch das Nat?rlichste f?r uns, einigerma?en laut zu pl?rren, um uns zu schlagen und auf den Verursacher unserer Pein loszugehen. Tun wir aber nicht. Wir sind lieber wehrlos, daf?r aber in Sicherheit. Komisch, da? uns dieser Augenblick in der Erkenntnis, das alles wohl sicher zu ?berleben, wenn wir jetzt gerade nicht reagieren, all unsere eigentlichen angebrachten Verhaltensweisen zu verdr?ngen vermag. Das ist fast ein bi?chen wie mit der Demokratie.

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112

Eben hat mir Word verk?ndet, da? es es nun leid mit mir sei; es gebe nun endg?ltig auf, Rechtschreibfehler in meinem Dokument zu suchen, zu finden, anzuzeigen und zu beobachten – es seien jetzt einfach zu viele. Da staunt man erstmal nicht schlecht, am Tage 4 vor Abgabe der Diplomarbeit. Ich hab schnell mal durch die Seiten gebrowst, ob ich da w?hrend des Abendessens die viral-epidemische Ausbreitung von Rechtschreibfehlern verpa?t habe, finde aber nichts und lasse Word seinen Willen und klicke >ok<. ?berhaupt lohnt es sich nicht, sich mit Word zu streiten, mindestens das habe ich nach 112 Seiten bisher gelernt. Wow, 112 Seiten, und noch nicht fertig? -Ja, es sei dazu gesagt, da? der Appendix gerade massiv zu buche schl?gt und rekordverd?chtige 30 Seiten in nur 3 Tagen zum Dokument beigetragen hat. Inwiefern das den Wert tats?chlich steigert, ist mir als bekennendem Statistik-Unf?hgigen zwar nicht klar, aber wenn alle sagen, da? der ganze Kram mit ins Dokument mu?, dann mach ich das halt auch noch. Kommt auch jetzt wirklich nicht mehr drauf an, nach der Abgabe besch?tte ich mich eh. Doch vor den Lohn hat [insert name of preferred higher might here] bekanntlich den Schwei? gesetzt. So aufregend, das es einem das Hemd na?machen w?rde, ist die Arbeit am Appendix nun gerade nicht (obwohl: Man sollte mal die zur?ckgelegte Wegstrecke der Maus und die bei Copy/Paste absolvierten Klicks mal messen und den Kaloriendurchsatz dabei bestimmen!), dennoch altere ich mal wieder um Monate in wenigen Stunden ?ber dieser Aufgabe. In der Sammlung von f?r mein Vorwort in Frage kommenden Aphorismen ist mir dazu eben gerade ein Zitat aus Umberto Ecos Foucault’schen Pendel aufgefallen:

Whenever a poet or preacher, chief or wizard spouts gibberish, the human race spends centuries deciphering the message.

Ich bin zwar sicher, da? es stimmt, aber ich werde wohl auf derart gnostische Kommentare verzichten, k?nnten doch nachfolgende Generationen sich dadurch zur Revolte gegen die Pseudo-Wissenschaft aufgerufen f?hlen. Man mu? es ehrlich betrachten: Was wir hier machen, ist eigentlich gro?er Bullshit, wenn nicht sogar in gewisser Weise Zeitverschwendung. -Da ist das, was meine Schwester f?r ihre Doktorarbeit macht, eine viel sinnvollere und ehrlichere Sache: Sie untersucht Arschl?cher, und davon gibt es schlie?lich jede Menge auf der Welt. Ich dagegen mu? in solche hineinkriechen, um eine gute Note zu bekommen. -> Schieflage, eindeutig!
Um eine Note wetten finde ich generell bl?d, trotzdem haben Alice und ich es gemacht. Wir haben um ein 3-G?nge Festmahl gewettet, und der, der verliert, mu? es dem anderen kochen. Ich bin schon wirklich gespannt, was sie mir kochen wird! Andererseits w?re es schon echt cool, wenn sie gewinnen w?rde. Sozusagen die kapitale Wiedergutmachung f?r diese ganzen Jahre der Qu?lerei hier an der Uni, die Reparationszahlung quasi in einer Rate. Das letzte Mal, bei ihr, hatte ich auch recht mit der Note, aber nur, weil sie eine chronische Tiefstaplerin ist.

Fukitol

Eben sagt die biedere Nachrichtensprecherin im Ersten, da? eine krasse Grippewelle ?ber Deutschland hereingebrochen ist. Das sei fast so wie mit den m?chtig-winterlichen, aber unerwartet und ungelegen gekommenen Schneef?llen. Sie meint, wer heute noch nicht zu der Gruppe von jedem Zweiten geh?rt, der in Deutschland von der Grippe daniedergestreckt wurde, der m?sse wirklich ein tolles Immunsystem haben. -‚Oder seit 6 Monaten kaum noch das Haus verlassen haben, weil man wegen anhaltender Beschwerden mit der Diplomarbeit an den Schreibtisch gefesselt ist und es schon fast wehtut, wenn man die Beine aus der im Sitzen beinahe obligatorischen, abgewinkelten Haltung ausstreckt‘, dachte ich bei mir. W?rde ich nicht in einem Haus wohnen, in dem der eine Teil der Bewohner die friedliche Coexistenz mit allerlei gesundheitssch?dlichem Getier im Mikro-, Makro- und wohl auch Nanobereich pflegen m?chte, w?rde ich bestimmt schon erkranken, wenn ich auf den 50 Metern zum B?cker ein paar Liter frische, Elektrosmog-freie Luft einatmete.
Die Decke kann einem nicht mehr mehr auf den Kopf fallen, da sie schon seit einiger Zeit auf selbem zur Ruhe gekommen ist, was zus?tzliche Kopfschmerzen bereitet. Nach sovielen Stunden Face-to-Face mit der TFT-Technik von Samsung kann ich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit behaupten, da? mein Ger?t frei von Pixelfehlern ist – ich habe unter der Gesamtheit von 1280×1024 Bildpunkten keinen einzigen Toten ausmachen k?nnen. Ein Tag ohne Internet ist ein verlorener Tag, weil ich sonst nicht wei?, was ich noch runterladen oder ?ber was ich mich langweilen sollte. Ich k?nnte fast damit beginnen, aus meinem at-home Schreibtisch einen dieser Devotionalien-Schreine an Arbeitspl?tzen zu machen, wie ich sie damals bei Mercedes ?berall gesehen habe: Kuscheltier links, Bild von der Muddi samt Sohnemann rechts, Pl?tzchen und S??igkeiten, zwischendrin ?-Eier Figuren, Kaffeebecher mit anz?glichen pseudo-Witzen drauf, Mikrokosmos-Bastelwerke wie customizede Stifthalter oder selbsterstellte, ultra-praltische Abk?rzungsverzeichnisse auf dem Notizblock. -Weird, oder? Da sitzt der Mann hier vor seinem Rechner und erstarrt fast in Tristesse, andererseits geladen bis unter die Hutkrempe, extrem explosiv, und mit gelegentlichen Explosionen vom monotonen Surren des Rechnernetzteils ablenkend. (Am Wochenende hab ich ?brigens empirisch herausgefunden, wie fest man eine solide IntelliMouse ?lterer Bauart gegen die Wand werfen mu?, damit sie birst und einen waschechten Platinenbruch erleidet. -Meine Mutter freut sich deswegen seit heute ?ber eine neue Maus…) Keine Energie mehr f?r die Fertigstellung der Arbeit zu besitzen glauben ist eine Sache, paart sie sich allerdings mit selbstinduziertem Zeitdruck und einem nicht zu verleugnenden Bed?rfnis nach Best?tigung f?r die ganzen Monate der Entbehrung, dann wird es schon echt gemein. Holt einen dann zu allem ?berflu? erneut bei der Analyse das „leere Blatt Syndrom“ wieder ein und lacht einem frech ins Gesicht, auch noch am dritten Tag vor der selben Zeile im Dokument, dem selben blinkenden Cursor, den gleichen Aufzeichnungen im Manuskript, und als ob das noch alles nicht genug w?re, st??t man permanent an seine Grenzen, merkt, da? man eigentlich ja gar keine Ahnung von dem hat, was man da tut oder besser tun soll…… dann Freunde, dann wird es zu dem, was ich heute Abend durchgemacht habe. Heulen oder kotzen… schon klar, nur in welcher Reihenfolge?
Wenn ich hiermit durch bin, schenktt man mir am besten erstmal einige Sitzungen bei einem Psychotherapeuten und schickt mich ein paar mal mit auf ein Re-Sozialisierungsseminar, damit ich ?berhaupt wieder lerne, da? ein soziales Umfeld auch anders antizipierbar ist als via ICQ, das Internet, oder per Telefon. Nichts hindert mich daran, rauszugehen und mir jeden Abend mit maximal-oberfl?chlichen Leuten, die ich nichtmal kenne, richtig einen auf die Lampe zu gie?en und an dem teilzunehmen, was sich viele so gern als „das Leben“ sch?nzureden versuchen. Meine Schwester sagt, ich soll mich betrinken. Gute Idee, ist mir auch schon in den Sinn gekommen. Ich h?tte offengestanden die allergr??te Lust dazu. Nur nicht auf das Gef?hl am n?chsten Tag, weil ich sicher bin, da? ich einen ganz sch?nen Pegel br?uchte, damit es nicht mehr so dr?ckt zwischen den Schl?fen. -Schl?fen…. schlafen…. gute Idee… morgen ist wieder ein neuer Tag.

Fehlender Durchblick

Eigentlich sollte ich schon wieder seit Stunden was zu Papier gebracht haben, aber wenn mal wieder die Augen nicht mitspielen, was soll ich da schon machen?! -Als ich das letzte Mal versucht habe, meinem Augenarzt das Problem zu schildern, verschrieb er mir eine st?rkere Brille. Da? ich die auch brauchte, das wu?te ich schon selber, schlie?lich merkt man das, wenn man nach 3 Jahren mit der selben Brille irgendwie dauernd blinder wird. Nun, heute ist mal wieder so einer dieser Tage, wo ich am liebsten den ganzen Tag mit einer pechschwarzen Sonnenbrille rumliefe, weil ich derma?en lichtempfindlich bin. Will ich was scharf sehen, mu? ich die Augen trotz Brille zusammenpetzen, als w?rde ich in praller Sonne ohne Sonnenbrille ein Buch lesen m?ssen. Mehr als 20 min konzentriert in die B?cher oder auf den TFT schauen? -Vergi? es einfach! Heute wird das nichts mehr, soviel steht fest. Echt kacke sowas, aber scheinbar ist das kein Grund zur ?rztlichen Beunruhigung. Aha. Na dann. Da kann ich nur hoffen, da? meine im Moment auf Sylt famulierende Schwester irgendwann gegen Ende ihres Studiums mal zuf?llig auf eine Zeile in einem Fachbuch st??t, wo mein visueller ?rger beschrieben ist und mir Abhilfe verschafft. Aber dies ist wenigstens einmal eine Sache, wo mir hinterher keiner meiner mich liebend umsorgenden Mitmenschen vorwerfen k?nnen wird, ich ginge ja nie zum Arzt. -Wenn die Pappnasen keine Ahnung haben, woran das liegt?!