Männer-Magazine

Endlich! Wir Männer dürfen uns nun offiziell besser verstanden fühlen. Gruner + Jahr beglückt die Stehpinkler unter uns in wenigen Tagen mit gleich drei neuen Magazintiteln. Für echte Kerle. Naja, beinahe zumindest, schließlich wird hier kein Rad neu erfunden. Alle Titel sind quasi Abklatsch von Formaten, die für Frauen längst so gemacht wurden. Aber auch diese Tatsache, daß wir Männer von den Verlagen nicht für voll genommen wurden, ist ja nichts neues: Ein Mann ist ja schließlich mit dem barbusigen Girl auf Seite 1 zufrieden, was braucht der denn mehr?

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Bei diesem Wetter gibt’s kein Halten mehr, da zieht’s einfach jeden nach draußen. Muttervatterkinderomaopahund, egal ob se wollen oder nicht, heute wird gewandert! Mal was zusammen machen, so in Familie und so. ‘Papa kauft dir auch eine Wurst, wenn wir da sind. Jaha, und ne Fanta.’

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im ICE nach Flughafen FFM

  1. Der Zug ist nicht nur zu spät, sondern auch total überfüllt. Keine Chance, mit Gepäck in den reservierten Lufthansa-Wagen zu gelangen.
  2. Stehend zwischen zwei Waggons, an der Glasscheibe zum Abteil. Festgekeilt zwischen Gepäck und anderen Menschen. Da darf man keine Hemmungen haben, denke ich mir.
  3. Das Pärchen, das vor mir auf dem Boden auf ihren Trekking-Jacken sitzt, spricht während der Fahrt kein einziges Wort. Sie sehen sich nichtmal an.
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Olympia? Wo denn?

Mal ehrlich: Schaut dieses Mal überhaupt jemand Olympia? Verzeihung, “die olympischen Spiele” natürlich! Olympia ist ein Ort und eine Olympiade die Zeit zwischen zwei Olympischen Spielen… soviel Zeit muß sein.

Ich erwische die Spiele eigentlich auch nur abends in den letzten Zuckungen oder in der Zusammenfassung – und dank der ausgeprägten Pressefreiheit in China sehen wir ja ohnehin jeden neuen Schwimm-Weltrekord zeitverzögert. Aber das wird genauso an der langen Leitung von China liegen, wie eben besagte Schwimmrekorde an den neuen Badeanzügen. Alles Nepp, da kann mein Idol Michael Albatross Gross tausendmal anderer Meinung sein! Denn was ARD und ZDF für die Verarschungsgebühren in die erste Reihe liefern, hat wirklich extrem wenig Unterhaltungswert. Und Youtube ist auch ein weichgespülter Verein geworden: Die zensieren permanent dieses Video von dem armen Gewichtsheber, dem bei 148 Kilo… ach, seht lieber selbst.

Aufgefallen ist mir nur, daß die olympischen Spiele wirklich noch den einzigen Grund darstellen, Breitensportarten wie Wasserball im Fernsehen zu übertragen. Und dann regnet es auch noch dauernd! Früher hatten die Kommunisten das alles besser im Griff: Strahlender Sonnenschein auf verstrahlte Landschaften. (“Bitte nur bis zum Zaun gehen!”) Kein Wunder, daß sogar der Hambüchen vorbeigreift, der wird vor lauter Smog die Stange nicht gesehen haben! Aber gut, wir haben bisher keinen wirklichen Grund zu unken, immerhin sind wir dritter im Gesamtranking. Und das will was heißen, wenn China dreimal soviele Goldmedallien hat wie wir, die aber eben auch 12einhalb mal soviele Menschen haben. Na, wer war da wohl effizienter, hm?

Alle sind bester Laune, das ist doch die Hauptsache! Und da find ich es einfach eine Frechheit, sich wegen dem bißchen Krieg in Georgien die Stimmung versauen zu lassen!

Wieviele Medaillen holt Deutschland in Peking?

  • Weniger als China (54%, 7 Stimmen)
  • Mehr als 1980 und 1948 zusammen (23%, 3 Stimmen)
  • Wo ist Peking? (15%, 2 Stimmen)
  • 426 (8%, 1 Stimmen)

Teilnemer: 13

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Hint: Die Google-Medaillenfunktion

Kampf der Kulturen

Noch 5einhalb Stunden sind es bis Miami, und offen gestanden m?chte man angesichts des durchaus als “w?rzig” zu subsummierenden Geruches in der von meiner Lieblings-Airline betriebenen Boeing 747 am liebsten nur noch in einen komat?sen Schlaf fallen oder aber sich mehr von der edlen Brause oder dem vergorenen Traubensaft aus der Boardk?che holen. Kommt auf’s gleiche raus: Ausschalten oder zumindest Dimmen der Wahrnehmungsreize.
Eine geschlagene Stunde hat es gedauert, bis endlich jeder seinen Platz hatte. Etwas befremdlich ist das schon, denn meine Platznummer haben die von der Lufthansa mit beim Einchecken freundlicherweise gleich mit aufs Ticket gedruckt – die ahnten wohl, da? ich lieber am Schalter ?ber meinen Sitzplatz verhandle als an Board. Da wurde munter umdisponiert, als ginge es um Hotelzimmer oder das Erbteil. “Ja aber mein Mann sitzt jetzt da hinten”, “Ich habe einen Gangplatz gebucht!”, “Nein, ich stehe hier ?berhaupt nicht mehr auf!”, “Es zieht hier so”, “Haben Sie noch einen Notausgang?” -und dazwischen die Herren und Damen in der Uniform mit dem Kranich, mit Engelsgeduld “Macht es Ihnen etwas aus, wenn…?” Ja, offensichtlich macht es den meisten sehr wohl etwas aus. Da treffen die Kulturen aufeinander. Keine 10 min sitze ich in diesem Flieger und schon habe ich mindestens f?nf Sprachen geh?rt.
Da ist Rodriguez (ich habe nat?rlich keine Ahnung wie der Mann hei?t, er ist jedenfalls totsicher ein Hispanic). Der hat den iPod auf den Ohren und wohl f?r den langen Flug extra seine pers?nlichen Greatest Hits draufgepackt. Jedenfalls intoniert er v?llig unbeeindruckt von den anderen 100 Passagieren in unserem Kabinenabschnitt “ohhhh Mariaaaa, Mariaaaaa….” – mu? ja ne ganz dolle sein, denn entweder hat er den Player auf Dauerwiederholung und jedes Lied handelt von Maria. Der spricht also Spanisch. Und Englisch, wie er seinem Sitznachbarn, der eigentlich nur versucht, seine Computerzeitung zu lesen, eindrucksvoll in kurzweiligen Plaudereien zu demonstrieren versucht. Er geizt dabei nicht mit K?rpersprache, schlie?lich ist man auf 10300m und mit nur 10cm Schwei?dr?senabstand quasi Familie.
Vorne sitzt eine asiatische Mutter mit asiatischen Kindern. Die schlafen, was es nicht besser macht, da? mir beim ?ffnen des Zeitungsfaches ?ber ihnen die ganze Wochenauslage frischer Hochglanzmagazine entgegenkommt und unsanft auf ihrer Famile niederprasselt. Ich entschuldige mich h?flich, schlie?lich ist es mir saupeinlich, da? gerade die GQ, das schwerste und am solidesten gebundene Magazin, ihrem J?ngsten mit der Bindekante auf den Kopf gefallen ist. Hilft nix, da mu? er durch, und ihren Schimpfanfall auf einer Sprache, von der ich sicher nichtmal geh?rt habe, kann daran auch nichts mehr ?ndern. Von wegen, Asiaten seien so tempered. Bei den Bambini h?rt es wohl auf. Italiener sitzen schr?g vor mir, haben Rastas respektive verfilzte Haare, sind unrasiert respektive ungewaschen und schlafen. Das “wie immer” verkneife ich mir jetzt nicht, denn wann immer ich junge Italiener reisen sehe, sehen die genau so aus: verlottert, verzottelt und garantiert noch nicht unterm Wasser gewesen heute.
Vor mir sitzt ein Finne mit seiner Frau. Wir m?gen uns ab Sekunde eins schon nicht. Sowas gibts: Da steht man in der Security und hat nur einen Gedanken: Hoffentlich sitzt das Arschloch nicht neben mir! Tut er nicht, super, daf?r sitzt er vor mir. Und da kann er mich noch viel besser ?rgern. Hat wie ich sein Notebook offen und werkelt an einem Text, der sehr viele Jahreszalen enth?lt. Wie gesagt, ich halte ihn f?r einen Arsch, denn er stopft dauernd seine Decke und sein Kissen unter seinen Sitz, also zu meinen F??en. St?rt ihn gar nicht, findet er wohl normal. Gut, soll er sie haben, die Limburger! Er fliegt ?brigens mit permanent nach hinten geklapptem Sitz. Das sorgt daf?r, da? ich kaum aus meinem Sitz rauskomme, geschweigedenn meinen Text auf dem Bildschirm lesen kann, denn die Tastatur habe ich fast am Kinn. Also jetzt ?bertrieben gesprochen, aber so ?hnlich. Kann ich was daf?r, da? seine Frau 10 Jahre ?lter aussieht als er? Warum l??t er das an mir aus? Weil dieses Brett von Model-Italo-Spanierin mich beim Reinkommen angeschaut hat, w?hrend sie ihre Sitznummer gesucht hat? Immerhin war ich es nicht, der besagter Hammerfrau eine gef?hlte halbe Stunde auf den Arsch geschaut hat!
Ein Hammer ist auch das Paar neben mir. Warum hab ich immer so ein Pech? Letztes Mal das Ehepaar, das mich mit Keksen gef?ttert hat und ?ber die ich aus Faulheit vergessen habe zu schreiben. Er Marke Erdkunde-Lehrer, in Sandalen mit Socken, stilsicher kombiniert mit Trekking-Hose und Angler-Weste, dazu eine historische No-Name Japan-Kamera, wahrscheinlich ein Vorkriegsmodell, seit anderthalb Generationen in Famlienbesitz, verpackt und zuhause in einer soliden Ledertasche, an der ein ebenso solides Taschen-Stativ baumelt. Die Kamera wird sogar vor meinen Augen eingesetzt, mit einer 50mm Standard-Optik ans beschlagene und gefrostete Flugzeugfenster gehalten, um Impressionen von New York bei Nacht auf Film zu bannen. Blende richtig eingestellt? -Dann los, klick, noch eins zur Sicherheit, klick , “brauch man eigentlich ja nicht, die Kamera macht heute noch immer Spitzenbilder, auch ohne digital!” unkt er mich an, als ich gerade mein Handgep?ck sortiere und er meine 350D ersp?ht. ‘Ja nee, is klar, und zwei Fotos m?ssen auch echt reichen, dann ist nach 3 Wochen New York endlich der 36er Film voll. Komm, nimm lieber noch ein Pl?tzchen von deiner Mutti, die wird sonst noch fetter.’
Aber zur?ck zu meinen aktuellen Nachbarn. Unschlagbar, was mir da wieder das Schicksal (oder die Lufthansa aus reiner Bosheit?) hingepflanzt hat. Beide um die 70 und aus Ru?land. Herzlichen Gl?ckwunsch, das ist bei allem, was hier aus freiem Willen an Board gekommen ist, echt der Hauptgewinn. Kein Wort Deutsch sprechen die beiden, ganz zu schweigen von Englisch. Das stecke ich der total perplexen Stewardess, als die n?mlich ihr Curry-H?hnchen oder die Rindsroulade nicht an die beiden loswurde. Ich vermittle, weil ich ja nunmal so ein lieber Kerl mit Helferkomplex bin und hoffe, da? ihnen die Rouladen genauso gut geschmeckt haben wie mir. Zwischen Donauwewllen und Einreiseformular nimmt die Dame, deren Figur am besten mit “breit wie hoch” umschrieben werden kann, offensiv Kontakt auf. Nach einer Weile des Aufmicheinredens auf Russisch verstehe ich sie sogar – soweit man das nach einem Lufthansa Gin Tonic und 5 Rotwein sagen kann. Sie fragt mich, ob ich Kinder habe, verheiratet bin, beklagt den Sitzabstand und das Fernsehprogramm (welches sie aus Versehen heute nicht auf Russisch ausstrahlen…), und kommt schlie?lich zur Sache und fragt, ob ich Deutscher sei. Ich bejahe auf Gutgl?ck (“Da”) und die beiden freuen sich wie Pl?tzchen. Entweder haben sie mich gefragt, ob ich sie in Miami durch die Stadt f?hre oder -und das ist beinahe wahrscheinlicher- freuen sie sich wirklich. Als Deutscher erh?lt man glaube ich eher selten solche Reaktionen von Russen der Kriegsgenetation. Und w?hrend ich mir schon deren Kopf zerbreche, wie diese beiden wohl ?berhaupt die Einreise in den Sonnenstaat schaffen werden, r?cken sie mit der Sprache raus, l?ften endlich das Geheimnis: Sie sind auch Deutsche, eigentlich jedenfalls, und ihre Eltern haben Deutsch in der Schule gelernt, aber sie nicht mehr. -All dies bilde ich mir zumindest ein. Es ist durchaus m?glich, da? der Rotwein sein ?briges dazu getan hat, aber ich habe es bewu?t vermieden, meine aus 3 W?rtern bestehende Polnisch-Kenntnisse an den beiden auszuprobieren (“is ja fast wie russisch!”). Gleichzeitig setze ich f?r alle Eventualit?ten des R?ckflugs auf die Todo-Liste, mich wieder daran zu erinnern, was “ich spreche kein Polnisch” hei?t. Wo die Oper ist, brauche ich jedenfalls sicher niemanden fragen. Wie konnte ich nur so derma?en unvorbereitet auf Reisen gehen?!

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Artenvielfalt

Eine gel?ufige Fehlannahme von Mallorca ist, es hielten sich hier ausschlie?lich nur Deutsche auf. Dicke Deutsche, um genau zu sein, so mit ohne Manieren und so. Das stimmt keineswegs: Es gibt auch d?nne Deutsche hier, normal-beleibte Deutsche, und in jeweils jeder bildungstechnischen Auspr?gung, die man sich vorstellen kann.
Gegen?ber, auf der anderen Seite der Bucht sind au?erdem Engl?nder und Holl?nder gern gesehene (weil zahlende) G?ste. Das war’s dann aber auch schon so langsam – treffen tut man sich sowieso nirgends. Am Strand von Es Trenc allerdings geschehen solch kleine Wunder, die die Herzdame dann zum Anla? nimmt, um von “ungeahnter Artenvielfalt auf Mallorca” zu sprechen: Alle Kategorien Deutsche, Briten, Spanier, Italiener, irgendwelche Nordv?lker, Schwaben, verschiedene Osteurop?er und nat?rlich solche, die immer versuchen, ihre Herkunft bestm?glich zu vertuschen – also auch Deutsche – sind da vertreten.
Im Verlauf eines solchen Strandtages kann ich immer viel ?ber die unterschiedlichen Kulturen lernen, w?hrend ich bem?ht bin, auf meiner Strandliege nicht wund zu liegen. Was da so alles rum- und vorbeil?uft… Heinz Strunks wunderbares Buch “Fleisch ist mein Gem?se” hat meinen Aufmerksamkeitssinn in einem Punkt der P?rchenanalyse ganz besonders bereichert: Wie es wohl bei manchen sein kann, da? sich zwei so h??liche Leute gegenseitig geil finden k?nnen. Herrlich, ein wahres Fest, dieser Gedanke.
Tjaja, der Mensch ist eben kein Beilagenesser, auch wenn einige sich so benehmen. Da ist das Meer mit 26 Grad eindeutig zu kalt und vor allem viel zu t?rkis, der Strand zu hei?, die Sonne zu grell, oder eine Sch?nwetterwolke macht zuviel Schatten, der Wind ist zu stark, in der Sonne ist es aber zu hei?… Mann mann mann, man m?chte sie echt heimschicken, wo sie sich nur aussuchen brauchen, in welcher Regenjacke sie rumlaufen m?gen. Selbst bei perfekten Bedingungen finden sich dann im Wasser Reste von Hochseealgen und einige Fetzen Seetang. -Ein klarer Grund, bei knietief in so einem v?llig verdreckten Meer einen Ekelanfall zu bekommen und linea recta das rettende Ufer wieder anzusteuern. Das sind dann genau die Leute, die in der Sushi-Bar alle 34 Algensorten mit Namen kennen und sie mit dem h?chsten Genu? um ihren rohen, kalten Fisch gewickelt verspeisen. R-e-diculous!

Mit meiner Lateeeeeeeeeeerne….

In anderen Kulturkreisen st?nde dieser Tage wieder mal mein Namenstag an. Nun ist das ja bei uns so wenig verbreitet, da? ich das selber nichtmal genau wei?, wann ich denn nun an der Reihe bin. Googeln hilft da zwar, aber mehr als sch?n zu wissen, da? es der 11.11. sein wird, ist es nun einmal nicht. Au?er, da? da die Bekloppten ihren Startschu? in diese uns?gliche Erfindung des Brauchtums “Karneval” erleben und begehen, werden die Rheinl?nder wohl nichts anderes mit diesem Datum verbinden.
Umso sch?ner ist da dieser Brauch mit den Laternenz?gen. Vor gut einer Woche flatterte uns hier eine Ank?ndigung in den Briefkasten, wahrscheinlich vom Kindergarten auf der anderen Stra?enseite. Dort war von einem Laternenzug durch unsere Stra?e die Rede, und da? man doch bitte eine Kerze oder sonstwas stimmungsvoll Illuminierendes in seine Fenster stellen solle, damit die Kinder was zum Gucken h?tten. Verziert war das ganze dann durch einen namenlosen K?nstler mit etwas, das mich nach zwei Pullen Rotwein durchaus an eine Blume erinnern k?nnte.
Heute jedenfalls war dann der Umzug. Unsere Fenster waren selbstverst?ndlich unbeleuchtet, wie k?nnte es auch anders sein! Als ich diese kleinen Racker dann aber durch die Stra?en hab ziehen sehen, ist mir doch etwas sentimenal geworden. Alle so putzig im dicken Anorak (sagt man das heute noch zu warmen, unm?glich geschnittenen Jacken?), mit der Laterne in der einen Hand und Mutti an der anderen, und nat?rlich aus voller, stolzer Brust die typischen Ges?nge intonierend: “Ich zieh mit meiner Lateeeeeeeeeeeeerne, und meine Laterne mit mir”. Oder auch “das Licht ist aus, wir gehn nachhaus, rabimmel rabammel rabumm“. Und so weiter, und so weiter. W?re ich noch l?nger da drau?en dabei stehen geblieben, h?tte ich mir wohl eine Laterne “organisiert” und w?re mitgelaufen, die Texte konnte ich jedenfalls noch weitgehend mitsingen.
Aber ach, was w?re das f?r eine kl?gliche Vorstellung geworden? -Nur mitgehen, um sich als Besserwisser da einzumischen und die Peinlichkeiten und die Schmach der eigenen Laternenumz?ge zu lindern? Nein, macht man nicht. Kinder m?ssen da durch, jedes Jahr von neuem. Ich erinnere mich gut an meine Laternen. Und auch, da? ich jedes Mal zu denen geh?rte, die das Teil immer -mehr oder weniger- heil und am St?ck wieder mit nach Hause gebracht haben. ‘War ja klar, du ewiger Spie?er’ sagen die einen, die anderen werden mir wohl wieder den Lamer anzuheften versuchen. Das gr??te Drama meiner Martinsumz?ge waren damals auch keine Wachsflecken in dem Lampion und st?ndig ausgehende Kerzen, sondern vielmehr die dauernden H?nseleien durch all die Schwachmaten, die das zweifelhafte Gl?ck hatten, einen Namen zu tragen, der mit keinem Event einherging.
Gerechtigkeit kam dann damals dewegen auch in mehreren Formen: Ich erinnere mich noch als sei es gestern gewesen, an heulende Kindergartenkameraden, deren M?tter die lichterloh brennende Laterne mit dem Laternenstecken als Sch?rhaken brandmeisterlich fachm?nnisch am Stra?enrand den Elementen ?bergaben. Wem das 200 Meter nach dem Start passierte, bei dem war wortw?rtlich “das Licht ist aus, wir gehn nach Haus” angesagt, aber sowas von! Im n?chsten Jahr wollte man dann cooler sein und vor allem nicht mehr zum Gesp?tt des ganzen Zuges werden, und vermied es deshalb, den Erfolg auf so l?cherliche Dinge wie eine sichere Kerze zu bauen. Technische Aufr?stung war das Gebot der Stunde, als die Laternenstecken auf einmal einen Batteriegriff hatten und vorne ein Birnchen dranhing. Energietechnisch waren die Teile eine absolute Katastrophe, wurden doch die mit Anerkennung belohnt, die so schlau waren, sich eine Ersatzbatterie f?r die letzten 800 Meter mitzunehmen, wo bei anderen schon l?ngst aufgrund versagender Babyzellen dunkel im Karton war. Ich hatte dann irgendwann auch mal so ein batteriebetriebenes Teil, und alles, woran ich mich in diesem Zusammenhang erinnere, ist die wohl einzige jemals durchgebrannte Birne, die je auf einem Martinszug in einen Lampion gesteckt wurde. Tja, so spielt das Leben eben. Da helfen auch keine Schmalzbrote und kein hei?er Kakao am Ende des Zuges (wobei heute sowieso unendlich fraglich erscheint, ob diese Nahrung bez?glich der biochemischen Prozesse, die solch eine fatale Kombination in einem Kinderinnenleben ausl?st, wirklich ein geeigneter Anreiz f?r die Teilnahme an einem Martinszug sein kann).
Aber ich w?re wohl sicher nicht ich, h?tte ich nicht damals schon das Risiko gemieden und in Form einer mitgebrachten Backup-Kerze antizipiert…

Das erste Wochenende in Bamberg ? oder: ?Bier von hier, das tanken wir Franken?

Mir geht es eigentlich gut hier, seit ich diesen neuartigen Entzug mache. Hin und wieder sp?re ich zwar dieses nagende Verlangen, ins Internet gehen zu m?ssen und mich mit der Welt zu verdrahten, aber das legt sich nun immer schneller. — Schmarrrn! Eigentlich ist es erstaunlich, wie viel Zeit man am Tag hat, wenn man kein Internet hat. Das denkt sich mein Rechner bestimmt auch, der nun zum ersten Mal seit zweieinhalb Jahren nicht mindestens 14 Stunden am Tag wie ein Datenstaubsauger am Internet h?ngt. Dennoch hoffe ich trotz aller Vernunft, da? ich ab morgen wieder Internet haben werde, denn AOL zu installieren habe ich mir dann doch verkniffen ? ich finde einfach, da? es noch zu fr?h ist, den Rechner wieder neu zu installieren…
Am Freitag war ich mit Anke, meiner Tandem-Fr?nkin, was in der City trinken. Bevor nun wieder alle fragen, was denn ?Tandem? hei?t: Denken wir uns einfach alle stattdessen das Wort ?Buddy?, ok? In Bamberg pulsiert das Nachtleben wohl etwas weniger als in Maastricht, und vor allem auch komplett anders, weshalb ich eine gute Portion Angewohnheiten ablegen mu?. Hier ist man keineswegs allein in einer Bar oder Kneipe, wenn man um halb neun da ist. Im Gegenteil, die H?tte ist schon einigerma?en gut gef?llt. Wer ?wie in Maastricht- erst um 11 kommt, guckt sitzplatztechnisch in die R?hre. Wer zudem die Holland-typischen Kneipen sucht, der sucht vergebens. Zum Gl?ck! Waren mir doch diese Feesten-Zuipen-Gezellig!-Kneipen mit Mallorca- und Faschingsmusik das ganze Jahr und pseudo-dauer-gutgelaunten Verbindungs-Proll-Idioten schon immer zuwider.
Gro?es Tennis sind allerdings die Gef??e, in denen das Bier serviert wird. 99% kommen in 0,5 l und der Schaum bleibt auch drauf! Bamberg ist ja bekannt f?r seine Biere, die auch in den lokalen Kneipen hoch im Kurs stehen. Als absolute Spezialit?t gilt das Rauchbier, vor dem mich allerdings Anke warnte, ich solle das besser mal trinken, wenn ich sonst nichts weiter vorh?tte an dem Abend… Ich bin mir noch nicht ganz sicher, wie sie das genau meint, aber ich werde an ihre Worte denken, wenn ich mir so ein Teil bestelle ? sie sagt, es schmeckt nach ger?uchertem Schinken. Bisher kann ich nur mit einer ersten Schwarzbier-Erfahrung aufwarten: Es kam im sogenannten Seidla (glasierter Tonhumpen) und zischte wie Appelsaft. Leider mu?te ich noch fahren, soda? ich danach auf Kaltgetr?nke aus dem Programm eines amerikanischen Getr?nkeherstellers umsteigen mu?te.
Ja, ein Fahrrad mu? dringend her, denn Bamberg ist noch auto-feindlicher als Maastricht, und der ?PNV taugt wohl auch nichts. Also steht das f?r n?chste Woche auf der to-do Liste.
Mittlerweile sind einige mehr Studis hier im Dorm eingetrudelt, haupts?chlich Deutsche aus der Umgebung, aber auch einige M?nchner, Schwaben, Rheinl?nder. Frankreich stellt wohl die Mehrheit der Erasmusser, zumindest dr?ngt sich der Eindruck auf, wenn ich die Kennzeichen auf dem Parkplatz als Kriterium daf?r zulasse. Aber wie ?berall gibt es auch hier einen Erasmus-Stammtisch, zu dem ich mich das n?chste Mal dazugesellen werde. Denn so stark mich der teutonisch-batavische Kulturschock auch trifft, m?chte ich es nicht missen, ab und an mal internationale Gesichter zu sehen und ein paar Takte Englisch zu sprechen.

Tag 2 in Bamberg ? oder: Der Franke an sich…

Da bin ich nun, im Ausland! Im Ede-Land, CSUhausen, Freistaat Bayern… Man h?te sich allerdings unter Androhung roher, k?rperlicher Gewalt oder maximaler Nichtbeachtung davor, einen Franken geographisch wie politisch Bayern zuzuordnen! Ein Franke bleibt ein Franke, egal ob sein L?ndchen nun in Bayern, Hessen, Th?ringen oder B?hmen, also Tschechien liegen w?rde.
Obwohl dies ein wunder Punkt in der Geschichte der Franken zu sein scheint, sind die Spuren der letzten Landtagswahl noch nirgends zu ?bersehen. Bamberg, so wie der ganze Rest von Bayern w?hlt seit jeher grottenschwarz. Wer SPD-Wahlplakate beschmiert oder klaut bekommt die Ehrenb?rgerschaft, wer dagegen der CSU an den Karren f?hrt wird ?ffentlich an den Pranger gebracht und solange maltretiert, bis er freiwillig konvertiert oder den L?ffel abgibt. Angesichts der d?nnen Fangemeinde anderer politischer Str?mungen ist allerdings M?rtyrertum von vorne herein ausgeschlossen. Fast das gleiche gilt hinsichtlich des Glaubens, soda? man sich fast an die Hugenotten erinnert f?hlen m?chte. Es soll schon Protestanten gegeben haben, die auf Grund ihres Glaubens benachteiligt wurden! Das schl?gt sich beispielsweise auch am Standort meines Wohnheims nieder, das zwar idyllisch, aber doch recht weit drau?en liegt ? und ich glaube nicht daran, da? hier blo? der evangelische Tr?gerverein einen besonders guten Preis f?r das Grundst?ck gemacht bekam!
Erste Kontakte mit Einheimischen verliefen durchweg friedlich, wenn auch mit dem n?tigen, gegenseitigen Respekt vor dem Feinde. Eine Sprachbarriere ist nicht feststellbar, wenngleich so die ein oder andere Vokabel zum ersten Mal meinen Geh?rgang passiert. Ich wehre mich hartn?ckig gegen den Niederschlag, den 1000 Mal am Tag das F?llwort ?freilich? in meinem Gebrauchswortschatz hinterl??t. Gleiches gilt f?r ?a w?ng? (=ein wenig), ?magst …?? (=hast du Lust auf…?), ?kannst …?? (=mach das jetzt sofort!), ?scho? (=schon), ?glei? (=gleich), ?w?nsch ihna noch ein schenen Dag? (der Hesse kennt diesen Ausspruch gar nicht von Servicepersonal)…. Darum habe ich auch anstelle von Bayern 3 lieber Hessen 3 als drittes Programm eingestellt. Nicht, da? mir noch mein Hessebub verloren geht!
An echten ausl?ndischen Mitstudenten habe ich noch nicht viel gesehen, unten auf dem Parkplatz stehen einige britische und franz?sische Wagen, und heute morgen im Auslandsamt probierten Italienerinnen und Spanier ihre Deutschk?nste an mir aus.
Daf?r war ich dann aber exzessiv Sightseeing. Der Weg in die Stadt dauert per pedes 35 min – wenn man nicht bummelt. Bei traumhaften Wetter hab ich mir gleich die volle Packung Kultur gegeben, soda? ich nun bereits am zweiten Tag sagen kann, da? Bamberg wirklich ein pitoreskes St?dtchen ist, das echt viel f?r?s Auge zu bieten hat. F?r?s Auge so auch f?r die Linse ? wenn ich irgendwann mal ins Netz komme, lade ich nat?rlich Bilder hoch.
Ich merke, da? ich Gefahr laufe, ein Imageproblem zu bekommen. Jedem mu? ich erkl?ren, wieso ich Ausstauschstudent bin, warum ich (selbst als Hesse) so gut Deutsch spreche, und wieso ich denn ?berhaupt in Bamberg studieren kann. Nach der Antwort entgegneten mir bisher alle eine gedehntes ?Ahhh?. Die Chefin im Auslandsamt erkl?rte mir, da? sie sich immernoch wundert, denn ich s?he ja gar nicht so aus wie die Studenten, die sie normalerweise hat. Was bitte soll das denn hei?en? ?In Finnland oder Schweden w?re ich wahrscheinlich auch als einheimischer Student durchgegangen entgegnet sie lachend. Herr Beckstein w?rde sich freuen, jemanden mit einem anscheinend recht arischem Profil in seinem Freistaat zu begr??en, aber alle Franken wundern sich nur den ganzen Tag. Vielleicht lege ich mir einen niederl?ndischen Akzent zu, dann wundert sich wenigstens keiner mehr anhand der Eckdaten: blond, Heimatuni Maastricht, spricht einigerma?en gut Deutsch…
Projekte f?r das Wochenende:
1. Schlafen
2. Umgebung und Freizeitpotential ausloten
3. eventuell AOL-Software installieren, um das hier endlich mal hochladen zu k?nnen! (nein, ich bin nicht wahnsinnig, aber der EDVler ist am Wochenende nicht da, und alle 019x-Nummern f?r CbC-Einwahl sind noch gesperrt ? au?er T-Online und AOL!)

Now, the Ireland-update!

Unlike my expectations, the Belgian Railways indeed managed to get me to the airport on time and without any trouble. I got airborne with no frills, meaning no disgusting air-food, no rediculously small cokes, no comfortable seats, and most important no space for my legs. Yeah, you gotta pay the price for cheapness. Remember one golden rule when flying to Ireland in the early evening: Sit on the left, for you are about to witness a beautiful dusk with increadible light over the sea! — Upon arrival in Bail ?tha Cliath (or Dublin, in English), Alice picked me up and she introduced my to the Irish capital, where actually 1/3 of the Irish population lives and works. Well, at least the southern part of the city, where also Alice resides, works, the north is criminal, run-down and unemployed. Roughly… The easiest way to the city is the Aircoach, a bus dropping you right in the middle of the city at Trinity College. From there we took one of Dublin’s busses, and one does good to have a great deal of patience with the rather random arrival of busses and complete ignorance of schedules. — In the following days we explored the city till our feet hurt. I saw everything! Well, almost. I will not cite the tourist-guide for what to visit and what not, but just to make sure I do not cause people to think that culture for me is not solely included in “Kulturbeutel”, the interested Dublin-visitor should definitely go see St. Patrick’s Church, Christ Church, The Book of Kells, and Trinity College. You can find more information here. Make sure you take a walk along the cliffs. We went to Bray and took a long walk along the coast following the “let’s see what’s behind the next corner”-system… Since the weather was not always really astonishing, Alice and I decided to pay a visit to what is Dublin known for worldwide: Guinness! We started our really academic excursion with a market analysis (we went to a typical pub), followed by an assessment of the quality of the product (pint of Guinness). The absolute highlight of our research of locale-specific “wines and spirits” was the Guinness-brewery. As a student you still pay 8 Euros entry, but a pint of Guinness above the roofs of Dublin is included. Be sure that you will never get a fresher Stout than in the brewery itself! — Talking of prices: Ireland is extremly expensive. One pack of cigarettes is 5.30, a pint 3.60, a BK meal 6, DVDs 35, fruit and veggies double the price than over here, rents skyhigh. It’s said that the country got wealthy 5 years ago, and as Constance, the landlord of Alice, puts it: “People spend the bloody munney hea, where else would ya go?” True, when on an island. So Constance did not fail to reward my work of installing a broadband router and linking every room of the house to the Internet with a gift voucher for a meal for two at the best Indish restaurant around. Really cool move since the food was outrageous. — All in all it was a fantastic trip made possible by the low fares of Ryanair, although the landing on the flight back felt like the first parking tryout of a Belgian drivers-license aspirant ;) I also did not mind the 40cm-share of Alice’s matrace, though it was, well, crowded in the beginning. I expect Ireland to be even more beautiful when everything is as green as always said, so I might fly over again and have a look at the countryside then. — So much for now, blog on regularly and take care!