Jedes Haar z?hlt

Eigentlich wollte ich ja hier auf meinem ollen, betagten MovableType-System gar nichts mehr bloggen, sondern erst wieder dann, wenn ich in ein paar Tagen Wochen (Monaten?) auf WordPress geswapped bin.
Aber meine gerade eben vorgenommene Anmeldung bei YahooMail hat mich hier nicht mehr ruhig sitzen lassen. Man stelle sich vor: Der Account ist keine 2 min alt, und au?er meiner Postleitzahl (die auch die von Timbuktu h?tte sein k?nnen, solange sie echt ist), des Geschlechtes und meines Geburtsdatums wissen die nix von mir. Nix!
Und was blendet mir das angeblich mit Behavioural Targeting hinterlegte Ad-Netzwerk von Yahoo als allererstes in gro?en Flash-Skyscrapern an? -Haarwuchsmittel. Von Schwarzkopf. Weil jedes Haar z?hlt und der Albtraum beginnt. Danke Yahoo, ich bin 30, bitte helfen Sie mir ?ber die Stra?e.

Dark Wave Girl

Die Jogging-Tight, die Du heute tr?gst, ist zwar fast komplett schwarz, aber trotzdem hat es Dich gest?rt, da? Nike einen ganz schmalen, t?rkisfarbenen, reflektierenden Streifen an die Seite gen?ht hat, was? Das wird aber durch das Cannibal Corpse T-Shirt mehr als kompensiert. Nee echt, sei Dir sicher, das Motiv ist so morbide, da f?llt der Reflexstreifen keinem mehr auf. Letzte Woche hattest Du das rote Marilyn Manson Shirt an, das stand Dir irgendwie besser. Nee, wirklich, das unterstreicht Deinen Typ. Bist ja eh nicht sooo ne Typische. Also Szene-Girl schon, aber so vom ?u?eren her eben nicht gerade als Gruft geboren. Ach komm, sei nicht gleich eingeschnappt, ich sag ja nicht, da? Du ne Pseudo bist, aber langes, blondes Haar ist eben was anderes als pechschwarze Vogelnestfrisur. Verstehste jetzt, was ich gemeint habe? Und die krassesten Schwarzen, die ICH damals kannte, waren auch eher klein, nicht so wie Du um die einsachtzig. Ja, kenn mich aus, hab auch mal fr?her, ja nee, echt jetzt, is aber schon l?nger her. Aber wirklich, krasse Haare. L??te die absichtlich franselig schneiden und erz?hlst jedem, da? Du nieee zum Fris?r gehst? Ja nee, is klar, wollte Dir nicht zu nahe treten. Und der Kayal? Ist der wasserfest? Na h?rmal, hier total pseudo-m??ig in der Muckibude zu Plastik-Housemusik die Gr?ten stretchen, aber dabei ohne Aquarell-Effekt konstant m?rder-d?ster aus der W?sche gucken? -Siehst echt ganz sch?n finster aus, so mit den dunklen Augen, und nicht zu vergessen das Piercing in der Unterlippe. Hey, sollte nen Kompliment werden. Nur Honey, ganz ehrlich, das billige Arschgeweih geht gar nicht, oder? Wei?te selbst, gut. Du erinnerst mich irgendwie an wen. Ausm Fernsehen? Oder von ner Band? Model biste aber nicht, oder? Ey mal langsam, sollte kein dummer Spruch werden, bleib locker. Unversch?mt, wieso denn das?

Als Du aus der Umkleide kommst, bist Du wieder in Deiner Tracht: schwarzer, langer Armeemantel, schwarze Jeans, schwarze Docs, schwarzer Schal. F?hlst Dich sicherer als in dem bunten Sportdress, (ja ?berhaupt, warum gibt es Turnschuhe in Deiner Gr??e nicht in schwarz?) – Du erinnerst mich echt an jemanden. Nee, ich habs! Du siehst aus wie die Sally aus „Nightmare before Christmas“! Die langen Haare, der glatte Mittelscheitel, die gro?en Augen, der Blick so von unten herauf, dann wieder von oben herunter, irgendwas zwischen wicked und K?hlschrank. Na Dein Freund is ja nen ganz Harter, was? Oje, dann noch einen sch?nen Abend, kleines Dark-Wave-Girl.

Kampf der Kulturen

Noch 5einhalb Stunden sind es bis Miami, und offen gestanden m?chte man angesichts des durchaus als „w?rzig“ zu subsummierenden Geruches in der von meiner Lieblings-Airline betriebenen Boeing 747 am liebsten nur noch in einen komat?sen Schlaf fallen oder aber sich mehr von der edlen Brause oder dem vergorenen Traubensaft aus der Boardk?che holen. Kommt auf’s gleiche raus: Ausschalten oder zumindest Dimmen der Wahrnehmungsreize.
Eine geschlagene Stunde hat es gedauert, bis endlich jeder seinen Platz hatte. Etwas befremdlich ist das schon, denn meine Platznummer haben die von der Lufthansa mit beim Einchecken freundlicherweise gleich mit aufs Ticket gedruckt – die ahnten wohl, da? ich lieber am Schalter ?ber meinen Sitzplatz verhandle als an Board. Da wurde munter umdisponiert, als ginge es um Hotelzimmer oder das Erbteil. „Ja aber mein Mann sitzt jetzt da hinten“, „Ich habe einen Gangplatz gebucht!“, „Nein, ich stehe hier ?berhaupt nicht mehr auf!“, „Es zieht hier so“, „Haben Sie noch einen Notausgang?“ -und dazwischen die Herren und Damen in der Uniform mit dem Kranich, mit Engelsgeduld „Macht es Ihnen etwas aus, wenn…?“ Ja, offensichtlich macht es den meisten sehr wohl etwas aus. Da treffen die Kulturen aufeinander. Keine 10 min sitze ich in diesem Flieger und schon habe ich mindestens f?nf Sprachen geh?rt.
Da ist Rodriguez (ich habe nat?rlich keine Ahnung wie der Mann hei?t, er ist jedenfalls totsicher ein Hispanic). Der hat den iPod auf den Ohren und wohl f?r den langen Flug extra seine pers?nlichen Greatest Hits draufgepackt. Jedenfalls intoniert er v?llig unbeeindruckt von den anderen 100 Passagieren in unserem Kabinenabschnitt „ohhhh Mariaaaa, Mariaaaaa….“ – mu? ja ne ganz dolle sein, denn entweder hat er den Player auf Dauerwiederholung und jedes Lied handelt von Maria. Der spricht also Spanisch. Und Englisch, wie er seinem Sitznachbarn, der eigentlich nur versucht, seine Computerzeitung zu lesen, eindrucksvoll in kurzweiligen Plaudereien zu demonstrieren versucht. Er geizt dabei nicht mit K?rpersprache, schlie?lich ist man auf 10300m und mit nur 10cm Schwei?dr?senabstand quasi Familie.
Vorne sitzt eine asiatische Mutter mit asiatischen Kindern. Die schlafen, was es nicht besser macht, da? mir beim ?ffnen des Zeitungsfaches ?ber ihnen die ganze Wochenauslage frischer Hochglanzmagazine entgegenkommt und unsanft auf ihrer Famile niederprasselt. Ich entschuldige mich h?flich, schlie?lich ist es mir saupeinlich, da? gerade die GQ, das schwerste und am solidesten gebundene Magazin, ihrem J?ngsten mit der Bindekante auf den Kopf gefallen ist. Hilft nix, da mu? er durch, und ihren Schimpfanfall auf einer Sprache, von der ich sicher nichtmal geh?rt habe, kann daran auch nichts mehr ?ndern. Von wegen, Asiaten seien so tempered. Bei den Bambini h?rt es wohl auf. Italiener sitzen schr?g vor mir, haben Rastas respektive verfilzte Haare, sind unrasiert respektive ungewaschen und schlafen. Das „wie immer“ verkneife ich mir jetzt nicht, denn wann immer ich junge Italiener reisen sehe, sehen die genau so aus: verlottert, verzottelt und garantiert noch nicht unterm Wasser gewesen heute.
Vor mir sitzt ein Finne mit seiner Frau. Wir m?gen uns ab Sekunde eins schon nicht. Sowas gibts: Da steht man in der Security und hat nur einen Gedanken: Hoffentlich sitzt das Arschloch nicht neben mir! Tut er nicht, super, daf?r sitzt er vor mir. Und da kann er mich noch viel besser ?rgern. Hat wie ich sein Notebook offen und werkelt an einem Text, der sehr viele Jahreszalen enth?lt. Wie gesagt, ich halte ihn f?r einen Arsch, denn er stopft dauernd seine Decke und sein Kissen unter seinen Sitz, also zu meinen F??en. St?rt ihn gar nicht, findet er wohl normal. Gut, soll er sie haben, die Limburger! Er fliegt ?brigens mit permanent nach hinten geklapptem Sitz. Das sorgt daf?r, da? ich kaum aus meinem Sitz rauskomme, geschweigedenn meinen Text auf dem Bildschirm lesen kann, denn die Tastatur habe ich fast am Kinn. Also jetzt ?bertrieben gesprochen, aber so ?hnlich. Kann ich was daf?r, da? seine Frau 10 Jahre ?lter aussieht als er? Warum l??t er das an mir aus? Weil dieses Brett von Model-Italo-Spanierin mich beim Reinkommen angeschaut hat, w?hrend sie ihre Sitznummer gesucht hat? Immerhin war ich es nicht, der besagter Hammerfrau eine gef?hlte halbe Stunde auf den Arsch geschaut hat!
Ein Hammer ist auch das Paar neben mir. Warum hab ich immer so ein Pech? Letztes Mal das Ehepaar, das mich mit Keksen gef?ttert hat und ?ber die ich aus Faulheit vergessen habe zu schreiben. Er Marke Erdkunde-Lehrer, in Sandalen mit Socken, stilsicher kombiniert mit Trekking-Hose und Angler-Weste, dazu eine historische No-Name Japan-Kamera, wahrscheinlich ein Vorkriegsmodell, seit anderthalb Generationen in Famlienbesitz, verpackt und zuhause in einer soliden Ledertasche, an der ein ebenso solides Taschen-Stativ baumelt. Die Kamera wird sogar vor meinen Augen eingesetzt, mit einer 50mm Standard-Optik ans beschlagene und gefrostete Flugzeugfenster gehalten, um Impressionen von New York bei Nacht auf Film zu bannen. Blende richtig eingestellt? -Dann los, klick, noch eins zur Sicherheit, klick , „brauch man eigentlich ja nicht, die Kamera macht heute noch immer Spitzenbilder, auch ohne digital!“ unkt er mich an, als ich gerade mein Handgep?ck sortiere und er meine 350D ersp?ht. ‚Ja nee, is klar, und zwei Fotos m?ssen auch echt reichen, dann ist nach 3 Wochen New York endlich der 36er Film voll. Komm, nimm lieber noch ein Pl?tzchen von deiner Mutti, die wird sonst noch fetter.‘
Aber zur?ck zu meinen aktuellen Nachbarn. Unschlagbar, was mir da wieder das Schicksal (oder die Lufthansa aus reiner Bosheit?) hingepflanzt hat. Beide um die 70 und aus Ru?land. Herzlichen Gl?ckwunsch, das ist bei allem, was hier aus freiem Willen an Board gekommen ist, echt der Hauptgewinn. Kein Wort Deutsch sprechen die beiden, ganz zu schweigen von Englisch. Das stecke ich der total perplexen Stewardess, als die n?mlich ihr Curry-H?hnchen oder die Rindsroulade nicht an die beiden loswurde. Ich vermittle, weil ich ja nunmal so ein lieber Kerl mit Helferkomplex bin und hoffe, da? ihnen die Rouladen genauso gut geschmeckt haben wie mir. Zwischen Donauwewllen und Einreiseformular nimmt die Dame, deren Figur am besten mit „breit wie hoch“ umschrieben werden kann, offensiv Kontakt auf. Nach einer Weile des Aufmicheinredens auf Russisch verstehe ich sie sogar – soweit man das nach einem Lufthansa Gin Tonic und 5 Rotwein sagen kann. Sie fragt mich, ob ich Kinder habe, verheiratet bin, beklagt den Sitzabstand und das Fernsehprogramm (welches sie aus Versehen heute nicht auf Russisch ausstrahlen…), und kommt schlie?lich zur Sache und fragt, ob ich Deutscher sei. Ich bejahe auf Gutgl?ck („Da“) und die beiden freuen sich wie Pl?tzchen. Entweder haben sie mich gefragt, ob ich sie in Miami durch die Stadt f?hre oder -und das ist beinahe wahrscheinlicher- freuen sie sich wirklich. Als Deutscher erh?lt man glaube ich eher selten solche Reaktionen von Russen der Kriegsgenetation. Und w?hrend ich mir schon deren Kopf zerbreche, wie diese beiden wohl ?berhaupt die Einreise in den Sonnenstaat schaffen werden, r?cken sie mit der Sprache raus, l?ften endlich das Geheimnis: Sie sind auch Deutsche, eigentlich jedenfalls, und ihre Eltern haben Deutsch in der Schule gelernt, aber sie nicht mehr. -All dies bilde ich mir zumindest ein. Es ist durchaus m?glich, da? der Rotwein sein ?briges dazu getan hat, aber ich habe es bewu?t vermieden, meine aus 3 W?rtern bestehende Polnisch-Kenntnisse an den beiden auszuprobieren („is ja fast wie russisch!“). Gleichzeitig setze ich f?r alle Eventualit?ten des R?ckflugs auf die Todo-Liste, mich wieder daran zu erinnern, was „ich spreche kein Polnisch“ hei?t. Wo die Oper ist, brauche ich jedenfalls sicher niemanden fragen. Wie konnte ich nur so derma?en unvorbereitet auf Reisen gehen?!

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Bom Chicka Wah Wah

Es ist inzwischen Herbst geworden, und ich alter Kämpfer kämpfe immernoch mit meinem Knie, und das jahreszeitgemäß hauptsächlich im Fitnessstudio. Ja richtig: Eisenreis(s)en in der Muckibude, zwischen all den anderen hirn- und freundeskreislosen Individualisten (so nennt man ja heute Menschen, die keine sozialen Bindungen hinbekommen) gemeinsam verschwitzte Luft einatmen und aus Pudding Muskeln machen. Hat damals zumindest der Arni schon gesagt, ich glaube im Kindergartencop. Spielt auch weiter keine Rolle, denn man muß nicht unbedingt mit Trainingserfolg beseelt werden, um einen guten Abend da zu haben, manchmal reicht auch einfach schon der Anblick der anderen Leute. So wie im Sommer in der Fußgängerzone: Nix gekauft, aber einen Haiden-Spaß vom Zugucken gehabt. Keine Angst, ich zieh mir den Schuh des immer-lüsternden, gemeinen Zynikers gerne für meine Leser an, die dann umgekehrt in bestem Second-Hand-Voyeurismus meine Erlebnisse nachfühlen können.
Im Herbst rennen sie wieder alle ins Studio, gilt es doch, noch vor Silvester den guten Vorsatz vom letzten Silvester einzulösen: ‚Nächstes Jahr mach ich Sport‘. Die Resultate dieser guten Vorsätze kann man im Sommer in jedem x-beliebigen Freibad oder Badesee, am Strand oder auch in den Fußgängerzonen begutachten. Kennt jeder, braucht man nicht weiter drauf eingehen. Da wird geschwabbelt was die Epidermis hergibt. Im Herbst jedenfalls wird dann all das in enge, eigens für diesen Zweck nagelneu angeschaffte, farblich meist unerträgliche Stretch-Sportdresse gezwengt. Und dann Atacke, ran an den Speck – im wahrsten Sinne des Wortes.
Ein Highlight, nein, besser Fashion-Victim ist ein Mitt-Fünfziger mit klassischer Birnenfigur. Also oben extrem schmal, dann bis zur Hüfte stetig an Umfang zunehmend, der Übergang Love-Handles/Hintern bildet den Äquator, und darunter (er selbst sieht sich da nicht mehr) kommt wieder nix mehr. Der Typ trägt eine gelbe Trainingshose und kombiniert stilsicher ein ebenso gelbes T-Shirt. Er sieht darin aus wie Willi von Biene Maja, nur ohne Streifen.
Daß Schwitzen elementarer Bestandteil des Konzepts „Sport“ ist, wird leider selten bedacht. So zerfließen bei den meisten Anfängerinnen buchtstäblich jegliche Bestrebungen, gleichzeitig dabei eine gute Figur durch optimales Styling zu machen: Makeup und Haarfrisur melden sich bereits beim ersten Trainingszyklus gnadenlos ab und sind darum als komplett überflüssig anzusehen. In engem Zusammenhang dazu steht die Nicht-Verwendung statisch höher belastbarer Unterwäsche, wie sie der einen oder anderen Dame etwa beim BodyAttack (neudeutsch für Schattenboxen), Aerobic-Gehüpfe oder schlichtweg auf dem Laufband die verfrühte Kapitulation des Bindegewebes im Brustbereich ersparen würde. Ich hab neulich gelesen, daß Brüste 17 cm hoch- und runterhüpfen können. Das ist eine Amplitude von 34cm im Extremfall – und diese Sorte Extremfälle tummeln sich dieser Tage vermehrt in den Kursen der Fitnessstudios. Komisch, ich muß seit Heinz Strunk’s „Fleisch ist mein Gemüse“ immer an Busen-Maike („Sie ist halb Mensch, halb Busen“) denken, wenn ich sowas sehe. -Übrigens, mir fällt beim Betrachten des Wortes „Fitnessstudios“ auf, daß ich es für falsch geschrieben erachte, so auf den ersten Blick. Ist das was Ähnliches, wie wenn die Leute bei „Tischlampe“ immer sofort erstmal „Schlampe“ lesen?
In der Umkleide habe ich irgendwie immer den Spint neben Luigi. (Der Name wurde bewußt von der Redaktion geändert, weil ich seinen Namen gar nicht kenne.) Luigi ist ein waschechter Italiener, das kann ich mit Bestimmtheit von seinem unvergleichlichen Akzent ableiten. Und wäre da nicht der Akzent, so ginge bestimmt der Tricolore-Aufkleber auf seinem rosso-roten Alfa Romeo 155 als eindeutiges Merkmal durch. Oder eben seine imposante Körperbehaarung, an der sich sicher bereits die vierte Generation von Remington Langhaarschneidern buchstäblich die Zähne ausbeißt. Er ist ein lieber Kerl, isse immere feundelisch su mire (auch da muß ich immer an den Antonio Marcipane aus „Maria, ihm schmeckts nicht“ denken!). Aber Luigi erinnert mich extrem an einen dieser römischen Offiziere aus Asterix. Wißt Ihr noch? -So mit Streichholz-Beinchen und einem gewaltigen, V-förmigen Oberkörper, der den darauf sitzenden, extrem runden Kopf einfach nur komplett unterdimensioniert erscheinen läßt? DAS ist Luigi! Toller Mann, würde er sich nicht, bevor er sich selbst auf die sicher schon erwartungsvoll sabbernde Frauenwelt losläßt, noch einmal so richtig von oben bis unten (ja! richtig gelesen, is kein Scherz, auch wenn Männer untereinander über Umkleide-Erlebnisse den Mantel des Schweigens ausbreiten…) mit Axe einräuchern würde. Ja Luigi, Sie haben alle Düfte verbessert, Bom Chicka Wah Wah, viel hilft sicher viel!

Schauspielerin

Sie ist ohne Zweifel die gr??te Schauspielern unter den ganzen Selbstdarstellungs-Profis hier auf Mallorca! Sie braucht keinen Ferrari Spider, auch keinen Ascona Cabrio aus 82. Sie zieht Ihre Show konsequent durch, tagein, tagaus.
Als ich sie das erste Mal sah, fiel mir sofort ihre Frisur auf – oder auch das, was sie mit ihren Haaren gemacht hat: Rasta-Alarm der aller ersten G?te! Wie man sich bei den Temperaturen ein Naturschutzgebiet auf seinem Kopf einrichten kann, ist mir komplett schleierhaft. Dazu passend tr?gt sie Schlabberklamotten, alles extrem „grungig“ (Hey, gibt es Grunge eigentlich noch, oder war das Kapitel mit dem fr?hen Tode Cobains besiegelt?). Dazu passt auch vortrefflich das Lippenpiercing, welches ihr zugegebenerma?en zu dem verlotterten auch noch ein verruchtes Aussehen verleiht.
Die deutsche Touristin h?lt ihre von teurer Anti-Faltencreme und Selbstbr?uner konservierten, allerdings weit von faltenfrei entfernten Finger, die mit etlichen Goldringen unterschiedlichster Qualit?t behangen sind, maximal 1mm ?ber das Backgut, das unsere Medusa hier den liquiden Touris gegen Geld verkauft. „Und eines hiervon… noch 2 davon… zwei… ja, zwei…z-w-e-i… ja… Helga, soll ich von den langen auch noch? -Ja, drei St?ck!“ -Die Medusa versucht indessen, der reichen Witwe die Grundz?ge des Spanischen beizubringen: „Un… dos… tres“ belehrt sie die alte Frau komplett erfolglos w?hrend jeder ihrer Bestellungen. Erfolglos deshalb, weil die gute grande Dame wohl glaubt, hier m?sse man dankbar die Devisen annehmen, die sie ins Land bringt.
„Sie, die Medusa“ ist ?brigens Nancy, ihr Freund ist Argentinier, und die beiden f?hren hier gleich nebenan eine Mischung aus Tante-Emma-Laden und Bademoden-Shop, der so gut wie ganztags ge?ffnet ist und einen so von morgendlichen Backwaren und der obligatorischen Bildzeitung ?ber nachmittagliche Eisgel?ste und abendliche Abendessenszutaten bis hin zur Nachschub-Weinflasche versorgt. Ihr Freund, ein typischer Aussteiger, der viel zu d?nn und viel zu braun ist, kann ein paar Brocken Englisch und anderthalb Worte deutsch. Die mu? ihm mein Onkel irgendwann mal beigebracht haben, von Nancy kennt er sie jedenfalls nicht. Die spricht perfekt Spanisch, und das besonders gnadenlos mit den Touris. Keine Chance auf heimische T?ne, da ist Nancy streng. Als die besagte Touri-Schrulle bezahlt hat, ?u?ert Nancy, was sie von den ganzen Deutschen hier h?lt, die mit dickem Geldbeutel, aber ohne ein Wort Spanisch nach Mallorca kommen: Sie sch?ttelt sich, als ob sie sich ekelte. Sie kann nicht wissen, dass mich ?hnliche Empfindungen befallen, wenn ich mir beim Brotkauf ihr Rasta-Biotop anschaue und bei der weiteren Musterung an den Nahrungsresten an ihrem Lippenpiercing h?ngenbleibe. Mag sein, dass andere sowas wie Nancy sexy finden, wahrscheinlich ihr Argentinischer Lover, vielleicht gerade wegen des Verruchten, aber bitte, ich mag gar nicht dr?ber nachdenken, wie sie wohl unter den Armen oder auf dem Kopf riecht, wenn Nancy mir im besten Spanisch mein Ciabatta einpackt.
Doch warum ist diese Frau nun eine Schauspielerin? Authentischer kann man doch gar nicht sein: Der gro?e Traum vom Aussteigen dort gelebt, wo andere Urlaub machen. Den Lebensunterhalt ehrlich, aber mit Passion durch Arbitrage verdienen. (?brigens ist ihr Macker ein schlechter Kaufmann, denn den Wein von Jos? L. Ferrer verkaufen die beiden billiger als jeder andere Tante-Emma-Laden auf der Insel!) Und Nancy, die alles ha?t, was Deutsch-sein landl?ufig mit sich bringt: Also mit Fingerzeig und auf Deutsch bestellen, Bild-Zeitung lesen und immer p?nktlich, immer intellektuell, immer genau und sauber – diese Nancy, die uns alle glauben macht, sie sei auch argentinische Vorzeige-Aussteigerin, kommt in Wirklichkeit aus einem Nest in Sachsen. So, jetzt isses raus. H?tte ich nicht einen Onkel hier, der mit der in meiner Familie (v?terlicherseits) offenbar tief verankerten „sympatisch-charmanten Unversch?mtheit“, wie ich das gerne umschreibe, einfach mal barsch der guten Nancy auf den Zahn gef?hlt hat und so wahrscheinlich der einzige ist, der wei?, da? die gute sich hier einen zusammenschauspielert, wenn sie z?hneknirschend und verachtend tagt?glich ihre Landsleute bedient, w?rde ich heute noch dar?ber gr?beln, warum mich diese Hippie-Trulla wohl nicht mag. Tjaja, die Nancy… obwohl: Ginge es nach meinem Onkel, hie?e ich auch Michele oder Manfredo und die Herzdame Jennifer (when in Germany) oder Conchita (hier auf Malle)?

Der l?ngste Tag und die k?rzeste Nacht

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erz?hlen. Genau, er kann, mu? aber nicht. Ich will hier niemanden mit einem truely half-assed Bericht von meiner v?llig unbedeutsamen Reise nach Boston langweilen, sondern nur eben ein paar kleine Anekdoten runtertippen, die ich mir in den Staaten aufgeschrieben habe und mangels PC und Internet nicht vor Ort schon in die Welt br?llen konnte.

Endzeit
Wer sich je gefragt hat, woher Filmemacher und Autoren ihre Endzeitszenarien haben, der kann noch keinen Bustransfer zwischen den Terminals auf London Heathrow mitgemacht haben! Ich glaube wirklich, da? ich noch an keinem Ort gewesen bin, der lebensfeindlicher war als das Wirrwar der Cargotunnel und Gep?ckkatakomben. Eine sofortige Depression st?lpt sich ?ber einen, wenn man im Bus zwischen verschwitzten Achselh?hlen ihrer schweigenden Besitzer durch die get?nten und mit Millionen von Fingerabdr?cken verzierten Scheiben nach drau?en sieht, und die Augen nicht von dieser schier unglaublichen Menge in Beton gegossenen Zivilisationswahnsinns lassen k?nnen und gleichsam fasziniert wie angewidert daran h?ngenbleiben.
Wie ein Ameisenhaufen offenbart sich sich das ganze Ausma? der Leistung eines Flughafenbetriebes erst unter Tage, wo Arbeiter, die wohl selten das Sonnenlicht zu sehen bekommen, emsig der T?tigkeit nachgehen, von der wir nichts mitbekommen, au?er vielleicht, unser Gep?ck kommt mal nicht richtig an. Dann ist es bei Collin und Yogesh, die in den schmalen Zufahrten ihre Kofferwagen erst rangiert und dann kollidiert haben, beim Wiederbeladen mit vereinten Kr?ften vielleicht auf dem falschen Wagen wieder auf die Reise gegangen und sammelt Meilen, die keinem Vielfliegerkonto jemals gutgeschrieben werden k?nnen.

The American way
Je ?lter man wird, desto mehr Flunkereien der Eltern aus der Kindheit entlarvt man pl?tzlich als solche. Da? ich daf?r aber erst nach Boston, respektive Amerika, fahren mu?, h?tte ich wahrlich nicht gedacht.
„Wenn du deinen Teller nicht leeri?t, gibt es morgen schlechtes Wetter!“ (Als Kind glaubst du sowas!) -Nun, das kann eigentlich nur in Europa gelten, nicht jedoch in den Staaten. Bei den Portionen? -Keine Chance. Selbst Vielfra?e wie ich kommen da in die Verlegenheit, anderen den n?chsten Tag quasi vorsetzlich zu versauen. Aber es geht einfach nicht, was die dort auf die Teller packen! Egal ob in einem Lunchroom oder einem Diner, selbst beim Thail?nder ist es zuviel. Einerseits wundert es da nicht, da? so viele Amis so brutal fett sind (es ist echt so, ich h?tte ein ganzes GB Fotos von fetten Leuten mitbringen k?nnen!). Mich wundert vor allem, warum da die Kundschaft nicht meutert und sagt „hey, packt hier bitte eine Menge Essen auf meinen Teller, die ich essen kann und berechnet das auch so“. Anstelle vergeht einem beim Lesen der Karte schon meist der Appetit, wenn man die Preise sieht, und steht dann der Teller auf dem Tisch nervt die Bedienung ungelogen alle paar Minuten, ob es schmeckt, ob ich noch Durst habe (wie denn bittesch?n, wenn ich einen 10 Liter Eimer Cola hingestellt bekomme??), ob „you guys ok“ sind, uns schlie?lich, ob sie uns nochwas bringen kann, also ob wir „set“ sind. Verneint man diese Frage oder ist irgendwie indifferent, sagt also sowas wie ‚sp?ter vielleicht‘, trabt sie weg und bringt stattdessen die Rechnung. Klarer Fall von „no tip“. Ist gemein, ich wei?, aber genug ist genug.
?berhaupt sind die Amis echt ma?los. Jeder Honk f?hrt da mindestens 6 Zylinder, besser 8, und wenn es nur 4 sind, steht Turbo oder Twin Turbo hinten drauf. Klar, wenn der Sprit so billig ist… Aber dann sollen sie wenigstens auch damit parken k?nnen. K?nnen sie nicht, also gibt es riesige Parkpl?tze. -Das ist seltsame Logik.
Geht noch weiter: Weil sie ihre Cola nicht k?hlen, mu? ein Kilo Eis ins Glas. Weil Eis aber die subversive Eigenschaft hat, zu schmelzen und die andere Fl?ssigkeit auf diesem Wege erheblich zu verd?nnen, tun sie mehr Zucker als hier in die braune Brause.
Ma?los, kein anderes Wort hatte ich ?fter auf der Zunge und wollte es allen dauernd ins Gesicht schreien. ?ber Klimaanlagen und Energieprobleme sage ich nur: Ich war froh, auf dem Weg zur Tagung im Anzug zu schwitzen, denn daf?r hab ich w?hrend der Vortr?ge nur ganz wenig frieren m?ssen…

Konventionen?
Am Morgen des zweiten Konferenztages begr??t uns der Vorsitzende mit den Worten „Good morning everybody! How nice: you all found your way back from the hookers!“

Der fliegende Holl?nder
Ich habe gerade in meinem World Traveller Plus Sitz platzgenommen, da frage ich mich auch schon, warum diese irre gut aussehende Bombshell-Flugbegleiterin mit so einem h??lichen, d?rren Honk, der eine unterirdische Brille und eine viel zu kurze Anzughose tr?gt, plaudert, als wollten die beiden jeden Moment die Besenkammer aufsuchen. Es gibt daruf nur eine Antwort: Das ist ihr Job!
F?nf Minuten sp?ter identifiziert sich der Honk als waschechter Holl?nder, dem der Sitzplatz neben mir geh?rt, und die Stewardess als in Wahrheit leider extrem schiefzahnige Britin. Was mich an meiner Konversation mit dem Holl?nder, die selbstverst?ndlich stattfand (schlie?lich ist es kein 40 Minuten Inlandsflug!), immernoch stolz macht, ist, da? ich ihm nicht wie sonst bei Holl?ndern ?blich, auf die Nase gebunden habe, da? ich in Maastricht studiert habe und darum auch gerne mit ihm auf Niederl?ndisch plaudern k?nnte. 7 Stunden habe ich diesen Mann neben mir ertragen, und das war echt nicht einfach. Nach dem Amsterdamer Boulevardblatt zappte er erst v?llig planlos durch die 16 Videokan?le, um dann beim Info-Programm h?ngen zu bleiben und in unlesbarer Schrift anfing, Notizen zu machen. Nach dem Essen und einigen erfolglosen Versuchen, mit mir einen philisophischen Plausch zu beginnen („Will we remove our limits in research and science ourselves or will this happen automatically over time?“ oder auch: „Why is it that women smile more often than men?“), packte er seinen Laptop aus und begann einen Brief, offensichtlich an seine Lebensgef?hrtin. Unterdessen hatte ich von ihm erfahren, da? er ein Senior Researcher in seiner Firma ist, die k?rzlich verkauft wurde, er deswegen dauernd nach Boston mu? und vieles andere mehr. Darunter auch das Detail, da? er ja nur in dieser Maschine sitze, weil bei seinem ersten Versuch, am gestrigen Tage Boston zu verlassen, das Fahrwerk der Northwest-Airlines Maschine beim Ausparken zusammengebrochen ist. (Ich habe die Story jetzt mal auf das Wesentliche reduziert, was ich mir auch von ihm gew?nscht h?tte…) Er begann also seinen Brief an seine Frau, den ich hier und da versehentlich mitlas. Wenn ein Mann einer Frau schreibt, und dann dauernd Zahlen tippt, handelt es sich entweder um eine Rechnung, eine Scheidung (was auch auf Rechnung hinausl?uft), oder aber um einen Wissenschaftler oder Control-Freak, der daran glaubt, der Gegen?ber findet bestimmte Sachverhalte genauso spannend wie man selbst. Unser vielfliegender Holl?nder schreibt ihr also von Neufundland, 12 km H?he, 900 km/h und der Tatsache, da? er sich gar nicht recht vorstellen kann, da? es drau?en Minus 55 Grad sind. Beinahe h?tte ich ihm noch zur Lekt?re des Bordmagazins geraten, dann h?tte er noch dabeischreiben k?nnen, da? eine 747-400 schlappe 15000 Liter Kerosin pro Stunde durchzieht. Stattdessen hat er lieber die Zeit beim Start gemessen, 1 Minute 5 Sekunden, und er trumpft vergleichend auf, da? eine kleine 737-200 nur 45 Sekunden bis zum Take-off beschleunigt. Diskussion zwecklos, er ist schlie?lich Vielflieger. Und Holl?nder.

Giovanni aus Hongkong
Nach der k?rzesten Nacht (minus 6 Stunden) und dem wenigsten Schlaf in einer Nacht (30 Minuten… netto) sa? ich schlie?lich in dem kleinen (wahrscheinlich ?hnlich schnellstartenden) Airbus 320 von London zur?ck nach K?ln neben Giovanni. Er hatte sich gleich um Kontakt bem?ht, kein ?berfl?ssiges Warten. Ich klemmte die Streichh?lzer zwischen die Lider und bem?hte mich um freundliche, nichtssagende Konversation. Er komme gerade aus Hongkong, mache in Textilien, und er habe dort Gesch?fte geschlossen und Bestellungen get?tigt. Stolz berichtet er, ?brigens Mitte/Ende 30, Typ schmieriger Sizilianer, in ungef?lschtem Armani und echter Uhr, mit katastrophalem Mundgeruch und ranzigem Gel in den Haaren, im Geldbeutel jedoch nur die besten Karten, von seiner Industrie und dem Gesch?ft in toto. Er habe ja schon selbst in Portugal und Rum?nien Fabriken gehabt, aber damit k?nne man ja schon viele Jahre nichts mehr verdienen. Darum China. Die arbeiteten da 12 Stunden am Tag, sechseinhalb Tage die Woche f?r 120 Euro im Monat, was wolle man schlie?lich mehr? Und nach China, was kommt dann? „Nix mehr, bleibt China“, meint Giovanni und ist m?chtig stolz darauf, mir Tips zu geben, wie man in China am besten die Bev?lkerung ausbeuten kann, denn „die wollen ja wenigstens noch arbeiten! F?r jeden Lohn machen die das! Von mir aus auch 200 Euro in 5 Jahren. Keine Gewerkschaft, keine Krankheiten, keine Lohnnebenkosten. -Am T-Shirt kann man das hinterher schlie?lich nicht sehen, verstehen sie?“

Wie 500 qm Rollrasen

Bevor ich gestern Morgen die Firma betrat, mu?te ich zun?chst die letzte Stufe der Au?enarbeiten durchqueren. Seit Wochen wird da wie wild gebuddelt und gegraben, geacktert und gerodet, und das alles nur aus einem Grund: Hinwegt?uschen ?ber ein marodes Geb?ude aus den 60ern. Als n?chstes kommen sicher noch die Maler, die pinseln dann alles zu und schaffen neuen Glanz auf br?ckelndem Untergrund. Gestern Abend dann, als ich die Firma wieder verlies, war ich zun?chst unsicher, was da mit dem Garten nicht stimmen k?nnte, denn irgendwas hat mich sehr irritiert. Auf den zweiten Blick war es dann klar, die braune Ger?ll- und Erdw?ste war verschwunden und gegen saftig-gr?nen Rollrasen getauscht worden. -Ich find das ja die gr??te Erfindung der Menschheit; was dem Webdesigner sein Stylesheet, ist f?r den Gartenarchitekten der Rollrasen.
Ich glaube, manch einer w?rde sich so einen Rollrasen-Effekt f?r seinen Gesch?fts- und Wirkungsbereich w?nschen. So h?tte sicherlich der Papst Interesse daran gehabt, den ?ber 1 Million mehr-oder-weniger Gl?ubigen einfach seinen Glauben wie ein T-Shirt ?berzuziehen. Denn wie gl?big und fromm die meisten da waren, haben wir uns ja hier live und in Farbe jeden Tag reinziehen k?nnen. Ohne Worte! Mensch, was war das ein Terror hier, ich konnte diese j?mmerlichen blauen Rucks?cke, die irgendwer an diesen fahnenschwenkenden J?ngern befestigt hatte, schon echt nicht mehr sehen. „Beeeee-ne-det-tooo“ – jo, is gut jetzt. Die Herzdame hatte ja wenigstens das zweifelhafte Gl?ck, das Kirchenoberhaupt in ihrer Mittagspause direkt vor der Haust?r in seiner Ingolst?dter S?nfte in nur wenigen Metern Entfernung bewundern und fotografieren zu k?nnen – eine Sache, wo sich hunderttausende Weltjugendtagsbesucher wohl die Haare gerauft h?tten, schlie?lich haben die doch kilometerlange Fu?m?rsche zu einem ?den Kartoffelacker ohne flie?end Wasser und mit westf?lischer Dosenwurst ?ber sich ergehen lassen, nur um dann zu erfahren, da? das Papamobil doch nicht ?ber den Weg in ihrem Planquadrat f?hrt, in dem sie seit 42 Stunden in der ersten Reihe kampierten und Havanagila sangen.
Oder man nehme die anstehende Wahl, bei der ich nun als frisch angemeldeter Bonner schon hier mein Kreuzchen machen darf. Bis gestern wollte ich noch die Bibeltreuen Christen w?hlen, bin aber dann doch wieder davon abgekommen, weil die meine Interessen eher schlecht vertreten k?nnen, wie mir bei einem Blick auf deren Wahlprogramm aufgefallen ist. Au?erdem bin ich ja bei deren Dachverband kein Member mehr, also spar ich mir das. Oder liegt es blo? daran, da? ich bei deren Namen immer erst an irgendwelche Pestizide denke? Ach, egal. Aber was sonst w?hlen? -Ich bin ja weit davon weg, die gegenw?rtige politische wie wirtschaftliche Lage am Benzinpreis zu fixieren, aber irgendwie wei? ich als interessierter und verantwortlicher B?rger nur eines: Alle wahlk?mpfenden Parteien sagen nur, was die SPD alles schlecht gemacht hat, und was ihre Partei besser machen wird, und warum man nicht die anderen w?hlen soll. Bis dahin alles klar, das ist Gesch?ft. Was mich blo? in diesem speziellen Wahlkampf stutzig macht, ist, da? Schr?der sich aus dem Wahlk(r)ampf weitestgehend raush?lt und nur sagt „ich will Kanzler bleiben, oder nicht“. Seltsam. Aber, ganz unter uns: Mit nur 25% Steuer s?he meine Gehaltsabrechnung wesentlich sportlicher aus… Aber es mu? ja was getan werden in diesem unseren Lande. Also Rollrasen, sag ich nur, einfach dr?bber, alles unbequeme untendrunter kehren, schlie?lich st?rt sich auch keine Pflanze an dem Mist, aus dem sie sich n?hrt. Neuanfang, bl?hende Landschaften, zweitens Wirtschaftswunder… herrlich… Superbenzin bei 1.42….

Any kind of work?

Mal ganz ehrlich: Nach der 356sten Job-Absage l??t man gern S?tze der Marke „Ich w?rde echt JEDE Arbeit annehmen!„. Nun, da? man in solchen F?llen sein eigenes dummes Geschw?tz nicht erstnehmen sollte, hat mir meine heutige Exkursion im Mailservice verdeutlicht.
Da sitzen Menschen im Sutterrain unseres Geb?udes, bei konservierenden 15 Grad Raumtemperatur und arbeiten wie die Bienen an t?glich zig-tausend Mailings, inbound wie outbound. ?berfl?ssig zu wiederholen, da? wir hier Direktmarketing machen, ergo ?berhaupt die Notwendigkeit eines eigenen Mailservices infrage zu stellen. Da wimmelt es nur so von Ablagen, Drahtk?rben, F?chern, Schubladen, Sortierh?ngern und lauter sonstigem Zeug, dessen Name ich nichtmal kenne, und zwischendrin wuseln nur acht Leute und haben alles im Griff. Und ?berall Klebeschildchen mit Bezeichnungen, Namen, K?rzeln. Eine Jahresaufgabe f?r jemanden, sich darin erstens zurechtzufinden und zweitens einen wirklichen ?berblick ?ber alle Abl?ufe zu haben. Ganz ehrlich, da wollte ich nichtmal Teamleiter sein!
Meine einzige praktische Aufgabe in den drei Stunden meiner Anwesenheit dort war dann das ?ffnen von Briefen mit anschlie?ender Sortierung der Post. Ich kann mich ja nur immerwieder wiederholen: Was manche Leute scheinbar f?r normales Verhalten, Gebaren und Sich-Ausdr?cken halten, ist schlicht haarstreubend! Angefangen von Texten wie „ich will kein Zeug mehr von Euch„, die ohne Namen, Absender, Unterschrift, geschweigedenn einer Kundennummer einfach formlos auf die R?ckseite eines frankierten Umschlags geschmiert wurden, bis hin zur Feststoff-Beigabe in Form von irgendwelchem Schmatz auf dem Briefbogen, der sich harmonisch mit der unlesbaren Sauklaue dem Brief?ffner pr?sentiert, ist echt alles dabei. (Gut, es gibt auch noch anst?ndige Menschen; nicht, da? hier ein falscher Eindruck entsteht!) Bei Mercedes damals haben sie uns wenigstens nur beschimpft…
Die Menschen, die sich Arbeit dieser Art, Anforderung und Inhalt tagt?glich mit einem unersch?tterlichen Gleichmut hingeben, haben meinen unbedingten Respekt. Und das nicht, weil sie Haut an den H?nden haben, die keine Papercuts mehr zul??t. Auch nicht, weil deren Fingern?gel vom t?glich tausendfachen Abgreifen und wieder Ablegen von Papierstapeln auf harten Untergr?nden eine Farbe und Form angenommen haben, die mich bei der ersten Wahrnehmung sehr befremdlich hat schauen lassen. Nein, diese Menschen haben meine Hochachtung, weil sie mit der Tagespost beinahe lautlos durch die G?nge huschen, sich nur auf Zuruf bei der Postzustellung wahrnehmbar verhalten und jeder Pennymarkt-Kassiererin etwas voraus haben: Extrem freundlich „guten Morgen“ zu sagen. Immer.

2 Sachen

Erstens. Wer hier meint, unser sch?nes Hessen h?tte au?er Frankfurter W?rstchen nix zu bieten, der irrt dieser Tage gewaltig! Was da in Weilburg auf dem Hessentag abgeht, das ist schon echt wert, sich einen dicken Knoten ins Sacktuch zu machen. Die Stadt ist am Toben, die Stra?en pulsieren wie der Blutkreislauf, einfach ?berall ist was los. Und das in Weilburg! Ich konnte es ja selbst kaum glauben, da? dieser einst gammligen Provinz-Barockstadt solch ein Fest abgerungen werden konnte. Also Leute, hin da, es lohnt sich wirklich! Vor allem heute und morgen. Heute sollen wir Boris anl??lich seines Geburtstags helfen, Cocktails aus der Sonne zu holen, und morgen spielen Juli, S?hne Mannheims, Laith Dingenskirchen live, umsonst und drau?en. Klasse Sache! Achja, und nicht vergessen, wirkliche Unmengen von Apfel-Maro gegen die zweifelsohne unglaubliche Hitze zu sch?tten. Die Br?he besteht aus bestem ?ppelwoi und Maracuja-Pfirsichsaft, aber im genialen Verh?ltnis von 90 zu 10; da bleiben immernoch spritzige 5 PS ?brig, die einen nach dem ersten Liter auf einmal auch gut beschleunigen. Klasse Br?he, f?r die bei der allm?chtigen Kelterei Heil sogar schon Sonderschichten geschoben werden.
Zweitens bin ich endlich mal zu einem Gespr?ch eingeladen worden. Ich werde dort zwar nicht der Frage nachgehen, warum es am Rhein so sch?n ist, wohl aber eher versuchen, mich so gut zu verkaufen, da? der Weg nicht umsonst sein m?ge. Es gibt da n?mlich so Bewerbungen, da w?nscht man sich schon, da? was draus wird. Die stehen im krassen Gegensatz zu solchen, wo man schon beim Anschreiben denkt „Mann, was willst Du denn ?berhaupt da?!“. So oder so ?hnlich jedenfalls. Und dann gibt es diese Anschreiben, die eigentlich echt ein Letter of Motivation sind, weil man merkt, wie man die eigene Bio mit dem Job verkn?pfen kann. Das liest sich dann auch bei weitem nicht so l?cherlich wie im anderen Fall, wo man sich schon fast fragen m?chte, ob man sich mit so einem Anschreiben ?berhaupt selbst meint. An den Haaren herbeigezogen, ey-wat-bin-isch-geil, sozusagen.

G’N’F’R

Gerade zeigt MTV den Rock am Ring f?r alle, die sich f?r Festivals zu alt f?hlen und/oder lieber trockenen Fu?es daheim in der ersten Reihe sitzen. Nun l?uft der Mitschnitt von „Velvet Revolver“, und ich frage mich ernsthaft, warum sich das die Leute heute erstens ?berhaupt geben und zweitens, warum die vor Ort versammelte Meute so kra? dabei abgeht.
Aber eigentlich ist das doch recht schnell gekl?rt: Das ist Guns’N’Roses nur ohne den l?cherlichen Axel Rose. (Was treibt der Bursche eigentlich? Frauen pr?geln? Saufen? -Klar, nur in welcher Reihenfolge?) Und was klickt da in uns allen? Slash, der wahrscheinlich beste -lebende- Gitarrist der Welt, der heute zwar noch mit engster Jeans, Afro-M?hne und Zylinder wie aus G’N’R-Zeiten die Gibson w?rgt, aber keinen Jackie mehr zwischen den Tracks schl?rft. Duff McKagan, der erblondete Bierbauch am Bass, den wir irgendwie immer eine fiese Dumpfbacke fanden, weil er weder aussah, noch richtig cool war, aber daf?r immer m?chtig verlumpt und vor allem besoffen r?berkam. Oder ist es Matt Sorum, der unscheinbare Honk am Schlagzeug, der nie so cool wie Lars Ulrich sein wird, egal, ob er nun blonde Dauerwelle oder einen nasty Kurzhaarschnitt unter dem Bandana versteckt. (Zu Matt Sorum f?llt mir noch grad das Dummgeseier von einem Schmock auf einer der England-Reisen ein: „Matt Sorum? -Der hat’s doch voll net drauf! Der Drummer von Sepultura ist viel besser!“)Wie hie? eigentlich der Typ am Keyboard damals? Komme grad nicht drauf… Also vermissen wir eigentlich doch nur noch unseren Axel (der S?nger von Velvet Revolver geht ja mal gar nicht, diese Tucke!), wenn wir uns vorstellen, jeden Moment kommt der Typ im Holzf?llerhemd und Radlerhose auf die B?hne geturnt und singt, als w?re die besagte Hose an bestimmten Stellen zu eng. Kurz: Was soll dann Velvet Revolver? Braucht das jemand? -Ja, um sich vorzunehmen, morgen erstmal die Use Your Illusion 1 & 2 rauszusuchen f?rs Auto nach mp3 zu rippen. Das gabs damals noch nichtmal. Irre. Kleine Zeitreise. Danke MTV.

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