Die wilden Zwanziger brachten ein an sich wunderschönes Wohn-/Eßzimmer hervor, das ich von meiner Oma geerbt habe und nun in Bonn zu neuen Ehren kommen soll. Die Kredenz und das Buffet lassen sich ja noch leicht mit dem dunkelsten Fernol auffrischen, das es für Geld zu kaufen gibt. Der Tisch und die Stühle aber scheinene echt einiges mitgemacht zu haben und brauchen daher eine speziellere Behandlung.
Da wären zunächst die Sitzauflagen. -Was sich mein Opa dabei gedacht hat, diese mit häßlichstem Kunstleder zu beziehen, kann ich ihn leider nicht mehr fragen. Das wird also durch Alcantara ersetzt. Da der Wohlstand noch auf sich warten läßt, macht man sich schlau und erfährt, daß Alcantara nur ein Markenname ist und im Handel auch noch zig andere Microfaserstoffe erhältlich sind. Bei Ebay wurde ich fündig und habe einen laufenden Meter (100 x 160 , reicht für 6 Stühle) für ein Viertel des Preises aus dem Raumausstatterfachgeschäft erstanden. Lohnt sich bigtime! Polsterschaumstoff gibt es günstig im Baumarkt. Die Restaurierung des Holzes allerdings bereitet Kopfschmerzen: Was erst so gedacht war, ein wenig hier und da die abgenutzten Stellen nachzubessern, mausert sich mehr und mehr zu richtig Arbeit. Die sympathischen, als Patina geglaubten dunklen Stellen, die so richtig für entsprechenden Used-Look sorgen, entpuppten sich bei genauerer Betrachtung als nichts anderes als 85 Jahre alten Griffelschmatz, den 4 Generationen Handcremebenutzer sorgsam dort aufgetragen haben. Nach einer intensiven Behandlung mit Anlauger ist ein Großteil davon wieder verschwunden und das Holz bereit für einen neuen, alten Look. Gestrichen wird das Ganze dann nach einem gründlichem Feinschliff, der allerdings nicht bis ganz runter aufs Holz gehen darf, mit Lasurlack Eiche dunkel, der nach einigen Schichten das gewünschte Ergebnis erzielen dürfte. Hoffentlich…
