Nanu, was ist denn da bei iTunes los? Da wollte ich mir eben die neue Billy Talent III ins Einkaufskörbchen legen, aber Fehlanzeige: Im US-Store ist die Scheibe gar nicht zu finden, und im deutschen Store ist sie erst … ähm…demnächst erhältlich:
billy_talent_itunes
Jetzt ist mir auch endlich klar, warum die Musikindustrie über sinkende Gewinne klagt: Im Torrent-Netzwerk ist die CD seit Monaten in bester Qualität erhältlich, hab ich gelesen.

Coldplay Viva la VidaNanu? Erst heißt es überall im Netz „Coldplay exclusive pre-release on iTunes„, und dann kommen die Apfeltuner mir auf einmal mit „17ter Juni“, Tage nach dem offiziellen Release von Viva la Vida auf Silberlingen.

Hat mich schon ein wenig enttäuscht! Man stelle sich vor: Ich hochgradig entschlossen, Musik zu kaufen bevor ich sie lade, mit meinem 25$ iTunes Voucher vor dem Rechner, an den schon hungrig die 500GB Platte und der iPod Classic angeschlossen waren. Das neue Coldplay-Album für 6€soundsoviel, wegen des super Wechselkurses, durchs Hintertürchen im amerikanischen iTunes Store. Jawohl, wir waren bereit, Apple nicht. Verkehrte Welt?

So langsam wird es Zeit -auch für notorische Fußball-Muffel wie mich-, die schwarz-rot-gold Gimmicks aufzurüsten und mich auf die EM vorzubereiten. So hat eben ein Spielplan-Poster seinen Platz an der Wand im Büro gefunden, und den EM-Spielplan habe ich im Outlook, dem Handy und dem iPod synchronisiert. Von einer Fahne am Auto sollte man angesichts der momentanen Spritpreise absehen, was aber nicht heißt, daß man mit der Flagge so umgehen sollte, wie diese Gehirnspender hier.

Ob das dieses Mal dann auch wieder ein Sommermärchen werden wird, überlasse ich lieber Sönke Wortmann als Jogi Löw. Klar, daß ich unseren Jungs trotzdem die Daumen halte, was ich im folgenden Bilderrätsel mal schnell visualisiert habe:

EM 2008 Deutschland

Ich h?tte es nicht f?r m?glich gehalten, aber es ist tats?chlich so: Mich begeistern gerade meine neuen Kopfh?rer, nein, Entschuldigung bitte, im Jahre 2008 nennt man sowas, was ich da gekauft habe In-Ear Buds. Halt so Hasenk?ttel mit Schnur dran, die man sich ins Ohr reinsteckt und wo dann Lalla rauskommt. Es geht um die Sennheiser CX300, 30 Flocken bei Amazon.
Eigentlich kein Geld im Vergleich zum Preis des iPod. Vor allem, wenn man erstmal die Erfahrung verdaut hat, da? die mitgelieferten Ohrh?hrer einfach die Grotte sind. Eigentlich eine Frechheit von Apple, die K?ufer mit solchen Klangerlebnissen zu beleidigen.
Aber zum Gl?ck gibt es ja mittlerweile soviel Zubeh?r zu den diversen Produkten aus der Apfelwelt, da bleibt kein noch so schwachsinniger Wunsch unerf?llt. Ich hab ja eigentlich auch den iPod nur gekauft, weil ich so stink-entt?uscht von der Soundqualit?t meines Sandisk Sansa e240 war und der mir mit seinen 4GB schon nach nur wenigen Eins?tzen schon zu klein war.
Aber zur?ck zu den Kopfh?rern. Die kommen direkt in den Geh?rgang, 3 Silikon-Adapter f?r doofe Ohren liegen bei. Mir pa?t M wunderbar, das hei?t, das Teil sitzt gut und press im Ohr. Was aber nicht hei?t, da? jemand wie ich (= mit doofen Ohren) damit joggen gehen k?nnte. Nein, daf?r hab ich noch andere Teile, die man sich so ins Au?enohr reinklemmen mu?. Daf?r haben die dann wiederum keinen Bass, weshalb ich mir zus?tzlich ja noch die besagten Sennheiser gekauft habe.

Etwas seltsam ist es schon mit diesen kabelgebundenen Ohropax drin – die schirmen Umgebungsger?usche (von Baustellenl?rm auf der Stra?e bis hin zu Kabinenger?usch im Flugzeug) eigentlich sehr gut ab, daf?r h?rt man sich halt die ganze Zeit selbst keuchen. Alles in allem ein gutes Team mit meinem iPod Classic 80GB, auch wenn ich es noch immer nicht schaffe, die Ear-Buds a) einh?ndig und b) ohne Nach-hinten-Ziehen des Ohres einzusetzen. Aber daf?r stimmt der Sound! H?hen sind hoch und gehen nicht in der Masse unter, und B?sse kommen da, wo sie hingeh?ren: ganz unten und laut. Fast ein wenig ?berbetont, aber sei’s drum, es soll ja schlie?lich auch mal gescheit poltern!

MP3, Hifi, Apple, ich und die anderen

Nachdem ich diesen Artikel in der Welt gelesen habe, ist mir so einiges klar geworden.

Ganz sch?n auch dieser Kommentar eines aufmerksamen Audiophilen:

Aber „nat?rlich“ war fr?her „alles besser“. Fr?her, als noch Musik aus dem Radio mit einem Cassettenrekorder mitgeschnitten wurde und der Zimt dann auf dem Cassetten-Walkman abgespielt wurde. Besonders „nett“ war der Klang, wenn man „Dolby B“ einschaltete.

Also hat der iPod (und seine ganzen minderwertigen Vorg?nger und Nachkommen) daf?r gesorgt, da? wir heute Musik nur noch konsumieren anstatt sie aktiv h?rend zu genie?en. -Stimmt auch, wenn man sich nur mal alte CDs anh?rt, deren Inhalt noch weitestgehend handgemacht ist: Hoch lebe ADD und AAD, wo automatische „Normalisierung“ noch nicht erfunden war.

Kampf der Kulturen

Noch 5einhalb Stunden sind es bis Miami, und offen gestanden m?chte man angesichts des durchaus als „w?rzig“ zu subsummierenden Geruches in der von meiner Lieblings-Airline betriebenen Boeing 747 am liebsten nur noch in einen komat?sen Schlaf fallen oder aber sich mehr von der edlen Brause oder dem vergorenen Traubensaft aus der Boardk?che holen. Kommt auf’s gleiche raus: Ausschalten oder zumindest Dimmen der Wahrnehmungsreize.
Eine geschlagene Stunde hat es gedauert, bis endlich jeder seinen Platz hatte. Etwas befremdlich ist das schon, denn meine Platznummer haben die von der Lufthansa mit beim Einchecken freundlicherweise gleich mit aufs Ticket gedruckt – die ahnten wohl, da? ich lieber am Schalter ?ber meinen Sitzplatz verhandle als an Board. Da wurde munter umdisponiert, als ginge es um Hotelzimmer oder das Erbteil. „Ja aber mein Mann sitzt jetzt da hinten“, „Ich habe einen Gangplatz gebucht!“, „Nein, ich stehe hier ?berhaupt nicht mehr auf!“, „Es zieht hier so“, „Haben Sie noch einen Notausgang?“ -und dazwischen die Herren und Damen in der Uniform mit dem Kranich, mit Engelsgeduld „Macht es Ihnen etwas aus, wenn…?“ Ja, offensichtlich macht es den meisten sehr wohl etwas aus. Da treffen die Kulturen aufeinander. Keine 10 min sitze ich in diesem Flieger und schon habe ich mindestens f?nf Sprachen geh?rt.
Da ist Rodriguez (ich habe nat?rlich keine Ahnung wie der Mann hei?t, er ist jedenfalls totsicher ein Hispanic). Der hat den iPod auf den Ohren und wohl f?r den langen Flug extra seine pers?nlichen Greatest Hits draufgepackt. Jedenfalls intoniert er v?llig unbeeindruckt von den anderen 100 Passagieren in unserem Kabinenabschnitt „ohhhh Mariaaaa, Mariaaaaa….“ – mu? ja ne ganz dolle sein, denn entweder hat er den Player auf Dauerwiederholung und jedes Lied handelt von Maria. Der spricht also Spanisch. Und Englisch, wie er seinem Sitznachbarn, der eigentlich nur versucht, seine Computerzeitung zu lesen, eindrucksvoll in kurzweiligen Plaudereien zu demonstrieren versucht. Er geizt dabei nicht mit K?rpersprache, schlie?lich ist man auf 10300m und mit nur 10cm Schwei?dr?senabstand quasi Familie.
Vorne sitzt eine asiatische Mutter mit asiatischen Kindern. Die schlafen, was es nicht besser macht, da? mir beim ?ffnen des Zeitungsfaches ?ber ihnen die ganze Wochenauslage frischer Hochglanzmagazine entgegenkommt und unsanft auf ihrer Famile niederprasselt. Ich entschuldige mich h?flich, schlie?lich ist es mir saupeinlich, da? gerade die GQ, das schwerste und am solidesten gebundene Magazin, ihrem J?ngsten mit der Bindekante auf den Kopf gefallen ist. Hilft nix, da mu? er durch, und ihren Schimpfanfall auf einer Sprache, von der ich sicher nichtmal geh?rt habe, kann daran auch nichts mehr ?ndern. Von wegen, Asiaten seien so tempered. Bei den Bambini h?rt es wohl auf. Italiener sitzen schr?g vor mir, haben Rastas respektive verfilzte Haare, sind unrasiert respektive ungewaschen und schlafen. Das „wie immer“ verkneife ich mir jetzt nicht, denn wann immer ich junge Italiener reisen sehe, sehen die genau so aus: verlottert, verzottelt und garantiert noch nicht unterm Wasser gewesen heute.
Vor mir sitzt ein Finne mit seiner Frau. Wir m?gen uns ab Sekunde eins schon nicht. Sowas gibts: Da steht man in der Security und hat nur einen Gedanken: Hoffentlich sitzt das Arschloch nicht neben mir! Tut er nicht, super, daf?r sitzt er vor mir. Und da kann er mich noch viel besser ?rgern. Hat wie ich sein Notebook offen und werkelt an einem Text, der sehr viele Jahreszalen enth?lt. Wie gesagt, ich halte ihn f?r einen Arsch, denn er stopft dauernd seine Decke und sein Kissen unter seinen Sitz, also zu meinen F??en. St?rt ihn gar nicht, findet er wohl normal. Gut, soll er sie haben, die Limburger! Er fliegt ?brigens mit permanent nach hinten geklapptem Sitz. Das sorgt daf?r, da? ich kaum aus meinem Sitz rauskomme, geschweigedenn meinen Text auf dem Bildschirm lesen kann, denn die Tastatur habe ich fast am Kinn. Also jetzt ?bertrieben gesprochen, aber so ?hnlich. Kann ich was daf?r, da? seine Frau 10 Jahre ?lter aussieht als er? Warum l??t er das an mir aus? Weil dieses Brett von Model-Italo-Spanierin mich beim Reinkommen angeschaut hat, w?hrend sie ihre Sitznummer gesucht hat? Immerhin war ich es nicht, der besagter Hammerfrau eine gef?hlte halbe Stunde auf den Arsch geschaut hat!
Ein Hammer ist auch das Paar neben mir. Warum hab ich immer so ein Pech? Letztes Mal das Ehepaar, das mich mit Keksen gef?ttert hat und ?ber die ich aus Faulheit vergessen habe zu schreiben. Er Marke Erdkunde-Lehrer, in Sandalen mit Socken, stilsicher kombiniert mit Trekking-Hose und Angler-Weste, dazu eine historische No-Name Japan-Kamera, wahrscheinlich ein Vorkriegsmodell, seit anderthalb Generationen in Famlienbesitz, verpackt und zuhause in einer soliden Ledertasche, an der ein ebenso solides Taschen-Stativ baumelt. Die Kamera wird sogar vor meinen Augen eingesetzt, mit einer 50mm Standard-Optik ans beschlagene und gefrostete Flugzeugfenster gehalten, um Impressionen von New York bei Nacht auf Film zu bannen. Blende richtig eingestellt? -Dann los, klick, noch eins zur Sicherheit, klick , „brauch man eigentlich ja nicht, die Kamera macht heute noch immer Spitzenbilder, auch ohne digital!“ unkt er mich an, als ich gerade mein Handgep?ck sortiere und er meine 350D ersp?ht. ‚Ja nee, is klar, und zwei Fotos m?ssen auch echt reichen, dann ist nach 3 Wochen New York endlich der 36er Film voll. Komm, nimm lieber noch ein Pl?tzchen von deiner Mutti, die wird sonst noch fetter.‘
Aber zur?ck zu meinen aktuellen Nachbarn. Unschlagbar, was mir da wieder das Schicksal (oder die Lufthansa aus reiner Bosheit?) hingepflanzt hat. Beide um die 70 und aus Ru?land. Herzlichen Gl?ckwunsch, das ist bei allem, was hier aus freiem Willen an Board gekommen ist, echt der Hauptgewinn. Kein Wort Deutsch sprechen die beiden, ganz zu schweigen von Englisch. Das stecke ich der total perplexen Stewardess, als die n?mlich ihr Curry-H?hnchen oder die Rindsroulade nicht an die beiden loswurde. Ich vermittle, weil ich ja nunmal so ein lieber Kerl mit Helferkomplex bin und hoffe, da? ihnen die Rouladen genauso gut geschmeckt haben wie mir. Zwischen Donauwewllen und Einreiseformular nimmt die Dame, deren Figur am besten mit „breit wie hoch“ umschrieben werden kann, offensiv Kontakt auf. Nach einer Weile des Aufmicheinredens auf Russisch verstehe ich sie sogar – soweit man das nach einem Lufthansa Gin Tonic und 5 Rotwein sagen kann. Sie fragt mich, ob ich Kinder habe, verheiratet bin, beklagt den Sitzabstand und das Fernsehprogramm (welches sie aus Versehen heute nicht auf Russisch ausstrahlen…), und kommt schlie?lich zur Sache und fragt, ob ich Deutscher sei. Ich bejahe auf Gutgl?ck („Da“) und die beiden freuen sich wie Pl?tzchen. Entweder haben sie mich gefragt, ob ich sie in Miami durch die Stadt f?hre oder -und das ist beinahe wahrscheinlicher- freuen sie sich wirklich. Als Deutscher erh?lt man glaube ich eher selten solche Reaktionen von Russen der Kriegsgenetation. Und w?hrend ich mir schon deren Kopf zerbreche, wie diese beiden wohl ?berhaupt die Einreise in den Sonnenstaat schaffen werden, r?cken sie mit der Sprache raus, l?ften endlich das Geheimnis: Sie sind auch Deutsche, eigentlich jedenfalls, und ihre Eltern haben Deutsch in der Schule gelernt, aber sie nicht mehr. -All dies bilde ich mir zumindest ein. Es ist durchaus m?glich, da? der Rotwein sein ?briges dazu getan hat, aber ich habe es bewu?t vermieden, meine aus 3 W?rtern bestehende Polnisch-Kenntnisse an den beiden auszuprobieren („is ja fast wie russisch!“). Gleichzeitig setze ich f?r alle Eventualit?ten des R?ckflugs auf die Todo-Liste, mich wieder daran zu erinnern, was „ich spreche kein Polnisch“ hei?t. Wo die Oper ist, brauche ich jedenfalls sicher niemanden fragen. Wie konnte ich nur so derma?en unvorbereitet auf Reisen gehen?!

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