Ich habe vor einiger Zeit bei einem Contest auf Kwerfeldein, dem sagenhaft guten Digitalfotografie-Blog von Martin Gommel, mitgemacht. In dem Contest ging es um den entscheidenden Moment (persönlich oder technisch) in der Fotografie. Ich hab das dort so dargestellt:

Viele “entscheidende Momente” in der Photographie stehen schon hier. Der entscheidenste Moment für mich allerdings war der Erwerb meiner ersten digitalen Kamera.
Warum? -Ganz einfach: Ab diesem Tage gab es nur noch den vollen Speicherchip oder leeren Akku als natürliche, knappe Ressourcen bei der Ausübung von etwas, das ich heute als eines meiner wichtigsten Hobbies bezeichne. Zu Schul- und Studiumszeiten, wo Geld leider kein nachwachsender Rohstoff ist, habe ich sicher viel zu viele Bilder NICHT gemacht. Die Digitalfotografie hat in diesem Punkt meine Welt für immer verändert: Heute fotografiere ich was ich will, wo ich will und vor allem so oft ich will. Denn ich entscheide, wie oft ich ein Bild vor Ort mache bis es so ist, wie ich es will, und nicht mehr mein Geldbeutel. Der “entscheidende Moment” ist also die Freiheit – und Freiheit dürfte für künstlerisches Schaffen das wichtigste sein.

Der entscheidende MomentGroße Worte, ich weiß. Aber so ist es halt. Tja, und vor einigen Tagen erreichte mich die Nachricht, daß ich gewonnen habe. Ich erinnerte mich schon gar nicht mehr genau daran, denn Alex schickt mir jede Woche mindestens einen Tipp, wo gerade mal wieder grell teure, aber supergute Fachbücher zum Thema Webdesign, Kommunikation oder eben Fotografie verlost werden. Da kann man schon den Überblick verlieren. Umso mehr hat es mich gefreut und echt vom Stuhl gehauen, daß ich dieses affengeile Buch von Joe McNally gewonnen habe, das im Original-Titel “The moment it clicks” heißt, und überall nur extrem gute Kritiken geholt hat. Freu mich schon drauf, damit mein Photoblog wieder mehr hochwertiges Futter bekommt!

Ab in den S?den

Halb 6 auf der Autobahn, gewohntes Bild auf der A61: Ein gelbes Nummernschild nach dem anderen. Alle wollen Sie dahin, wo wir bis eben auch noch hinwollten. Resentiments beiseite, ist ja Urlaub, Holl?nder sind eben auch nur Menschen. Zwar solche, die mit ihren Fahrzeugen, meist v?llig ?berladen und bis an den Rand des Zumutbaren nicht mit Winterausr?stung ausgestattet, aber gut. Doch irgendwann is genug, is einfach mal Schlu? mit der ewigen V?lkerverst?ndigung, dem gelebten Europa ohne Grenzen, denn meine Br?der aus der Nachbarschaft beginnen mir bereits nach km 7 mit ihrem Fahrstil geh?rig auf den Zeiger zu gehen. Xenon im R?ckspiegel, ich mache dem Tiefflieger mit Bonner Kennzeichen schnell mal Platz, aber ein holl?ndischer Familienpappa hat wohl den Ernst der Lage nicht sofort begriffen und setzt zum ?berholen eines Landsmannes an. Der Nachthimmel wird kurz glockenell erleuchtet, zweimal kurz hintereinander blitzt das Xenon-Fernlicht des BMW auf, der linke Blinker wird gesetzt und der Lenker des Familenkombis hat noch eben gef?hlte 2ms Zeit, seine Sippe in Sicherheit zu bringen. Also gut, der Krieg ist er?ffnet, ich setze mich wieder auf die linke Spur und schiebe alles mit gelbem Nummernschild von der Bahn, was mir vor den nicht vorhandenen Bullf?nger kriecht. Deutschland – Holland, und zwar in der dritten Halbzeit wird hier nachgespielt.
Zur Blauen Stunde lasse ich das Hunsr?ck hinter mir, im Radio spielt SWR3 just dazu Summer Wine. G?nsehaut und kein Zweifel, on the Road again. Fast allein auf der Autobahn, die holl?ndische Prozession habe ich schon vor km hinter mir gelassen.
Stunden sp?ter und reichlich Nerven ?rmer, f?hren in der N?he von F?ssen auf einmal fast alle Wege zu den “K?nigsschl?ssern”, den Lust- und Romantikbuden von K?nig Ludwig von Bayern. Neuschwanstein, pl?tzlich steht es vor mir, nat?rlich im vollen Gegenlicht, soda? kein Foto m?glich ist. Man braucht dann nur den ganzen Japanern zu folgen. Oder noch besser denjenigen, die offenbar noch nicht mitbekommen haben, da? ein “P1″ am Ortsrand immer den am weitesten zur Sehensw?rdigkeit entfernten Parkplatz bezeichnet, worauf in aller Regel noch P2 bis P5 folgen. In Hohenschwangau trifft man sie dann alle wieder. Japanische Japaner mit japanischen Kameras fotografieren wie die Weltmeister jeden Stein, bannen so die gesamte Bayerische Kitscharchitektur auf Film Chip. Wenn das Fotografieren Geb?ude abnutzen k?nnte, st?nde da kein Stein mehr auf dem anderen. Ich hab darum auf meinen tourischtischen Obulus verzichtet und nur Schlo? Hochenschwangau abgelichtet, es sah einfach sch?ner aus als das Postkartenmotiv auf der anderen Seite des Berges.
Ein paar Kilometer weiter hat das Elend wieder sein bekanntes Gesicht. Im Stau sind alle gleich. Erstmal, zumindest. Wer sich da abheben will, der kann sich 1,50m neben der Stra?e ins kn?chelhohe Geb?sch schlagen und den hellen Holzzaun nach Herzenslust kreativ bepinkeln. Sieht ja schlie?lich keiner. Kennzeichencheck? -Klar, gelb-schwarz.
Pa?stra?en fahren ist nicht einfach, und in L?ndern, wo es keine Erhebungen ?ber 120m gibt, mu? man es auch nicht gewohnt sein, die Bremse gegen die Hangabtriebskraft einsetzen zu k?nnen. F?hrt man allerdings gern nach ?sterreich zum Skifahren, kann es Sinn machen, sich die einfachen Regeln des Fahrens im Gebirge zu eigen zu machen. Wir erinnern uns: M?glichst gleichm??ig ohne viel zu schalten bergauf, dann im selben Gang die Bremskraft des Motors ausnutzend wieder hinunter. Schont den Motor, die Bremsen, und die Nerven all derer, die kein schwarz-gelbes Nummernschild haben. Doch da wird bergauf geschoben und gedr?ngelt, zum ?berholen angesetzt, um dann festzustellen, da? die PS-Leistung nur in L?ndern, die unter dem Meeresspiegel liegen, reicht. Bergab wird dann das ganze Grauen deutlich: Da wird dank des Kennzeichens der Polo pl?tzlich zum 40-Tonner, besonders dann, wenn es mit Serpentinen nach unten geht. Immer sch?n weit ausholen, damit die ungebremste -im Winter nicht vorhandene- Anh?ngelast auch noch mit rumkommt. Schei? auf den Gegenverkehr, hier bin ich Mensch, hier will ich sein! ?brigens das Grundmotiv der Batavier, wie bereits an zahlreichen anderen Stellen dieses Blogs zu lesen…
Ich seh sie schon vor mir, auf der Piste: Voll mit Heineken und J?germeister (?brigens das einzige wirklich akzeptierte ur-deutsche Getr?nk jenseits der Maas) stochern sie sich gewohnt charmant und zur?ckhaltend talw?rts, sitzen nicht mitten auf der Piste und warten auf die anderen, stehen nicht dumm am Lift im Weg und treten einem nicht auf die Ski. Erfrischend, auch mal andere Holl?nder in der Gondel zu belauschen, die sich zwar philosophisch einer ganz zentralen Frage des Landes n?hern, aber schlie?lich ist ja der Weg das Ziel. Sie befinden, da? Holland ja an sich sch?n ist, es aber noch sch?ner w?re, wenn man Gebirge und -gaaanz wichtig- Gletscher h?tte. Aber nicht zu viele, wegen weil kein Platz. Ja nee Jongens, is klar: Vorm Haus den Strand und im Garten die Berge.

America, Baby!

Nun passiert es also doch noch: Ich werde nach USA reisen. Ich kann gar nicht sagen, was genau das f?r ein Gef?hl ist. Wahrscheinlich ist es so, wie wenn jemand sein Leben lang sagt “ich w?rde nieeeemals einen Opel fahren” und dann einen Vectra als Firmenwagen hingestellt bekommt. Gut, und nun ich in Boston. Boston liegt im Osten haben wir fr?her immer gesagt, und doch mu?te ich die Tage erstmal suchen, wo genau diese pulsierende Metropole ?berhaupt liegt.
Morgen fr?h dann erstmal von K?ln-Bonn nach Heathrow. Dorthin, wo diese Cateringfirma, die British Airways kontraktiert, daf?rt sorgt, da? sich ein extrem besorgter Customer Service Mitarbeiter des Executive Club (zu deutsch Vielfliegerprogramm) sich t?glich bei mir meldet und mich darauf einstellt, da? ich nur aus zwei warmen Gerichten w?hlen k?nnen werde, und die Zweitmahlzeit nur aus einem Deli-Bag (=pappiger Sandwich) bestehen wird. Das mu? man sich mal vorstellen: Nur aus ZWEI warmen Mahlzeiten. Mensch, ich bin wirklich entt?uscht!
Die Lady wird nicht m?de, mich seit einer Woche mit Schauerm?rchen vom Flug gegen die Zeit, der nicht untergehenden Sonne, und der dortigen Einreiseformalit?ten zu qu?len. Hauptsache, die amerikanischen Beh?rden haben meinen Weblog nur fl?chtig gelesen und wissen, da? Ulrike Meinhoff schon tot war, als ich in der von ihr h?chstpers?nlich gegr?ndeten Sch?lerzeitung das Ruder ?bernommen habe. -So Sachen fallen einem dann auf einmal wieder ein…
Dort ist es laut Wetterbericht nun 30 Grad. Celsius! Egal, noch bin ich drin in dem Wetter, das wird schon schiefgehen. Schade ist nur, da? ich bei so einem Traumwetter im Konferenzsaal eines Hotels zwei Tage lang an einem Seminar teilnehme und nicht die Stadt abmarschiere und jeden Stein fotografiere, wie ich es sonst tue. Dinge ?ndern sich offensichtlich. Aber immerhin schlie?e ich damit eine weitere L?cke auf der Landkarte der bereisten L?nder.
Wenn ich dann Freitag nach einem Termin mit einem Texter den R?ckflug antrete, bin ich hoffentlich um einige Eindr?cke und Wissen reicher, und nicht um noch mehr Erk?ltung und Halsweh, als die, die ich morgen mit auf die Reise nehme. Wenn ich zur?ck und vom Jetlag erholt bin, gew?hlt und ausgeruht habe, werde ich von Boston berichten, und auch, warum ich diese Woche so meinen Spa? mit 27450 Emails hatte.

Wie 500 qm Rollrasen

Bevor ich gestern Morgen die Firma betrat, mu?te ich zun?chst die letzte Stufe der Au?enarbeiten durchqueren. Seit Wochen wird da wie wild gebuddelt und gegraben, geacktert und gerodet, und das alles nur aus einem Grund: Hinwegt?uschen ?ber ein marodes Geb?ude aus den 60ern. Als n?chstes kommen sicher noch die Maler, die pinseln dann alles zu und schaffen neuen Glanz auf br?ckelndem Untergrund. Gestern Abend dann, als ich die Firma wieder verlies, war ich zun?chst unsicher, was da mit dem Garten nicht stimmen k?nnte, denn irgendwas hat mich sehr irritiert. Auf den zweiten Blick war es dann klar, die braune Ger?ll- und Erdw?ste war verschwunden und gegen saftig-gr?nen Rollrasen getauscht worden. -Ich find das ja die gr??te Erfindung der Menschheit; was dem Webdesigner sein Stylesheet, ist f?r den Gartenarchitekten der Rollrasen.
Ich glaube, manch einer w?rde sich so einen Rollrasen-Effekt f?r seinen Gesch?fts- und Wirkungsbereich w?nschen. So h?tte sicherlich der Papst Interesse daran gehabt, den ?ber 1 Million mehr-oder-weniger Gl?ubigen einfach seinen Glauben wie ein T-Shirt ?berzuziehen. Denn wie gl?big und fromm die meisten da waren, haben wir uns ja hier live und in Farbe jeden Tag reinziehen k?nnen. Ohne Worte! Mensch, was war das ein Terror hier, ich konnte diese j?mmerlichen blauen Rucks?cke, die irgendwer an diesen fahnenschwenkenden J?ngern befestigt hatte, schon echt nicht mehr sehen. “Beeeee-ne-det-tooo” – jo, is gut jetzt. Die Herzdame hatte ja wenigstens das zweifelhafte Gl?ck, das Kirchenoberhaupt in ihrer Mittagspause direkt vor der Haust?r in seiner Ingolst?dter S?nfte in nur wenigen Metern Entfernung bewundern und fotografieren zu k?nnen – eine Sache, wo sich hunderttausende Weltjugendtagsbesucher wohl die Haare gerauft h?tten, schlie?lich haben die doch kilometerlange Fu?m?rsche zu einem ?den Kartoffelacker ohne flie?end Wasser und mit westf?lischer Dosenwurst ?ber sich ergehen lassen, nur um dann zu erfahren, da? das Papamobil doch nicht ?ber den Weg in ihrem Planquadrat f?hrt, in dem sie seit 42 Stunden in der ersten Reihe kampierten und Havanagila sangen.
Oder man nehme die anstehende Wahl, bei der ich nun als frisch angemeldeter Bonner schon hier mein Kreuzchen machen darf. Bis gestern wollte ich noch die Bibeltreuen Christen w?hlen, bin aber dann doch wieder davon abgekommen, weil die meine Interessen eher schlecht vertreten k?nnen, wie mir bei einem Blick auf deren Wahlprogramm aufgefallen ist. Au?erdem bin ich ja bei deren Dachverband kein Member mehr, also spar ich mir das. Oder liegt es blo? daran, da? ich bei deren Namen immer erst an irgendwelche Pestizide denke? Ach, egal. Aber was sonst w?hlen? -Ich bin ja weit davon weg, die gegenw?rtige politische wie wirtschaftliche Lage am Benzinpreis zu fixieren, aber irgendwie wei? ich als interessierter und verantwortlicher B?rger nur eines: Alle wahlk?mpfenden Parteien sagen nur, was die SPD alles schlecht gemacht hat, und was ihre Partei besser machen wird, und warum man nicht die anderen w?hlen soll. Bis dahin alles klar, das ist Gesch?ft. Was mich blo? in diesem speziellen Wahlkampf stutzig macht, ist, da? Schr?der sich aus dem Wahlk(r)ampf weitestgehend raush?lt und nur sagt “ich will Kanzler bleiben, oder nicht”. Seltsam. Aber, ganz unter uns: Mit nur 25% Steuer s?he meine Gehaltsabrechnung wesentlich sportlicher aus… Aber es mu? ja was getan werden in diesem unseren Lande. Also Rollrasen, sag ich nur, einfach dr?bber, alles unbequeme untendrunter kehren, schlie?lich st?rt sich auch keine Pflanze an dem Mist, aus dem sie sich n?hrt. Neuanfang, bl?hende Landschaften, zweitens Wirtschaftswunder… herrlich… Superbenzin bei 1.42….