Schnitzelhausen und 1,3fache Diskriminierung
Geschrieben in Weblog am 20. Januar 2004 Kommentar »
Am Sonntag fuhr ich mit Anke, Tina und Johannes nach “Schnitzelhausen”. Das ist ein Bamberger Synonym f?r das Kaff Zeegendorf, das nichtmal in meiner ADAC-Karte der Fr?nkischen Schweiz eingezeichnet ist. Wer schonmal da war, wei? dann auch warum: Dieses Dorf hat nur eine Attraktion, und das sind die Schnitzel in der einzigen Gastst?tte am Platz. Wer sich das Bild links mal aufgemacht hat, dem sei gesagt, da? dies ein original-Abbild eines 6Euro20-Essens ist: 2 saftige, goldbraune Fleischlappen von unversch?mter Gr??e, Zitronenachtel und Pommes, dazu reicht die Wirtin gr?nen Salat, in dem sie Alibi-”Fittamiiiene” verspricht. Tolle Sache, vor allem, weil das gute Kellerbier zum Runtersp?len auch noch nur 1.60 pro halbem Liter kostet. -Franken wird mir fehlen, allein schon aus dem Grund, da? das Wort Cholesterin hier gar nicht zu existieren scheint…
Gestern hat sich Franken endlich mal in sein Winterkost?m gest?rzt, und das aber richtig. Es hat den ganzen Abend geschneit, und das Resultat waren gute 4 cm knackiger Schnee. Das tollste am Winter hier ist aber, da? man ihn hier gewohnt ist. Hier wird nicht beim ersten Schneekorn wie bescheuert gesalzen, und hier haben die Leute einfach alle Winterreifen und k?nnen dementsprechend fahren. Wo ich gerade von fahrerischem K?nnen rede: Mir f?llt dazu nur immer die Karawane Holl?nder ein, die damals am Tag unserer Ankunft in Gastein, als der Ort fast im Schnee erstickte, mit Sommerreifen unterwegs waren und das auch noch lustig fanden, da? sie nicht mehr vor und zur?ck kamen… -Aber ich komme vom Thema ab.
Gestern mu?te ich an zwei Lehrst?hlen die Hosen runterlassen. Farbe bekennen. Nun ja, irgendwann mu? man mit den Leuten reden, und da ist es eben aufgefallen, da? ich etwas zu fl?ssig deutsch spreche f?r einen “normalen” Ausl?nder. Also mu?te ich es wohl klarstellen, da? ich hier in besonderer Mission t?tig bin. Der erwartete ?rger und Umstand deswegen, den ich schon von den kleingeistigen Pappnasen in der Hauptverwaltung her kannte (und erlichgesagt durchaus bef?rchtet hatte) blieb aber aus. Stattdessen lediglich der freundliche Hinweis, da? ich dann eben nur die gew?hnliche Klausurenzeit von 1 Stunde zur Verf?gung habe. Bitte, kann ich mit leben. Es ist mir echt zu viel M?he, den Herren und Damen zu erkl?ren, da? dieser angebliche Vorteil der Muttersprache in meinem Fall echt auf das reine Verstehen und die orthographische wie grammatikalische Richtigkeit meiner Ausf?hrungen eindampft, weil ich 95% der Fachsprache auf deutsch nunmal nicht beherrsche. Meine Studiensprache ist nunmal Englisch, so wie sie bei einem Franzosen franz?sisch ist. Diskriminierung ist ein gro?es Wort, allerdings hat das ganze auch mit Gleichberechtigung wenig zu tun. Denn unsere Osteurop?er oder die Els?sser wohnen so dicht an der Grenze und haben sogar ne deutsche Oma, da? sie mit Sicherheit mehr Deutsch k?nnen, als der Spanier aus Pamplona, der eigentlich unter dem Strich gar nischt versteht. Und dann ich, der Deutsch kann, aber sein Fach nie auf Deutsch gelernt hat. Hmmm. Mindestens schwierig und deshalb eine Denksekunde l?nger wert, ob ich nach 60min abgeben mu?, wenn sich der Sudetendeutsche kaputtlacht, weil er sich mit seinem Akzent 30min extra Pr?fungszeit erkauft hat.
Immerhin hab ich unabh?ngig davon ein wahres Erfolgserlebnis gehabt, was sich sehen lassen kann und erheblich das Self-image poliert: eine 1,3 in Konsumentenverhalten.! H?tte ich nie gedacht, da? ich einmal an einer bayerischen Hochschule mit hessischem Abitur die beste Scheinklausur schreiben w?rde. Bin nicht ganz unstolz dar?ber! Mensch, wann hab ich denn die letzte 1 geschrieben? -Das mu? in der Oberstufe gewesen sein, so lange ist das schon her, da? es fast ein ungewohntes Gef?hl ist, eine Klausur mal nicht “geradeso” zu bestehen. Daran sieht man einmal mehr, was mit dem Banner “In Maastricht leer je je grenzen te verleggen”, der eingangs meines Studiums in der Lecture Hall prangte, gemeint war! Fairerweise mu? man nat?rlich im Anschlu? an das Thema von eben sagen, da? die Konkurrenz schwach war, aber sich auch nicht kampflos ergeben hat. Ob ich allerdings an so einen Erfolg in den kommenden Klausuren ankn?pfen kann, ist angesichts der zu bew?ltigenden Menge stark fragw?rdig.
Am Dienstag hatte ich ja wie gesagt meine Pr?fung. Nein, falsch, ich hatte Euch werten Lesern geschrieben, sie sei Donnerstag, aber das wurde nochmal sehr spontan revidiert. Ein Gl?ck nur, da? ich zuf?llig am Lehrstuhl die Aush?nge gelesen hatte, sonst w?re ich zum urspr?nglichen Termin angetreten. Wie es war? -Nun, es war ja eine Klausur f?r die “ausl?ndischen” Studierenden, doch hatte selbst ich als Muttersprachler Probleme, das Pensum in der vorgegebenen Zeit zu schaffen. 14 Aufgaben auf 10 Seiten und “fill the whitespace”-Aufgabenstellung. Ich hab geschrieben wie ein Weltmeister. Die Aufgaben waren gr??tenteils Killefitz, hatte ich mir doch intensiv die Modelle von Howard und Sheth oder Miniard reingeballert. Nix von dem kam dran! Daf?r aber viel zu viel von dem Trivialwissen, von dem ich weniger schreiben konnte, als ich wu?te. Nun, so blieben leider 3 Unteraufgaben unbearbeitet, aber was soll’s. Das war ein astreiner Homerun, und das ist gut so!
Wie ist es eigentlich f?r berufst?tige Ehepaare, auf der Heimfahrt aus dem verl?ngerten Wochenende Sonntag Abend mit zwei qu?ngelnden Kindern und mit leerem Magen und voller Blase um halb neun auf der A3 in einem 30 km langen Stau zu stehen? -W?rde mich mal sehr interessieren, denn dieses Szenario spielte sich auf der Gegenspur heute auf meiner Heimfahrt ab.
Nachdem ich geduldig die fast drei Stunden auf der Autobahn in meinem f?r dieses Fahrwerk hoffnungslos ?berladenen Audi ertragen hatte, erreichte ich nach ca 290km durch (meist) reizvolle Landschaft und perfektem sp?tsommerlichen bzw fr?hherbstlichen Wetter Bamberg, das F?rstenbistum an der Regnitz.